Projekt „Landwerkstatt“ in Lüchow

Für Handwerker! – Sei dein eigener Chef!- Gründe dein Unternehmen!

Das ist das Motto der „Landwerkstatt„, einem neuen Projekt mit Sitz im Alten Postamt Lüchow.

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Das Gebäude des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße.

Seit dem 1. Januar 2018 leitet Sarah Fandrich als Projektmanagerin das Projekt „Landwerkstatt“ im Landkreis Lüchow-Dannenberg, das bis 2019 als Pilotprojekt durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen des Bundesprogramms Ländliche Entwicklung (BULE) gefördert wird.

Die Durchführung des Projekts obliegt der Süderelbe AG in Zusammenarbeit mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg und der Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg.

Das Projekt Landwerkstatt soll als Modellprojekt für ganz Deutschland Erkenntnisse darüber erbringen, wie Handwerksbetriebe in Zeiten des bundesweiten Fachkräftemangels Unternehmensnachfolger finden können.

Zugleich wird die Absicht verfolgt, Existenzgründungen – und natürlich Unternehmensnachfolgen – im Handwerk zu fördern. Zum Projektende soll ein Handbuch mit Empfehlungen und Erkenntnissen aus dem Pilotprojekt erstellt werden.

In Zeiten, wo Abiturienten am liebsten alle studieren möchten, wo gut ausgebildete Fachkräfte ins Ausland gehen, der viel besprochene demografische Wandel eine zunehmende Überalterung der Bevölkerung ankündigt, wird es für ein Wohlstandsland wie Deutschland fast überlebenswichtig, in Zukunft eine funktionierende Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen Dienstleistungen aufrechtzuerhalten.

Und noch mehr trifft diese Problematik für sogenannte strukturschwache Regionen wie das Wendland zu. Was – nach meiner ganz persönlichen Vermutung – ein Grund mit dafür gewesen sein dürfte, das Projekt als „Modellprojekt“ ins Wendland zu vergeben: wenn der bevölkerungsarme Landkreis Lüchow-Dannenberg es schafft, hier eine Verbesserung zu erzielen, dann können andere Regionen davon lernen und es auch schaffen.

Sarah Fandrich lebt seit dem sechsten Lebensjahr im Wendland und hat breit aufgestellte berufliche Erfahrungen in verschiedenen Bereichen. Studiert hat sie im Bachelor Angewandte Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg.

„Über den Pferdesport, dem auch viele Handwerker hier im Landkreis verbunden sind, und über meinen Bruder, der von Beruf Mechaniker ist, habe ich viele Kontakte zur Handwerksbranche geknüpft“, erläutert Sarah Fandrich ihre Verbundenheit mit der Branche des Handwerks.

Zu ihren Aufgaben als Projektmanagerin gehört es zentral natürlich, das Projekt Landwerkstatt praktisch umzusetzen. Dazu plant und organisiert Sarah Fandrich zertifizierte Fortbildungen für zukünftige Existenzgründer*innen sowie verschiedene Informationsveranstaltungen zu fokussierten Themen im Handwerk.

Unterstützt wird Sarah Fandrich durch Arne Schrader, der für die Webseite und für Grafik zuständig ist und ansonsten in der benachbarten Fachkräfteagentur Wendlandleben arbeitet, die die zentrale Aufgabe hat, für die Ansiedlung von Fachkräften im Wendland zu werben.

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Sarah Fandrich und Arne Schrader – Kollegen bei der Landwerkstatt Lüchow-Dannenberg.

Die zertifizierten Fortbildungen der Landwerkstatt werden an sechs Wochenenden in 45 Unterrichtseinheiten und in zehn Unterrichtsmodulen durchgeführt: freitags von 15:00 bis 21:00 Uhr und sonnabends von 10:00 bis 15:00 Uhr.

Inzwischen wurde am 22.9.2018 der erste Durchlauf mit sechs Teilnehmer*innen erfolgreich abgeschlossen. Die Ziele der Teilnehmenden im Alter zwischen 30 und 50 Jahren waren teils eine Unternehmensgründung vorzunehmen, teils eine Unternehmensnachfolge anzutreten.

Ganz unterschiedliche Handwerksberufe wie Tischler, Strohbauer, Fotograf, Weberin und Zahntechnikerin waren vertreten.

