25. Juli: Jacobitag in Lübbow

Lübbow, 25. Juli 2018.

Jedes Jahr am 25. Juli wird in Lübbow traditionell seit vielen Jahrhunderten schon der Jacobitag begangen. Jakob ist einer der Apostel und Namenspatron der kleinen Kapelle in Lübbow, die Anfang des dreizehnten Jahrhunderts aus Feldsteinen von Zistersiensermönchen eines nahen Klosters erbaut worden ist. Nach der Reformation wandte sich der überwiegende Teil der wendländischen Bevölkerung dem Protestantismus zu, der Name der Kapelle blieb aber erhalten: St.-Jakob-Kapelle.

Der Jacobitag wird heutzutage so begangen: am Vormittag findet in der Kapelle ein Gottesdienst mit Abendmahl statt, anschließend trifft sich die Gemeinde im Dorfgemeinschaftshaus und verzehrt im Rahmen eines geselligen Beisammenseins gemeinsam mit dem Pastor eine Erbsensuppe. Um 15:00 Uhr ist Kindertanz im großen Saal angesagt, und die erwachsenen Begleiter treffen sich zu Kaffee und Kuchen. Abends um acht dürfen dann die Erwachsenen tanzen. Es soll also ein fröhlicher, vergnügter Tag, der sich vom Alltag abhebt, werden.

Ich war heute um kurz vor zehn in der Kapelle. Die kleine Eingangstür war links und rechts mit jungen Birken geschmückt.

Innen hatten sich schon zahlreiche Dorfbewohner eingefunden, um sich die besten Plätze zu sichern.

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Die hölzernen Sitzbänke sind mit römischen Ziffern durchnummeriert.

Links an der Seite liegt ein alter Eichenbalken, der bis ins 19. Jahrhundert an der Grenze zwischen zwei Herrschaftsbezirken als Zollschlagbaum diente. An ihm hängt eine alte Geschichte, denn in heidnischer Zeit soll er als Gerichtsbaum gedient haben, unter dem Recht gesprochen und an dem wohl auch Recht vollzogen wurde. Nachdem die missionierenden Mönche die sogenannte „Banneiche“ einfach gefällt hatten, wollte niemand die „Bluteiche“ haben, und so wurde sie in die Kapelle als Sitzgelegenheit gelegt.

Der Altar wird geschmückt, eine Decke aufgelegt und Blumen hingestellt.

Seitlich vor der Kapelle hält die Blaskapelle noch mal eine Probe ab, schließlich soll im Gottesdienst jeder Ton sitzen, wenn die Gemeinde beim Gesang begleitet wird.

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Nach dem Gottesdienst gehen alle einige Dutzend Meter weiter zur alten Schule. Die Alte Schule wurde zum Dorfgemeinschaftshaus umgewidmet. In ihm finden nun solche Feiern wie zum Beispiel der Jacobitag statt. Man kann den Saal auch für eigene Veranstaltungen mieten.
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Im Anbau an der alten Schule bringt die Feuerwehr ihren Löschwagen unter, und auf der anderen Seite hat der örtliche Sportverein Räumlichkeiten.

An das Dorfgemeinschaftshaus grenzt ein großzügiger Spielplatz für Kinder, und dahinter liegt ein Fußballplatz.
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Links vor dem Gebäude stehen eine Hollywoodschaukel und eine Sitzbank.

Gegen 11:00 Uhr nun trifft sich die Gemeinde und sitzt zusammen beim Erbsensuppenessen.
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Auch Pastor Oppermann holt sich einen Teller und setzt sich zwischen seine Schäfchen.

Am Nachmittag beim Kindertanztermin sind nur wenige Kinder gekommen.
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In Niedersachsen sind Ferien, und viele Kinder sind mit ihren Eltern verreist. Außerdem ist es heute wie seit vielen Wochen schon sehr heiß, die Sonne brennt, und ich kann mir vorstellen, dass viele Kinder wohl lieber draußen im Schwimmbad sind. Bei Regenwetter hätte es hier wohl anders ausgesehen. Gleichwohl sitzen viele Eltern und Großeltern an den Tischen und lassen sich Kuchen und Kaffee schmecken, während der Disc-Jockey mit deutscher Schlagermusik Stimmung macht.

