Meine Haustiere

Ich mag Tiere, insbesondere Katzen, Hunde, hoffentlich: freilebende Vögel, Pferde, Elefanten, … und viele andere. Derzeit kann und will ich aus beruflichen Gründen keine Haustiere halten.

Das interessiert allerdings nicht alle Tiere. Sie wohnen einfach trotzdem in meinem alten Bauernhaus. Da gibt es nämlich Zwischendecken und Zwischenwände. Vor die ursprünglichen Mauern haben Vorbesitzer Platten aus Regips oder Fermacell gesetzt, und dahinter ist wohl viel Platz. Auch zwischen der ursprünglichen Decke aus Lehm- und Strohgemisch und der künstlich abgehängten Decke. Auch habe ich einen Dachboden.

Nachts höre ich zum Beispiel über mir einen Marder. Was der wohl alles so anstellt? In der ersten Nacht im Haus wurde ich von schwerem Gepolter über mir wach, es hörte sich so an wie schwere Schritte von einem Menschen. Ich dachte schon daran, die Polizei zu rufen. Bis mir einfiel, dass Nachbarn mir erzählt hatten, hier gäbe es viele Waschbären. Und außerdem Marder. Da wollte ich als Stadtmensch mir nicht die Blöße geben und mich bei der Polizei blamieren … Eine Freundin von mir hatte auch einmal einen Marder über sich auf dem Dachboden und rief tatsächlich in Gedanken an einen Einbrecher einen Streifenwagen herbei, der auch erschien. Die Beamten hörten sich kurz die Geräusche an und verwiesen dann darauf, dass in der Gegend viele Marder lebten.

Daraufhin versuchte sie, den Marder durch allerlei Aktivitäten loszuwerden: sie stellte ein laufendes Kofferradio auf den Boden. Sie verstreute auf dem Dachboden Waschpulver, und das mag der Marder nicht an seinen Pfoten haben. Sie hängte parfümierte Stofffetzen auf und installierte eine brennende Lampe. Licht mag der Marder auch nicht. Da war er bald verschwunden.

Diese Maßnahmen muss ich wohl auch ergreifen. Denn es poltert und rumpelt nachts stundenlang über mir – als wenn er den ganzen Dachboden umräumt. Ich kann dabei einfach nicht schlafen. Da ist mir die Nachbarin in meiner Stadtwohnung über mir ja noch lieber, wenn sie nachts mit ihren Stöckelschuhen hin und her läuft.

Aber andererseits haben auch Mäuslein bemerkt, dass ich nicht immer da bin, und trauen sich immer mehr. Und Marder mögen doch Mäuse. Ich meine, zum Fressen… Ist es da nicht besser, den Marder zu behalten?

Einmal bin ich einem Waschbären spätabends im Garten begegnet. Da wusste ich noch nichts von dem Waschbären, das war ganz am Anfang hier. Ein Tier in der Größe einer Katze ging im Dunkeln ganz gemächlich an mir vorbei und schaute mich im Vorbeigehen lässig an.

Es hatte um die Augen etwas Schwarzes, das sah aus wie eine Augenbinde, so wie bei den „Panzerknackern“ in den Micky-Maus-Heften. Ich sagte noch zu dem seltsamen Tier: „Nanu, wer bist du denn?“ Denn ich kannte so ein Tier bisher nicht, und eine Katze war es definitiv nicht. Neulich habe ich ein Foto von einem Waschbären gesehen, und jetzt weiß ich: das Tier war ein Waschbär – doch kein Marder…

Außer Mäuslein, die nachts geschäftig in den Zwischenräumen hin und her trappeln, und einem Marder habe ich auch noch diverse Spinnen, Weberknechte, im Sommer Fliegen und Gelsen im Haus. Außerdem laufen manchmal Ameisen in einer Polonaise über meinen Küchenschrank. An den Schornstein konnte kürzlich der Schornsteinfeger nicht heran, weil in ihm ein Wespennest hing. Im letzten Jahr habe ich Werbeplakate für eine Wanderausstellung gesehen, in der Insekten gegen Eintrittsgeld ausgestellt wurden. Ich dachte noch, hmmh, das könnte ich eigentlich auch machen …

Letzten Sommer guckte ich zufällig von einem Dachbodenfenster auf den Garten hinter meinem Haus – und entdeckte ein großes Erdloch.

