Wendland Einmaleins – ein Abend für Neuwendländer

Lüchow.
Die Fachkräfteagentur Wendlandleben, der Wirtschaftsförderung des Landkreises Lüchow-Dannenberg angegliedert, sieht eine ihrer Aufgaben auch darin, Neubewohnern des Wendlands die Anfangszeit mit Maßnahmen zu erleichtern, die Kontakte zu schon lange im Wendland Lebenden ermöglichen. Die Agentur möchte für eine Willkommenskultur sorgen. Dazu hat die Agentur unter Leitung von Sigrun Kreuser nun einen Abend für Neubürger ins Leben gerufen, der regelmäßig an jedem ersten Donnerstag im Monat ab 18.00 Uhr in den Räumlichkeiten der Grünen Werkstatt im Erdgeschoss des Alten Postamts stattfinden soll.

Ich besuchte den zweiten Abend dieser Veranstaltungsreihe am Donnerstag, den 4. Januar. Ungefähr 35 Interessierte – je zur Hälfte Männer und Frauen –  füllten den Raum und verteilten sich um sechs bis sieben Tische. Teils waren sie aus Lüchow, Hitzacker oder Dannenberg gekommen, teils aus Dörfern im ganzen Landkreis. Ein kleines Buffet mit frischen Mohrrüben, Brot, Kräuterbutter, Salat und Frikadellen sowie Getränken erleichterte gleich zu Beginn nach einer kleinen Ansprache von Sigrun Kreuser eine gelockerte Stimmung. Jeder holte sich eine Kleinigkeit vom Buffet und kam darüber schnell mit den Tischnachbarn ins Gespräch.

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Anregende Gespräche zwischen den Teilnehmenden. Am runden Tisch in der Mitte stehend: Sigrun Kreuser, die Leiterin der Agentur Wendlandleben.

Nach dem kulinarischen Einstieg stellte sich jeder mit einigen Worten kurz vor und nannte, sofern vorhanden, seine Anliegen. Überwiegend waren es Ältere bereits im Rentenalter, einige wenige Jüngere in den Dreißigern waren jedoch auch dabei.

Die verschiedensten Berufssparten waren vertreten: ein Arzt, ein Pastor, mehrere Lehrer – von Berufsschul-, Deutsch-, Reit-, Hörgeschädigten- bis hin zu Yogalehrer – , Journalisten, Fotografen, Filmemacher, eine Goldschmiedin und Keramikerin, eine Schneiderin, eine Steinbildhauerin, ein Programmierer, ein Bio-Landwirt, eine Architektin – überwiegend Akademiker und/oder kreative Berufe. Aber wo waren die im Landkreis so dringend benötigten Fachkräfte: Altenpflegerinnen, Krankenschwestern, Mechatroniker, Elektriker, Metallfacharbeiter? Nur einer von den Anwesenden hatte – neben der Schneiderin – einen dem Handwerk verwandten Beruf, nämlich Hausmeister. Allerdings befand sich sein Arbeitsplatz in Hamburg.

Einige wohnten schon acht oder elf Jahre im Wendland, andere erst seit wenigen Monaten oder gar erst seit zwei Wochen. Manche waren im Wendland geboren, haben dann aber in anderen Regionen gelebt und sind jetzt zurückgekehrt. „Ich fühl mich hier sauwohl!“ – diese Bemerkung fiel wiederholt.

Auch Michael Seelig von der Grünen Werkstatt hielt eine kleine Ansprache, in der er die Hoffnung ausdrückte, dass sich bei dieser Veranstaltungsreihe ein Info-Pool und ein Netzwerk herausbilden möge. Er sei schon gespannt darauf, welche Projekte bei diesen Zusammentreffen entstehen würden.

Viele der Anwesenden äußerten den Gedanken, Kontakte schließen und neue Leute kennenlernen zu wollen. Aber einige sprachen auch die Wohnsituation an. Mehrmals wurde der Wunsch nach der Vermittlung einer Wohnung oder eines Hauses ausgedrückt. Ein Mann bot ein Bauernhaus zur Vermietung mit 150 qm Wohnfläche an. Drei anwesende Personen stellten in Aussicht, dass Menschen, die im Landkreis einen Arbeitsplatz gefunden haben, aber noch keine Wohnung, zunächst bei ihnen wohnen könnten und informelle Unterstützung bekämen. Insbesondere auch Michael Seelig brachte zum Ausdruck, dass ansprechende Wohnungen für junge Leute, damit sie bereit seien, in den Landkreis zu ziehen, fehlten und also das diesbezügliche Angebot ausgeweitet werden müsste. Ein Bewohner aus Prießeck beklagte die schlechte Breitbandversorgung im Landkreis. Schnelles Internet gehöre auf jeden Hof. Aber dieses Problem wird ja nun bald im Landkreis gelöst worden sein: Landrat Jürgen Schulz hat bekanntgegeben, dass in den nächsten Wochen das europaweite Bau-Ausschreibungsverfahren für die Glasfaserverkabelung anlaufen soll. Michael Seelig wies auf die Vorstellung der Ergebnisse eines Projekts von Hildesheimer Studenten im PostLab im Alten Postamt am Freitag, den 26.1.2018 um 13.30 Uhr hin, in dem dargelegt wird, dass schon jetzt eine Breitbandnutzung auf jedem Hof möglich sei für eine monatliche Gebühr von 99.– €.

Einige versuchten auch, berufliche Kontakte zu knüpfen oder auch, berufliche Absichten zu verbreiten. Ein Mann hatte Flyer dabei, in denen er für sein zweites Standbein neben der Rente warb: Beratung zum Thema gemeinschaftliche Wohnformen auf Höfen des Wendlands sowie Mediation und Supervision. Eine jüngere Frau warb dafür, auch Imagefilme für Firmen, Organisationen oder Projekte drehen zu können. Eine Fotografin wies auf ihr Atelier in einem Co-Working-Space hin. Ein Mann erläuterte seine ehrenamtliche Tätigkeit als Wohnberater für Ältere. Ein anderer Mann plant eine vierzehntägige Reise nach Jordanien im April mit ihm als Reiseleiter und sucht noch Mitfahrer.

Die Frau aus Hitzacker an meinem Tisch fand den Hinweis auf die Mitnahmebänke in einigen Orten am interessantesten. Das sind bestimmte gekennzeichnete Bänke, auf die man sich setzen kann, wodurch vorbeifahrende Autofahrer erkennen, dass die dort Sitzenden zu bestimmten Zielen mitgenommen werden möchten. In der Nähe ihrer Wohnung stehen zwei schöne Bänke, und sie möchte nun darauf hinarbeiten, dass diese zwei Bänke nun auch „Mitnahmebänke“ werden.

Dieses Treffen war das zweite der Veranstaltungsreihe. Das nächste Treffen wird am 1. Februar stattfinden.

Außer den Treffen für Neuwendländer, die am Abend stattfinden, damit Berufstätige teilnehmen können, gibt es im PostLab auch an jedem dritten Donnerstag im Monat ein Frühstückstreffen am Vormittag mit ähnlichen Intentionen.

 

 

 

 

 

 

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