Erfolgreich bedeutet nicht nur, dass alle sechs Teilnehmenden durchgehalten und sich ihr Zertifikat redlich verdient haben, sondern auch, dass eine Teilnehmerin, die in einem Zahntechnik-Betrieb in Dannenberg bereits Meisterin war, nun tatsächlich als Nachfolgerin des bisherigen Inhabers den Betrieb übernehmen wird, weil sie im Laufe des Lehrgangs das Rüstzeug dafür erworben und somit das Zutrauen zur Übernahme gewonnen hatte.

Das Selbstbewusstsein zur Existenzgründung oder Unternehmensnachfolge zu stärken, ist überhaupt eines der zentralen Anliegen des Projekts Landwerkstatt.

Gerade wenn es um Unternehmensnachfolge geht, der Betriebsinhaber einen Mitarbeiter als fähig zur Übernahme nach Betriebsaufgabe einschätzt, zeigen sich in der Praxis immer wieder Kommunikationsprobleme.

Oft sprechen Chef und Mitarbeiter nur zwischen Tür und Angel darüber, obwohl es sich doch um eine äußerst ernsthafte Angelegenheit handelt.

Aus dem Grund werden auch Kommunikationstechniken und Missverständnisse in der Kommunikation im Zertifikatsprogramm der Landwerkstatt behandelt. Andere Themen der zehn Schulungsmodule sind Steuern, Buchhaltung, Recht, Unternehmensformen, Kalkulation, Personal und Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.

Die Schulungen werden von Wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen der Leuphana Universität Lüneburg in den Räumlichkeiten des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße durchgeführt. Die Leuphana ist somit ein Kooperationspartner der Landwerkstatt. Carsten Wille vom Gründungsservice der Leuphana war einer der maßgeblichen Anstoßakteure für das Projekt. Ein weiterer maßgeblicher Anstoßgeber war die Süderelbe AG, die als Unternehmensberatung Projekte in der unteren Metropolregion Hamburg betreut.

Der nächste Schulungsdurchlauf beginnt am 15. Februar 2019 und endet am 18. Mai 2019.

Nach Beendigung eines Lehrgangs können die Teilnehmenden noch ein halbes Jahr lang in kostenlosen individuellen Beratungen offen gebliebene Fragen klären.

Die Landwerkstatt unterstützt auch bei der Vernetzung mit Experten im Handwerk und vermittelt in weiterführende Beratungsangebote der Projektpartner.

Sie hilft Betrieben auch bei der Suche nach geeigneten Nachfolgern bzw. umgekehrt auch Interessierten bei der Suche nach einem passenden Unternehmen, das sie übernehmen könnten. Überdies bietet sie Coaching bei der Existenzgründung und Begleitung bei der Unternehmensnachfolge an. Alle Beratungen sind kostenlos, individuell und vertraulich.

Beratung über Finanzierungsmöglichkeiten bietet die NBank an, deren Mitarbeiter dazu ins Alte Postamt kommen.

Alle Existenzgründer und Unternehmen – also nicht nur Handwerksbetriebe – haben am Freitag, den 12. Oktober 2018 Gelegenheit, ihre Vorhaben mit der Wirtschaftsförderung Lüchow-Dannenberg und Beratern der NBank in kostenlosen persönlichen Gesprächen zu erörtern. Hierzu wird um eine Anmeldung unter info@wirtschaft-dan.de oder telefonisch unter 05841-974 73 72 gebeten.

Außer den zertifizierten Schulungen an sechs Wochenenden bietet die Landwerkstatt unter Leitung von Sandra Fandrich diverse Zusatzveranstaltungen und Workshops für Handwerksbetriebe an, unter anderem in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer -Braunschweig-Lüneburg-Stade oder dem Steuerberater Rüdiger aus Lüchow.

Demnächst wird es auch eine Veranstaltung unter dem Titel „Wie wird mein Unternehmen wertvoller?“ geben, für die drei Termine vorgesehen sind. Am ersten Termin geht es um „Fachkräfte“, am zweiten um „Führungskräfte“ und am dritten um „Unternehmenssicherung“.

Sarah Fandrich übt ihre Aufgabe mit Begeisterung aus, bietet sie doch viel Abwechslung. So war sie zum Beispiel auf der Kreistierschau in Dannenberg Mitte September vor Ort, um Werbung für ihr Projekt zu machen.

Wo der größte Fachkräftemangel im Handwerk herrscht? Sarah Fandrich antwortet schnell und sicher: „Im Bereich Heizung/Sanitär. Und bei den Elektroberufen! Hier geht es um akute Daseinsvorsorge, sowohl bei Privaten wie auch bei Unternehmen! Was soll man machen, wenn im Winter die Heizung nicht mehr funktioniert oder das Wasser nicht mehr läuft?!“

 

 

 

 

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