Klimaschutz: Wo ist der „Knigge“ für richtiges Verhalten??

In diesen Wochen gerade, in denen sich das Thema „Klimaschutz“ mit einem Mal ausbreitet, als wäre es eine neue Epidemie, die schlagartig durch einen neuartigen Virus ausgelöst wurde, überschwemmen uns die Medien mit Berichten darüber, was besonders klimaschädlich ist: Fleisch essen – mit Beton bauen – Äpfel aus Neuseeland kaufen – Kreuzfahrten machen – mit dem Flugzeug fliegen – in großen Häusern wohnen usw.

Ich wette mal, dass das Wort „Klimaschutz“ zum Wort des Jahres 2019 gewählt werden wird. Die Deutsche Gesellschaft für deutsche Sprache kürt ja jedes Jahr das „Wort des Jahres“ nach Vorschlägen.

Vor einigen Tagen las ich in unserer Bremer Zeitung einen Artikel über das Baumaterial Holz. Holz wird als Baumaterial gerade für die so in Mode gekommenen Tiny Houses verwendet, aber auch größere Häuser können ganz oder teilweise aus Holz gebaut werden. Für die alte Bauweise der Fachwerkhäuser, die auch gerade im Wendland vorherrscht, wurde ja für die Balken auch Holz verwendet, das nach zweihundert Jahren oder mehr immer noch trägt. Holz als Baumaterial sei klimaneutral, da es sich bei Holz ja um nachwachsende Rohstoffe handele. Das gleiche Argument wird auch für Holz als Heizmaterial vorgebracht, besonders in Form der Pellet-Heizungen.

Andererseits lese ich davon, dass jahrzehnte- bis jahrhundertealte Bäume einfach umfallen, weil sie verdurstet sind. Es fällt nicht mehr genug Regenwasser oder der Grundwasserspiegel ist zu tief gesunken, sodass die Wurzeln nicht mehr mit Wasser versorgt werden. Im größten Mischwald Norddeutschlands, der Göhrde im Wendland, sind so zum Beispiel viele alte Buchen verstorben. In anderen Gegenden Deutschlands sind in vergangenen Jahren ganze Wälder bei großen Stürmen ausgelichtet worden – die Bäume sind einfach umgeknickt. Zu Aufforstungen wird aufgerufen, bestimmte alte Baumsorten sollen aussterben, weil sie den in Zukunft zu erwartenden Klimawandelauswirkungen nicht mehr standhalten werden. Kindergärten, Schulen oder Firmen pflanzen symbolisch Bäume, sogar Staatspräsidenten pflanzen bei Besuchen in anderen Ländern dort Bäume als Geschenk. In den Städten werden die Bürger von den Gemeinden aufgerufen, Bäume am Straßenrand zu wässern. Um den Amazonas herum werden dagegen riesengroße alte Regenwälder abgebrannt.

Dieser Gegensatz verwirrt mich. Ist die Verwendung von Holz als Bau- und Heizmaterial nun klimaneutral oder nicht? Bäume brauchen doch viel Wasser, und wenn es nicht mehr genug regnet – woher soll das Wasser kommen? Wo jetzt schon die Feldfrüchte der Bauern wegen Regenmangels vertrocknen. Und darf man jetzt noch Gartenmöbel aus Holz kaufen oder lieber diese neuartigen Gartenmöbel in Flechtoptik mit geflochtenen Plastikstreifen? Woher kommt eigentlich das viele Plastik im Geflecht dieser Gartenmöbel? Wird es extra neu produziert oder handelt es sich um umgewandelte Plastiktüten vom Discounter, Überraschungseierfiguren, Coffee-to-go-Becher, Spülmittelflaschen und Plastik-Partygeschirr? Bei uns in Bremen hängt im Schaufenster einer weltweit operierenden Kosmetikfirma ein Plakat, das eine Inderin zeigt, mit dem Ausspruch: „Ich lebe von Plastik!“. Unterstütze ich also arme Bevölkerungskreise, wenn ich jetzt Plastikmöbel statt Holzmöbel kaufe?

