175 Jahre Erntefest in Wustrow

Wustrow ist eine kleine Stadt mit rund 3.000 Einwohnern im Wendland, ca. vier Kilometer von Lüchow entfernt, besteht schon seit etwa 1217 und ist aus einer Burg hervorgegangen.

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Jedes Jahr findet an einem Wochenende Ende Juni in der Zeit zwischen der Heuernte im Frühsommer und der Getreideernte im Spätsommer ein Erntefest statt.

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Im Wendenland das Allerbest – ist Wustrow und sein Erntefest.

Bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde auch in Wustrow ein Schützenfest für Erwachsene gefeiert, das wegen des übermäßigen Alkoholgenusses der Bevölkerung zu diesem Anlass vom damaligen Landesherrn verboten wurde. Wie mir ein Passant in Wustrow erzählte, sollen damals Menschen zu Tode gekommen sein, weil Betrunkene ihr Gewehr sozusagen in die falsche Richtung hielten.

Die Bürger feierten nun stattdessen seit 1843 das „Erntefest“. In diesem Jahr besteht dieses Bürgerfest nunmehr 175 Jahre. Um die Festorganisation kümmert sich der „Erntefestverein„. Es ist unter anderem auch ein Ersatz für das Schützenfest für Erwachsene, denn an einem Schießstand können Erwachsene auch an einem Preisschießen teilnehmen. Auf ein Königsschießen wird verzichtet. Aber für Kinder gibt es ein Kinderschützenfest, und dafür werden dann auch ein Kinderschützenkönig und eine Kinderschützenkönigin gekürt. Das Kinderschützenfest jährt sich 2018 zum 85. Mal.

Das Fest beginnt regelmäßig am Donnerstagabend – in diesem Jahr somit am 28. Juni – auf dem Marktplatz mit einer Eröffnungszeremonie, auf der unter anderem auch der amtierende Kinderschützenkönig eine Rede hält.

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Der Maibaum steht am Erntefesttag immer noch auf dem Marktplatz.

Die Wustrower und ihre Gäste können sich anschließend bis Sonntag auf dem Festplatz beim „Fehlhaus“ vergnügen.

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Gleich mehrere Schießbuden sind darunter. Es gibt verschiedene Kinderkarussells, Imbissbuden und Biertheken, aber auch einen Biergarten beim Lokal „Fehlhaus“.
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Einblick in den Festplatz am Freitagabend.

Am Abend kann man entweder im Festzelt auf dem Festplatz oder im Gemeinschaftshaus in Wustrow tanzen. Aber an dem Fest sollen alle Bürgerinnen und Bürger teilnehmen, und so gibt es neben dem Fest für Kinder und dem Fest für „Alle“auch immer einen speziellen Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen.

Am Freitag- und Sonnabendmorgen zieht ein Spielmannszug durch die Stadt, um die Leute zu wecken. Am Freitagmorgen sogar schon um 7:00 Uhr! Damit sich die Leute pünktlich um 9:30 Uhr in den Gruppenlokalen einfinden können, denn um 12:00 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier mit einem Festakt im Gemeinschaftshaus.

Zum Erntefest ist die ganze Stadt festlich geschmückt. Wimpeln überspannen die Straßen, und Fahnen sind aufgesteckt. Vor den Häusern stehen in kleinen wassergefüllten Gefäßen junge Birkenzweige.
Hier ein paar Eindrücke:
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Eine junge Birke, geschmückt mit Bändchen in den Stadtfarben Wustrows: Gelb und Blau.

Am Freitagabend höre ich gegen halb elf Musik auf dem Festplatz mit seinen Buden und Karussells: der Spielmannszug mit einer jungen, den Stab schwenkenden Tambourmajorin voran zieht über den Platz. Schnell schließen sich viele Menschen an, und auch ich gehe neugierig mit. Wo soll’s hingehen?

Wir gelangen zum nahen Fußballplatz der Stadt. Erwartungsvoll schauen die Menschen zum gegenüberliegenden Rand des Platzes.

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Der Fußballplatz in Vollmondbeleuchtung. Vom gegenüberliegenden Rand wird gleich das Feuerwerk gezündet.

