Der Kiekemarkt am 1. Mai in Trebel

Trebel, 2. Mai 2018.
In Trebel, einem Dorf mit etwa 1.000 Einwohnern,  findet zweimal im Jahr ein Markt rund um die Kirche zu Trebel statt: am 1. Mai der „Kiekemarkt“ und im Herbst der „Griepemarkt“.
Diese Märkte sind Nachfahren traditionell seit alter Zeit abgehaltener Märkte, die hauptsächlich dem Zweck dienten, Vieh, landwirtschaftliche Produkte und alltägliche Gebrauchsgegenstände zu handeln. Um Kunden anzulocken, wurden auch in früherer Zeit schon Volksbelustigungen dargeboten.

Nachdem ca. vierzig Jahre lang seit etwa 1960 kein Markt mehr in Trebel mangels Nachfrage stattgefunden hatte, wurde im September 2008 auf maßgebliche Initiative eines Trebelers wieder der traditionelle Trebeler Markt abgehalten und aufgrund des guten Zuspruchs auf Händler- und Konsumentenseite seitdem jährlich aufrechterhalten (Quelle: Puffahrt, Otto: Der historische Markt in Trebel).

Ich war gestern am 1. Mai auf dem „Kiekemarkt“ und konnte vieles „erkieken“. Der Fokus beim Kiekemarkt liegt auf kunsthandwerklichen Erzeugnissen aus dem Wendland oder aus an die Region grenzenden Gebieten und auf Gartenthemen, wozu hauptsächlich Pflanzen jeder Art, aber auch Gartendekorationen gehören. Auch für Gaumenansprüche und Spaßbedürfnisse ist gesorgt.

Wie üblich bei Festen im Wendland, war auch hier wieder die örtliche, freiwillige Feuerwehr aktiv und regelte die Einweisung in den Parkplatz. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Marktplatz an der Kirche begegnete man diesem „Feuerwehrmann“:

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Leider hielt er den Kasten in den Händen so schief, dass nur Genauhingucker erkannten, dass es sich um einen Spendensammelkasten mit einer Aufschrift mit der Bitte um eine Spende handelte.

Die Stände des Kiekemarkts waren auf zwei Plätze im Dorf Trebel verteilt. Diese Plätze sind durch die „Kuhtrift“ verbunden, also einen Pfad, auf dem früher die Kühe zur Weide getrieben wurden. Heute ist auf der Kuhtrift einen Schienenstrang verlegt, auf dem der Wagen der „Solarbahn“, also ein solarbetriebenes Fahrzeug, Gäste hin- und hertransportiert.

 

 

 

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An mehreren Verkaufsständen werden üppig blühende Blumen oder Kräuter und Gemüsepflanzen angeboten – passend zur Jahreszeit, in der gepflanzt wird. Vielerlei Kunsthandwerker bieten ihre Waren an, getöpfert, genäht, gehäkelt, gewebt und geschmiedet.

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Gleich am Eingangsbereich vom Kiekemarkt vom Parkplatz aus begegnet man üppigem Blumenangebot.

 

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Hübsche Verbenen für den Balkonkasten oder die Terrasse.

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Petunien in fast jeder Farbe.

Die Inhaberin dieses Standes verkauft selbst genähte Tischdecken. Den Stoff dafür hat sie aus alter Bettwäsche ausgeschnitten und die Kanten mit Häkelspitze umsäumt.

 

 

 

Am Nachbarstand gibt es hübsche Dekorationen aus künstlichen Blumen/Stoffblumen:

 

 

 

Hier wird Schmuck für Frauen verkauft, die sich noch ein bisschen hübscher machen wollen:

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Ganz viel im Angebot an verschiedenen Verkaufsständen: Gartenschmuck aus Glas, Rosteisen, Keramik und Metall:

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Allerlei aus Glas.

 

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Paradiesvögel für das Gartenparadies.

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Mit diesen Dingen kann man seinem Garten noch eine Krone aufsetzen…

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Gewebte Gartendekorationen aus Weide.

Der Inhaber dieses Stands produziert Dinge aus Eisen, zum Beispiel Feuerschalen, Gartenstecker, aber auch große Eisenringe mit einer Schraube daran.

