Stempel in Handarbeit

Pfingstmontag, 10.6.2019

Heute habe ich mal was Positives an der Bushaltestelle am Rand unseres Dorfes erlebt. Keine eingeschlagene Scheibe am Wartehäuschen, nur ein bisschen Müll, und nur einen mutwillig abgerissenen rosa blühenden Fingerhut. Stattdessen habe ich die Bekanntschaft einer Künstlerin gemacht, die dort mit ihrem Auto hielt, um verzweifelt zu versuchen, mit ihrem Handy Netzempfang zu bekommen. Das ist im Wendland nicht so einfach.

Die Dame kam aus Hamburg und war mit ihrer 24jährigen Tochter auf dem Weg zum Dorf Lanze, wo sie im Rahmen der Kulturellen Landpartie, die inzwischen im dreißigsten Jahr immer zwischen Himmelfahrt und Pfingsten stattfindet, einen Stand mit Stempeln betreibt. Einen ganzen Kofferraum voll verschiedener Modelle hat sie dabei.

Sie stellt alle Stempel eigenhändig her. Ich kam mit der Dame ins Gespräch. Von ihrem Vornamen abgeleitet stellt sie unter dem Namen „Rima creative art“ auf diversen Kunsthandwerksmärkten aus oder betreibt auch Stände in Hamburger Museen und hat sogar an einer Hamburger Kunsthochschule Studenten angeleitet, Stempel herzustellen. Neulich war sie auch in einer Schule und hat mit den Kindern zusammen Stempel hergestellt.

Weil ich so interessiert bin, breitet Rima einige ihrer Stempel auf der Bank vom Wartehäuschen aus:

Handgearbeietete Stempel von Rima Görler – Vorder- und Rückseite.


Rima H. Görler hat in Hamburg – wo sie auch geboren ist – Design studiert und kann zeichnen. Die Motive für ihre Stempel zeichnet sie entweder per Hand oder mit einem Computerprogramm. Nach der ausgedruckten Zeichnung wird dann zunächst eine Negativform hergestellt, wobei ich mich bei der Schilderung irgendwie an die schwäbischen Springerle-Formen meiner Freundin erinnert fühlte.

In die dreidimensionale Negativform wird dann eine Gummimasse gegossen, die Rima Görler von einer Fabrik in Stade bezieht, die spezielle Mischungen für sie anfertigt. Rima hat sich für die Farbe Blau entschieden, weil sie aus Hamburg kommt und Blau die Farbe des Wassers ist. Es sind jedoch prinzipiell auch andere Farben für die Gummimasse möglich.

Nachdem das Gummi in die Negativform gefüllt wurde, wird die Masse mit Hilfe von Gegendruck durch einen flachen Gegenstand galvanisiert.

Nach dem Auskühlen wird das fertige Motiv, zum Beispiel ein Fisch, mit einer Spezialschere ausgeschnitten.

Rimas Mann stellt aus heimischem Buchenholz die Stempelträger in verschiedenen zum Motiv passenden Größen her, die dann zunächst lackiert werden. Auf eine Seite des Stempelträgers wird dann das jeweilige Stempelmotiv noch mal aufgedruckt. Auf die Gegenseite wird der Gummistempel geklebt – fertig ist ein neuer Stempel.

Rima Görler arbeitet seit 25 Jahren an ihren Stempeln und hat inzwischen eine Vielzahl von Motiven entworfen. Unter anderem stellt sie auch für frisch gebackene Eltern Stempel von einem Fußabdruck des Babys her.

„Man glaubt gar nicht, was man alles mit Stempeln machen kann“, sagt Rima Görler. „Man kann zum Beispiel damit Karten bedrucken oder Briefpapier oder zu Weihnachten Glitzermotive fertigen. Oder man kann Stoff bedrucken und daraus Taschen nähen.“

Ich wünsche Rima in Lanze viel Erfolg beim Verkauf ihrer Stempel !

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