Katrin Konert: neue Fragen der Ermittlungsgruppe

In meiner Jugend war es relativ üblich, zu trampen, gerade für junge Leute. Manche sind in dieser Zeit durch halb (West-)Europa getrampt. Allerdings ist auch viel „passiert“, weshalb unsere Mütter uns eingeschärft hatten, ja nicht zu Fremden ins Auto zu steigen.

Aber einmal, als ich 17 war und morgens gegen fünf Uhr nach einer Party an einer Bushaltestelle in einem Bremer Vorstadtviertel stand – es war Sommer und schon hell -, hielt ein Taxi und der Taxifahrer fragte durch die heruntergelassene Scheibe, wohin ich wolle, er könne mich bis zum Bahnhof mitnehmen. Ich rechnete mir schnell aus, wieviel das wohl kosten würde und sagte, ich habe kein Geld dabei. „Macht nichts, ich fahre sowieso zum Bahnhof, ich nehme dich umsonst mit!“ – Und da bin ich eingestiegen und durfte bis zum Hauptbahnhof kostenlos mitfahren, von wo aus ich dann mit einer frühen Straßenbahn weiter nach Hause gefahren bin.

Katrin Konert war 15 Jahre alt, als sie am 1. Januar 2001 gegen 18:00 Uhr – wo es also schon dunkel war – an einer Bushaltestelle in Bergen an der Dumme zuletzt lebend gesehen worden ist. Sie hatte ihren Freund nach einem Streit verlassen, konnte oder wollte also nicht zurück, mit einer SMS hatte sie ihrer Schwester angekündigt, dass sie bald nach Hause kommen würde. Ein Bekannter, den sie gebeten hatte, sie nach Hause in ihr Dorf Groß Gaddau zu fahren, lehnte ab, denn zu der Zeit gab es auf den Straßen Blitzeis. Der Akku ihres Handys war dann leer. Sie hoffte wohl auf den Bus und stand deswegen an der Bushaltestelle.

Nach neuesten Meldungen vermutet die Polizei nach Nachforschungen in ihrem Bekanntenkreis, was ihr „Tramperverhalten“ betrifft, immer stärker, dass sie wohl als Anhalterin agierte. Oder sie stand – so wie ich damals – an der Haltestelle und wurde von jemandem angesprochen, der ihr anbot, sie im Auto mitzunehmen. Laut Zeitungsmeldungen soll Katrin Konert wohl in jedem Fall bereit gewesen sein, in ein Auto zu steigen, unabhängig davon, ob sie den Fahrer kannte oder nicht. Sie wollte nach Hause – wo hätte sie sonst bleiben sollen? Und im Wendland, wo die Ortschaften kilometerweit auseinanderliegen, ist es heute noch für viele üblich, jemanden mitzunehmen oder sich mitnehmen zu lassen. Es gibt ja inzwischen sogar offiziell die sogenannten „Mitnahmebänke“, auf die sich Personen, die kein Auto haben, setzen und mit einem Klappschild signalisieren sollen, zu welcher Ortschaft sie mitgenommen werden möchten.

Wer könnte am Neujahrstag, dazu noch an einem besonders kalten, mit dem Auto unterwegs gewesen sein? Es dürfte niemand gewesen sein, der einfach so zum Spaß herumfährt oder der keinen wichtigen Grund gehabt hätte, sich auf eisüberzogene Straßen zu begeben.

In Frage kämen also zum Beispiel Personen, die aus beruflichen Gründen mit dem Auto hätten fahren müssen – Taxis, Polizei, Feuerwehr, Krankenwagen, Busfahrer, Altenpfleger – welche Berufe kämen noch in Frage? Jäger oder Bauern vielleicht noch, die bei dem schlechten Wetter bei Tieren nach dem Rechten schauen wollten.

Es könnte sich jedoch auch um Personen gehandelt haben, die eine Silvesterfeier bei Freunden oder Verwandten besucht hatten, dort übernachteten und am 2. Januar schon wieder zur Arbeit hätten erscheinen müssen – in einer ganz anderen Region, einer ganz anderen Stadt. Sie wären dann gezwungen gewesen, am Neujahrstag gegen Abend die Fahrt anzutreten, während sie bis dahin sich keine Gedanken über die Wetterverhältnisse gemacht oder vergeblich eine Besserung der Wetterverhältnisse abgewartet hätten. Es stand mehrmals in der Zeitung, dass eine Zeugin Katrin Konert dabei beobachtet hätte, wie sie mit dem Fahrer eines schwarzen PKW (wahrscheinlich BMW) mit Berliner Kennzeichen gesprochen habe.

Die Ermittlungsgruppe, die sich in Lüchow mit der Aufklärung des Falls beschäftigt, stellt daher verschiedene Fragen an die Öffentlichkeit, und ich möchte das Blog bei der weiteren Verbreitung dieser Fragen nutzen.

Die Polizei fragt, ob Tramperinnen, die seit Ende der 1990er bzw. Anfang der 2000er Jahre von Autofahrern im Landkreis Lüchow-Dannenberg, insbesondere aber im Bereich der Ortschaften Bergen/Dumme, Jiggel und Clenze, mitgenommen wurden, Erfahrungen dahingehend mit den mitnehmenden Personen gemacht haben, dass sie unangenehme Situationen, „Anmache“, Anhäherungsversuche erlebten. Ebenso fragt die Polizei, ob jemand Kenntnis von solchen Erfahrungen erlangt hat, Personen kennt, die ihnen solche Erfahrungen vielleicht geschildert haben.

Außerdem fragt die Polizei, ob jemandem seit dem Neujahrstag 2001 Veränderungen bei Personen im Bekanntenkreis/Umfeld aufgefallen sind, wie: Verletzungen/Selbstverletzungen, Krankheit physischer oder psychischer Art, Selbstmord/Selbstmordversuche, sozialer Rückzug/Abbruch von Beziehungen, unerklärliche Verhaltensänderungen, plötzlicher Wegzug. Ist jemand aus dem Umkreis ausgewandert, eventuell nach Kanada?

Ist ein verschmutztes oder beschädigtes Fahrzeug seit dem Abend des 1.1.2001 aufgefallen, Reparaturen, Fahrzeugwechsel, Fahrzeugreinigung? Es könnte sich ja auch um einen Unfall – bei dem Glatteis – gehandelt haben, der vertuscht werden sollte.

Die Polizei fragt auch, ob jemand Kenntnis von Personen hat, die am Nachmittag/Abend des 1.1.2001 aus welchen Gründen auch immer im Bereich Bergen/Dumme, Jiggel, Clenze oder Umgebung unterwegs waren. Katrin Konert wollte auf jeden Fall bis nach Clenze mtgenommen werden.

Hinweise können anonym über das BKMS-System online eingegeben werden oder telefonisch über 05841-122-0 oder per Mail über eg-konert@pk-luechow.polizei.niedersachsen.de

Die Fragen der Polizei habe ich weitgehend dem Artikel „Neue Tramper-Hypothese“ im General-Anzeiger vom 9./10. März 2019 entnommen.

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