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Ich frage nach dem Sinn dieser Eisenringe, und er meint, man könne sie auf eine Hecke werfen und sehen, wie gut man Zweige treffen kann, oder man könne sie seitlich in einen Holzpfahl drehen und darin dann Blumentöpfe mit Pflanzen stecken. Ich fand die zweite Möglichkeit dann irgendwie sinnvoller, zum Beispiel hier demonstriert:

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Man dreht die Eisenringe mit dem Schraubteil waagerecht in einen Pfahl oder Balken und hat eine Halterung für Blumentöpfe – toll!

Bei diesem Verkaufsstand werden riesige dreidimensionale Köpfe aus Stein zur Gartendekoration angeboten. Auf Nachfrage erklärt uns der junge Mann hinter dem Stand, das sein Vater die Köpfe aus Steinguss fertigt.

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Am gleichen Stand wurde auch eine Gartenbank in Bootsform angeboten:
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Dieser Stand gehört einer Keramikerin, die phantasievolle Dekorationen für den Garten herstellt, zum Beispiel witzige Hühner oder Schweine oder diesen Murmelturm:

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Eine Schäferei-Inhaberin stellt Erzeugnisse, die irgendwie mit Schafen zu tun haben, aus: gefilzte Schuh-Einlegesohlen, Schafkuscheltiere, Wollsocken und auch Seife aus Schafsmilch:

 

 

 

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Diese Keramikerin hat vielerlei originelle, aber auch praktische Artikel, meistens in Blau gehalten:

Rostliebhaber begegneten vielen kreativen Angeboten (s. auch oben):

 

 

Hier werden Waffeln angeboten, die mit einem sehr alten, schon fast antiken Waffeleisen über dem Holzofen gebacken werden:

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Dieser Stand bietet selbst gemixte „Cocktails“ an, aber alles alkoholfrei und garantiert supergesund mit vielen Vitaminen:

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Auch asiatische Kost gibt es an einem Stand, außerdem Süßigkeiten, diverse Brotsorten, Erbsensuppe und Fischbrötchen.

Ein Stand bietet Maibowle an, aber die Temperaturen sind heute leider nicht so hoch. Die Leute haben ihre Winterjacken wieder aus dem Schrank geholt und tragen Schals. Manche vermissen ihre Handschuhe. Ein scharfer Wind, teilweise als „Sturm“ zu bezeichnen, weht und bringt Stellschilder und Figuren zum Umkippen. „Wir haben auch Glühwein!“ ruft uns die Verkäuferin am Maibowlenstand zu.

Die „Trebeler Bauernstuben“, ein traditionelles Landgasthaus im Zentrum von Trebel, haben vor ihrem Haus auch einen Stand aufgebaut und verkaufen „normale“ Bratwürste, Wild-Bratwürste, Leber-Bratwürste und Bier.

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Plötzlich kommt Bewegung auf: viele Leute drehen sich um: die Heidekönigin aus Nemitz schwebt heran, mit einer Krone aus Heideblüten auf dem Kopf.

Die Nemitzer Heide gleich in der Nähe von Trebel ist entstanden, nachdem vor mehr als vierzig Jahren im Jahr 1975 ein Brand großflächigen Waldbestand vernichtet hatte und daraufhin die Natur ein Heidegebiet entstehen ließ.

Die Heidekönigin wird von ihrer Kronprinzessin und zwei etwa zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen als Assistentinnen begleitet. Die beiden Mädchen sind Schwestern. Die Heidekönigin und ihr Gefolge machen Werbung für das Heideblütenfest am letzten August-Wochenende und damit zusammenhängend die nächste Wahl zur Nemitzer Heidekönigin.

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Ganz professionell lächeln die aktuelle Nemitzer Heidekönigin (links) und ihre Kronprinzessin (rechts), die automatisch zur nächsten Heidekönigin gekrönt wird.

Der Inhaber dieses Stands verkauft in Nemitz, einem Nachbarort von Trebel, selbst produzierten Senf verschiedenster Zusammensetzung:

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Meine Freundin kauft ein Glas Orangen-Honig-Senf und ich ein Glas Himbeer-Senf.

