Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow

Lübbow, Anfang Juli.

Lübbow ist ein Straßendorf zwischen Lüchow und Salzwedel. Straßendorf bedeutet, dass es sich nicht um einen Rundling handelt, sondern die Häuser links und rechts entlang der Hauptstraße durch das Dorf (und in einigen Nebenstraßen) angesiedelt sind.

Die kleine Kapelle habe ich bisher immer übersehen, wenn ich durch Lübbow Richtung Salzwedel gefahren bin. Weil sie so klein ist. Aber irgendwann fiel sie mir auf, und vor ein paar Tagen habe ich mal angehalten und sie mir angeschaut.

 

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Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow von der Straße aus gesehen.

 

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Die Kapelle von der Seite.
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Die hintere Wand der Kapelle in Fachwerkbauweise mit zwei Fenstern.
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Blick durchs Fenster in das Innere.
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Im Vordergrund ein einfacher Tisch – als Altar – mit dem Kreuz und mit Kerzen.
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Blick in das Dachgebälk.
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Dieser Balken liegt quer über der Tür und stammt noch aus der Zeit der Erbauung der Kapelle. Hinten links sieht man ein größeres Loch – das wurde gebohrt, um das Alter des Balkens feststellen zu können. Die Fachleute haben das Alter des Balkens auf das Jahr 1231 bestimmt – wie mir Herr Pastor Oppermann am Jacobitag mitteilte.
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Ein Symbol an der Wand – die Bedeutung kenne ich nicht.
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Blick durch den Eingang nach außen.

Schutzpatron der Kapelle ist der Apostel Jakob. Das Wendland hat sich überwiegend der Reformation angeschlossen, aber der Name wurde auch nach „Abschaffung“ der Heiligen  der katholischen Kirche beibehalten. Am 25. Juli wird in Lübbow der Jacobitag begangen, wobei sich die Lübbower nach dem Gottesdienst zu einer „Volksspeisung“ mit Erbsensuppe  treffen.

Die Kapelle wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands um 1200 aus Feldsteinen von Zistersienser-Mönchen – also katholischen Mönchen – errichtet, die nicht immer anwesend waren. Bei Anwesenheit stellten sie ihr Kreuz in eine kleine Außennische an der Kapelle. Die Anwohner suchten dann die Mönche auf, erhielten geistliche Unterweisung, aber auch Lebensberatung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Chorraum zerstört. Im 17. Jahrhundert wurde dann die hintere Wand aus Mauersteinen mit Fachwerkbauweise errichtet, und es wurden zwei Fenster eingebaut..

In früherer Zeit hatte die Kapelle keine Sitzgelegenheiten, die Gemeinde stand während des Gottesdienstes. Im 19. Jahrhundert wurde ein Eichenstamm in die Kapelle gebracht, der als Zollschlagbaum genutzt worden war und der dann lange Zeit als einzige Sitzgelegenheit diente.

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Die alte Eiche bzw. der Eichenstamm befindet sich noch immer in der Kapelle und wird als Sitzbank benutzt – wie ich anlässlich des Jacobitags am 25. Juli sehen konnte.

Die Eiche war in heidnischer Zeit als Gerichtseiche – der „Banneiche“ –  an einem Ort zwischen Bösel und Wustrow, der heute noch Banneick heißt, genutzt worden und wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands von den Zistersiensermönchen einfach gefällt. Niemand wollte sie aus Aberglauben für den Hausbau verwenden, weil auf ihr ein „Blutfluch“ laste. Daher wurde der Eichenstamm als Zollschlagbaum für die bei Lübbow verlaufende Grenze zwischen Welfen- und Askaniergebiet bis 1866 genutzt, dem Jahr, in dem die preußische Zollunion die Grenzen aufhob. Als der Zollschlagbaum nicht mehr nötig war, brachte man den Eichenstamm in die Kapelle, wo „Gott ihn sanktionieren könne“.

Das Vorstehende habe ich Informationen in einer Schautafel neben der Kapelle entnommen.

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Inzwischen wurde die Kapelle mit einfachen Sitzbänken ausgestattet. Die Sitzbänke sind an der Seite mit römischen Ziffern beschriftet.

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Vor der Kapelle steht eine alte Sitzbank – ebenfalls aus einem alten Eichenstamm.

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Der nächste Jacobitag ist am Mittwoch, den 25. Juli 2018. Um 10:00 Uhr findet dann in der Kapelle ein Gottesdienst mit anschließendem Abendmahl statt.

Danach treffen sich die Bürger*innen zu einem gemütlichen Beisammensein mit Erbsensuppenessen.

Am Nachmittag um 14:30 Uhr findet dann ein Kindertanz statt, und am Abend können sich ab 19:30 Uhr auch die Erwachsenen beim Tanzen in der alten Schule vergnügen.

 

 

 

 

 

 

 

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