Wir haben Vollmond, und es ist nicht ganz dunkel, aber dunkel genug, um das Feuerwerk jetzt zu starten. Eine Rakete nach der anderen fliegt in die Höhe und explodiert in Tausend Funken und vielen Farben. Eine Drohne mit Kamera fliegt neben den Funken hin und her und soll alles aufnehmen. Nach einer Viertelstunde ist das Brillantfeuerwerk vorbei und der Spielmannszug geleitet uns wieder zum Festplatz an der Gaststätte „Fehlhaus“ zurück, wo sich die Menge verteilt und zum Biergarten, zum Bratwurststand oder zur Diskothek im Festzelt geht.

Am Sonnabend gegen 15:00 Uhr bin ich noch einmal in Wustrow. Mir begegnen viele einzelne Menschen, die alle eins gemeinsam haben: sie tragen festlich wirkende Kleidung. Die Frauen haben lange schwarze Röcke an, eine weiße Bluse und darüber eine schwarze Weste, und die Männer tragen schwarze Anzüge mit weißem Hemd und Krawatte. Allen gemeinsam ist eine rote Stoffrose am Revers. Ich frage eine der Damen, was der Sinn ist, und sie erklärt mir, dass alle auf dem Weg zum Marktplatz sind, von wo dann alle zusammen zur Weinfeierstunde im Gemeinschaftshaus gehen.

Ich treffe auch auf eine Gruppe Musiker, die ebenfalls auf dem Weg zum Marktplatz sind, um die Menschen ein wenig einzustimmen. Die Gruppe nennt sich „Die kleine Dorfmusik“ und ich darf ein Foto von ihnen machen:

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Die Wustrower Musikerkapelle „Die Kleine Dorfmusik“

Wenig später gehe ich dann am Marktplatz vorbei, und dort haben sich inzwischen sehr viele dieser stilvoll und festlich gekleideten Wustrower zusammengefunden:

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Am Sonntag beginnt dann das Kinderschützenfest, das von einem gesonderten Kinderschützenfestausschuss organisiert wird, schon um 8:00 Uhr. Der bisherige Kinderschützenkönig Felix und die bisherige Kinderschützenkönigin Celine werden zusammen mit dem Kinderkronprinzen Jacob und der Kinderkronprinzessin Alina abgeholt und zum Königsfrühstück gebracht.

Da es sich in diesem Jahr um gleich zwei wichtige Jubiläen des Erntefestes handelt, wurden auch alle bisherigen Kindermajestäten seit 1949 eingeladen (die inzwischen ja alle schon ein gewisses Alter erreicht hatten!). Ungefähr 70 der alten Kinderschützenkönige und –königinnen hatten zugesagt zu kommen. Sie dürfen im Festumzug mitfahren bzw. mitgehen.

Um 13:00 Uhr findet dann der große Festumzug mit vielen lustig und/oder festlich geschmückten Wagen und verkleideten Kindern und Erwachsenen statt, der durch die ganze Stadt zieht und viele Tausend Zuschauer an den Straßenrändern anzieht. Von einigen Wagen werden Bonbons und Lutscher in die Menge geworfen.

Dem Festumzug voran reiten drei junge Frauen mit der Standarte des Reit- und Fahrvereins Wustrow, gefolgt von einer Kindergruppe in Trachtenkleidung, die unterstützt durch einen Erwachsenen die aus Getreidehalmen geflochtene und mit Bändern in den Stadtfarben Wustrows – gelb und blau –  geschmückte Erntekrone hochhält.

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Der Erntekrone folgt der Wustrower Spielmannszug, der immer wieder mal anhält und ein Ständchen vorträgt.

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Celine und Felix: die noch amtierende Kinderschützenkönigin und der noch amtierende Schützenkönig werden in einem schicken Cabrio chauffiert.

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Das amtierende Kinderkronprinzenpaar Alina und Jacob.

Und hier kommen die phantasievoll geschmückten Festumzugswagen:

Thema „Im Märchenland“:

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Dem Märchenzug der Kleinsten mit ihren erwachsenen Begleitern folgt ein Wagen mit dem Ehrenvorsitzenden Herrn Kahrs und dem Ehrenvorstand Herrn Albrecht des Erntefestvereins sowie Herrn Fleischmann- alle Herren stilvoll mit Zylinder:

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Und lauter Buntes folgt:

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Die Knöterhörner Postkutsche von der Seite…

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Eine Kneipe – oder „Taverne“ – wie sie vielleicht im Mittelalter ausgesehen haben mag…

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Ein Wagen mit lauter Flaschen drin – wer den wohl gesponsert hat … ??