Das Bauen mit Beton wird auch angeprangert, da die Herstellung von Zement als Grundlage von Beton so viel Energie verbraucht. Wie soll man also am besten klimaneutral bauen?

Am besten verwendet man für den Neubau von Häusern – Sperrmüll. Altes Bauholz von Abrisshäusern, alte Ziegelsteine, Feldsteine, Flaschenglas … in irgendeiner Zeitschrift habe ich mal so ein komplett aus vorhandenem Material gebautes Haus gesehen. Sie haben alte Autoreifen als Zaun verwendet, Fensterscheiben aus bunten Flaschenböden gemacht, die Möbel aus Sperrmüll aufbereitet. Sah cool aus. Auch hier kann man ein Beispiel für ein Haus komplett aus Sperrmüll sehen. Recycling oder Upcycling von alten Gegenständen, ob Möbel oder Kleidung oder industrielle Gegenstände ist ja überhaupt „in“.

Wobei mich dieses Thema eigentlich schon mein ganzes Leben begleitet. Ich wundere mich daher manchmal darüber, dass dieses Thema, alte Sachen neu zu verwenden, als so neuartig angesehen wird. Meine Mutter las früher die „Brigitte“ und die „Freundin“, Frauenzeitschriften, die es heute noch gibt, und darin waren damals schon Anleitungen, wie man alte Stühle neu anstreicht und bezieht. Ich selbst habe für meine erste Wohnung mit 19 Jahren einen alten Küchentisch meiner Mutter schwarz lackiert und die Tischfläche mit schwarzer Lackfolie übertackert. Zwei Lehnstühle vom Sperrmüll wurden ebenfalls schwarz lackiert. Sah zusammen toll aus.

Bei uns in Bremen gibt es gleich mehrere Läden, die sich auf die Aufbereitung alter Möbel spezialisiert haben. Die Möbel werden entweder „restauriert“, d.h. weitgehend im Originalzustand belassen, oder sie werden neu angestrichen, in poppigen Farben oder in Pastelltönen, manchmal noch zusätzlich bemalt – eben „upgecycelt“.

Auch ist es ja modern geworden, alte schäbige Hocker oder gebrauchte Obstkisten oder verrostete Drahtkörbe in die Wohnung zu stellen. Die Preise auf Flohmärkten suggerieren manchmal: je schäbiger, desto teurer. Alles bereits in meiner Generation da gewesen und als Idee nicht neu! Ich habe damals in meiner ersten Wohnung bereits eine alte Obstkiste vom Obsthändler rot lackiert und als Regal an die Küchenwand angebracht. Ebenfalls vom Obsthändler habe ich kleine Körbe aus Spanholz, in denen mal Erdbeeren oder so waren, rot lackiert und Blumen hineingestellt. Der Melkschemel meiner Oma war Blumenhocker, und eine alte große Milchkanne Schirmständer. Auf das Gusseisengestell der Nähmaschine meiner Oma habe ich eine gebrauchte Marmor-Fensterbank gelegt, und fertig war ein Gartentisch. Den ich übrigens heute noch benutze.

Heute werden ja Möbel sogar ganz neu produziert, die dann auf „alt und schäbig“ getrimmt werden. Das finde ich unmöglich. Es gibt doch genug wirklich alte Sachen, da braucht man doch nicht extra neue Möbel oder Dekorationen auf alt trimmen und dafür wieder Ressourcen verbrauchen. Genauso ist es mit diesen Palettenmöbeln. Aus gebrauchten Paletten Sitzmöbel bauen – finde ich originell! Aber jetzt kann man ja sogar ganz neue Paletten im Baumarkt kaufen, die als Gartenmöbel gedacht sind, und das ist einfach zuviel und widerspricht dem Recycling- bzw. Upcycling-Gedanken völlig.

