Tod eines Dorfteichs

Am Rand unseres kleinen Dorfes befindet sich ein kleiner Teich. So einen Teich hatte früher jedes Dorf, denn der Teich sammelte Regenwasser, das im Notfall – im Falle eines Brandes – als Löschwasser diente.

An manchen Häusern in Lüchow zum Beispiel hängen noch alte rote Eimer (jetzt als Blumenpflanzgefäße dienend), die den Bewohnern in früheren Zeiten, bevor es organisierte Feuerwehren und Löschschläuche gab, zum Löschen entstandener Brände dienten. Eine Menschenkette mit den Dorfbewohnern ersetzte den Löschschlauch, denn die Menschen gaben die Eimer mit dem Wasser aus dem Löschteich von Hand zu Hand weiter, bis zur Brandstelle.

Von alter Zeit her wurde unser Dorfteich „Notkuhle“ genannt, eine „Kuhle“, die dem Notfall diente. Falls im Dorf ein Brand ausbrach, sollte das Wasser des Teiches zum Löschen dienen. Tatsächlich ist unser komplettes kleines Dorf einmal vor etwa zweihundertfünfzig Jahren abgebrannt – und die Häuser wurden dann im gleichen Jahr alle wieder neu errichtet.

In der „Notkuhle“ fanden wir Kinder früher noch Soldatenhelme, die deutsche Soldaten auf ihrer Flucht hineingeworfen hatten.

Die Oberfläche der „Notkuhle“ war mit „Entenmodder“ bedeckt, so nannten wir die grüne Entengrütze. Tatsächlich schwammen auch immer viele Enten auf dem Teich, und auch andere Vögel wurden durch das Wasser und die umstehenden Weiden angezogen. Es gab Frösche, die am Abend quakten. Ob im Wasser auch Fische schwammen, kann ich nicht so genau sagen.

Nun ist unsere Notkuhle tot.

Im vergangenen Sommer, dem Hitzerekordsommer, trocknete sie aus. Hier – wenn man genau hinsieht – sieht man noch einen kleinen Rest Wasser im Teich (ganz rechts unten) – das Foto stammt aus dem Juli 2018:

Der letzte Rest Wasser trocknete dann auch noch aus.

Schließlich sah es so aus:


Unser Dorfteich war nicht der Einzige, der austrocknete: in letzten Sommer 2018 erging es vielen so, zum Beispiel auch dem viel größeren Dorfteich in Grabow.

Inzwischen hatte es wieder geregnet, und viele Dorfteiche füllten sich wieder mit Wasser, so auch der trockengelegte Dorfteich in Grabow.

Aber unsere Notkuhle blieb ohne Wasser.

Diese Fotos habe ich am Silvestertag 2018 aufgenommen:

Man könnte glatt Vieh zum Grasen draufschicken…
Ehemals ein Dorfteich – ein Feuerlöschteig …

Niemand kümmert sich um den armen Dorfteich. Um den Dorfteich herum wachsen Bäume, alte Weiden zum Beispiel, die kaum einmal beschnitten wurden. Deren Äste und Zweige sind jahrzehntelang in den Teich gefallen. Zweige, Äste, ganze Bäume liegen schon jahrelang in ihm. Jetzt, wo der Teich trocken ist, wäre eine gute Möglichkeit, den Teich einmal von dem ganzen Gestrüpp zu befreien. Wenn sich der Teich doch wieder mit Wasser füllen sollte, tragen die sich von Bäumen und Ästen liegenden Rindenteile und andere Kleinstteile weiter zur Vermullung des Wassers bei.

Bäume und große Äste liegen im Dorfteich, der zurzeit ausgetrocknet ist.

Zwei Mal bereits habe ich schriftliche Anträge bei der Gemeinde gestellt, ohne Erfolg, obwohl ich selbst bereit wäre, bei der Entsorgung der Äste und bei der Beschneidung der umliegenden Bäume, deren abgestorbene Äste und Zweige stetig in den Teich fallen, mitzuhelfen. „Keine Kapazität“, heißt es.

Schade, denn in anderen Dörfern gibt es hübsche Dorfteiche, auf die auch noch mit Schildern stolz hingewiesen wird. Zum Beispiel im Museumsdorf Lübeln.

Wen kümmert’s?

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