Ein Kinderkarussell für die Kleinen gibt es auch, eine Blechdosenwurfbude, und ein Bungee-Jump-Gestell für die mutigen größeren Kinder.

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Der Waldkindergarten aus Gartow hat ein Zelt aufgebaut, in dem von Eltern selbstgebackene Kuchen und Torten sowie Kaffee verkauft werden.

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Werbeschild für das Angebot des Waldkindergartens in Gartow.

 

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Das Kuchen- und Tortenangebot findet großen Zuspruch, viele nehmen sich Kuchen eingepackt mit nach Hause.

Ich esse eine Schwarzwälder Kirschtorte:

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Verzehrt werden können Kuchen und Kaffee auf Biergartenbänken und –tischen in der Nähe eines Hauses, auf dessen Gelände eine Hüpfburg für die kleinen Kinder aufgestellt ist.
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An mehreren Stellen auf den beiden auseinander liegenden Marktplätzen stehen Schilder mit der Werbung für Hubschrauberflüge.
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Ich sehe jedoch keinen Hubschrauber und auch keinen Ansprechpartner und frage einen der Standinhaber. Der Hubschrauber sei heute wegen des Sturms nur einmal hochgeflogen, ansonsten habe man die Flüge abgesagt.

Später treffe ich den Piloten mit seinem Hubschrauber neben dem Autoparkplatz und spreche ihn an.
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Der Pilot arbeitet bei dem Firmeninhaber aus Wernigerode/Harz als ausgebildeter Berufspilot. Ein Flug dauert acht bis zehn Minuten. Im Hubschrauber haben außer dem Piloten noch drei Personen Platz. Mindestens zwei Personen müssten mitfliegen, damit er aufsteige, erklärt mir der Pilot. Je Person kostet der Flug 40.– €. Aber wegen des Sturms sei die Nachfrage heute leider gering.

Der Besuch des Kiekemarkts ist wirklich zu empfehlen, nicht nur wegen der vielfältigen kreativen und/oder leckeren Angebote, sondern auch wegen der Nähe zur sehr interessanten Kirche. Die Kirche zu Trebel hat keinen Heiligennamen, wie sonst üblich, sondern heißt eben einfach nur „die Kirche zu Trebel“. Zur Kirchengemeinde gehören zehn Dörfer. Die Kirche ist im 12. Jahrhundert gegründet und um das Jahr 1600 weiter ausgebaut worden. Sie hat innen eine kulturhistorisch wertvolle große Orgel sowie eine künstlerisch gestaltete Kanzel.

Für den nächsten Kiekemarkt wünsche ich ihm besseres Wetter und noch mehr Publikum. Es lohnt sich wirklich!

 

 

Flohmarkt in Gartow

Gartow.
Bei schönster Hochwetterlage und Temperaturen um die 30 Grad waren gestern wohl Tausende Besucher und Hunderte Verkäufer zum ersten Open-Air-Flohmarkt dieses Jahres in Gartow gekommen. Der frisch gemähte Platz am See war rappelvoll, der Veranstalter hatte sogar einen bisher nicht üblichen Abzweiger vom Hauptweg für Verkaufsstände geöffnet.

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Der Flohmarkt in Gartow ist einer der größten in Nordostdeutschland und für sich alleine schon mal einen Ausflug ins Wendland wert, vor allem, wenn man auch noch hinterher oder auch sozusagen parallel zum Flohmarktbesuch im See baden oder ein Boot mieten möchte. Kulinarisch wird man auf vielfältige Weise versorgt: es gibt Pizza, belegte Brötchen, Kuchen, Kartoffeln mit Dip, Bratwurst, Waffeln, Eis und alle möglichen Getränke. Man kann sich auf die Bänke neben den Imbisswagen – oder neuerdings sagt man ja „Food Trucks“ – setzen oder auch einen Abstecher in nahe gelegene Restaurants oder Cafés machen und dabei über den See schauen.

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Vor zwanzig Jahren ungefähr war ich das erste Mal – als Besucherin – auf dem Flohmarkt in Gartow. Damals war er noch vergleichsweise klein und recht übersichtlich. Aber seitdem ist er stetig gewachsen, was an der Organisation liegt, aber vor allem auch an der Location: eben am großen Gartower See. Wenn man Zeit hat, kann man sich auch gleich noch das nette Städtchen Gartow mit ansehen.

