Die Jugend zieht es in die Städte


Gerade vor ungefähr einer Woche veröffentlichte unsere Tageszeitung in Bremen, der „Weser-Kurier“,das Ergebnis einer Studie des Marktforschungsunternehmens Empirica, nach der Bremen nicht mehr attraktiv genug für junge Leute zwischen 20 und 30 in Deutschland sei.

Die Kneipenszene in den Vierteln, von denen die Bremer selbst denken, sie seien „lebendig und urban“, erschienen den jungen Leuten in Deutschland laut der Studie als zu verstaubt und nicht hip genug. Die jungen Leute würden lieber in Städte wie Berlin, Hamburg oder Leipzig ziehen, weil dort mehr los sei und sie größere Möglichkeiten zu ihrer persönlichen Weiterentwicklung hätten.

Tja, das war für die Bremer ja ein ganz schöner Schlag in die Magengrube.

Und dann noch auf Seite eins.

Aber dann heute, Sonntag, der 25.November: ein halbseitiger Artikel mit der Überschrift „Einmal im Jahr die Sau rauslassen“ im „Weser-Kurier“. Die größte Landjugendparty Deutschlands fand gestern am Sonnabend in Bremen statt!

8000 junge Menschen, Mitglieder der Landjugend aus ganz Deutschland und sogar dem benachbarten Ausland wie den Niederlanden und Dänemark, trafen sich in der ÖVB-Arena hinter dem Bahnhof in Bremen (die Bremer sagen immer noch“Stadthalle“ dazu), um „Deutschlands größte Landjugendfete“ zu feiern.

Diese Fete hat den Namen „Quotenfete“– abgeleitet von der (inzwischen abgeschafften) „Milchquote“.

Ländlich war auch die Dekoration: Treckerreifen, Trecker,Mähdrescher und Heuwender. Sogar ein Plattdeutsch sprechender Special Guest, der Internetstar Keno Veith alias „De Schwatten Ostfrees Jung“ war zugegen, um Stimmung zu verbreiten. Auch das Reiten auf einem hydraulischen Stier sorgte für Spaß. Außerdem gab es Wettbewerbe wie Wettmelken oder Milchkannenstemmen.

Die Fetengäste kamen mit Bussen, PKW und sogar dem einen oder anderen Trecker angerollt. „Auf dem Land kennt man die Quotenfete“, wird die Pressesprecherin zitiert, „da werden im großen Stil Busse gechartert.“

Ja, Bremen ist als hipper Ort eben wenigstens noch bei der deutschen Landjugend angesagt!

Aber warum findet so eine Megafete für die Landjugend eigentlich nicht auf dem Land selbst statt? Die Pressesprecherin weiß die Antwort: „Bei uns gibt es eben die Kapazität für so eine Riesenparty.“

Was bedeutet jetzt „Kapazität“: Raum oder Fähigkeiten? Platz ist jedenfalls auf dem Land genug.

Wenn es die Landjugend sogar ins„langweilige“ Bremen zieht, sollten sich Verantwortliche auf dem Land mal Gedanken machen.

Im Wendland gibt es zumindest Ansätze für solche Partys: zum Beispiel die jährliche „Wiesenfete“ in Quickborn oder „Rock im Mais“ in Schaafhausen, das nur alle vier Jahre stattfindet.

Die nächste Quotenfete in Bremen ist übrigens auch schon geplant: für den 30. November 2019.

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