„Bohemian Rhapsody“: Cafe Grenzbereiche Platenlaase

Gerade komme ich vom Cafe Grenzbereiche, dem Kulturverein in Platenlaase, zurück. Dort gab es im Kinoprogramm „Bohemian Rhapsody“, den Film über Queen und Freddy Mercury.

Ich war noch nie im Kino im Cafe Grenzbereiche und war deshalb erstaunt, dass es dort einen richtigen recht großen Kinosaal mit Sesseln und gepolsterten Sitzreihen gab, wobei die Sitze wie in einem richtigen Kino von unten nach oben ansteigend waren. Am oberen Rand gab es eine Art Tresen, an dem man auch mit einem Bier oder Wein sitzen konnte.

Einblick in den Kinosaal vom Cafe Grenzbereiche Platenlaase

Die Leinwand war auch so groß wie in einem richtigen Kino.

Ich sage das, weil ich eigentlich einen kleinen Raum mit ein paar Stühlen erwartet hatte, so eine Art „Wohnzimmer-Kino“. Aber ich war also wirklich sehr angenehm überrascht: ein richtiger Kinosaal mit einer richtig großen Leinwand.

Der Film „Bohemian Rhapsody“ erzählt die Entstehungsgeschichte der Band „Queen“, insbesondere stand die Figur des Leadsängers Freddy Mercury im Fokus.

Freddy Mercury war 1946 auf Sansibar geboren worden, wo seine Eltern, die Parsen waren, für die englische Regierung arbeiteten. Der Geburtsname von Mercury war „Farrokh Bulsaro“. Nachdem die Familie – Eltern, Freddy und seine Schwester – nach London übergesiedelt waren, interessierte sich Farrokh, der nun „Freddy“ genannt wurde, für die Clubszene und beobachtete die Auftritte einer Studentenband mit dem Namen „Smile“, zu der Brian May und Roger Taylor gehörten. Nachdem der Sänger der Band diese verlassen hatte, bot sich Freddy als Sänger an. So begann 1970 die Erfolgsstory der berühmten Bandformation.

Der Film erzählt dann, wie sich die Band weiter entwickelte, den Namen „Queen“ annahm, in die Hände des Managers von Elton John gelangte. Der vermittelte den Kontakt zum Produzenten von Pink Floyd und Jimi Hendrix, der die Band weiter förderte – aber später, als die Band „Bohemian Rhapsody“ herausbringen wollte und sich der Produzent wegen der ungewöhnlichen Länge von fast 6 Minuten dem Wunsch entgegenstellte, von der Band sozusagen „gefeuert“ wurde. Neben Taylor am Schlagzeug, May an der Leadgitarre und Freddie Mercury am Klavier und als Sänger stieß dann später noch John Deacon als Bassist zur endgültigen Formation.

Die Darstellung der Entwicklung einzelner Songs fand ich besonders interessant. So wollte die Band das Publikum gern mehr einbeziehen, und Brian May kam auf die Idee mit dem Füße stampfen, was zunächst im Studio mit den Bandmitgliedern und ihren Ehefrauen geprobt wurde und später Stadien im Song „We will rock you“ zum Erbeben brachte. Oder wie John Deacon einige Akkorde auf seiner Bassgitarre der Band vorspielt und daraus später einer der erfolgreichsten Songs der Band wurde, nämlich „Another one bites the Dust“. Und natürlich die Entstehung der „Bohemian Rhapsody“, der Musiktitel, für den die Band eines der ersten Musikvideos drehte und der auch den Filmtitel abgab. „Bohemian Rhapsody“ ist ein Song, der von Mercury komponiert und getextet wurde, wobei es eigentlich nur in der Einleitung einen Text im Sinne einer Story gibt, im weiteren Songvrlauf aber nur einzeln „hingeworfene“ Wörter. Im Film wird als ziemlich lustig dargestellt, wie Roger Taylor im Tonstudio das Wort „Galileo“ in möglichst hoher Stimmlage singen soll, wobei Mercury immer wieder auffordert, in noch höhere Tonlage zu kommen, was Taylor fast verzweifeln lässt.

Freddie Mercury hat sich selbst – im Film – als „Performer“, der den Menschen ein Stück Himmel in ihr Leben bringen wollte, umschrieben. Der Darsteller von Mercury, Rami Malek, sieht ihm nicht nur äußerlich vom Typ her ähnlich, sondern wächst auch stark in die Rolle hinein, „performt“ (fast) ebenso gut bei Bühnenauftritten. Auch den privaten Freddie Mercury stellt er nachvollziehbar und in gewissen Szenen auch anrührend dar.

Der Film hat den Titel „Bohemian Rhapsody“ nicht zuletzt auch in Anspielung auf Mercurys Lebensweise, nachdem sich der Erfolg eingestellt hat und mit ihm Geld fließt. Denn Mercury genießt das Leben als „Bohemien“, kauft sich ein großes Haus mit Kristalllüstern, in dem jede seiner zahlreichen Katzen ein eigenes Zimnmer bekommt, mietet Bedienstete, veranstaltet üppige, verrückte Partys, legt Wert auf ausgefallene Kleidung.

Wie Mercury schließlich in die Hardcore-Schwulenszene hineingezogen wird, wird hauptsächlich einem bestimmten Mitglied im Begleitteam der Band zugeschrieben, der zum persönlichen Assistenten von Mercury wird. Ob das so stimmt, kann man als Zuschauer natürlich nicht beurteilen.

Auch die anderen Bandmitglieder May, Taylor und Deacon werden von tollen Schaupielern dargestellt, die den echten Mitgliedern auch ähnlich sehen (mit Nachhilfe von Perücken), insbesondere der Darsteller von Brian May. Ben Hardy ist der Drummer Roger Taylor, Gwilym Lee stellt Brian May dar, Joseph Mazello spielt John Deacon.

Stark ist natürlich auch die Filmmusik, denn viele Songs von Queen werden in voller Länge gespielt. Der Film beginnt mit der Fahrt von Freddy Mercury, der schon von seiner HIV-Erkrankung Kenntnis hat, zum Wembley-Stadion in London, wo er zusammen mit Queen einen Auftritt bei Live Aid, dem von Bob Geldof organisierten Superkonzert zum Zwecke der Spendensammlung für die Hungerhilfe für Afrika, hat, springt dann aber zurück in das Jahr 1970.

Und der Film endet mit einer langen Sequenz, in der der Queen-Auftritt auf dem Live Aid Superkonzert mitsamt Mercury in seiner berühmten Unterhemd-Performance und einem enthusiatischen Massenpublikum mit mehreren Musik-Stücken nachgestellt wird.

Insgesamt also ein Film, den sich Queen-Fans unbedingt anschauen sollten. Im Wendland: im Cafe Grenzbereiche! Der Film hat Überlänge, dauert mehr als zwei Stunden. Heute am 30. Dezember wird der Film ab 20:15 Uhr (mit Vorfilm) und morgen, Silvester, um 19:30 Uhr noch einmal gezeigt. Eintritt: 8,50 Euro.

Ich glaube, ich werde ihn mir auf jeden Fall noch einmal anschauen. Und anhören.

Aber erstmal lege ich jetzt meine Queen-CD mit Greatest Hits auf!

Nachtrag:
Gerade gestern (am 7.1.2019) habe ich erfahren, dass der Darsteller von Freddie Mercury – Rami Malek – den Golden Globe als bester Darsteller in einem Filmdrama – nämlich in „Bohemian Rhapsody“ – gewonnen hat. Herzlichen Glückwunsch! Ebenso hat der gesamte Film einen Globen Globe als bestes Filmdrama gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.