Ich bin ziemlich spät gekommen – erst kurz vor acht – und deshalb liegt mein Stand nicht so ganz an der Haupteinkaufsstraße. Aber auch hier schauen die Leute vorbei und ich kann doch so einiges loswerden. Zum Beispiel ein altes Nokia-Handy. Ein Mann schaut es sich interessiert an und bemerkt, dass darin wertvolle Inhaltsstoffe wie Gold und Cobalt seien. Ich biete es ihm für einen Euro, und er nimmt es mit. Viel Spaß bei der Goldsuche.

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Viel Natur umzu…!

Ich habe auch nette Nachbarn, zwei ältere Herren aus dem Landkreis. Sie sind selbst Sammler und haben in ihrem Leben vielerlei zusammengetragen. Der eine der beiden Herren hatte in seiner großen Wohnküche einmal vierzig alte Kaffeekannen auf Wandregalen stehen. „Meine Besucher wollten gar nicht ins Wohnzimmer, sie wollten immer nur in der Wohnküche sitzen, wegen der Kaffeekannen!“ erzählt der Herr. Kaffeekannensammler gibt es viele auf Flohmärkten. Eine Dame hatte mir einmal davon erzählt, dass sie 400 alte Kaffeekannen gesammelt hatte und zum Aufstellen dafür ihren Carport nutzte. An den Wänden des Carports hingen extra gefertigte Regale, in denen die Kaffeekannen ausgestellt waren. Einmal im Jahr wurden alle heruntergenommen und geputzt.

Jetzt haben sich die beiden Herren, meine Standnachbarn, wohnungsmäßig wohl etwas verkleinert und verkaufen das, was nicht mehr in die Wohnräume und in die Scheune passt. Zum Beispiel etliche Kaffeemühlen oder Petroleumlampen mit Glaszylinder und diverse Wand-Küchenuhren aus Keramik. Auch zwei uralte Waagen sind dabei, aus Metallguss.

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Eine alte Kaufmanns-Waage mit Gewichten davor.

Die eine Waage zeigt eindeutige Jugendstilelemente und stammt aus England, wurde aber von der Ehefrau bei einem Antiquitätenhändler in Belgien gekauft. Sie gefällt mir schon sehr, aber 65.– € möchte ich dann doch nicht dafür ausgeben. Auch nicht 50.–€, die der nette Herr mir als Sonderpreis anbietet. Die andere Waage stand früher beim Kaufmann zum Abwiegen und hat auf der einen Seite eine Waagschale und auf der gegenüberliegenden Seite ein flaches Marmorbrett, auf dem die Gewichte zum Ausgleich stehen.

Auf dem Flohmarkt in Gartow kann man einfach alles kaufen: Antiquitäten, Trödel, Kuriositäten, Geschirr, Kinderkleidung, Spielzeug, Werkzeuge … aber auch frisch im Holzofen gebackenes Brot, oder Eier und selbst gezogene Pflanzen für Garten oder Balkon. Ein einziges Freiluft-Kaufhaus ist das.

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Original-Ölbilder – hier ein „echter Chagall ;-)“

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Tolle Ballkleider …

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Geweihe…

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Golfschläger … im Wendland gibt es ja einen Golfclub!

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Schilder für alles…

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Fahrräder …

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Dies und Das …

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Ohne Worte

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Tolle Bücher…

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Schaufensterpuppen …

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Radios …

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Briefkästen …

 

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Trockenhauben …

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Schuhe …

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Mühlen jeder Art …

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Tiere …

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Alles Mögliche …

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Milchkannen, Zinkwannen, Zink-Gießkannen, Emaille-Schüsseln, Kornschaufeln, Hutschachteln … alles sehr beliebt!