Beim Weggehen fallen mir rund um das Dorfgemeinschaftshaus noch viele witzige Details auf, die auf kreative Dorfbewohner schließen lassen. Zum Beispiel wurde ein ausgedienter Wasserschlauch der Feuerwehr zum Zaun umfunktioniert. Aus drei Besenköpfen von Straßenbesen wurde diese Schuhputzeinrichtung zusammengefügt.
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Und ein ausgedienter Feuerwehrhelm gibt den Aschenbecher vor der Eingangstür. Auf dem Spielplatz wurde dieser Tunnel durch den aufgeschütteten darüberliegenden „Berg“ gefertigt: eine Betonröhre, und drumherum ausgediente Straßenseitenpfähle (Fachbegriff kenne ich nicht).

 

Jahresbericht

Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow

Lübbow, Anfang Juli.

Lübbow ist ein Straßendorf zwischen Lüchow und Salzwedel. Straßendorf bedeutet, dass es sich nicht um einen Rundling handelt, sondern die Häuser links und rechts entlang der Hauptstraße durch das Dorf (und in einigen Nebenstraßen) angesiedelt sind.

Die kleine Kapelle habe ich bisher immer übersehen, wenn ich durch Lübbow Richtung Salzwedel gefahren bin. Weil sie so klein ist. Aber irgendwann fiel sie mir auf, und vor ein paar Tagen habe ich mal angehalten und sie mir angeschaut.

 

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Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow von der Straße aus gesehen.

 

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Die Kapelle von der Seite.

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Die hintere Wand der Kapelle in Fachwerkbauweise mit zwei Fenstern.

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Blick durchs Fenster in das Innere.

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Im Vordergrund ein einfacher Tisch mit dem Kreuz und mit Kerzen.

Schutzpatron der Kapelle ist der Apostel Jakob. Das Wendland hat sich überwiegend der Reformation angeschlossen, aber der Name wurde auch nach „Abschaffung“ der Heiligen  der katholischen Kirche beibehalten. Am 25. Juli wird in Lübbow der Jacobitag begangen, wobei sich die Lübbower nach dem Gottesdienst zu einer „Volksspeisung“ mit Erbsensuppe  treffen.

Die Kapelle wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands um 1200 aus Feldsteinen von Zistersienser-Mönchen errichtet, die nicht immer anwesend waren. Bei Anwesenheit stellten sie ihr Kreuz in eine kleine Außennische an der Kapelle. Die Anwohner suchten dann die Mönche auf, erhielten geistliche Unterweisung, aber auch Lebensberatung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Chorraum zerstört. Im 17. Jahrhundert wurde dann die hintere Wand aus Mauersteinen mit Fachwerkbauweise errichtet, und es wurden zwei Fenster eingebaut..

In früherer Zeit hatte die Kapelle keine Sitzgelegenheiten, die Gemeinde stand während des Gottesdienstes. Im 19. Jahrhundert wurde ein Eichenstamm in die Kapelle gebracht, der als Zollschlagbaum genutzt worden war und der dann lange Zeit als einzige Sitzgelegenheit diente.

Die Eiche war in heidnischer Zeit als Gerichtseiche – der „Banneiche“ –  an einem Ort zwischen Bösel und Wustrow, der heute noch Banneick heißt, genutzt worden und wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands von den Zistersiensermönchen einfach gefällt. Niemand wollte sie aus Aberglauben für den Hausbau verwenden, weil auf ihr ein „Blutfluch“ laste. Daher wurde der Eichenstamm als Zollschlagbaum für die bei Lübbow verlaufende Grenze zwischen Welfen- und Askaniergebiet bis 1866 genutzt, dem Jahr, in dem die preußische Zollunion die Grenzen aufhob. Als der Zollschlagbaum nicht mehr nötig war, brachte man den Eichenstamm in die Kapelle, wo „Gott ihn sanktionieren könne“.

Das Vorstehende habe ich Informationen in einer Schautafel neben der Kapelle entnommen.

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Inzwischen wurde die Kapelle mit einfachen Sitzbänken ausgestattet.

Vor der Kapelle steht eine alte Sitzbank.

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Der nächste Jacobitag ist am Mittwoch, den 25. Juli 2018. Um 10:00 Uhr findet dann in der Kapelle ein Gottesdienst mit anschließendem Abendmahl statt.

Danach treffen sich die Bürger*innen zu einem gemütlichen Beisammensein mit Erbsensuppenessen.