Oh Gott, dachte ich, jetzt klauen sie mir schon auf meinem Grundstück Pflanzen. Denn es sah auf den ersten Blick so aus, als ob jemand eine größere Pflanze mit ihrem Erdballen ausgegraben hatte, so groß war das Loch.

IMG_0371
Aus der Unterwelt …

 

Ich ging nach unten und sah mir das Loch aus der Nähe an. Nein, es fehlte keine Pflanze. Jemand hatte das Loch von innen heraus gegraben, es waren Kratzspuren am Lochrand zu sehen, und in die Erde eingesenkte Tatzenspuren, die von dem Loch wegführten. Welches Tier mochte das gewesen sein? Ich kannte mich einfach zu wenig in der Welt der auf dem Land lebenden Tiere aus. Vielleicht war es ja auch ein Fabelwesen, das aus der Unterwelt ans Licht gekommen ist? Ich verstand jedenfalls beim Anblick des Lochs, wie solche Märchen und Fantasy-Geschichten entstehen können.

Im letzten Mai fand ich in meiner Hecke einige große braune Maikäfer vor. Die hatte ich wohl seit meiner Kindheit nicht mehr gesehen.

Mir fällt ein, dass ich doch einige Tiere nicht mag: nämlich die Nacktschnecken. Die mögen meinen Garten leider gern, wenn es so richtig schön feucht ist, nach einem Regen zum Beispiel.

Im Herbst kam mir beim Umgraben der Erde plötzlich eine erdfarbene Kröte entgegen. Sie war wirklich in der Erde vergraben und wurde durch meine Aktivitäten aus dem Schlaf gerissen und hüpfte davon. Man konnte sie kaum erkennen, weil ihre Tarnfarbe mit der Erdfarbe fast identisch war.

Bei mir gibt es auch mehrere sehr arbeitsame Maulwürfe. Sie arbeiten wirklich schwer daran, die vielen großen Erdhaufen auf meinem Rasen aufzuwerfen. Sie sind auch ziemlich neugierig. Kaum habe ich neue Pflanzen eingegraben oder Blumenzwiebeln gesetzt, müssen die Maulwürfe auch schon wieder nachsehen, was es da Neues gibt.

Außer den Maulwürfen habe ich noch andere Mitbewohner, die mir helfen, den Garten umzugraben. Zum Beispiel die Regenwürmer.

Genau unter dem Platz im Garten, den ich mir für meine Sitzgruppe ausgesucht hatte, haben sich Wühlmäuse ihr unterirdisches Labyrinth angelegt. Manchmal kommt es vor, dass ein Bein des Gartenstuhls, auf dem ich gerade sitze, durch die dünne Oberfläche eines Hohlgangs bricht, und unversehens liege ich auf dem Rasen. Muss ich auch ausgerechnet meinen Sitzplatz dort einrichten?

Im Sommer hüpfen manchmal winzig kleine Fröschlein zwischen den Pflanzen herum. Und dann gibt es natürlich Schmetterlinge und Libellen und Bienen und Wespen und manchmal Hornissen. Und Marienkäfer.

Und viele verschiedene Vögel. Darunter ein Ortolan, das ist ein ziemlich seltener Vogel. Die Vögel füttere ich im Winter mit Sonnenblumenkernen. Die mögen sie aber auch im Spätsommer, wenn meine Sonnenblumen hochgewachsen sind. Außerdem picken sie gern an meinen Beeren herum. Das finde ich jetzt nicht so nett.

Kaum sind ein paar Him- oder Erdbeeren reif zum Pflücken, haben die Vögel die auch schon entdeckt. Da gibt es dann immer einen Wettlauf: wer ist schneller, die nächste reif gewordene Beere zu kriegen?

Meine Äpfel mögen sie auch. Es gibt Vogelnetze, die könnte ich über die Bäume und Sträucher hängen. Aber ein solches Netz hing noch von den Vorbesitzern über dem Pfirsichbaum, und als ich das Netz abnahm, entdeckte ich darin einen toten, halb verwesten Vogel. Er hatte sich im Netz verheddert und war elendig verhungert…. Das möchte ich nicht, darum: keine Netze. Wir teilen uns die Ernte, und wer schneller ist, bekommt eben mehr ab.

Wie heißt doch das Sprichwort: „Früher Vogel fängt den Wurm“!?!

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s