Auch das Selbstfertigen von Kleidung war in meiner Jugend in, insbesondere Strickwaren. Zu einer bestimmten Zeit schossen überall in der Stadt Läden aus dem Boden, die Wolle und Häkelgarn verkauften, Zeitschriften wurden gegründet, die Anleitungen für Pullover, Jacken und Gardinen zum Stricken und Häkeln anboten, und in der Universität saßen in den Veranstaltungen strickende Männer und Frauen.

Irgendwann im Laufe meines Lebens ist dann etwas umgeschlagen, was den Konsum betrifft. Es hat etwas mit Globalisierung, Überproduktion, Technologiewandel und zunehmender Wohlstandssättigung zu tun. Neue Produkte entstanden, wie gerade am schnellen Wechsel der Technik zu beobachten: Musik wurde nicht mehr auf Vinyl-Schallplatten gepresst, sondern zuerst auf Musik-Kassetten, dann auf CDs, was jeweils neue Abspielgeräte verlangte. Später waren CD-Player out, weil das Streaming erfunden wurde. Weg mit den alten Technik-Geräten! Und gerade in den letzten Jahren wurden die alten kastenförmigen Fernsehgeräte gegen die neuen Flachbildschirme ausgetauscht.

Alte Fernsehgeräte auf der Mülldeponie.

Der Personal Computer verbreitete sich, dann kamen die Handys, auch hier immer neue Verbesserungen und Änderungen, sodass die alten Modelle schneller ausgetauscht wurden. Und Schwellenländer wie Südkorea oder China holten beim technischen Fortschritt schnell auf, sodass immer mehr in den Ländern dort produziert und auf den Markt geworfen wurde, weil die Arbeitskraft dort noch verhältnismäßig günstig zu haben ist.

Technikmüll – Lampen, Computer, Staubsauger, Stereoanlagen, Radiowecker usw.

Wenn ich allein an die Lichterketten denke, die hier überall zu Weihnachten in den Fenstern und am Tannenbaum hängen: Billigprodukte aus China. Neue Geschäftsmodelle wurden dafür entwickelt: Kitsch aus China wurde in deutschlandweit verbreiteten Geschenke- und Dekorationsladenketten  verkauft. Dafür werden Ressourcen verbraucht. Ein paar Monate sind diese Sachen interessant, dann landen sie auf dem Flohmarkt.

Auch in der Möbelindustrie wandelte sich etwas. Ein Hersteller erfand die Möbel zum Selbstzusammenbauen. Schränke wurden nicht mehr vom Schreiner in einem Stück gefertigt, kunstvoll mit Drechsel- oder Schnitzarbeiten verziert, um ein Leben lang im Wohnzimmer zu stehen. Vielmehr wurden Bretter industriell hergestellt, die dann vom Verbraucher zu Hause selbst zusammengeschraubt werden mussten und kaum einen Umzug überstanden, da sie vorher wieder auseinandergeschraubt und dann wieder neu zusammengebaut werden mussten. Daher lohnte es für viele Mehrfachumzieher einfach nicht, diese Zusammenbaumöbel bei einem Umzug mitzunehmen und für den Transport teure Umzugswagen zu mieten. Stattdessen stellen viele die auseinandergebauten Möbel für den Sperrmüll an die Straße, um sich am Zielort womöglich die gleichen Möbel wieder in neuem Zustand zu kaufen – was in etwa genauso teuer wäre wie einen Umzugswagen zu bezahlen.

Billige Kleidung wird in Entwicklungs- oder Schwellenländern produziert und dann hier zu Niedrigstpreisen verschleudert. Bestimmte Textil-Ladenketten sind so billig, dass gerade die jungen Leute sich lieber neue Sachen dort kaufen, als die bereits vorhandenen Sachen aufwendig zu waschen und zu bügeln, um sie erneut anzuziehen. (Update vom 17.10.2019: heute bei Woolworth in Lüchow: ein prallvoller Kleiderständer mit T-Shirts für 50 Eurocent das Stück…)

Auch ist es bei jungen Leuten schick, mit dem Coffee-to-go-Becher in der einen Hand und der Brötchentüte mit Brötchen in der anderen Hand herumzulaufen, um zu zeigen, wie sehr man doch beschäftigt ist: man hat nicht einmal Zeit, sich zu Hause zum Frühstück hinzusetzen… Die Coffee-to-go-Becher liegen dann irgendwo herum und werden vom Wind herumgetrieben.