Am Nachmittag um 14:30 Uhr findet dann ein Kindertanz statt, und am Abend können sich ab 19:30 Uhr auch die Erwachsenen beim Tanzen in der alten Schule vergnügen.

 

 

 

 

 

Der St.-Annen-Kirchhof in Lüchow

Lüchow.
Am Rand von Lüchow, gegenüber des alten Postamts, gibt es einen kleinen Park. Spaziergänger führen ihre Hunde oft dort hindurch, oder er wird als Abkürzung genutzt.

Dabei ist es eine Kriegsgräberstätte. Die Stadt Lüchow hat eine Infotafel aufgestellt, der man entnehmen kann, dass dieser kleine Park in der Zeit von 1811 bis 1893 als Kriegsgräberstätte diente. Ein Schild am Parkeingang erinnert daran.

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Auf einem großen Feldstein liest man kaum noch erkennbar den Satz: (Wahrscheinlich: Die) „Kriegsgefangenen mahnen: Vergesst uns nicht“. Darunter ist in einem zweiten Feldstein etwas besser erkennbar eingemeißelt: „Gebt sie frei.“

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Einige Meter weiter in den Park hinein stößt man dann auf ein Mahnmal für die Kriegsgefallenen aus dem 2. Weltkrieg 1939 bis 1945.

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Eine kleine Treppe führt hinauf. Wenn man sie begeht und hinter das Mahnmal tritt, überblickt man eine Hufeisenform, an deren Rand sich flach in die Erde eingelegte Grabsteine mit Namen und Daten von gefallenen Lüchower Bürgern finden.

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Der Park wird gärtnerisch gepflegt. An vielen Stellen sind schon erste Frühlingsblumen wie Krokusse zu entdecken. Es gibt auch noch weitere vereinzelte, verwitterte Grabsteine zu entdecken Es soll hier auf dem St.-Annen-Kirchhof Erbgräber bedeutender Lüchower Bürgerfamilien geben, wie man der Infotafel der Stadt Lüchow entnehmen kann.

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Blick in das Parkgelände. Bald wird es hier blühen, im Rasen sind viele Frühlingsblumen.

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Eine knorrige alte Eiche.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich das Mahnmal einmal als Kind mit meinem Großvater besucht habe. Das Mahnmal ist nämlich 1954 eingeweiht worden, und in meiner Kindheit war es eben noch präsent für die Bewohner Lüchows und der Umgebung. Es hatte noch eine Bedeutung.

 

 

 

Die Kapelle St. Petri in Volzendorf

Volzendorf.
Je mehr ich mich im Landkreis bewege, desto mehr Kirchen und Kapellen begegnen mir. Und sie sind sich alle irgendwie ähnlich: nämlich aus Feldsteinen gebaut und in späterer Zeit mit Ziegelsteinen weiter ausgebaut, auch oft mit neugotischen Elementen.

So auch die kleine St.-Petri-Kapelle in Volzendorf, die im 14. Jahrhundert als Eingang zum damaligen Rundlingsdorf errichtet wurde. Im 19. Jahrhundert gab es in Volzendorf einen Großbrand, nach dem das Dorf nicht wieder in Form des Rundlings aufgebaut wurde. So steht die Kapelle heute mitten im Dorf.

Schaut euch einfach ein paar Fotos an:

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Die St.-Georg-Kirche in Bösel

Bösel, 21. März 2018.
Vergangenen Sonntag war ich in Bösel. Bösel ist ein ziemlich großes Dorf in der Nähe von Lüchow mit vielen alten Fachwerk-Bauernhäusern im Dorfkern, aber auch vielen Neubauten in der nach allen Seiten hin ausufernden Peripherie. In der Dorfmitte steht die jahrhundertealte St.-Georg-Kirche. Sie ist zu einem großen Teil aus Feldsteinen erbaut worden. An einem Pfeiler am Eingang zum Kirchplatz ist ein eiserner Halsring mit einer Kette befestigt.

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Halseisen aus dem Mittelalter (Replik) an der St.-Georg-Kirche Bösel

Als ich ein Kind war, ist mein Großvater einmal mit mir mit dem Fahrrad nach Bösel gefahren und hat mir diesen Halsring mit Kette gezeigt und erklärt. In Zeiten des Dreißigjährigen Krieges bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden Menschen, die sich nach Meinung der Obrigkeit nicht richtig benommen hatten, vor dem Gottesdienst dort angekettet und quasi den Kirchgängern und den Dorfbewohnern zur Schau gestellt. Es war also ein Pranger. Die Leute durften diese arme Person beschimpfen und verspotten, aber nicht schlagen oder sonstwie misshandeln. Es war also so etwas wie der Vorgänger vom Internet.