Bei Flohmarktbesuchern kann man mehrere Gruppen unterscheiden:

Ganz früh am Morgen, zu einer Zeit, zu der die ersten Flohmarkt-Verkäufer ihre Stände noch aufbauen, ihre Kisten, Tüten und Kartons aus den Wagen holen, da kommen die „Jäger und Sammler“. Sie suchen nach etwas Rarem, etwas Besonderem, das aber möglichst günstig sein soll – eben nach „Schnäppchen“. Unter den Frühbesuchern sind auch viele Händler, die nicht so flohmarkterfahrenen Menschen ihre Sachen möglichst günstig abkaufen wollen, um sie mit Gewinn zu höheren Preisen weiterzuverkaufen. Auch Ladenbesitzer oder E-Bay-Händler sind darunter, erkennbar an Rucksäcken oder Trolleys zum Abtransport der Schätzchen.

Dann gibt es die Besuchergruppe der Schlenderer. Sie wollen eigentlich gar nichts kaufen, sondern schlendern nur mal so über den Flohmarkt, weil dieser Abwechslung bietet. Man sieht etwas und wird gesehen, trifft Bekannte, und man kann sich dort hinsetzen und einen Kaffee trinken und das schöne Wetter genießen.

Andere wiederum suchen gezielt nach Gegenständen, die sie gerade aktiv brauchen, für die sie aber nicht so viel Geld wie für Neuware aus einem Laden ausgeben wollen. Oft handelt es sich bei diesen Gegenständen um Werkzeuge oder Kleinteile für Auto oder Haushalt: vielleicht eine Axt, ein Kuhfuß oder ein Türgriff, ein Wasserhahn oder eine Luftpumpe. Etwas Nützliches eben.

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Werkzeug jeder Art …

Manche Besucher überfliegen mit Blicken die Auslage auf den Tischen, um originalverpackte Neuware zu finden. Das ist auch nicht selten. Jemand hat vielleicht etwas geschenkt bekommen, mag es aber nicht leiden oder braucht es nicht. Bei den neu gekauften Gardinen hat man nicht nach der Größe geschaut, und nun kann man sie nicht mehr umtauschen. Solche Sachen werden dann zu geringen Preisen verscherbelt: weg damit.

Gerade jüngere Leute, die dabei sind, ihren ersten Hausstand einzurichten, mögen wiederum alte Sachen: Trödel, Antikes, Altes. Ein altes Milchkännchen, weil die Oma so ein ähnliches hatte. Beliebt sind alte Bilderrahmen oder Spiegel, möglichst irgendwie goldfarben und mit Schnörkel. Auch alte Lampen und Kronleuchter werden gern mitgenommen.

In den letzten Jahren sind Möbel und Gebrauchsgegenstände der Fünfziger Jahre in den Fokus der Flohmarktbesucher und damit auch der Händler gerückt. Cocktailsessel oder Nierentischchen sind teuer geworden. Die Sammler grasen die Flohmärkte nach solchen Dingen ab. Entsprechend sind die Preise gestiegen. In den Großstädten gibt es seit wenigen Jahren schon Läden mit den gesammelten Dingen aus den Fünfzigern und Sechzigern.

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Schicke Cocktailsessel aus den Fünfziger Jahren …

Da Gartow im ländlichen Wendland liegt, wo viele Besucher alte Bauernhäuser besitzen und die sozusagen altersgerecht ausstatten möchten, gibt es gerade auf diesem Flohmarkt immer auch ein großes Angebot an ländlichen Gebrauchsgegenständen, zum Beispiel alte große Milchkannen, wie sie früher zur Molkerei transportiert wurden, oder Butterfässer oder große Kornschaufeln oder Emailleschüsseln und Zinkwannen.

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Uralter Hausrat …

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Noch mehr uralter Hausrat …

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Alte Töpferware…sehr begehrt!

Auf einem Flohmarkt werden nicht nur leblose „Gegenstände“ verkauft, sondern häufig auch „Emotionen“. Bei vielen alten Sachen werden Erinnerungen geweckt. Besucher bleiben bei den alten Tellern mit dem blauen Muster stehen und sagen: „So welche hatte meine Großmutter auch!“- Eine alte Puppe aus Pappmaché wird für 150.– € gekauft, weil „ich früher als Kind auch so eine hatte! Wo ist die bloß geblieben?“. Gestandene Männer kaufen alte Spielzeug-Lokomotiven und greifen verzückt nach dem alten Tretauto aus den Fünfziger Jahren: „Zur Dekoration!“. Frauen kaufen gerne Puppen und Zubehör wie alte Puppenmöbel oder Puppenstuben. Dann gibt es die „Teddy-Sammler“ oder die „Überraschungseier-Figuren-Sammler“, die manchmal Hunderte von Plastikfiguren im Wohnzimmerschrank stehen haben. Auch Bücher aus der Kindheit werden wieder mitgenommen, „um sie noch einmal zu lesen!“

