Gemeinschaftliches Wohnen auf dem Lande

Lüchow.
Am Freitag, den 17. November um 17.00 Uhr fand im Gildehaus Lüchow eine Veranstaltung zum Thema Gemeinschaftliches Wohnen auf dem Lande statt. Veranstalter waren die Klimaschutzleitstelle des Landkreises Lüchow-Dannenberg, die Grüne Werkstatt mit Sitz in Lüchow, das Seniorenservicebüro der Gesundheitsregion Landkreis Lüchow-Dannenberg sowie die Fachkräfteagentur Wendlandleben, die der Wirtschaftsförderung des Landkreises angegliedert ist.

Diese Veranstalter hatten jeweils unterschiedliche Interessen in Verbindung mit dem Leitthema: die Klimaschutzleitstelle sieht ein Ziel des Klimaschutzes und davon abhängig der Reduzierung des Energieverbrauchs darin, mehr Menschen in die überwiegend großflächigen Häuser gerade in den Dörfern zu bringen, statt große Wohnflächen durch einzelne Personen zu besetzen, wie es im Zuge des demografischen Wandels nun immer mehr vorkommt. Kinder ziehen aus dem Haus aus, ein Ehepartner verstirbt, und das Haus verbleibt einer einzelnen Person, die eben auch heizen muss. Die Grüne Werkstatt wiederum möchte gerade mehr junge Leute in den Landkreis holen, um der Überalterung entgegenzuwirken,  und das Wohnungsangebot für junge Leute zahlenmäßig erhöhen und qualitativ attraktiver machen. Die Fachkräfteagentur Wendlandleben interessiert sich für das Wohnungsangebot für dringend benötigte Fachkräfte mit ihren Familien. Das Seniorenservicebüro möchte wiederum das Wohnen im Alter in den Fokus rücken.

Es war bereits die zweite Veranstaltung mit diesem Thema im Jahr 2017. Die erste fand im Ostbahnhof Dannenberg statt. Auch diesmal war der Zuspruch wieder hoch. Geschätzte 200 Interessenten füllten den Saal, wobei zwar überwiegend ältere Leute gekommen waren, aber nicht nur. Auch viele junge Paare mit kleinen Kindern waren dabei.

Vier Kurzvorträge brachten den Zuhörern das Thema nahe. Manfred Ebeling, ein echter Wendländer auf einer jahrhundertelang in Familienbesitz befindlichen Hofstelle, berichtete von seinen Erfahrungen, die er durch den Zukauf eines Nachbargrundstücks samt Haus und den Ausbau dieses und seines selbst bewohnten Hauses gesammelt hatte. Das Nachbarhaus baute er aus und vermietete es an jüngere Leute. In seinem Haus lebt er zurzeit noch mit seiner Frau auf mehr als 550 qm alleine, plant aber, die bereits ausgebaute Ferienwohnung langfristig zu vermieten.

Manfred Haacke arbeitet bereits seit 1975 beim Landkreis und ist inzwischen Leiter des Fachdienstes Bauordnung, Immissionsschutz und Denkmalpflege. Rhetorisch fragte er gleich zu Beginn seines Vortrags „Hat das Landleben eine Zukunft?“ und gab gleich als klare Antwort ein lautes „Ja!!“. „Das Dorf als Siedlungsform hat Kriege, Naturkatastrophen und auch Genehmigungsbehörden überstanden“, sagte Haacke, und nahm mit diesem Satz schon mal die größten Ängste von potentiellen Investoren. Genehmigungsverfahren seien sperrig, aber es gäbe immer Beurteilungsspielräume. Der Landkreis ist an der Erhaltung der Bausubstanz jahrhundertealter Gebäude interessiert, und so verfährt die Baubehörde doch recht großzügig mit Baugenehmigungen. Sofern man unsicher ist, sollte man, bevor eine Bau- bzw. Ausbaumaßnahme ergriffen wird, eine Bauvoranfrage stellen.

