Kürbismarkt in Platenlaase

Platenlaase, 26. September 2017.
Platenlaase als Ortsteil der Gemeinde Jameln ist ganz schön rührig. Im Allgemeinen verbindet man im Wendland mit „Platenlaase“ das Café Grenzbereiche, in dem vielfältige kulturelle Veranstaltungen – vom Kinoabend über das Rockkonzert bis zu afrikanischer Trommelgruppe und Salsatanzabend – stattfinden. Aber in Platenlaase wird auch jedes Jahr Ende September zur Erntezeit der „Kürbismarkt“ als sozialer Treffpunkt und besonderer Markttag mit rein regionalen Erzeugnissen abgehalten. Der Eröffnung des Markttages voraus geht stets ein Gottesdienst.

Gestern war ich in Platenlaase. Orangefarbene Luftballons an den Zäunen machen auf den Kürbissonntag aufmerksam. Rechts und links neben der Bundesstraße parkende Autos lassen ahnen, dass ich nicht die erste bin. Immerhin ist es schon 12 Uhr. Die ersten Besucher, teilweise mit gekauften Kürbissen in der Hand, kehren zu ihren Autos zurück. Am Vormittag hat es leicht genieselt, aber nun ist es trocken. Rechts an der Straße öffnet sich ein großzügiger Platz mit lauter Ständen.

Vorherrschende Farbe: orange, aber auch rosa und pink und gelb. Denn neben Verkaufsständen mit kleinen und großen Kürbissen verschiedenster Sorten und Farbnuancen werden Herbstpflanzen wie Erika, Chrysanthemen, Astern und Heide angeboten.

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Auch handgebundene Gebinde und Kränze mit diesen bunten Herbstblumen sind ausgelegt.

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Wer mehr auf kulinarische Genüsse aus ist, kann hier Kürbiswein oder Kürbis-Pro Secco erwerben.

Oder in eigener Bienenzucht produzierter Honig verschiedener Geschmacksrichtungen – je nachdem, welche Blüten die Bienen jeweils angeflogen haben – Wildblumen, Raps oder Lindenblüten?

Kartoffeln gab es natürlich auch im Angebot, vom Kartoffelhof Schulze im Ort.

An einem Stand bietet eine junge Frau Holundersaft sowie Marmelade und Gelee in liebevoll dekorierten Gläsern an, von Johannisbeeren über Apfel bis Brombeeren sind vielfältige Fruchtsorten verarbeitet worden, und zwar alles von ihrer Mutter.

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Nebenan riecht es nach Räucherfisch: frisch aus dem Räucherofen gibt es Forelle, vom Standinhaber selbst gefangen natürlich.

Schräg gegenüber sitzt ein Korbflechter neben handgeflochtenen Weidenkörben. Mein Opa hat diese Kunst auch ausgeübt, und zwar an den Winterabenden, wenn auf dem Hof weniger zu tun war. Die Körbe wurden täglich benutzt, zum Obstsammeln, für Brennholz oder zur Aufbewahrung von Nüssen usw.

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Etwas weiter bietet eine Frau auch handgestrickte Socken und Kinderkleidung an, außerdem gehäkelte Topflappen.

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Tischdecken mit einer Borte aus Filethäkelei gibt es schräg gegenüber. Wer schon mal selbst Filethäkelei betrieben hat, weiß, wie viel Mühe und Zeit in so einem handgearbeiteten Teil steckt.

An einem anderen Stand strickt eine Frau mit dicker, handgesponnener Wolle und einem Gerät aus Holz – statt Stricknadel – eine Kissenplatte. Es ist Ute Luft, die aus der Wolle ihrer Schafe dickes Garn spinnen lässt. Um es zu verstricken, hat ihr Mann ein Gerät aus Holz gebaut, mit dem man – ähnlich wie bei einer „Strickliesel“ – das dicke Garn verstricken kann, indem man eine Masche über die andere hebt. Das geht besser als mit dicken Stricknadeln. Ute Luft und ihr Mann, die in Weitsche einen Hof betreiben,  vermarkten ihr XXL-Garn unter dem Namen „elbwolle„.

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Auch ein Stand mit Pommes und Bratwurst darf nicht fehlen.

Der THW mit einem schweren Fahrzeug ist neben den Ständen präsent, und junge THW-Mitglieder in Uniformen essen auf Biergartenbänken.

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Ebenfalls junge Menschen – Konfirmanden – verkaufen an einem Stand ganze Brotlaibe – selbst am Morgen gebacken, mit Unterstützung durch einen Bäckermeister.

 

Dies im Rahmen der bundesweiten Aktion „5000 Brote – Konfis backen – Brot für die Welt“.

In Richtung Ausgang komme ich noch an Angeboten aus Eisen vorbei: Gartenschmuck und Feuerschalen.

Für den Nachmittag ist ein Wettbewerb angekündigt: wer hat den schwersten Kürbis? Eine alte Hofwaage steht dafür bereit. Leider kann ich das Ergebnis nicht abwarten. Aber in der Zeitung lese ich heute: der schwerste Kürbis brachte 60 Kilogramm auf die Waage!

Auf dem Rückweg zum Auto fallen mir noch mehrere authentisch erhaltene alte Fachwerk-Bauernhäuser auf.

 

Auf einem steht dieser Spruch: „Daß schönste Waggen auf der Welt ist der Pflug im Ackerfeld“.

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Dazu fällt mir eine Fernsehwerbung  ein, in dem ein Junge vom Lande sagt: „Bauer ist der wichtigste Beruf.“ – Hier in Platenlaase auf dem Kürbismarkt war jedenfalls alles, was angeboten wurde, von regionaler Herkunft: durch eigener Hände Arbeit erwirtschaftet und gefertigt.

Kommt doch nächstes Jahr auch einmal vorbei! Immer der letzte Sonntag im September! Durch Platenlaase kommt ihr automatisch durch, wenn ihr von Richtung Lüneburg aus nach Lüchow fahrt.

 

 

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