Auf Kuchensuche in Hitzacker

Hitzacker.
Ein Freitag Nachmittag Anfang September. Ich bin in Hitzacker. Es regnet leicht, es hat sich abgekühlt – ein herbstlich wirkender Tag. Erste Blätter sammeln sich auf Straßen und Gehwegen. Nur wenige Menschen sind unterwegs. Ich schaue in das erste Café – das Café Knigge. Steht außen an der Fassade. Das Café Knigge kenne ich noch aus meiner Kindheit – ein traditionelles Café mit gedeckten Tischen und einem großen Angebot an Sahnetorten. Verwandte der ehemaligen Besitzer haben ein ähnliches, sehr gut besuchtes  Café im Zentrum von Bremen – eben auch „Café Knigge“.

Ein Eisanbieter hat sich in Kooperation mit dem Café eingerichtet: ein „Eisdieler“. Das Wortspiel finde ich witzig. Ein Dealer, der Eis statt Drogen verkauft…Passt in die heutige Zeit und macht deutlich, dass sich die Zeiten auch in Hitzacker gewandelt haben.

Gegenüber dem Café Knigge bietet ein Imbiss mit dem Namen „Istanbul“ orientalische Kost an.

Ich habe jedoch Lust auf Kuchen und Kaffee. Im Café Knigge gibt es leider nur noch zwei verschiedene Kuchensorten, die mir nicht zusagen. Dann noch Zwiebelkuchen vom Blech. Der sieht wirklich gut aus – aber für mich nicht zum Nachmittagskaffee.

Ich gehe also weiter und treffe noch auf ein italienisches Eiscafé. Wegen des Wetters haben sie die Außenmöblierung reingenommen, und auch wegen des Wetters habe ich keinen Appetit auf italienisches Eis. Im letzten Sommer habe ich dort übrigens ein phantastisches Eis probiert. Nur zu empfehlen!

Gegenüber versuche ich es in der Drawehnertorschänke, denn außen weist ein Schild auf „Kaffee und Kuchen“ hin. Ein jahrhundertealtes Gebäude direkt an der Jeetzel. Sogar der König Willem von den Niederlanden soll hier – noch als Prinz – vor einigen Jahren schon einmal eingekehrt sein. Auf einer incognito Reise nach Hitzacker, der ja der Geburtsort seines Vaters ist und in dem sein Vater seine Kindheit verbracht und wohl sicher auch in der Drawehnertorschänke Eis oder Kuchen gegessen hat. Oder eher ein Bier getrunken hat?

Vor der niedrigen, offenen Eingangstür empfängt mich eine schwarz-weiße Katze und schmeichelt um mich herum. Sie will in den Gastraum. Nur wo ist er? Die Tür geradeaus oder die Tür rechts? Ich versuche es mit der Tür rechts.

Im Gastraum sitzt ein Ehepaar vor eben Kaffee und Kuchen. Es ist sehr still hier. Das Ehepaar spricht nicht zusammen, und ich höre kein Geschirrklappern, keine tickende Uhr, einfach gar nichts. Ich suche – vergeblich – einen Tresen oder genauer gesagt, jemanden, den ich ansprechen und nach Kuchen fragen kann. Vielleicht die zweite Tür gegenüber vom Eingang? Ich gehe zurück, aber diese Tür ist verschlossen. Also wieder zurück in den Gastraum. Dort kommt mir die Wirtin entgegen. Ich frage sie nach Kuchen, und sie teilt mir mit, dass sie zwei verschiedene Kuchensorten im Angebot habe. Aber ich habe weder Appetit auf Apfel- noch auf Pflaumenkuchen. Also wieder raus. Bin ich zu anspruchsvoll? Oder sagte mir die Atmosphäre nicht zu?

Weiter die Straße rauf gibt es gleich drei  Cafés links und rechts. Das eine Café hat sich auf Bio, Vollwert und dergleichen spezialisiert. So weit bin ich noch nicht entwickelt.

Im nächsten kleinen Café sind alle Tische besetzt. Offenbar gibt es hier was Gutes. Aber es ist – sichtbar auf einem kleinen Tisch in der Raummitte – nur noch eine Kuchensorte da. Auch nicht meins.

