Rough Haired Chickendogs und Sticky Fingers im Stones Fan Museum Lüchow – Saisoneröffnung am Ostersonnabend

Als ich am Stones Fan Museum ankomme, steht die Vorgruppe aus Dänemark, die Rough Haired Chickendogs, gerade auf der Bühne, und durch die geöffnete Tür dringt ein lautes „u-hu-u-hu!“.

Anscheinend spielen sie gerade „Sympathy for the devil“… Ihr roter PKW mit Anhänger für das Equipment steht direkt auf dem Bürgersteig vor dem Museum. Soll bedeuten, sie sind gleich fertig und wollen ihre Instrumente einladen. Tatsächlich – als ich das Museum betrete, in dessen großem Einheitsraum das Konzert stattfindet, spielen sie gerade noch ihren letzten Song und werden dann herzlich von Ulli Schröder, dem Museumsgründer und –inhaber, von der Bühne verabschiedet. Schade, ich konnte leider nicht pünktlich zum Auftritt der Vorband sein, habe aber gehört, dass sie „gut“ war.
Hier noch ein schnelles Foto vom Auftritt der Band, vom hinteren Teil des Raums aus aufgenommen…:

Es ist ungefähr Viertel nach acht, und die Instrumente werden abgebaut, eingepackt, von der Bühne getragen.

Eine Pause tritt ein.

350 Fans füllen den Saal, überwiegend nicht aus dem Wendland kommend, sondern teilweise von weit her angereist. Ich treffe viele Bekannte wieder, die ich bei vorangegangenen Konzerten kennengelernt habe. Zum Beispiel diese beiden Ultra-Rolling-Stones –Fans, die hier zwischen den beiden im Museum ausgestellten ehemaligen Stones-Limousinen posieren:

Der linke kommt aus Bad Sülzen, der rechte aus Kassel. Ich habe sie schon einmal fotografiert, nämlich vor einem Jahr beim Zusammentreffen mit Leadsänger Hans Irker vor dem Konzert der Coverband „The Stonez“ aus Wien (s. hier). Sie sagen, sie wären noch immer in Kontakt mit Hans Irker, nämlich über ihre Facebook-Gruppe, in der Rolling Stones-Fans miteinander kommunizieren. Viele aus dieser Facebook-Gruppe sind auch an diesem Ostersonnabend wieder vor Ort. Auch das Geschwisterpaar Astrid und Wilfried, die ebenfalls vor einem Jahr zum Konzert der Stonez angereist waren.

Die beiden Mercedes-Limousinen, die ehemals Bill Wyman bzw. Mick Jagger gehört hatten und die das Museum im letzten Jahr gekauft hatte, waren übrigens der Publikumsmagnet. Man konnte sich nämlich hineinsetzen und so einmal nachspüren, wie sich das Fahren und Sitzen in den Limousinen für die ursprünglichen Besitzer angefühlt haben mag.

Fans sitzen im Fonds des Mercedes, der ehemals Bill Wyman gehörte.

Auch ich ließ mir diese Gelegenheit nicht entgehen. Hier könnt ihr den Blick aus der Windschutzscheibe des Mercedes von Mick Jagger auf das Publikum im Konzert sehen:

In der Jagger-Limousine roch es übrigens ziemlich streng nach „Totes-Tier-Haut“ – sprich: nach Leder – und vielleicht war das ja ein Grund, weswegen sich Mick wieder von der Limousine trennte …?

Also ich habe mich sowieso gewundert, wieso Mick Jagger oder Bill Wyman als Mitglieder einer Band, die für Unangepasstheit und Wildheit stand – in bewusster Abgrenzung zu den Beatles – , so spießige Autos gefahren haben. Und dann noch in diesen Farben: Dunkelblau und Grau!:

In Grau: ehemalige Mercedes-Limousine von Mick Jagger



Ein Mercedes 500 SEL für Mick – also ich meine: „Sir Mick“ natürlich.

Auf der Bühne hockt derweil schon der Leadsänger Günther und bereitet sich auf seinen Auftritt vor, indem er diverse Dinge geordnet auf eine Unterlage legt, zum Beispiel seine Mundharmonika. Auch eine Kerze wird entzündet.

