Schützenfest in Lüchow

Lüchow, 10. Juni 2018.
Heute an diesem Sonntag endete das diesjährige Schützenfest in Lüchow.

Immer zwei Wochen nach Pfingsten wird in Lüchow gut eine Woche lang das Schützenfest gefeiert. Die Straßen werden mit Girlanden mit dreieckigen Wimpeln in den Lüchower Stadtfarben blau und rot überspannt.

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Zu Ehren des Schützenfestes wird die ganze Stadt festlich geschmückt – mit Blumen und Fahnen.

Traditionsbewusste Anwohner oder Geschäftsleute stellen in wassergefüllten Eimern kleine Birkenstämme vor das Haus. Schon das „Birkenholen“ gehört mit zur Feier des Schützenfestes…

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Auch auf dem Marktplatz, wo die Schützen aufmarschieren, sind vor dem „Ratskeller“ die Fahnen aufgezogen. In diesem Gebäude befand sich früher das Rathaus von Lüchow.

Auf dem Schützenplatz wird zur Vergnügung der Bevölkerung ein Rummelplatz mit Buden und Karussells aufgebaut.

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Richtig große Karussells gibt es hier.

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Einblick in den Rummelplatz am Nachmittag …

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… und am Abend.

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„Schützenfest“ – ich erinnere mich an meine Kindheit – war verbunden mit Spaß und einem Besuch auf dem Rummelplatz. Die Bewohner Lüchows stellten sich an den Straßenrändern auf, um dem Aufmarsch der Schützen zuzusehen.

Schützenfest ist aber eigentlich ein ernstes gesellschaftliches Ereignis für die ganze Stadt. In Lüchow gibt es keinen „Schützenverein“, sondern eine „Schützengilde“. Die Verbindung mit der Bezeichnung „Gilde“ weist auf einen Ursprung im Handwerk hin. Denn Handwerker hatten sich im Mittelalter zu „Gilden“ mit verschiedenen beruflichen Richtungen zusammengeschlossen, in denen bestimmte Regeln und Beitrittsbedingungen galten.

Die Entstehung von Gilden ist eng mit der Entwicklung von Städten, der damit verbundenen Arbeitsteilung und mit der Erstarkung des Bürgertums in Abgrenzung zum Adel verbunden. In den Städten wurden Vereine und eben Gilden gegründet, die auch bewaffnet waren, um sich gegen Übergriffe des Adels stärker zur Wehr setzen und der städtischen Gemeinschaft „Schutz“ bieten zu können. Der Begriff „Schütze“ leitet sich also von „Schutz“ ab.

Während der Adel in Form der Ritterschaft im Mittelalter Turniere abhielt, maßen sich die Bürger in Schützenfesten, was Treffsicherheit betraf. Die Schützengilden hatten auch die Aufgabe, städtische Wach- und Verteidigungsdienste zu leisten.

Mit dem Marschieren während des Schützenfestes nahmen die Schützenbrüder Grenzbegehungen entlang der Stadtgrenzen vor. Bei Streitigkeiten, was Landgrenzen zwischen Besitztümern betraf, mussten lebende Zeitzeugen aussagen können, eben auch die Schützenbrüder, die die Grenzen kontrollierten. Es gab ja noch keine Grundbücher.

Die Schützengilde zu Lüchow wurde erstmals 1575 in einer Urkunde erwähnt, es gibt sie aber schon länger. Im Jahr 1750 teilte sich die Schützengilde zu Lüchow in zwei „Claßen“ (= Abteilungen). Die 1. Claße wurde zur späteren Gardekompanie. Die 2. Claße benannte sich in Jägerkompanie um. Beide Kompanien tragen aufwändige historische Uniformen. 1877 kam als 3. Kompanie die Schützenkompanie hinzu, die als Uniform die „Deutsche Schützentracht“ wählte. Schließlich kam 1893 noch als 4. Kompanie die Frackkompanie hinzu. Die Frackkompanie trägt als „Uniform“ Frack und Zylinder und wurde hauptsächlich deswegen gegründet, um Bürger anzuziehen, die bisher der Schützengilde ferngeblieben waren.

Somit besteht die Schützengilde zu Lüchow aus vier Kompanien mit unterschiedlichen Uniformen.

Als Quelle für die obigen Ausführungen mit historischen Bezügen stütze ich mich auf die Ausführungen der Schützengilde (sgl …!) auf deren Website.