Besonders beliebt, aber nur zur Pflanzzeit im Frühjahr, Sommer und Herbst, sind Pflanztöpfe für draußen. Was aber so gut wie gar nicht verkauft werden kann, sind Übertöpfe für Zimmerpflanzen. Wenn ich daran denke, wieviel Geld ich schon für gerade zu meiner Einrichtung passende Übertöpfe teuer im Geschäft gekauft habe … während einem so etwas auf dem Flohmarkt geradezu „nachgeschmissen“ wird…

Zufrieden ziehen Besucher mit einer Schaufensterpuppe im Arm an mir vorbei, ein junges Paar zieht im Bollerwagen ein altes Schaukelpferd, während das Kind, das eigentlich im Bollerwagen sitzen sollte, vom Vater getragen wird, eine junge Mutter schleppt sich mit einer riesigen Zinkwanne ab, und ein älteres Ehepaar hat in jeder Hand mehrere Tüten und Taschen mit Inhalt. Kleinkinder laufen barfuß im Gras, Spaziergänger versuchen, ihre Hunde im Zaum zu halten, und ein Mann Mitte Vierzig in kurzer Sporthose ermahnt seine Mutter, doch nicht an jedem Stand unbedingt stehenbleiben zu müssen.

Einige Meter entfernt hat sich eine Kunstfigur aufgebaut: Auf einem Kasten steht eine zierliche junge Frau, die ganz weiß im Gesicht und an den Händen geschminkt ist. Den Rest des Körpers bedeckt ein flatterndes weißes Gewand. Nach esoterisch anmutender Musik macht sie sehr langsame, fließende Bewegungen mit ihren Armen, Händen und dem Oberkörper und sendet ab und zu Seifenblasen aus, die sie umfliegen. Vor dem Kasten, auf dem sie steht, liegt ein kleines Gefäß, und manche Leute werfen ein Geldstück hinein.

Um 16:00 Uhr ist Feierabend. Die Verkäufer verpacken ihre nicht verkauften Sachen, und allmählich bildet sich vor der Ausfahrt eine Autoschlange. Um 17:00 Uhr bin ich wieder zu Hause.

Der nächste Flohmarkt in Gartow ist am 13. Mai. Ansonsten gilt die Regel im Sommer: einmal pro Monat in Gartow, sonst natürlich auch an anderen Orten.

Ausblick auf den See:

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Flohmarkt in Dannenberg

Dannenberg.
Die Saison geht wieder los. Gestern am Sonntag war der erste Flohmarkttermin in der Sommersaison, und er fand in Dannenberg auf dem Schützenplatz statt.

Am Morgen spürte man noch die eiskalte Nacht. Der Boden war noch immer gefroren, und die Scheiben meines Autos vereist. Die Felder und Wiesen waren von Rauhreif überzogen. Ich hatte mir eine dicke Strickjacke untergezogen und dicke Strümpfe in den Stiefeln.

Dann ging die Sonne auf – und es wurde das schönste Frühjahrswetter. Strahlend blauer Himmel, keine Wolke zu sehen. Strickjacke und Socken brauchte ich nicht mehr.

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Das angekündigte schöne Wetter hatte zahlreiche Verkäufer angelockt. Neben mir war eine Frau sogar ganz aus Lüneburg gekommen. Auch das Publikum ließ sich an die frische Luft treiben.

Schön, dass es wieder das leckere Händler-Frühstück mit zwei krossen belegten Brötchen und einem Kaffee gab!

Was habe ich wieder so gefunden?? – Unter anderem einen Fahrradkindersitz aus Korbgeflecht, super gut erhalten, für meine 50er-Jahre-Sammlung. Und noch eine große alte Milchkanne aus Blech zur Dekoration. Und eine schöne Spitzentischdecke und eine Käseglocke aus Kristall. Dafür bin ich jetzt meine alte Posaune, eine rosafarbene Vase und zwei Gänse aus Messing und … los.

