Mungo Jerry im Stones Fan Museum Lüchow

Lüchow, 15.6.2019
(Fotos: teils eigene Fotos, teils Fotos von Wolfgang Werner. Die Fotos von Wolfgang Werner sind mit entsprechendem Copyright gekennzeichnet. Vielen Dank für die Fotos, Wolfgang!)

Im Oktober letzten Jahres trat die weltweit bekannte Rock- und Bluesband Mungo Jerry bereits einmal im Rolling Stones Fan Museum in Lüchow auf und sorgte dort für ein mit 400 Tickets ausverkauftes Haus. Wegen der vielen Fans, die keinen Einlass mehr finden konnten, hatte sich Ulli Schröder als Museumsgründer und -leiter nochmals mit Erfolg darum bemüht, die Band ein zweites Mal nach Lüchow einzuladen.

Am Freitag, den 7. Juni 2019 betrat die Band Mungo Jerry professionell um Punkt 20:30 Uhr die Bühne, nachdem Museumschef Ulli Schröder das Publikum begrüßt und die Band angekündigt hatte:

Der Chef vom Rolling Stones Fan Museum in Lüchow/Wendland begrüßt das Publikum und kündigt die Star-Band des Abends an: Mungo Jerry. (Copyright: Wolfgang Werner)

Und bald nach dem treibenden Anfangssong stellte der Frontmann, Sänger und Songschreiber Ray Dorset seine Bandkollegen vor:

Der Saxophonist Adam Davy (Copyright: Wolfgang Werner)
Franky Klassen am E-Cello.
(Copyright: Wolfgang Werner)
Am Keyboard: Tobias Hounshan (Copyright: Wolfgang Werner)
Am Schlagzeug: Robert (Bob) White (Copyright: Wolfgang Werner)
An der Bassgitarre: Jonas Darren (immer schwer ins Bild zu kriegen …)
Die Band Mungo Jerry in Aktion. (Copyright: Wolfgang Werner)

Das überwiegend ältere Publikum ist mit Ray Dorset, Jahrgang 1946, groß geworden und kennt all die Hits aus den Siebziger Jahren, den Nachwirkungen der Flower-Power-Hippie-Zeit, als „Love and Peace“-Songs aus den Kofferradios erklangen, Batik-T-Shirts in Mode waren und in Nachfolge des legendären Woodstock-Festivals ab 1970 „überall“ große Rock- und Blues- und Pop-Festivals gegründet wurden, in England zum Beispiel das Hollywood Music Festival in Newcastle-under-Lyme , auf dem im Mai 1970 erstmals die berühmte amerikanische Band Grateful Dead in England auftrat, zudem ebenso berühmte Bands wie Traffic, Ginger Baker’s Air Force, Family oder Free und Black Sabbath. Auf diesem Festival auf einer Schweinefarm in der Grafschaft Staffordshire trat auch erstmals eine Band unter dem Namen „Mungo Jerry“ auf und löste daraufhin eine „Mungomania“ aus, einen Hype um die Band ähnlich dem Hype um die Beatles. Das Festival-Publikum wählte Mungo Jerry zur besten Band, woraufhin Mungo Jerry ein zweites Mal auftreten durften.

Insbesondere der Skiffle-Song „In the Summertime“, von Ray Dorset geschrieben, blieb wochenlang der Nummer-Eins-Hit in europäischen Hitparaden. Inzwischen gehört der Song zu den „Crowd Pleasern“, den Songs, die fast in der gesamten Welt bekannt sind und über Generationen hinweg immer wieder die Menschen erfreuen – ähnlich wie der Winter-Song „White Christmas“ von Bing Crosby zum Beispiel.

Im nächsten Jahr feiert der Song sein 50jähriges Jubiläum, ist ein halbes Jahrhundert alt – und wird von dem 73jährigen Ray Dorset noch immer auf Gigs in Clubs oder auf Festivals vorgetragen – und die Leute wollen ihn unbedingt hören!

Als auf der deutschen Ostseeinsel Fehmarn im September 1970 ebenfalls ein Rockfestival stattfinden sollte und berühmte Bands wie Ginger Baker, Canned Heat, Ten Years After, Procol Harum oder – als Top Act – Jimi Hendrix angekündigt waren, war auch Mungo Jerry gebucht worden. Das Festival lief aus verschiedenen Gründen chaotisch ab, das Wetter auf der ansonsten sonnenreichen Insel schlug in Regen und Sturm um, mehrere Bands erschienen gar nicht, Jimi Hendrix‘ Auftritt wurde auf den letzten – dritten – Tag des Festivals verlegt, obwohl er eigentlich für den zweiten angekündigt worden war. Zusammen mit der Country Rock Band Canned Heat aus den USA konnte Mungo Jerry mit ihrer Gute-Laune-Musik das Publikum aufheitern und so ein wenig die beim Publikum aufgekommene Missstimmung wegen des Wetters, nicht eingehaltener Bandauftritte und des Wartens auf Jimi Hendrix beseitigen. Vierzehn Tage nach seinem Auftritt am letzten Tag des Love and Peace Festivals auf Fehmarn verstarb Hendrix im Alter von 27 Jahren.