Am Freitag, den 1. Juni wurde das Schützenfest eröffnet. Gegen halb elf abends hörte ich – drei bis vier Kilometer entfernt – etwas Ähnliches wie Schüsse – das war aber das Feuerwerk zur Eröffnung! Es war ein schöner lauwarmer Abend, und viele Gäste aus Lüchow und den umliegenden Dörfern waren gekommen, um bei einem Bier oder Wein der Blasmusik zuzuhören und dem Feuerwerk beizuwohnen. Wie auch mein Cousin und seine Frau.

Traditionell beginnt das Schützenfest am ersten Wochenende mit dem Kinderschützenfest. Und ab hier stütze ich mich auf einen Artikel aus dem „General-Anzeiger“:

Am Sonntag, also am 3. Juni, gab es mit Kindern ab der vierten Klasse aufwärts ein „Wettschießen“, um das neue Kindermajestätenpaar zu bestimmen. Hierzu wurden auf dem Schießstand ein PC-Netzwerk sowie SAM-Schießeinrichtungen installiert, bei denen das Ziel nur mit Licht anvisiert und der Zielvorgang vom Computer aufgezeichnet wird. Am Preisschießen konnte mit Pfeil und Bogen teilgenommen werden.

Vor dem Wettschießen zum Bestimmen des neuen Kinderschützenkönigs wurde das vorjährige Kindermajestätenpaar samt Eltern in Cabrios von der gesamten Gilde und Schulkindern zum Marktplatz begleitet. Unterwegs trafen Kindergartengruppen dazu. Die verschiedenen verkleideten Schul- und Kindergartengruppen wurden durch eine Jury beurteilt, was deren besondere Ausstrahlung betrifft. So konnte die Siegergruppe einen Geldpreis gewinnen, der an die Schule bzw. den Kindergarten überreicht wird.

Nachdem die Wettbewerbe im Königs- und Preisschießen abgeschlossen waren, wurde der neue Kinderschützenkönig und die Kinderschützenkönigin ermittelt. Das vorjährige Kindermajestätenpaar und das neue Kindermajestätenpaar wurden zum Festzelt geleitet und das neue Kindermajestätenpaar wurde feierlich proklamiert. Die Kindermajestäten erhielten ihre selbst ausgesuchten Preise und eine silberne Gedenkmünze. Anschließend wurden die anderen Preise an die Schülerinnen und Schüler, die am Schießwettbewerb teilgenommen hatten, verteilt. Danach erfolgte ein gemeinsamer Bummel über den Schützenplatz mit seinen Buden und Karussells. Durch die Einbindung der Kindergärten und Schulen wird die ortsansässige Jugend gleich an die Tradition herangeführt.

Bilder zu vergangenen Kinderschützenfesten findet ihr hier und weitere Hintergrundinformationen zum Kinderschützenfest hier.

Am Montag, den 4. Juni fand dann das Königs- und Preisschießen der Erwachsenen auf dem Schießstand statt.

Hier findet ihr Eindrücke vom Montag.

Am Preisschießen nehmen sozusagen nur diejenigen teil, die nicht unbedingt Interesse haben, ggf. Schützenkönig zu werden. Denn mit dem Amt des Schützenkönigs sind nicht nur Ehren verbunden, sondern auch hohe Geldausgaben: Der Schützenkönig muss kräftig einen ausgeben,

Am Abend wurde dann das neue Schützenkönigspaar proklamiert.

Neuer Schützenkönig wurde ein Kolborner als treffsicherster Wettbewerber. Am Dienstag, den 5. Juni wurde das neue Königspaar dann von ihrer sog. „Königsburg“, ihrem Zuhause in Kolborn, feierlich von der Gilde abgeholt und zum Marktplatz begleitet, wo der neue Schützenkönig mit der schweren Königskette an der Brust dann standesgemäß die Parade der Schützenbrüder abnahm.

Ich war nicht dabei und kann euch nur ein Foto vom Titel des „General-Anzeigers“ zeigen:

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Der neue Schützenkönig der Lüchower Schützengilde (vorne links) nimmt grüßend die Parade der Schützenbrüder ab. Foto: General-Anzeiger vom 9./10. Juni 2018

In der Schützengilde sind vor allem Mitglieder alteingesessener Familien aus Lüchow und den umliegenden Dörfern vereinigt. Die Uniformen sind teuer, und man muss natürlich das richtige Exerzieren und Grüßen üben. Und natürlich die Treffsicherheit beim Schießen.

