G’schicht’n aus dem Wendland

Zufällig habe ich im Internet eine Seite über die Wenden gefunden, auf der auch mehrere Geschichten „zum Vorlesen“, zum Beispiel für Schüler/Kinder, aber auch für Erwachsene, angeboten werden.

Eine Geschichte möchte ich hier vorstellen. Sie spielt in Lübbow, in dem Ort, der zu Zeiten der Teilung Deutschlands der letzte Ort vor der Grenze Richtung Salzwedel war.

(Quelle: Undine Stiwich / Jörg Düker: Das Jammerholz, Lüchow 1999, veröffentlicht auf: URL http://wendland-episode1.de/web-content/vorlesen.html):

Die Lütkis zu Lübbow

Es mag um das Jahr 1890 gewesen sein, da saßen der Bauer Pörmke aus Rebensdorf, der Bauer Schulten aus Lübbow und der Bauer Mennrich aus Dangensdorf im Schinkenkrug in Lübbow zusammen.

Nach einigen Lagen Bier tauten sie auf und Bauer Schulten sagt, dass die Lütkis oder Unnererdschen ein viel besseres Bier brauen könnten als jemals ein Mensch fertig brächte.

Bauer Mennrich hielt dagegen. Er war der Meinung, dass es die Unnererdschen gar nicht gäbe, denn er hatte noch nie von ihnen gehört. „Was hat es denn bloß damit auf sich“, fragte er trotzdem Schulten neugierig. „Was“, gab dieser ungläubig zurück, „du kennst die Lütkis nicht? Dann hör mir mal zu!“

„Die Lütkis“, klärte Schulten auf, „sind Zwerge, Unnererdsche, die auf Höfen in versteckten Winkeln leben. Gern wohnen sie auch in Erdhügeln, wo die Urnen mit der Asche der Verstorbenen vergraben sind.
Meistens kann man sie in Rebensdorf auf dem Schwarzen Berge beobachten (hier nickte Bauer Pörmke ganz wichtig und ernst mit den Kopf), aber auch in Sallahn auf dem Schmalzberg und sogar in Lübbow bei den Tannen hat man sie gesehen. Hier aber nur einmal. Sie hätten ihre Wäsche unter den Fichten getrocknet, hieß es. Wenn Gefahr droht, gesehen zu werden, setzen die Lütkis eine Nebelkappe auf und werden sofort unsichtbar.

Viele haben Angst vor ihnen. Denn sie stehen in dem Ruf, Kinder, die noch nicht getauft sind, in ihrer Wiege auszutauschen. Sie nehmen das ungetaufte Kind mit und legen stattdessen ein fremdes mit einem Wasserkopf hinein. Ist das Kind aber getauft, können die Lütkis nichts mehr ausrichten.

Um sie günstig zu stimmen und vom Kindestausch abzuhalten, streuen die Mütter Buchweizengrütze um die Wiege. Auch bieten sie Schere und Zwirn zum Geschenk an. Damit alles auch gefunden werden kann, wird eine brennende Kerze neben der Wiege aufgestellt. Unschlagbar aber sind die Lütkis in der Back- und Braukunst. Wenn sie backen wollen, holen sie sich heimlich einen Backtrog aus dem Dorf, bringen ihn nach Gebrauch zurück und legen ein kleines Brot hinein. Das schmeckt so gut, dass es noch keinem gelang, es nachzubacken. Auch Bier und Schnaps brauen sie selbst. Und beides schmeckt so sanft und mild, dass niemand, der es trinken durfte, jemals etwas anderes haben wollte.“

Auf der Website sind noch mehrere interessante Beiträge zur Geschichte der Wenden und des Landkreises.

Außerdem findet man dort eine Wörterliste „Polabisch-Deutsch“.

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