Ebenso wie das Hollywood Music Festival in Newcastle-under-Lyme landete auch das Love and Peace Festival auf Fehmarn in einem finanziellen Desaster.

1972 nahm Ray Dorset nach diversen Reibereien in der Band nun den Künstlernamen „Mungo Jerry“ an und konnte unter diesem Namen Formationen mit verschiedenen Musikern zusammenstellen, die dann auf Konzerten auf Festivals oder in Clubs unter dem Namen „Mungo Jerry“ auftraten.

„In the Summertime“ war zwar der größte Erfolg der Band Mungo Jerry, aber nicht der einzige. Songs wie „Lady Rose“, „Wild Love“ oder „Long Legged Woman Dressed in Black“ erreichten ebenfalls die Spitzen der Hitparaden.

Jetzt also im Sommer 2019 trat Ray Dorset alias Mungo Jerry mit einer jungen Formation im Stones Fan Museum Lüchow auf.

Ray Dorset wirkt inmitten der Bandkollegen in den Dreißigern jugendlich und topfit. Er bedient die Leadgitarre sowie die Mundharmonika und bei einem Stück ein Rhythmus-Instrument in Form einer Art Dose, das er mit einem Stöckchen schlägt.

Ray Dorset alias Mungo Jerry an der E-Gitarre und mit begleitender Mundharmonika. (Copyright: Wolfgang Werner)

Die Stimme von Ray Dorset ist voll und kräftig. Bei einigen Songs fühle ich mich was die Stimme betrifft an Eric Burdon von den Animals erinnert.

(Copyright: Wolfgang Werner)
(Copyright: Wolfgang Werner)
Ein Seitenblick auf die Bühne.

Zwischen den Stücken tritt keine beifallsheischende Pause ein – nein, ohne Unterbrechung spielt die Band mit großer Energie weiter in das nächste Stück hinein, interagiert miteinander und nimmt Kontakt mit dem Publikum auf. Ray Dorset zeigt häufig mit breitem freundlichen Lächeln seine blitzenden weißen Zähne mit der berühmten Zahnlücke. Als er merkt, dass das Publikum etwas zurückhaltend ist, beginnt er unterstützt durch Bandkollegen, das Publikum zu animieren: zum Mitklatschen, zum Armehochheben, zum Mitsingen.

Fetzig und kraftvoll sind die Songs, das Zusammenspiel der beiden Gitarren – neben Ray Dorsets Leadgitarre noch die Bassgitarre – mit Schlagzeug, E-Cello und Saxophon ergeben einen energischen, vibrierenden Sound, der in die Beine geht. Allmählich fangen Männer und Frauen im Publikum an, ihre nordische Reserviertheit aufzugeben, bewegen sich, tanzen, hüpfen und werden immer lockerer.

Wer geglaubt hat, dass Mungo Jerry hier als Oldie Band auftritt und nur die alten Songs aus der Jugendzeit spielen wird, hat sich geirrt. Mungo Jerry ist nicht in der alten Zeit stehen geblieben, sondern hat sich immer wieder neu erfunden, sich weiterentwickelt. Das neueste Album mit dem Titel „XStreme“ ist von der aktuellen Band-Formation, so wie sie an dem Abend im Stones Fan Museum auftritt, eingespielt worden und zurzeit noch gar nicht veröffentlicht. Von der noch unveröffentlichten CD spielt die Band als dritten Song „The Wind is Blowing“. Ray Dorset lässt den Bandkollegen Raum für eigene Interpretationen, weist das Publikum mit Fingerzeigen und Handbewegungen immer wieder auf die Soli hin.

Ray Dorset hatte einen Song für Elvis Presley geschrieben – „Feels like I’m in Love“ – , den dieser aber leider nicht mehr aufnehmen konnte. Nun gehört er zum Repertoire der Band selbst. Ray Dorset fordert das Publikum zum Armeschwenken auf, und das Publikum macht mit. Auch „sha-la-la-la-la-la-la-la-la-la-la“ singen alle inbrünstig mit – dieser Textpart ist nicht so schwer.

Beim letzten Lied vor der Pause tobt das Publikum inzwischen geradezu. Es ist „Touch the Sky in the Summertime“.