Zu Ehren der Schützen gibt es eine „Schützenstraße“. Ein Gasthaus neben dem Schützenplatz heißt „Gildehaus“, in dem auch sonstige Feiern ausgerichtet werden. Im Gildehaus finden auch Tanzabende, Konferenzen oder Künstlerauftritte statt.

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Aufgezogene Fahnen vor dem Gildehaus.

Das nächste Schützenfest ist schon in Sicht: am kommenden Wochenende wird das Schützenfest in Dannenberg eröffnet.

Regiobranding Griese Gegend – Elbe-Wendland: Suche nach einer Symbolfigur

Dannenberg, 4.6.2018.
Am 4. Juni 2018 wurde das Projekt „Regiobranding Griese Gegend – Elbe-Wendland“ durch einen Workshop mit dem Titel „Auf der Suche nach einer Symbolfigur für die Region Griese Gegend-Elbe-Wendland“ – diesmal im Alten Rathaus Dannenberg – fortgesetzt. Der angekündigte zweite Workshop „Storytelling“ ist leider ausgefallen.

Der genaue Arbeitstitel des Projekts ist „Aufgetan – Fragen und Antworten zur Landschaft Griese Gegend – Elbe-Wendland“ .

In diesem Projekt geht es um die Suche nach regionaler Identität unter den Fragestellungen „Was ist ‚Heimat‘?“ und „Was prägt uns, unsere Landschaft und Geschichte?“.

Leider hatten nur neun Personen Zeit zu diesem Termin und diesem Ort gefunden – obwohl beide Regionen bekanntermaßen doch so viele Rentner und Rentnerinnen haben. Aber wie heißt es doch immer: ein Rentner hat nie Zeit … Sechs Personen kamen aus dem Wendland (darunter waren allein drei Vertreter der Landkreisverwaltung – also nur drei „Freiwillige“). Aus der „Griesen Gegend“ waren nur drei Teilnehmende gekommen.

Außerdem war das Team des Projekts mit Corinna Hesse und Antje Hinz vom Silberfuchs-Verlag, der die Ergebnisse des Projekts in eine interaktive Website einfließen lassen wird, sowie mit Jonas Möhring und mit Andreas Dihm vertreten. Auch der Projektkoordinator vom Landkreis Ludwigslust-Parchim, zu dem die „Griese Gegend“ gehört, Philipp Uckert, nahm teil. Weil mich das Projekt interessiert, war auch ich dabei.

Zur Einführung des Workshops fasst Corinna Hesse noch einmal kurz die Ergebnisse des Workshops vom 8. März 2018 zusammen und zeigt in ihrer begleitenden Power-Point-Präsentation die drei von Ellen Backes gezeichneten Plakate zu den drei im Workshop vorgegebenen Themen „Unsere Dörfer“, „Unsere Landschaft“ und „Unsere Sprache“.

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Von Ellen Backes während der Gruppengespräche mitgezeichnete Ergebnisse des Workshops vom März 2018.

Antje Hintz berichtet von ihren beiden in Dannenberg und Malliß durchgeführten Workshops in siebten und achten Schulklassen. Corinna Hesse stellt Jonas Möhring und Andreas Dihm kurz vor. Jonas Möhring ist Comic-Zeichner bei 123comic in Berlin und arbeitet unter anderem mit Ellen Backes, der Zeichnerin vom vorhergehenden Workshop, zusammen. Andreas Dihm erstellt Animationen im Netz und gestaltet interaktive Figuren.

Entsprechend des Themas des Workshops sollten die Teilnehmenden eine Symbolfigur für das Projekt entwickeln, die dann auf der geplanten Website durch die angebotenen Themen führen soll. Diese Figur soll dann zeichnerisch durch Jonas Möhring und sein Team gezeichnet und mit Hilfe von Andreas Dihm animiert werden.