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Ein Kastenwagen.

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Die Hippies von Wustrow …

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… oder hieß das Motto „Hawaii“??

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Der Posaunenchor von Wustrow – ab und zu gibt er ein Ständchen.

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Trecker trifft Grazien.

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Wie in Rio – selbst die Temperaturen passten sich an!

Und ab hier machte der Akku meiner Kamera nicht mehr mit.

Um 15:00 Uhr am Sonntagnachmittag findet dann das Königsschießen der Kinder statt, auf dem die neuen Kindermajestäten ermittelt werden, deren Proklamation um 18:00 Uhr begangen wird. Die Kinder schießen mit Lichtpunktgewehren. Die Zieltreffer werden elektronisch erfasst und ausgewertet.

Aber auch die Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren dürfen schießen, nämlich an einem Preisschießen auf dem Schießstand am Rand des Parcoursbereichs des Reitvereins teilnehmen. Die Erwachsenen schießen dann mit echten patronengefüllten Kleinkalibergewehren.

Hier geht’s zum Schießstand:

 

Der Schießstand wird von der Niedersächsischen Kameradschaftsvereinigung, Abteilung Kameradschaft Wustrow, ein eingetragener Verein, betrieben. Für das Kinderschützenfest und das Preisschießen für Erwachsene des Erntefestes in Wustrow stellt der Verein seine Schießstände zur Verfügung.

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Der Schießstand für Kinder. Geschossen wird mit Lichtpunktgewehren, deren Treffer elektronisch aufgezeichnet werden. Daher die Computerausstattung auf dem Tisch.

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Der Schießstand für die Erwachsenen und Jugendliche ab 15 Jahren.

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Die Erwachsenen und Jugendlichen schießen mit Kleinkalibergewehren.

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Ganzweit hinten erkennt man die beiden Zielscheiben. Der Abstand zwischen Schießstand und Ziel beträgt 50 Meter.

Der Verein hat eine Erwachsenengruppe, aber auch eine – wie die Geschäftsführerin ausdrückt – leider recht kleine Kindergruppe. Die Geschäftsführerin des Vereins betont, dass die Kinder im Verein einen verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe lernen würden.

„Unsere Kinder spielen nicht diese Killerspiele im Internet, wo mit einem Mausklick ein Mensch virtuell getötet wird“, sagt die Dame in überzeugendem Tonfall. Vielmehr seien die Kinder durch die Schießübungen in Konzentrationsfähigkeit geübt, da das Zielen Präzision und Konzentration verlangen würde, und würden in Verantwortungsbewusstsein gegenüber einem Menschenleben geschult sein.

Im Vereinsheim hängen Erinnerungsstücke an frühere Zeiten, als der Verein noch Mitglied in einem anderen Dachverband war:

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Wie das Preisschießen ausgegangen ist, kann man am 7. Juli erfahren.

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Und wie die neuen Kindermajestäten heißen, kann ich euch jetzt auch sagen: Till Colin, der Zwillingsbruder des vorherigen Kinderschützenkönigs Felix, ist neuer Kinderschützenkönig, und Alina, die vorherige Kinderkronprinzessin, ist nun neue Kinderschützenkönigin.

Zum Schluss noch ein Bild vom „Fehl und Erntefesttor“ in Fachwerkbauweise, das den Eingang zum Festgelände bildet. Auf dem Gelände findet auch regelmäßig eine Gewerbeschau statt.

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In Wustrow scheint mir ein reges Vereinsleben zu bestehen: es gibt einen Reit- und Fahrverein, einen Fußballverein, einen Schützenverein, einen Posaunenchor, eine Musikgruppe, einen Spielmannszug, ein Erntefestverein und wahrscheinlich noch viele weitere Vereine.

In Wustrow gibt es auch Neubaugebiete, Grundstückspreise ab 18.– € pro Quadratmeter.

 

 

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