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Informationsschild neben dem Halseisen an der St.-Georg-Kirche Bösel

Der Halsring mit Kette – eigentlich als „Halseisen“ oder „Schandeisen“ bezeichnet –  hängt also dort am Pfeiler zum Eingang des Kirchhofs immer noch, ist aber leider nicht mehr das Original, das ich als Kind noch ansehen durfte. Das Original wurde nämlich 2007 gestohlen. Jetzt hängt eine Replik dort.

Wie schade. Jahrhundertelang respektierten alle Leute dieses Detail aus einer alten Zeit, und dann stiehlt es ein habgieriger Mensch, der es für sich alleine haben will. Vielleicht ist der Halsring auf irgendeinem Flohmarkt für fünf Euro verkauft worden und hängt jetzt bei irgendeinem Liebhaber antiker Dinge an der Wand, der nichts von der Herkunft weiß. Oder diese Metalldiebe, die alles klauen, was irgendwie aus Metall ist, haben das Halseisen abmontiert und beim nächsten Schrotthändler zu etwas Kleingeld gemacht.

Im Folgenden zeige ich noch einige Bilder von der St.-Georg-Kirche.

Vor dem Eingang zur Kirche liegen drei sehr alte Grabplatten. Zwei davon sind so stark verwittert, dass man auf ihnen keine Schriftzüge mehr erkennen kann. Nur auf der dritten sind noch einige erhabene Schriftzeichen wahrzunehmen.

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Stark verwitterter Grabstein vor dem Eingang zur St.-Georg-Kirche Bösel

Neben der Kirche stehen Steintafeln zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten der Weltkriege.

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Um die Kirche herum ist der Platz zu einem großen Teil mit Moos bedeckt, der andere Teil mit Gras. Zwischen Grashalmen und Moos schauen ganz viele Blumenspitzen hervor, die sich aber noch nicht trauen, ihre Blüten zu öffnen. Wahrscheinlich sind es Narzissen und Krokusse, und in wenigen Wochen wird man hier sicherlich ein buntes Blütenmeer sehen können.

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Das hier sieht nach Krokussen aus

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Die Spitzen, die hier aus dem Moss herausschauen, werden wohl Narzissen werden

Ein Detail am Abfluss der Regenrinne: ein Bett aus Feldsteinen. Das werde ich nachmachen!

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Im Folgenden noch einige Ansichten der Kirche:

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Feldsteinkirche mit späteren gotischen Elementen.

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Der Eingang zur Kirche. Vor dem Eingang liegen drei verwitterte Grabplatten

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Die Kirche ist ungefähr 600 Jahre alt und fast ganz aus Feldsteinen gebaut.

Bei der Weiterfahrt bin ich in Bösel noch an diesem architektonisch wunderschönen alten Haus vorbeigekommen:

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Gibt es eigentlich niemanden in Bösel, der mal die Wikipedia-Seite vom Dorf ein bisschen ergänzen kann? Für ein so großes Dorf steht da wenig drin. Was ist mit dem Hinweis auf das Buerbeer-Fest??

 

 

Die Kirche St. Johannis in Lüchow

Lüchow.
Mitten in Lüchow in der Nähe vom Glockenturm und vom Amtsturm steht die evangelische Kirche St. Johannis, eine dreischiffige gotische Hallenkirche ohne Turm mit einem Treppengiebel an der Westwand. Heute habe ich mir die Kirche einmal von außen angesehen.

 

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Der Treppengiebel der Westwand.

Erstmals erwähnt wurde die Kirche 1298. Seitdem ist sie mehrmals restauriert worden: in den Jahren 1866, 1926 und 1993. Das kann man einer Infotafel an der Kirche entnehmen, die die Stadt Lüchow – wie auch an anderen historischen Gebäuden – erstellt hat:

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Infotafel der Stadt Lüchow neben dem Kirchenportal

Hier kann man deutlich das Alter der Kirche nachempfinden:

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Feldsteine dienten zunächst als Baumaterial.

Dies ist das Eingangsportal der Kirche:

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Und hier der Blick in einige Fenster – eben Gotik: Weiterlesen