Auch ist es Mode bei jungen Leuten, sich vor Besuch einer Diskothek oder eines Clubs zum „Vorglühen“ zu treffen. Das heißt, man trinkt schon auf der Straße vor der Örtlichkeit Bier oder sonstigen Alkohol aus der Flasche, um im Lokal selbst nicht mehr soviel Geld bis zum Stimmungshöhepunkt ausgeben zu müssen. Die Bierflaschen werden dann einfach auf den Radweg oder auf die Straße vor dem Lokal abgestellt, weil es so lustig ist, wenn ein Fahrrad oder Auto darüberfährt und die Flasche in Scherben zerfällt.

Auch ist es Mode geworden, in der Straßenbahn, im Bus oder dem Zug Essen und Getränke zu verzehren und den dabei entstehenden Müll dann einfach beim Aussteigen dort liegen zu lassen. Die leeren Flaschen rollen dann zwischen den Gängen herum.

In Gebäuden mit Fahrstühlen warten manche Menschen lieber zehn Minuten auf den freien Fahrstuhl, ehe sie es wagen, in den ersten oder zweiten Stock zu Fuß hinaufzusteigen oder vom ersten Stock ins Erdgeschoss zu laufen.

Vor den Schulen stauen sich oft die Elterntaxis, weil es für welche Seite auch immer bequemer ist, zur Schule gefahren zu werden bzw. zu fahren als mit dem Fahrrad zu fahren.

Was ich ganz schrecklich finde: das Anheizen der Sammelleidenschaft von Sammelfiguren aus Plastik, die ein paar Tage lang interessant sind und dann wieder im Müll landen. Bei einem bestimmten Discounter werden solche Plastikfiguren gerade zurzeit Kunden, die einen bestimmten Umsatzbetrag überschritten haben, mitgegeben – und die Kunden wollen diese Figuren! Wie ich im Internet gelesen habe, sind diese Figuren so klein, dass sie von Babys oder Katzen leicht verschluckt werden können.

Das Herumdaddeln auf Handys oder die sinnlose Freizeitbeschäftigung, in Computerspielen Menschen virtuell zu erschießen oder Figuren über Hindernisse springen zu lassen, verbraucht auch Strom. 2022 werden in Deutschland die Atomkraftwerke abgeschaltet, und was ist dann mit Herumdaddeln?

Auch das beliebte Treffen bei amerikanischen Imbiss-Restaurants, um dort einen Burger zu essen und danach einen Haufen Müll zu hinterlassen, nämlich eine Plastikgabel, ein Tischset aus Papier, eine Styropordose für den Hamburger, die Hüllen für Majonäse oder Ketchup und den Plastikbecher für das Getränk, ist nicht gerade klimafreundlich.

Ich frage mich daher, ob die Jugend, die heute so engagiert an den „Fridays for future“- Demos teilnimmt, eine andere ist als die, die ich oben beschrieben habe. Vielleicht ist die oben beschriebene Jugend ja inzwischen in das Erwachsenenalter übergegangen.

Ich gehöre noch einer Generation an, deren Mütter zu Mittag Kartoffelpuffer, Pfannkuchen, Himmel und Erde oder höchstens mal Hühnerfrikassee mit Reis oder Erbsensuppe mit Bockwurst auf den Tisch gestellt haben. Meine Geschmacksknospen haben sich seither nicht wesentlich weiterentwickelt. Ich kaufe am liebsten da ein, wo es ein einfaches Angebot gibt. In höherwertigen Supermärkten bin ich schon überfordert, wenn ich vor dem Regal mit den vielen Käsesorten stehe oder einfach nur einen Joghurt kaufen möchte und mich dort im Regal zwischen „griechischem Joghurt“, „türkischem Joghurt“, „Smyr“, Joghurt von Firma X, Firma Y und Firma Z entscheiden muss.