Blick ins Publikum.

Nun zieht sich die Band zurück.

Jetzt kommt der Merchandising-Teil: vor dem Billardtisch von Keith Richards mit den Büsten der vier Stones-Mitglieder ist der Verkaufstisch mit Fan-Artikeln und CDs sowie DVDs aufgebaut.

Ray Dorsets deutsche Frau Britta Dorset, seit 1996 mit Ray verheiratet, ist für den Verkauf zuständig und wird teils von ihren beiden Söhnen Phillip und Miguel, teils durch einen weiteren Helfer unterstützt.

Die Fans stehen Schlange und kaufen T-Shirts mit dem Konterfei von Ray Dorset alias Mungo Jerry, Kaffeebecher, CDs, darunter die neueste mit dem Titel „XStreme“, DVDs mit Filmen von Auftritten Mungo Jerrys, Plektrons oder sogar Liquids für E-Zigaretten mit dem Markennamen „Mungo Cherry“ – also Liquids mit Kirschgeschmack (cherry = Kirsche).

Ray Dorset scheint ein Gefühl für Selbstvermarktung zu haben oder einen guten Berater.

Am Verkaufsstand für Merchandising-Artikel: Britta Dorset und ein Helfer.

Als ich Britta Dorset zusammen mit ihren Söhnen kennenlerne, verstehe ich umso mehr den jugendlichen Eindruck von Ray Dorset, sowohl auf der Bühne wie auch beim bevorstehenden persönlichen Kennenlernen. Bei so einer jungen, hübschen und flotten Frau und so coolen Söhnen muss man ja „jung bleiben“!

Hier lachen Britta Dorset und Sohn Philipp freundlich in die Kamera:

Britta Dorset und Sohn Philipp.

Und ich habe Glück: der zweite Sohn Miguel post auch freundlich:

Hier post Sohn Nummer zwei: Miguel

Ray Dorset erscheint, nachdem er sein weißes Hemd gegen ein rotes eingetauscht hat und setzt zum Autogrammeschreiben an.

Ich habe Gelegenheit, ihm einige wenige Fragen zu stellen. Zum Beispiel die, ob einige Textzeilen im Mega-Hit „In the Summertime“ nicht ein wenig frauendiskriminierend seien.

Ray Dorset ist so freundlich, mir einige wenige Fragen zu beantworten.(Copyright: Wolfgang Werner)

Frei übersetzter Teil-Text im Song „In the Summertime“: „In der Sommerzeit – wenn das Wetter warm ist – kannst du dich ausstrecken und den Himmel berühren. Wenn das Wetter schön ist, denkst du an Frauen. Trink etwas, fahr raus und schau, was du finden kannst. Wenn ihr Vater reich ist, führ sie zum Essen aus. Wenn ihr Vater arm ist, tu, was du fühlst.“

Warum macht er einen Unterschied zwischen Frauen mit reichem und Frauen mit armem Vater? Und ist das nicht ein wenig „wenig wertschätzend“, wenn man über Frauen singt: „Trink etwas, fahr raus und schau, ‚was du finden kannst'“?

Ray Dorset wiegelt ab: nein, das sei keineswegs frauenfeindlich gemeint, im Gegenteil, der Song ist „a celebration for women“, der Song feiert die Frauen.

Ich frage Ray Dorset auch nach dem Musikstil, den Mungo Jerry vertritt. „Mir kommt es auf „vibe“ und „groove“ in meiner Musik an“, also Stimmung, gute Laune und Lebensfreude, „und das passt auf Musikrichtungen wie Rock, Psychedelic Rock, Skiffle, Blues und Jazz“.

Dann frage ich ihn noch nach dem Song „You don’t have to be in the Army to fight against the War„, der im Jahr 1971 ebenfalls in die Charts stürmte und besonders bei Kriegsdienstverweigerern beliebt war. Der Vietnam-Krieg war noch nicht beendet. Ray Dorset erklärt, dass der Song immer noch aktuell sei und er heute so auszulegen sein, „dass man nicht in der Armee sein müsse, um gegen Faschismus, Rassismus und Nationalismus zu kämpfen“.

Die anstehende Menge hinter mir fängt langsam an zu murren, denn sie wollen endlich ein Autogramm. Deshalb stelle ich nur noch schnell die Frage, wie ihm Lüchow im Wendland gefalle und wie er das Rolling Stones Fan Museum von Ulli Schröder findet.

„Als ich im letzten Jahr Oktober hier bei dem Auftritt im Museum war, war es ja dunkel, und ich konnte kaum etwas von Lüchow sehen. Aber heute habe ich viel gesehen, es war ja hell. Lüchow ist mit seinen alten Fachwerkhäusern und dem Turm eine wirklich hübsche Stadt!“ Mit dem Turm meint Ray Dorset das Wahrzeichen von Lüchow – den Amtsturm.