Gegen 21:00 Uhr dann steht die fünfköpfige Band „Sticky Fingers“ zusammen mit Ulli Schröder neben der Bühne. Ulli Schröder kündigt die „Sticky Fingers“ aus Bonn als die älteste noch aktive deutsche Coverband der Rolling Stones an:

Ulli Schröder im „Blaulicht“ kündigt die Sticky Fingers an.

Seit vierzig Jahren spielen die Sticky Fingers vorwiegend nach Live-Mitschnitten von Stones-Konzerten deren Songs. Als Gründungsmitglieder noch dabei sind der Leadsänger Günther Grothaus und der Gitarrist Volker Hovestadt, der quasi die „Keith Richards“-Position in der Band innehat. Weitere Bandmitglieder sind der Drummer Wolfgang Pitzen, der Gitarrist Dirk Eckel, und die Bassgitarre bedient Dietmar Berteld.

(Die folgenden Fotos sind leider echt grottenschlecht, aber ich wollte zumindest die Mitglieder mal einzeln zeigen – habe leider keine gute Kamera – entschuldigt, ansonsten guckt euch die Fotos auf der Band-Homepage an.)

Dietmar Berteld – am Bass.

Dirk Eckel – Gitarre.

Wolfgang Pitzen – drums.

Volker Hovestadt – an der „Keith“-Leadgitarre

Und hier der Star der Band: Günther Grothaus – hier noch im Bühnen-Outfit zum Konzertbeginn…

Der erste Song auf der Bühne ist „Sweet little Sixteen“, im Original vor den Stones von Chuck Berry zuerst gesungen, der gleich das Publikum mitreißt, egal welchen Alters, denn der Song stammt bereits aus den Fünfzigern und dürfte wohl fast jedem bekannt sein. Auch der zweite Song ist ein älterer aus den Fünfzigern, ein bluesiger, zu dem der Leadsänger Günther Grothaus auch Mundharmonika spielt. Leider kenne ich den Titel nicht.

Danach kommen aber all die bekannten Rolling-Stones-Superhits. Günther Grothaus bemüht sich redlich, den Tanzstil von Mick Jagger nachzuahmen, hüpft, springt mal zur Seite, mal nach vorne zum Publikum hin, beugt sich nach vorne und nach hinten, kommt sichtlich ins Schwitzen.

Bald legt er sein Jäckchen ab und präsentiert sich kokettierend im weißen Rüschenhemd.

Im Laufe seiner Performance rutscht das Hemd immer weiter von der Schulter herunter und legt bald den halben Oberkörper frei – ganz so, wie man es auch von Mick Jagger in seinen besten Jahren kennt.

Das altersgemischte Publikum von 18 bis 80 kommt derweil auch immer mehr in Fahrt, vorwiegend diejenigen, die vorne vor der Bühne stehen, trauen sich, im Takt der Musik zu tanzen oder zumindest von einem Bein auf das andere zu treten und ein bisschen die Hüfte zu schwenken.

Die drei Gitarristen spielen hervorragend, die Stücke werden teilweise durch ausgiebige Soli oder routinierte Zusammenspiele aller drei Gitarren in groovige oder bluesige Längen gezogen, während der behutete Drummer korrekt den Takt bestimmt.

Günther Grothaus aktiviert schließlich durch den Schlachtruf der Stones das Publikum : „It’s only Rock’n‘ Roll – but we like it!“ grölt bald das fast ganze Publikum mit.

Blick über das Publikum.

Am Rand des Publikums neben der Bühne entdecke ich die Dame aus Bülitz, die mir schon beim Konzert mit Albert Lee im letzten November aufgefallen war (s. hier). Diesmal hat sie ihren Rollator nicht bei sich und rockt mit Armen und Händen in der Luft hin und her. Wieder trägt sie ihr rockiges Glitzer-Stones-Zungen-T-Shirt, das sie sich vor dem Albert-Lee-Konzert im Museumsshop zugelegt hatte.

