Fachkräfteagentur Wendlandleben unterstützt Rückkehrwillige und Ansiedlungsinteressenten im Wendland bei Job- und Wohnungssuche

Lüchow.
Probewohnen im Wendland, Unterstützung bei der Jobsuche, kommunikative Vernetzung, Informationszentrale, Nachfolger-Suche für Betriebe – die Agentur Wendlandleben hat sich viele Aufgaben gesetzt, um dem demografischen Wandel im Landkreis Lüchow-Dannenberg entgegenzuwirken. Lüchow-Dannenberg im nordöstlichen Niedersachsen ist mit etwa 50.000 Einwohnern bei 1.220 Quadratkilometern Fläche – das sind etwa 41 Einwohner je Quadratkilometer – der am dünnsten besiedelte Landkreis innerhalb der alten Bundesländer. Der ältere Bevölkerungsanteil überwiegt, die jungen Leute zieht es in die Städte. Dieses Problem betrifft viele ländlich geprägte Gegenden in Deutschland. Der Landkreis Lüchow-Dannenberg, auch als Wendland bekannt, versucht nun, durch verschiedene Maßnahmen dem Bevölkerungsschwund und damit einhergehend dem Fachkräftemangel in der strukturschwachen Region abzuhelfen.

Zunächst als „Willkommensagentur“ bezeichnet, hat sich die erst im Februar 2017 gegründete und seit Mai personell vervollständigte Agentur kürzlich in „Wendlandleben“ umbenannt. Wendlandleben mit zwei angestellten Mitarbeitern plus einer Honorarkraft  ist ein im Rahmen der Allianz Fachkräfte für Nordostniedersachsen durch den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördertes Projekt des Landkreises über 24 Monate mit Option auf Verlängerung und stellt in Westdeutschland die erste professionell arbeitende „Werbeagentur für Rückkehrer“ dar, so die Projektleiterin Sigrun Kreuser.

Im Wendland Geborene, die aus verschiedenen Gründen den Landkreis verlassen haben, zum Beispiel wegen eines Studiums/Ausbildungsplatzes, sollen möglichst zur Rückkehr bewegt werden. Andererseits möchte Sigrun Kreuser zusammen mit ihrem Mitarbeiter Arne Schrader erreichen, dass sich Menschen, die zwar nicht im Wendland geboren sind, aber doch schon Kontakte im Wendland haben, sei es über Freunde oder durch Urlaubsaufenthalte, sich hier ansiedeln. Und schließlich sollen die Ansässigen auch dazu gebracht werden, dazubleiben.

Die Aufgabe der beiden ist es nun, konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Dazu steht ihnen ein umfangreiches Netzwerk zur Seite, teilweise – die Wege sind kurz – im gleichen Gebäude.

Gleich hinter der nächsten Tür befindet sich die Wirtschaftsförderung des Landkreises, die auch Unternehmensberatungen durchführt.

Schräg gegenüber hat die Klimaschutzleitstelle, die sich u.a. über die Mobilitätsverbesserung im Landkreis Gedanken machen soll, ein Büro.

Zudem sitzt gegenüber gleich die Vorgesetzte von Kreuser, Renate Ortmanns-Möller, die die Aufgabe hat, für Regionale Entwicklungsprozesse Fördermittel zu akquirieren, denn der Landkreis darf sich nicht weiter überschulden.

Ein Stockwerk tiefer hat die Grüne Werkstatt Räumlichkeiten. Die Grüne Werkstatt ist eine Art Kreativitätsschmiede, die u.a. auch diverse Designcamps mit Studierenden verschiedener Universitäten organisiert.

Inzwischen haben schon über 40 Beratungsgespräche stattgefunden. Anonymisierte Bewerbungen wurden von der Agentur an interessierte Firmen weitergegeben, sodass Bewerbungsgespräche ermöglicht wurden. Offene Stellen konnten besetzt werden. Familien wurden bei der Wohnungssuche unterstützt.

Erfolgreich war die Agentur auch insbesondere bei der Suche nach dringend benötigten Pflegefachkräften und weiterem Personal im Gesundheitsbereich. Ebenso wurde eine Ausbildungsmesse für die Orientierung von jungen Leuten beim Übergang von der Schule in den Beruf mitorganisiert.

Ganz wichtig sind für Sigrun Kreuser und Arne Schrader die Hervorhebung der Transparenz für alle Rückkehrer und Neubürger und das Aufzeigen der Vorteile, im Landkreis zu leben. Im Wendland sind vielfältige Organisationen aktiv, es gibt ein großes Freizeitangebot, offene Stellen für Fachkräfte – das alles soll auf der Webseite der Agentur, die sich noch im Aufbau befindet, gesammelt und transparent dargestellt werden, um die Orientierung zu erleichtern.

Ebenso gilt es, bei „Ausgewanderten“ Heimatgefühle zu erzeugen und Neubürger wirklich „willkommen“ zu heißen, zum Beispiel durch Willkommensschreiben, Begrüßungsgeschenke oder eine Einladung zu einem Kennenlerntag.

Auch sollen regelmäßige Treffen für Alt- und Neubürger Kontaktaufnahmen erleichtern. Der Gedanke des „Probewohnens“ muss erst noch weiter geprüft werden. Die Idee war, dass Menschen, die vielleicht schon einen Arbeitsplatz haben, aber noch keine Wohnung, erst einmal eine zeitlich begrenzte Unterkunft bei Vermietern bekommen, die sie dann aber auch kommunikativ  begleiten und beim Eingewöhnen unterstützen.

Hauptaufgabe der Agentur ist zunächst einmal, sich selbst bekannt zu machen, damit Interessierte dann auch wissen, dass sie sich an diese Unterstützungsorganisation wenden können. Dazu wird die Webseite weiter ausgebaut, Social Media Kanäle werden genutzt, Multiplikatoren aktiviert, Zeitungsanzeigen geschaltet, und die Agentur präsentiert sich auf verschiedenen Märkten, Festen und sonstigen Veranstaltungen.

Das Plakat von Wendlandleben zeigt ein Bushäuschen vor der weiten Landschaft des Wendlands und das Logo, nämlich die Umrisse des Landkreises:

Agentur_Wendlandleben_Bushäuschen-2

(Foto: Nicole Servatius/GrüneWerkstattWendland)

Zur Fachkräftesuche siehe auch hier.

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