Flohmarkt in Bergen/Dumme

Bergen/Dumme.
Nach längerer Abstinenz hatte ich vorgestern Abend plötzlich Lust, mal wieder auf den Flohmarkt zu gehen und meinen angesammelten Klimbim zu verkaufen. Ich packte daher mein Auto voll und stand am Sonntag um 4.30 Uhr auf. Matthias Strauch hatte für Sonntag die Schützenhalle in Bergen und umzu gebucht. Weil es nicht regnete, war es sogar relativ voll.

Das alte Schaukelpferd mit Sattel und Steigbügeln aus Metall war ich gleich als erstes los, später noch das Kasperle-Theater-Ensemble. Ein Toaster wechselte die Besitzerin, denn ich esse ja nun kein ungesundes Toastbrot mehr. Dann noch ein altmodischer Fahrradsattel und eine Eierplatte aus Kristall … und diverse weitere Sachen.

Ich selbst konnte dann auch wieder Interessantes mitnehmen: zwei goldfarbene Bilderrahmen aus der Jugendstilzeit, ein total gut erhaltener Kinderhochstuhl aus Buche für meine Fünfziger-Jahre-Sammlung und – auch für diese – einen komplett erhaltenen Ständer mit sechs farbigen Schnapsgläsern für nur fünf Euro! Der professionelle Händler auf dem gleichen Flohmarkt wollte für ein ähnliches Set sage und schreibe zwanzig Euro! Hatte ich wieder ein Glück! Und dann noch sechs bunte Metallbecher mit passenden farbigen Schnapsbecherchen, ebenfalls aus den Fünfzigern.

Das Interessanteste auf dem Flohmarkt sind aber die Gespräche mit den Nachbarn. Da erfährt man so allerhand aus Lebensläufen anderer Menschen. Neben mir hatte ein älterer Mann seinen Stand aufgebaut. Er war schon achtzig Jahre alt, total rüstig und fuhr seit 35 Jahren auf Flohmärkte. Aber was ich so alles Interessante erfahren habe, bleibt mein Geheimnis.

In der Schützenhalle selbst hatte die Besitzerin einen Raum mit allerhand Utensilien gefüllt, die sie angesichts der Flohmarktbesucher und -händler gern verkaufen wollte: ein Schrank, Tische, Weihnachtsdekorationsartikel, Puppenwagen, Notenständer etc. Und eine Küchenhexe, total gut erhalten. Leider hatte die schon jemand am Vortag gekauft…Schade. Ich suche doch eine. Wer hat eine Küchenhexe – so ein Herd aus weißer Emaille mit Handlauf – zu verkaufen? Bitte melden!

Kartoffelsonntag in Dannenberg

Dannenberg.
Jeden ersten Sonntag im November findet in Dannenberg der „Kartoffelsonntag“ statt. Diesmal wollte ich ihn mir einmal ansehen. Auf dem Weg von Lüchow nach Bremen habe ich deshalb in Dannenberg Halt gemacht. Ich hatte richtig Appetit auf Kartoffelgerichte. In der Haupteinkaufsstraße, der Lange Straße, waren allerlei Stände aufgebaut.

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Die Lange Straße in Dannenberg am Kartoffelsonntag.