Endlich: gegenüber ein Café einer Bäckerkette. Vielfältiges Kuchenangebot, gemütliche Einrichtung: Sofas, Sessel. Hier lasse ich mich nieder.  Weil mir der Kuchen so gut schmeckte, schlage ich über die Stränge und bestelle gleich noch einen von der gleichen Sorte: Baiser auf Rührteig mit Rhabarber.

Ein Spaziergang in Hitzacker – eine „kleine Stadt mit großem Charme“

Wieder auf der Straße schaue ich mir die Beschreibung verschiedener Häuser auf den Schildern an.

Alte Fotos zeigen, wie das jeweilige Haus vor vielen Jahrzehnten oder gar vor hundert Jahren einmal ausgesehen hat. Leicht erkennbar: in früheren Zeiten war die Fassadenpflege wohl nicht so wichtig. Heute sind die meisten Häuser in einem gut restaurierten Zustand, mit viel Sorgfalt wurden Farben für Türen und Fenster ausgewählt. Und irgendwo wird immer restauriert, arbeiten Handwerker, stehen Baustoffe vor dem Haus…

Hitzacker liegt nahe der Elbe und ist mehrfach von Überschwemmungen betroffen worden. Zuletzt im Jahr 2006 waren viele Straßen der Altstadt überflutet und haben Häuser beschädigt.

Daher hat die Stadtverwaltung eine Schutzmauer gegen den Fluss errichten lassen. Konnte man vor einigen Jahren von der Altstadt aus noch direkt an den Fluss treten, findet man jetzt eine Mauer mit davorliegender Promenade vor. Im Jahr 2014 ist die Promenade feierlich in Anwesenheit der ehemaligen Königin der Niederlande, Beatrix, eingeweiht worden.

Unter Bezug auf den berühmten Sohn der Stadt, der mit der Königin von den Niederlanden verheiratet war, erhielt die Promenade den Namen „Prinz-Claus-Promenade“. Prinz Claus hat seine Heimatstadt einmal als „kleine Stadt mit großem Charme“ bezeichnet.

Rechts hinter der Promenade liegt eine kleine Marina. Die nahe Elbe sorgt dafür, dass auf den Straßen Hitzackers Skipper, Kapitäne und Seeleute mit blauer Kleidung und den typischen Mützen gemeinsam mit kreischenden Möwen eine leicht maritime Atmosphäre verbreiten.

Natürlich gibt es auch Fischer, deren Fänge in den Restaurants angeboten werden. Zum Beispiel im Restaurant „Die Inselküche“ am Hafen, dessen großes Außenfenster und die Außenterrasse Blicke auf die Elbe mit den vorbeifahrenden Schiffen und den schaukelnden kleinen Jachten im Hafen ermöglichen.

Einige kleinere Läden mit kunsthandwerklichen Angeboten bereichern das Städtchen mit dem Gefühl, hier etwas Besonderes vorzufinden. Kleinere Touristengruppen schauen herein, kaufen hier einen Schal, dort eine handgetöpferte Fahrradvase zum Andenken.

Insgesamt strahlt das Städtchen Ruhe aus – ein Ort für Menschen, die ein Bedürfnis nach Entschleunigung haben. Wegen der Kopfsteinpflaster in der Altstadt kann man hier sowieso weder schnell gehen noch schnell fahren.

Außerhalb der Altstadt existieren natürlich auch Asphaltstraßen! Auf denen kann man zum Beispiel zum See fahren. Am See bei Hitzacker gibt es mehrmals im Jahr einen interessanten Flohmarkt. Auch ein Archäologisches Zentrum mit einem prähistorisch ausgerichteten Freilichtmuseum ist für kulturell Interessierte sehr sehenswert.

Weintrinker und -kenner sollten einmal den Wein Hidesacker Weinbergströpfchen probieren – geerntet von den Rebstöcken am Weinberg !

Aber – wie ich erfahren habe – kann gar nicht jedermann in den Genuss kommen, da die Anzahl der Rebstöcke und daher auch die Weinmenge sehr begrenzt ist und die Weinflaschen nur an wichtige Menschen verschenkt werden …

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