DSCN0823

Dann berichtete eine Abgeordnete des vom Wohnprojekts „Mittendrin Leben e.G.“ von ihren Erfahrungen mit Gemeinschaftlichem Wohnen auf dem Lande. Die eingetragene Genossenschaft gehört nicht zum Landkreis Lüchow-Dannenberg, sondern zum Landkreis Lüneburg und befindet sich in Dahlem – Harmstorf in der Nähe von Dahlenburg gegenüber vom Café Himmelhof.

Auf der Hofstelle leben derzeit 11 Genossinnen und Genossen im Alter von 21 bis 83 sowie einigen Kindern im Alter zwischen 0 und 3 Jahren. Das Grundstück für das Wohnprojekt wurde von der Stiftung Trias gekauft. Jeder Genosse/jede Genossin hat nur je Genossenschaftsanteile, aber keinen Privatbesitz am Grundstück und den Gebäuden. Bei der Gründung der Genossenschaft unterstützte der Zentralverband der Konsumgenossenschaften. Außer den 11 Bewohnern gibt es noch 16 weitere Mitglieder in der Genossenschaft, die finanziell unterstützen. Darüber hinaus sind noch weitere Gruppen an der Genossenschaft interessiert, die z.T. investieren, z.T. auch nur an den Aktivitäten teilnehmen. Viele Anwärter interessieren sich für das Projekt und beschnuppern es. Es wird beständig weiter auf der Hofstelle gebaut. Dafür wurden Darlehen bei der KfW und der GLS-Bank aufgenommen.

Für kulturelle Aktivitäten wurde innerhalb der Genossenschaft noch ein Verein „Kulturraum Mittendrin“ gegründet.

Die Genossenschaftsmitglieder empfinden sich als weltentauglich, ökologisch, möchten ein friedliches Miteinander und mit der Natur leben. Sie sind an Vernetzung interessiert und legen auf Achtsamkeit und gute Kommunikation Wert. Sie arbeiten beständig an den Grundprinzipien der Gemeinschaft und wenden Methoden der Konfliktlösung an.

„Wir sind am Bauen – innerlich und äußerlich“, beendete die Referentin ihren Vortrag.

Ein anderes Projekt für Gemeinschaftliches Wohnen wurde durch eine andere Dame  vorgestellt. Das Projekt „Hofleben“ befindet sich ebenfalls in der Nähe von Dahlenburg, nämlich in Lemgrabe. Die Dame plant als Architektin das Projekt mit, ist aber keine Bewohnerin. Das Projekt angeschoben wurde von einer Frau, die auf der Hofstelle aufgewachsen war und den Hof vor 10 Jahren als Erbin übernommen hatte. Sie ist ebenfalls Architektin und überlegte, was sie mit dem Hof anfangen solle. Drei Aspekte waren ihr in Erinnerung an ihre Kindheit auf dem Hof wichtig:

  1. Tiere

Auf dem Hof sollten wieder viele Tiere leben. Sie interessierte sich für den Erhalt alter Rassen und wurde Mitglied in der Arche-Region. Schafe, Enten, Hühner usw. leben nun auf dem Hof.

  1. Ackerbau

Ihr Versuch, „solidarische Landwirtschaft“ zu betreiben, war zunächst nicht erfolgreich. Aber das änderte sich, und seit zwei Jahren wird mit 25 Mitgliedern solidarische Landwirtschaft betrieben.

  1. Menschen auf dem Hof

Die Hoferbin war an generationsübergreifendem gemeinschaftlichen Wohnen interessiert. Das war ein großes Projekt, was Mut erforderte. Sie suchte auf vielen Portalen im Internet Mitstreiter. Schließlich stellte sie auf dem Portal „Wohnprojekte der Stiftung Trias“ ihre Idee ins Internet. Zum ersten Info-Tag erschienen 50 Interessenten, am zweiten Info-Tag waren es 40. Vom zweiten Info-Tag blieben 10 Personen übrig, die dann eine GbR gründeten.

Angestrebt wird eine Wohngemeinschaft von am Ende 30 Erwachsenen und 10 bis 12 Kindern.