Ich schlenderte von Stand zu Stand, auf der Suche nach richtig leckeren Gerichten. Leider habe ich insgesamt nur vier Stände gefunden, die überhaupt Kartoffelgerichte anboten. Und dann auch nur drei verschiedene Arten: a) Rosmarinkartoffeln mit Dip, b) Bratkartoffeln und c) Kartoffelpuffer. Gibt es nicht viel mehr Variationen?? Zum Beispiel „Kartoffelsuppe“ oder „Kartoffelmus mit Zwiebeln“? Ehrlich gesagt, war ich ziemlich enttäuscht. Ach ja, Pommes Frites sind ja auch aus Kartoffeln, und die gab es zu Hauf im Angebot. Neben Brat- und Currywurst. So etwas gibt es ja nun immer irgendwo… Außerdem im Angebot: Pizza, Crepes, Nudelpfanne, Eis… Passte irgendwie nicht zum Marktthema. Außerdem hätte ich mir auch gewünscht, etwas mehr über die Kartoffel zu erfahren. Ich vermisste einen Infostand mit Informationen zum Beispiel über die verschiedenen Kartoffelsorten und über Kartoffelanbauer in der Region. Man hätte auch einen Stand mit diversen Kartoffelrezepten zum Mitnehmen einrichten können. Oder einen Stand, an dem man Kartoffeln hätte kaufen können. Im Rohzustand, meine ich. Stattdessen Stände, wie es sie auf jedem X-beliebigen Markt gibt: sogar einen mit Lebkuchenkerzen und Zuckerstangen, wie auf einem Jahrmarkt. Die Geschäfte hatten geöffnet, und zwei Blumengeschäfte hatten wirklich schöne Grabgestecke im Angebot. Angesichts der bevorstehenden Trauersonntage. Weiterlesen

Flohmarkt in Lübeln

Lübeln.
Zweimal im Jahr – im Allgemeinen am 1. Mai und am 3. Oktober – findet im Museumsdorf Lübeln nahe Lüchow ein Flohmarkt statt, auf dem nur Trödel und keine Neuware erlaubt ist. Deshalb ist dieser Flohmarkt bei Antiquitäten- und Trödel-Liebhabern besonders beliebt und zieht entsprechendes Publikum an.

Heute war ich selbst als Händlerin dabei und habe versucht, Überschüssiges aus meinem Haushalt zu verkaufen. Erstmals habe ich auch Sträuße aus meinen im Frühjahr ausgesäten großen Sonnenblumen dabei.

Allerdings gab es heute, am Tag der Deutschen Einheit, nicht nur in Lübeln einen Flohmarkt, sondern auch in Lüchow selbst, in Bad Bodenteich und auch beim Feuerwehrhaus in Jameln. Die Flohmarktgänger teilten sich daher auf, sodass in Lübeln nicht ganz so viel los war wie sonst. Gegen Mittag fing es dann auch noch an zu regnen, hörte dann bald wieder auf, sodass die Sonne wieder durchkam. Aber dann so gegen halb drei fing es wieder an, und ich und viele andere Händler fingen an, einzupacken. So musste ich leider den größten Teil meiner „Waren“ wieder mit nach Hause nehmen. Naja, es gibt ja noch weitere Flohmarkttermine in diesem Jahr…

Auf dem Lübelner Flohmarkt gibt es immer auch Stände mit privaten Anbietern von Esswaren. Ein kleiner Stand hat sich auf Waffeln aus dem Waffeleisen spezialisiert. Zwei junge Erwachsene verkaufen Bratwurst, an einem anderen Stand gibt es ebenfalls Bratwurst, aber morgens auch belegte Brötchen und außerdem Kaffee. Daneben schenkt ein Stand „Wendländische Hochzeitssuppe“ aus. Das ist eine Suppe, die früher bei jeder Hochzeit als Vorspeise gereicht wurde: Brühe mit Eierstich, Rindfleischklößchen, Spargelstückchen und ein paar kleinen Nudelchen.

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An diesem Stand gibt’s Wendländische Hochzeitssuppe

Der Flohmarkt findet direkt auf dem runden Dorfplatz statt, denn Lübeln ist eines der berühmten Rundlingsdörfer des Wendlands. Eine alte Original-Milchbank Weiterlesen

Kürbismarkt in Platenlaase

Platenlaase.
Platenlaase als Ortsteil der Gemeinde Jameln ist ganz schön rührig. Im Allgemeinen verbindet man im Wendland mit „Platenlaase“ das Café Grenzbereiche, in dem vielfältige kulturelle Veranstaltungen – vom Kinoabend über das Rockkonzert bis zu afrikanischer Trommelgruppe und Salsatanzabend – stattfinden. Aber in Platenlaase wird auch jedes Jahr Ende September zur Erntezeit der „Kürbismarkt“ als sozialer Treffpunkt und besonderer Markttag mit rein regionalen Erzeugnissen abgehalten. Der Eröffnung des Markttages voraus geht stets ein Gottesdienst.

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