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Vergangenen Sonnabend fuhr ich durch die Bergstraße in Lüchow und traf Anne Heister und Harald Müller gemütlich vor ihrem gemeinsamen Laden sitzend vor.

Einblick in die Bergstraße – die Verlängerung der Hauptgeschäftsstraße „Lange Straße“ in Lüchow

Die vorderen Fahnen, die quer über der Straße hängen, haben Harald und Anne selbstgemacht. Das obligate Wendland-X darf dabei nicht fehlen.

Der gemeinsame Laden von Anne Heister und Harald Müller:

Ihre Teilnahme an der Kulturellen Landpartie machten sie durch dieses pinkfarbene Fahrrad bekannt – und durch das Schild mit der Aufschrift „Wunde*r*punkte“.

Ein historisches Schild – mit der ursprünglichen Bezeichnung des Kulturfestivals als „Wunde*r*punkte“

Harald Müller weist stolz darauf hin, dass dieses Schild noch aus der Anfangszeit der Kulturellen Landpartie stammt. Harald Müller gehört zu der ersten Gruppe der Handwerker und Kunsthandwerker der Keimzelle in Kukate um Michael Seelig herum, die vor inzwischen 34 Jahren auf die Idee kamen, ihre Werkstätten zu öffnen. Diese Idee verbreitete sich immer mehr im Wendland. Zunächst hatte die Idee einen politischen Hintergrund, nämlich in Zusammenhang mit dem Protest gegen die Absicht, ein Atommüll-Endlager in Gorleben einzurichten. Daher kam die Idee, die „wunden Punkte“ im Wendland doch umzuwandeln in „Wunderpunkte“, in Orte, an denen positive Energie ausströmt.

Die seit nunmehr 30 Jahren organisierte Idee wurde zunächst als „Wunde*r*punkte“ mit dem Untertitel „Kulturelle Landpartie“ bezeichnet. Erst später wurde die Benennung umgekehrt: nun heißt der Obertitel „Kulturelle Landpartie“ und der Untertitel „Wunde*r*punkte“. So erklärt Harald es mir. Und weil Harald zu den ersten Kunsthandwerkern gehört, die die Idee umgesetzt haben, ist er stolz auf das schon fast historische Schild mit der ursprünglichen Benennung „Wunde*r*punkte“.

Harald ist Drechsler und echter eingeborener Wendländer. Er entwirft und fertigt in seiner Werkstatt in einem Nebenraum des Ladens Hüllen bzw. Griffe für Stifte verschiedener Art, Dosen, Becher, Schalen, Flaschenstöpsel, Schlüsselanhänger, Kunstobjekte und vieles mehr.

Einblick in die Drechsler-Werkstatt von Harald Müller

Und das sind Beispiele der kunsthandwerklichen Produkte von Harald Müller:

Harald teilt sich den Laden in der Bergstraße mit Anne Heister. Anne Heister entwirft und näht und strickt Kleidungsstücke. Bunte Jacken, Pullover, Bustiers, Röcke, Kleider, Mützen, Schals, Handschuhe oder Pulswärmer und noch mehr – alles mit den Händen von Anne Heister produziert.

Hier sind Beispiele von Anne Heisters designten, gestrickten und genähten Produkten:

Harald Müller und Anne Heister legen Wert darauf, dass die Satzung der Kulturellen Landpartie auch beachtet wird. Wer sich als Kunsthandwerker für die Teilnahme an der Kulturellen Landpartie bewirbt, wird durch eine Jury überprüft und von dieser ausgewählt. Die Satzung der Organisation sieht vor, dass nur solche Sachen verkauft werden dürfen, die auch von dem Aussteller/der Ausstellerin selbst produziert worden sind.

„Leider haben sich in der Vergangenheit immer mehr Aussteller nicht daran gehalten“, moniert Harald, „viele Aussteller bieten nämlich auch zunehmend Handelsware an. Zum Beispiel steht an einem Stand von einer Ausstellerin, die Strickware anbietet, auch gleich ein Berg von Wollknäueln, die die Ausstellerin verkaufen will. Und das ist Handelsware. Das ist gegen die Satzung!“

Um sich gegen eine Abweichung von der Satzung der Kulturellen Landpartie zu wehren, haben Harald und Anne zusammen mit anderen Kunsthandwerkern und Designern ein Plakat entworfen, für das Rüdiger Marunde, der Karikaturist, der auch im Wendland wohnt, das Motiv einer freundlich lächelnden Hand mit einem Bleistift, einer Schere, einem Maßband und einem Pinsel anstatt der einzelnen Finger (plus Daumen…) beigesteuert hat. Der Hinweis auf dem Plakat  „Von den Ausstellungen der Kulturellen Landpartie sind (laut Satzung) fremde Produkte oder Handels- und Industrieware ausgeschlossen“ und „Die Produkte müssen vom/von der AusstellerIn selbst hergestellt sein“ wird begleitet von dem stolzen Fingerzeig: „Bei uns ist alles SELBSTGEMACHT!“

Harald und Anne haben sich mit fünf anderen Kunsthandwerkern und Designern aus Lüchow zusammengeschlossen. Sie produzieren in vier Werkstätten, besuchen sich gegenseitig und schauen sich über die Schulter. Auch gemeinsame Ausstellungen sind geplant. Besucher*innen können auch gern spontan vorbeischauen oder einen Termin für Werkstattbesuche vereinbaren.

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