Das Wohnprojekt wird ständig weiterentwickelt. Barrierefreies Wohnen soll möglich sein, viele Seniorenwohngemeinschaften sollen entstehen, und eine gemeinsame Wohnküche soll auch für alle Leute im Dorf zur Verfügung stehen.

Nachhaltigkeit und ökologisches Bauen sind wichtig, können aber aus finanziellen Gründen nicht immer eingehalten werden.

Inzwischen ist aus der GbR ein Verein geworden. Die Hoferbin hat ihren Hof an den Verein verkauft. Ein Erbbaurechtsvertrag regelt das Zusammenleben. Man kann Mitglied im Verein werden, und jedes Mitglied, das in den Verein eingetreten ist, gibt eine Spende oder einen Privatkredit. Dadurch werden die 40% Eigenkapitalanteil zusammengesammelt, die für Bankenfinanzierungen notwendig sind. Durch zwei Förderprogramme, darunter das Programm Wohnen und Pflege im Alter, kamen schon mal 220.000 Euro zusammen. Privatkredite werden auch von Nicht-Mitgliedern gegeben.

Für die ganze Maßnahme wird mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Mio. Euro gerechnet, um die Gebäude usw. zu erhalten.

Abhängig von der Quadratmeterzahl ist monatlich von den Bewohnern ein Erbbauzins zu entrichten. Außerdem muss die eigene Wohnung finanziert werden. Die gesamten Kosten belaufen sich auf durchschnittlich 2.500 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche.

Die Vereinsmitglieder nehmen bei Diskussionen über die Weiterentwicklung des Projekts auch Moderatoren in Anspruch.

Die vier interessanten und aufschlussreichen Vorträge wurden vom Publikum mit viel Beifall honoriert.

Die Vertreterin der Klimaschutzleitstelle gab anschließend die Einrichtung eines Stammtisches zum Thema Gemeinschaftliches Wohnen bekannt. Der erste Termin soll am 16.2.2018 ab 18.00 Uhr im Gasthaus Schulz in Groß Heide stattfinden.

Zudem wurde darauf verwiesen, dass die beste Online-Anlaufstelle das Wohnportal www.wohnprojekte-portal.de sei, wo sowohl Anbieter als auch Nachfrager von Wohnmöglichkeiten sich vernetzen können.

Anschließend lud die Moderatorin des Abends als Vertreterin der Gesundheitsregion Landkreis Lüchow-Dannenberg und Vertreterin des Seniorenservicebüros, dazu ein, im Foyer Kontakte zu schließen, Gespräche mit Informanten zu führen und ggf. „Steckbriefe“ auszufüllen. Mit Steckbriefen waren vorbereitete Formulare gemeint, in die sowohl Anbieter von Wohnraum als auch Nachfrager ihre Daten und Wünsche eintragen konnten. Eine gute Idee war auch, dass man vorbereitete zweifarbige Klebepunkte aussuchen und an die Kleidung kleben konnte: die eine Farbe für Wohnungsgeber, die andere Farbe für Wohnungssucher. So konnte man sich im Gewusel leichter zusammenfinden.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Viele verschiedene Organisationen hatten Präsentationen im Foyer vorbereitet. In Form von Postern, Flyern, Prospekten, Fotos usw. an Ständen, Wänden und Pfeilern konnten sich die Besucher ein Bild von den Intentionen der Projekte und Institutionen machen. U.a. folgende Projekte waren vertreten:

Dorfgemeinschaft Prießeck, Forsthaus Rehbeck, Hitzacker Dorf, Hofgemeinschaft Alter Kirchweg, Mensch am Fluss – Rüterberg, Demenzwohngemeinschaft, Pflegewohngemeinschaft.

dscn0819.jpg

Ein Beispiel für einen ausgefüllten „Steckbrief“

Kaffee oder Tee, Saft und eine Suppe trugen zum Wohlbefinden an diesem Abend sicherlich bei. Eine gelungene Veranstaltung.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s