Bei mir um die Ecke ist ein Naturkost- und Bio-Supermarkt. Anfangs habe ich mich da gar nicht reingetraut. Dann bin ich doch einmal reingegangen und habe mich vorsichtig auf der Suche nach Reis durch die Regale bewegt. Was es dort alles gibt! Kokusnuss-Milch-Getränk, Amaranth, Tahin, Ricotta, Kurkuma …

Viele gelesene Begriffe kannte ich gar nicht. Dieser Supermarkt hält auch Kundenzeitschriften vor, in denen Rezepte veröffentlicht werden. Für jedes Rezept braucht man mindestens zehn verschiedene Zutaten. Mindestens.

Also … Zutaten, von denen, wenn ich diese Zutaten in Tüten oder Dosen verpackt kaufen würde, ich jeweils nur ein Minimum für dieses Rezept verbrauchen würde. Und was ist mit dem Rest? Ich würde das gleiche Rezept sicherlich nicht viele Tage hintereinander nachkochen wollen.

Deshalb sind mir solche komplizierten Rezepte einfach zu … kompliziert. Deshalb koche ich entweder „einfach“ oder ich gehe essen.

Auch beim Essengehen in Restaurants haben sich meine Geschmacksknospen nicht sehr weit entwickelt. Zu Restaurants, in denen auf einem großen Teller ein Minzeblatt, drei Häufchen Kroketten, fünf Rosinen, ein Stückchen Fleisch, fünf sorgfältig hintereinander geschichtete Mohrrübenscheibchen liegen, das ganze kreativ im Zick-Zack-Stil überspritzt mit grüngelber Soße, halte ich Abstand. Wenn ich dafür Geld bezahlen soll, möchte ich auch satt werden.

In meinem Umkreis habe ich die freie Auswahl zwischen Küchen aus aller Welt: griechische, indische, vietnamesische, chinesische, türkische, persische, koreanische, westafrikanische, thailändische, japanische, italienische Restaurants. Restaurants mit „typisch deutscher“ Küche sind nicht dabei. Ich habe alle Restaurants ausprobiert und besuche einige der Restaurants auch häufiger. Dabei bestelle ich allerdings dann immer dasselbe: beim Italiener Spaghetti Carbonara, beim Griechen Gyros mit Krautsalat, beim Chinesen Bami Goreng und im Thai-Restaurant Saté-Spieße mit Erdnusssauce.

Obwohl auch ich viel in anderen Ländern war, bin ich was Essen oder Getränke betrifft nicht besonders experimentierfreudig. In Italien zum Beispiel suche ich immer nach Möglichkeit Cafés auf, in deren Fenster ein Schild „Deutscher Kaffee“ hängt, oder in denen es wenigstens „Caffe Americano“ gibt, das ist eine Art verlängerter Espresso, also Espresso mit extra heißem Wasser zum Verdünnen dazu.

Mein Sohn dagegen, auf Weltreise gewesen, kocht seltsame Sachen mit Kichererbsen, Bulgur, Zuckererbsen, Hummus und anderen Zutaten, die ich noch nie ausprobiert und von denen ich teilweise noch nie gehört habe. Die Rezepte dazu holt er aus dem Internet.

