Amerikanische Bienen – deutsche Bienen

Ich glaube, vielen Menschen ist die Wichtigkeit von Bienen für ihre Nahrung gar nicht so bewusst. Viele Leute denken, dass Bienen nur für die Produktion von Honig gut sind. Und sagen dann zum Beispiel: „Honig mag ich sowieso nicht“ oder „Honig esse ich nur selten – eigentlich nur, wenn ich erkältet bin!“

Aber Bienen tragen auch wesentlich mit der Bestäubung von Blüten zur Nahrungsversorgung der Menschen bei. So sorgen Bienen für die Bestäubung von Obst- und Gemüsepflanzen oder auch von Nuss- und Mandelbäumen. Geht der Bienenbestand zurück, entfällt entsprechend die natürliche Bestäubung von Obst-, Gemüse – und Nuss/Mandelpflanzen mit entsprechender Nachwirkung.

Ich bewahre manchmal Zeitungsartikel, die mich interessieren, auf.

Kürzlich fand ich beim Aufräumen einen dpa-Artikel von der Wissenschaftsseite des Weser-Kurier (Bremen) wieder, mit dem Titel „Amerikas Bienen stehen offenbar unter Stress“.

Der Artikel wurde am 18. Mai 2007 veröffentlicht – also vor ca. zwölf Jahren.

Ich gebe diesen Artikel einmal in Auszügen wieder:

„Genau weiß noch niemand, warum Nordamerikas Bienen plötzlich wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheinen. Ein gutes Viertel der 2,4 Millionen Bienenvölker in den USA und einige tausend in Kanada haben sich quasi über Nacht in nichts aufgelöst. „Wahrscheinlich haben sie einfach zu viel Stress“, folgert Kevin Hackett vom US- Landwirtschaftsministerium aus den Untersuchungen der vergangenen Monate.
„In diesem Jahr kommen wir noch um eine Krise herum“, sagt Hackett. „Aber wir sehen ernste Probleme für 2008 voraus.“ Die Menschen in den USA verdankten bei ihrer Ernährung jeden dritten Bissen der Bestäubung von Obst, Gemüse oder Nüssen und Mandeln durch Honigbienen.

„Wahrscheinlich schwächt eine Kombination verschiedener Faktoren unsere Bienen“, erklärt der Insektenforscher Steve Sheppard von der Staatlichen Universität von Washington. Einen großen Stress-Faktor sieht er im Einsatz von Bienen in weit voneinander entfernt liegenden Anbaugebieten: Amerikanische Imker kreuzen vom Frühling bis in den späten Herbst mit Riesenlastern durchs Land und setzen ihre summende Fracht mal in Florida, mal in Alaska oder anderswo aus – abhängig davon, wie weit die zu bestäubende Pflanzenart in der jeweiligen Region ist. Wie Sheppard betont, führt die Konzentration auf einzelne Pflanzenarten bei den Bienen darüber hinaus zu einer einseitigen Ernährung, was wiederum negative Folgen für das Immunsystem der Tiere habe.

Und jetzt kommt der letzte Abschnitt des Artikels:

„In Deutschland gebe es ein solches Bienensterben wie in Nordamerika derzeit nicht, erklären der Präsident des Deutschen Imkerbundes, Anton Reck, und der Bienenforscher Stefan Fuchs von der Universität Frankfurt/Main. Nach dem Winter habe es einen Verlust von zehn Prozent gegeben, doch dieser Wert liege im normalen Bereich, so Reck.“

Wie schnell sich das doch geändert hat! Jetzt hat das Bienensterben auch uns erreicht. In zwölf Jahren haben uns Erkenntnisse der Wissenschaft nicht vor dem Bienensterben schützen können – oder sind die Wissenschaftler auf taube Ohren gestoßen? Oder konnten sich der betreffenden Klientel nicht genügend verständlich machen? Monokulturen gibt es auch bei uns in der Landwirtschaft, also ebenso einseitige Ernährung der Bienen wie in den USA. Blühstreifen, ja, die soll es geben, aber irgendwie nicht bei uns in der Nähe. Glyphosat wird dagegen kräftig mit großen Krakenarmen hinter dem Trecker gespritzt. Also ich mag kein Glyphosat. Ich glaube, Bienen auch nicht. Ich bin ziemlich sicher.


Ein Kommentar

  1. Guten Morgen,
    der Bestand an Insekten und Wiesenblumen ist nachweislich ganz erheblich (!) zurück gegangen und alle wissen, woran das liegt. Ich versuche meinen Lesern das zu vermitteln, aber es interessiert keine(n).
    Woran mag das nur liegen? Hier mein letzter Versuch, den ich selbst kommentiert habe:
    https://4alle.wordpress.com/2019/02/22/neue-insektengifte-fuer-das-insektensterben/
    Und das ist erst der Anfang.
    Gruß
    Jürgen aus Loy (PJP)

    Gefällt 1 Person

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