„Und das Rolling Stones Fan Museum ist einfach großartig und vor allem ‚unique‚ (einzigartig) in der ganzen Welt!“.

Jetzt traue ich mich nicht mehr, weitere Fragen zu stellen, und ich glaube, Ray Dorset ist auch ganz froh darüber, denn er möchte sich jetzt ja auch endlich mal hinsetzen, um Autogramme zu schreiben.

Um 21:50 Uhr ist die Pause beendet, die Band betritt wieder die Bühne und fängt das Publikum mit weiteren energievollen Songs ein. Der Manager der Band, den ich nach einer Playlist frage, damit ich die Namen der Songs und die Reihenfolge nennen kann, sagt, die Band würde einfach spontan spielen, ohne vorher festgelegte Playlist.

Nach der Pause: Ray Dorset im roten Hemd.(Copyright: Wolfgang Werner)
(Copyright: Wolfgang Werner)
Nach der Pause: jetzt aber mal Action: Hände hoch!
Auch der Gründer und Leiter des Rolling Stones Fan Museums, Ulli Schröder, steht im Publikum – hier von hinten in seiner Fankleidung mit Hut zu sehen.

Dann endlich um exakt 22:30 Uhr – also genau zwei Stunden nach dem punktgenauen Konzertbeginn um 20:30 – der Song, auf den das Publikum so lange gewartet hat: In the Summertime! Zuerst wird der Song im Originalsound gespielt, so wie das überwiegend ältere Publikum es kennt. Doch dann gleitet der Sound in eine modernere, Reggae-angehauchte Version über. Einzelne Fans sind inzwischen ganz verzückt, fühlen sich in ihre Jugendzeit zurückversetzt und merken, dass sie ihre Hüften immer noch drehen können.

(Copyright: Wolfgang Werner)

Auch eine jüngere Familie ist darunter. Vater und Mutter hüpfen herum, und die drei Jungs zwischen vermutlich acht und zwölf Jahren wundern sich über ihre Eltern.

Eine junge Frau Ende Zwanzig aus Woltersdorf, mit der ich in der Pause gesprochen habe, hat ihre Mutter zum Konzert begleitet und steht nun auch ganz vorne mit vor der Bühne und befolgt ebenso wie viele andere die Anweisungen der Band, die Arme zu heben oder rhythmisch mitzuklatschen.

Die Band wird nun nicht so schnell von der Bühne gelassen, sondern muss noch diverse Zugaben geben. Endlich um zehn nach elf ist der Gig zu Ende, die Band verlässt die Bühne.

Ulli Schröder, Chef des Stones Fan Museums, bedankt sich bei der Band und beim Publikum und verabschiedet die Band Mungo Jerry herzlich.

Am Verkaufsstand haben sich inzwischen schon die ersten Fans aufgestellt, um noch Autogramme zu bekommen oder Fanartikel zu kaufen. Ray Dorset erscheint, aber sein fürsorglicher Sohn Miguel schlägt ihm erstmal vor, nach oben in den Aufenthaltsraum zu gehen und das durchgeschwitzte Hemd zu wechseln.

Nun erscheint Ray Dorset in einem grünen Hemd, setzt sich hin und erfüllt freundlich und geduldig die Autogrammwünsche seiner Fans, fragt nach Namen, um Widmungen zu schreiben.

Ray Dorset schreibt nach dem Auftritt im Stones Fan Museum Autogramme.
Britta Dorset und Ray Dorset.
Eine Frage von Ray Dorset…

Ich bekomme auch ein Autogramm auf dem Ankündigungsplakat für das Konzert:

Und auch noch ein Autogramm auf die noch unveröffentlichte neueste CD von Mungo Jerry „XStreme“:

Ein tolles Konzert von einer langjährig erfolgreichen Band! In Lüchow im Wendland!

Am Rand des Konzerts habe ich einen Mann beobachtet, der mit einer hochwertigen Spiegelreflexkamera viele Fotos macht. Ich halte ihn deswegen für einen Pressefotografen. „Nein“, sagt er, „ich mache für mich privat Fotos. Ich kenne Ulli Schröder viele Jahre, aus der „Fabrik“ in Hamburg, und bin heute extra aus Kiel angereist und fahre auch gleich wieder zurück nach Kiel. Ich habe eigentlich so eine Art Revival-Band erwartet mit Oldies und bin jetzt positiv überrascht, welchen jungen Sound ich bei Mungo Jerry antreffe!“

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