Müllentsorgung zu Zeiten meiner Großeltern

Meine Großeltern bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof, dessen Erträge gerade so zur Selbstversorgung ausreichten. Es gab ungefähr fünf Kühe, zwei oder drei Schweine, einige Hühner und Gänse. Hinter dem Haus erstreckte sich ein großer Nutzgarten mit Beerensträuchern, Obstbäumen und viel Platz für Erdbeeren, Mohrrüben, Erbsen und Bohnen.

Zeitungspapier wurde wie folgt genutzt: a) zum Einwickeln von Dies und Das, b) als Unterlage bei der Gemüsevorbereitung für das Mittagessen, zum Beispiel beim Kartoffelschälen oder Mohrrübenschrabben, c) als Toilettenpapier, d) zum Anzünden der Öfen; Hochglanzprospekte lagen damals den Zeitungen noch nicht bei, e) als Bastelmaterial für Kinder: man mischte zerknülltes und feuchtes Zeitungspapier mit Kleister, knetete die Masse durch und formte daraus Gegenstände wie Masken oder Köpfe für Kasperle-Theater-Figuren, die man nach dem Trocknen anmalte, f) als Kopfbedeckung zum Schutz gegen Kleisterspritzer oder Farbkleckser beim Tapezieren und Streichen: man faltete das Zeitungspapier zu einer Art Spitzhut; jeder konnte das damals, g) als Bodenbedeckung beim Streichen und Tapezieren (Malervlies gab es noch nicht), h) zum Nachputzen beim Fensterputzen: das noch feuchte Fenster wurde mit zerknülltem Zeitungspapier trocken gerieben, wobei die Restfeuchte vom Papier aufgenommen und die Fensterscheibe blank wurde (mach ich heute noch so), h) zum Einlegen in die Schuhsohlen im kalten Winter, i) zum Umwickeln von Blumensträußen für den Transport zum Friedhof oder zum Geburtstagskind, wobei das angefeuchtete Zeitungspapier die Stiele frisch hielt.

Essensreste oder Gemüseabfälle wurden an die Tiere weitergegeben. Hühner und Schweine fressen fast alles. Hunde und Katzen freuten sich über Knochen und Fleischreste, fraßen aber auch gekochte Kartoffeln oder schleckten Suppenreste.

Wurde ein Huhn geschlachtet, sammelte man die Federn und hatte so mit der Zeit die Füllung für ein neues Kopfkissen oder eine Bettdecke zusammen.

Laub wurde im Ofen verbrannt oder auf den Feldern untergepflügt. Auch der Mist aus den Ställen wurde als Dünger untergepflügt. Zweige und Äste und der letzte Weihnachtsbaum wurden im Osterfeuer verbrannt oder zerkleinert als Anfeuerholz im Ofen genutzt. Die Holzasche wurde als Dünger im Garten genutzt. Sonstiger Grünabfall wie verblühte Blumen oder Grasschnitt wurde auf einem Komposthaufen gesammelt. Mein Großvater siebte dann den Kompost, indem er ihn mit einer Schaufel durch ein großes Sieb warf, und dann wurde der Kompost als Dünger in die Gartenerde eingearbeitet.

Alte Möbel wurden auf den großen Dachboden gestellt. Zog ein Kind aus, nahm es dieses oder jenes vielleicht noch mit. Oder Verwandte bekamen Einrichtungsgegenstände für die Hausstandsgründung. Sperrmüllabfuhr gab es nicht, einfach auch deswegen, weil die meisten Leute gar nicht so viel übrig hatten, das sie entsorgen wollten. Einmal zu Beginn der Ehe eingerichtet, behielt man die Möbel ein Leben lang bei. Worüber sich ja die Antiquitätenhändler und Trödelliebhaber heute freuen. Bei mir in der Stadt wohnen viele junge Leute in der Nähe, die häufiger mal den Arbeitsplatz wechseln und dann in eine andere Stadt ziehen. Sie nehmen schon gar nicht mehr ihre Möbel mit, sondern stellen sie zerlegt an den Straßenrand zur Sperrmüllabfuhr. In der nächsten Stadt kaufen sie sich dann die gleichen Möbel wieder neu bei Ikea. So sparen sie die Umzugskosten und sind immer neuwertig eingerichtet. Ikea-Möbel halten sowieso keinen Umzug aus.

Milch wurde entweder selbst mit Hilfe der Kühe erzeugt oder mit Hilfe einer Milchkanne beim Händler gekauft, weswegen es keine Milchverpackungen gab. Gebrauchte Flaschen, etwa vom Wein bei einer Feier, wurden aufbewahrt und für den selbst gemachten Saft im Sommer genutzt. Obst und Gemüse wurde in Weckgläser eingemacht, die nach Entleerung ausgewaschen und wieder benutzt wurden. Marmeladengläser wurden immer wieder benutzt, ausgespült und aufbewahrt für den nächsten Sommer. Colaflaschen oder dergleichen gab es nicht, weil nur Wasser oder selbst gemachter Saft mit Wasser vermischt getrunken wurde.

Auch entleerte Dosen fanden Verwendung, als Aufbewahrung für Schrauben und Nägel, um damit Hühnerfutter aus der Truhe zu schöpfen, oder im Baum aufgehängt als Vogelschreck. Die Menge der Dosen war damals auch einfach deswegen kleiner, weil es keine Getränke in Dosen gab und weil man Gemüse selbst zog und Suppe selbst kochte. Und weil man von exotischen Gerichten wie thailändisches Curry-Huhn oder Bami Goreng noch nichts wusste.

Zum Kaffeetrinken, Frühstücken und zum Mittagessen setzte man sich an einen Tisch, weswegen auch noch keine Coffee-to-go-Plastikbecher oder Styroporverpackungen nötig waren.

Tiefkühlkost war noch gar nicht erfunden, weil es auch noch gar nicht die Kühltechnik gab. Deswegen fielen auch keine Tiefkühlverpackungen an. Man kochte eben frisch, was Garten und Hof so hergaben, oder öffnete ein Weckglas mit eingemachten Gurken oder Kirschen.

Plastiktüten gab es auch noch nicht. Die Mädchen lernten gleich in der ersten oder zweiten Schulklasse, wie man ein Einkaufsnetz häkelt. Beim Kaufmann gab es Spitztüten aus Papier für Bonbons oder Obst und Gemüse. Das Papier wurde dann verbrannt.

So war das früher auf dem Land: der Abfall musste sozusagen gar nicht den Hof verlassen.

 

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