Um auf das Thema „Klimaschutz“ zurückzukommen: woher kommen eigentlich all diese neuartigen Lebensmittel – sie sind ja offenbar nicht aus Deutschland oder wenigstens Europa. Und wie werden sie nach Deutschland transportiert? Mit dem Flugzeug oder mit dem Schiff offenbar. Und ist das klimaneutral, wenn Äpfel und Kiwi aus Neuseeland beschafft werden, Rosen aus Kenia oder Arganöl aus Marokko, zu Weihnachten Erdbeeren im Obstregal liegen? Bei einem Discounter habe ich einmal Kartoffeln liegen sehen, auf deren Verpackungstüte das Herkunftsland „Ägypten“ gedruckt war. Ägypten! Jeder weiß, wie heiß es in Ägypten ist, und dass es ein Land mit großer Wüstenfläche ist. Ich selbst war in Ägypten und habe dort die Wüste gesehen. Unser Reiseleiter hat uns dort ein Projekt in der Wüste gezeigt, in dem Obst und Gemüse mit künstlicher Bewässerung gezogen wird. Woher das Wasser kam, kann ich nicht mehr sagen. Müssen wir hier im Kartoffelland Deutschland Kartoffeln aus Ägypten kaufen?

Andererseits unterstützen Käufer in Deutschland mit dem Kauf von ausländischen Lebensmitteln auch dort die oft arme Bevölkerung.

Deshalb bin ich hin- und hergerissen: soll ich ausschließlich „regional“ kaufen – so wie damals meine Mutter und Großmutter nur regional kaufen konnten, weil es einfach kaum aus dem fernen Ausland importierte Lebensmittel gab? Ist „einfach“ „einfach mehr“? Oder soll ich arme Bevölkerungskreise in Entwicklungsländern unterstützen, indem ich Obst und Gemüse aus anderen Kontinenten, Pflegeprodukte aus Afrika, Möbel und Deko-Artikel aus Vietnam, Indien, Thailand kaufe? Unterstütze ich etwa die Abholzung von Regenwäldern, wenn ich im Restaurant ein Fleischgericht bestelle?

Soll ich mit dem Segelboot in die USA segeln oder darf ich noch ein Flugzeug benutzen, um Urlaub zu machen und fremde Länder zu erkunden und mit meinem Geld dort Arbeitsplätze zu sichern? Oder darf ich nur Radtouren in die nähere Umgebung unternehmen?

Muss ich mich jetzt für mein großes, aber altes und sanierungsintensives Haus schämen? Oder muss ich jetzt in ein Tiny House umziehen?

Darf ich auf dem Land, wo sich der Feinstaub mehr in der freien Luft verteilt als in der Stadt, noch mit meinem Diesel herumfahren oder werde ich dafür angespuckt? Oder soll ich meinen Diesel an einen Polen oder Bulgaren verkaufen, der dann in Polen oder Bulgarien statt in Deutschland mit dem Diesel die Luft verpestet?

Darf ich in meinem Garten die zwischen den Blumen hochgewachsenen kleinen Eichen, die sich aus den im letzten Herbst massenhaft gefallenen Eicheln gebildet haben, einfach rausreißen oder ist das klimaschädlich – soll ich statt Blumen in meinem Garten einen Eichenwald hochwachsen lassen?

Ja, diese Fragen bewegen mich.

Kann nicht mal jemand einen „Knigge“ für richtiges Verhalten unter dem Klimaschutzgedanken schreiben? Den man dann verschenken kann – also wie eigentlich …auf Papier? Nein. Digital als E-Book? Verbraucht Strom.

Dass Klimaschutz wichtig ist, dass das Erdklima sich wandeln wird, das wurde schon lange vorhergesagt. Schon im Club of Rome-Bericht von 1972, in dem die Grenzen des Wachstums deutlich gemacht wurden. Nur dass es die Menschen einfach nicht interessiert. Hat.

Ein Kommentar

  1. hallo

    ein knigge  würde niX bringen

    es bräuchte mindestens einen brockhaus !

    einen punkt greif ich mal raus : HOLZ

    riesenunterschied ob ichs verbaue oder verheize  bein verbrennen oder „kompostiere/verrotten…“ wird sauerstoff verbraucht – etwa so viel . wie beim wachsen produziert wurde – besser, als fossile ruhstoffe verbrennen…

    beim bauen mit holz, stroh, hanf…. binde ich kohlenstoff für solange, wie der bau stehen bleibt – und das ist nachhaltig !

    jetzt les i den art. weiter

    l.g.     Euer  he

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