Bald ist eine Pause für die Band angesagt, und ich begrüße die Dame aus Bülitz herzlich. Sie erkennt mich wieder. Eine andere Dame setzt sich zu uns und bewundert die Tanzperformance der Dame aus Bülitz. „Ich habe früher viel Rock’n‘ Roll getanzt!“ erklärt sie uns ihre Fähigkeiten und verrät uns auch, dass sie im gleichen Alter wie Mick Jagger sei. Ja- dann!

Die andere Dame ist so Mitte Vierzig und kommt aus der Gegend um Salzwedel. Sie ist das erste Mal im Rolling Stones Fan Museum und das erste Mal bei einem der dortigen Konzerte dabei – und ist begeistert. „Ich komme auf jeden Fall wieder, das ist ja toll hier!“ sagt sie.

Ich gehe ein bisschen umher und komme mit einer weiteren Dame ins Gespräch. Sie und ihr Mann kommen aus Rees an der holländischen Grenze und fahren schon längere Zeit mit ihrem Wohnmobil durch Deutschland von Ort zu Ort. Da ihr Mann Rolling-Stones-Fan ist und von dem Konzert der Coverband „Sticky Fingers“ erfahren hatte, haben sie einen Abstecher über Ostern nach Lüchow eingelegt. Sie und ihr Mann haben auch bereits mehrere Konzerte der Original-Rolling-Stones besucht, zum Beispiel in Köln, Düsseldorf, Oberhausen und Gifhorn. Sie ist von dem Museum und dem Konzert total begeistert und kündigt an, bestimmt wiederkommen zu wollen. „Auch Lüchow gefällt mir als Stadt“, sagt sie auf meine Nachfrage, „ich bewundere vor allem die schönen alten gepflegten Fachwerkhäuser“.

Um 22:40 Uhr geht es nach Ende der Pause weiter, Ulli Schröder kündigt ein besonderes Event an: zu Ehren des Stones-Fan-Museums trägt die Band nun in der zweiten Konzerthälfte alle Songs des Stones-Albums „Sticky Fingers“, nach dem die Band sich ja benennt, vor, und zwar in der Original-Reihenfolge. Das Album „Sticky Fingers“ ist vor fast fünfzig Jahren – 1971 – erschienen, gilt als eines der besten Alben der Rolling Stones und feiert sozusagen Jubiläum.

Der erste Song ist „Jumpin‘ Jack Flash“. Wieder hüpft und springt der Frontmann, diesmal im knappen Tank-Shirt mit Aufschrift „Sticky Fingers“, agil hin und her, vor und zurück, spricht auch den hinteren Teil des stehenden Publikums an, stemmt die Arme herausfordernd in die Hüften. Sein Mund ist mindestens genauso groß wie der von Mick Jagger, und seine Stimmlage ist die von Mick. Das ist ja wohl auch das Geheimnis des langjährigen Erfolgs der Coverband – neben den herausragend spielenden Instrumentalkollegen natürlich.

Gegen Viertel nach elf wird „Sympathy for the Devil“ angestimmt, und nun wird erkennbar, was Günther Grothaus da in der Vorbereitung vor Konzertbeginn gemacht hatte: er stellt eine brennende Kerze in die Bühnenmitte und bemüht sich, mehrere Räucherstäbchen in der Hand daran zum Glühen zu bringen.

Günther, der Frontmann, zündet zu „Sympathy for the Devil“ Räucherstäbchen an.

Endlich gelingt ihm das, und er stellt je drei glimmende Räucherstäbchen in einem Glas links und rechts auf den Bühnenboden. Nun zieht uns der Rauch und der Geruch der glimmenden Räucherstäbchen in die Nase und schon steigen gemeinsam mit Melodie und Text des Songs „Sympathy for the Devil“ Erinnerungen an Partys in der Jugend auf.

Um 23:40 Uhr tritt die Bandformation von der Bühne, verabschiedet sich, aber das Publikum klatscht und johlt und verlangt „Zugabe! Zugabe!“

Die Band „Sticky Fingers“ verabschiedet sich vom Publikum im Stones Fan Museum Lüchow.

Eine Zugabe gibt die Band dann noch, nämlich „Brown Sugar“.

Dann entlässt Ulli Schröder die Bandmitglieder, bedankt sich herzlich und wünscht eine gute Heimfahrt.

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