Schafe beleben die Land-Landschaft

In der Nähe unseres kleinen Dorfes ist seit einigen Tagen eine Schafherde zu Besuch.

Nach dem Abernten der Feldfrüchte hat ein Bauer Ölrettich ausgesät. Ölrettich sieht mit seinen gelben Blüten ähnlich wie Raps aus und wächst schnell. Nachdem die Pflanzen hochgewachsen waren, stellte der Bauer den Acker einem mobilen Schäfer zur Verfügung.

Der Schäfer aus dem Ort Jeetzel transportiert mit einem speziellen Anhänger seine Schafe zu verschiedenen Orten im Landkreis, immer dahin, wo seine Tiere Futter finden.

Nach dem extrem trockenen Sommer, in dem Tiere kaum ausreichend Futter hatten, weil die Grünflächen vertrockneten, waren die Schafe der kleinen Herde erkennbar froh, endlich leckeres Frischgemüse fressen zu dürfen.

Hier macht die Herde zufrieden und wahrscheinlich vollgefressen ein Päuschen, bevor es weitergeht:

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Der Schäfer hat einen beweglichen Zaun um das Herdengebiet gezogen, und zwei speziell ausgebildete Hütehunde passen auf, dass die Herde zusammenbleibt und niemand von außen der Herde etwas zuleide tut.

Weil der Acker direkt an der Bundesstraße liegt, wo viele Autos und Radfahrer vorbeikommen, schlagen die Hunde oft an und bellen teilweise pausenlos. Auch kommen neugierige Passanten vorbei, um sich mal Schafe aus der Nähe anzusehen.

Denn  Tiere auf der Weide – das ist hier im Wendland eher schon eine Seltenheit. Man muss viele Kilometer weit fahren, um freilaufende Kühe oder eben auch Schafe auf einer Wiese zu sehen.

Die Schafherde ist daher schon fast eine kleine Sensation. Auch ich schaue bei der Schafherde vorbei. Einer der beiden Hütehunde ist eher der ruhigere Typ und bellt nur ein paar Mal ganz verhalten, als er mich bemerkt. Der andere läuft aber ganz aufgeregt hin und her und gibt Laut.

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Der linke Hütehund – ganz agil und sportlich. Der rechte Hütehund – eher die gemütliche Art.

Da ich in der Nähe auf meinem Grundstück arbeite, gewöhnt er sich aber bald an mich, da er erkannt hat, dass ich kein Wolf und auch sonst nicht gefährlich bin. Jetzt bellt er nur noch ein paar Mal kurz, wenn er mich bemerkt.

Einige Anwohner im Umkreis haben sich über das permanente Bellen der Hütehunde schon amtlich beschwert und – wie mir eine Bekannte erzählte – haben sogar Anzeigen erstattet.

Ich verstehe die Leute manchmal nicht – sie wollen auf dem Land leben, und dann soll es zugehen wie in der Stadt. Kein Hundegebell, Rasen ganz kurz gemäht – warum bleiben sie dann nicht in der Stadt? Früher liefen hier in unserem Dorf viele gackernde Hühner herum, die Kühe wurden durchs Dorf getrieben, abends klapperte das Melkgeschirr, Hähne krähten schon frühmorgens, und einen Hund, der bellte, hatte sowieso jeder Hof. Heute fahren hier stattdessen so viele Autos und dicke Busse und LKW und vor allem Trecker herum – ich möchte mal wissen, was lauter ist: der stetig fließende Autoverkehr auf der vorbeiführenden Bundesstraße, der sich anhört, als wenn hier eine Autobahn wäre, oder bellende Hunde.

Überdies sollte man mal darüber nachdenken, wie sich das für die Tiere anhört, wenn auf der Straße pausenlos Autos und Trecker vorbeifahren, gehupt wird oder jemand die Kreissäge anschmeißt. Ganz zu schweigen von den Abgasen, die die Tiere einatmen müssen.

Tiere auf der Weide – das gehört zum Landleben dazu und gehört zum Landschaftsbild einer ländlichen Region. Auch wenn es um das Bemühen um mehr Tourismus geht: Touristen erwarten Tiere auf dem Land!

Der Schäfer hat bereits drei Schafe durch einen Wolfsriss verloren. Das war bei einem anderen Dorf. Aber es gibt im Wendland tatsächlich Wölfe, und daher sind Hütehunde wichtig.

Ich weiß noch: früher in meiner Kindheit zog ein Schäfer, der in der Nähe wohnte, mit seiner richtig großen Herde einfach über die Landstraße von Weide zu Weide. Dann war die Straße voll mit den Tieren, und der Hütehund lief bellend um die Herde herum, um sie zusammenzuhalten. Die Autos mussten dann eben solange warten. Allerdings stand die Anzahl der Autos damals in keinem Verhältnis zum heutigen Aufkommen auf der gleichen Straße.

 

 

 

 

 

 

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