Nachdem Jonas Möhring von Corinna Hesse die Moderation übernommen hat, weist er zunächst auf den bereits zu Beginn des gesamten Projekts im Jahr 2015 entwickelten  Schmetterling als Symbolfigur hin:

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(Copyright: Landkreis Ludwigslust-Parchim)

Die beiden Flügel des Schmetterlings deuten je die Umrisse der beiden beteiligten Regionen an. Der „Körper“ des Schmetterlings zwischen den beiden Flügeln symbolisiert den Fluss Elbe als verbindendes Element zwischen den beiden Regionen. Die Färbung der Flügel – ein Mix aus bunten Kästchen – soll die Vielfalt beider Regionen in jeder Hinsicht andeuten. Der Schmetterling kann über beide Regionen und die Elbe hinwegflattern. Mit dem Schmetterling verbunden war eine comic-haft gezeichnete Raupe: der Schmetterling ist eine Metamorphose der Raupe.

Danach lenkt Andreas Dihm die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden etwas vom Team Raupe/Schmetterling ab, indem er in einer Präsentation verschiedene im Netz gefundene Symbolfiguren zeigt.

Darunter sind Maskottchen, die eine bestimmte Region vertreten, zum Beispiel der „Kolle-Bolle“, ein Troll, der auf die Insel Bornholm aufmerksam machen soll. Oder das „Münchner Kindl„, das in animierter Form unter anderem erklärt, wie die Richtungsschilder in der Münchner U-Bahn zu verstehen sind. Oder der „Ueckerich“, eine Seerobbe, die auf die Ueckermark verweist. Maskottchen sind auch im Sport sehr verbreitet, insbesondere bei Großereignissen wie einer Weltmeisterschaft oder Olympiade. Maskottchen sollen Sympathieträger sein. Auch Unternehmen setzen sie ein, wie zum Beispiel die Deutsche Bahn den Maulwurf.

Gerne wird auch auf Tiere zurückgegriffen, wie zum Beispiel der Berliner Bär oder in Lüneburg die Salzsau. Im bayrischen Raum ist das sagenhafte Tier „Wolpertinger“ oder „Wolperdinger“ verbreitet, ein Tier, das es nicht wirklich gibt. Manche Städte machen aus typischen Bauwerken, aus Wahrzeichen, eine Symbolfigur, wie zum Beispiel ein Turm in Crimmitschau oder auch in Lüchow. In Paris der Eiffelturm oder in Pisa der Schiefe Turm.

Andreas Dihm stellte auch das sogenannte „Redende Wappen“ vor. Das bedeutet, dass Adelsfamilien oder auch Städte früher ihre Namen gerne in den Wappen bildhaft darstellen ließen. Die Darstellungen in den Wappen spielen also auf den Familiennamen oder Stadtnamen an. Zum Beispiel enthält das Wappen der Stadt „Dannenberg“ eine Tanne („Danne“) auf einem Berg.

Anschließend stellt Jonas Möhring einige Grundfiguren beim Comic-Zeichnen vor:
1. Die Ein-Körper-Figur
2. Die Zwei-Körper-Figur

Die Teilnehmenden sollen dann auf bereitliegenden Blättern selbst einige Ein-Körper-Figuren wie zum Beispiel ein Quadrat, Rechteck, Kreis oder auch ein Herz zeichnen und den Figuren dann ein menschliches Gesicht sowie einige Körperteile wie Arme und Beine zufügen. Das gleiche dann mit Zwei-Körper-Figuren.

Jonas zeichnet einige Figuren auf dem Flip Chart vor, sodass die Teilnehmenden erkennen können, in welche Richtung es gehen sollte.

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Der Kreis der Teilnehmenden inclusive der Teammitglieder wird dann in drei Kleingruppen aufgelöst, die sich im Raum in verschiedene Ecken zurückziehen. Jede Kleingruppe hat den Auftrag, Ideen für die gesuchte Symbolfigur für das geplante Webportal des Projekts Regiobranding Griese Gegend-Elbe-Wendland zu entwickeln.

In meiner Gruppe haben sich fünf Teilnehmende zusammengefunden. Eine Teilnehmerin hat eine neue Idee: sie möchte zwei Figuren – statt nur einer – einbringen. Zum Beispiel zwei Schafe. Ein Schaf wird als schwarzes Schaf in einer ansonsten weißen Schafherde geboren, und das andere Schaf wird als weißes Schaf in eine ansonsten schwarze Schafherde hineingeboren. Beide Schafe sind also in ihrer jeweiligen Umgebung „etwas Besonderes“. Eines Tages treffen sie sich und gehen fortan zusammen in die Welt hinaus. Das soll eine Metapher sein für die verschiedene kulturelle Entwicklung der Menschen in den beiden Fokusregionen. Denn durch die innerdeutsche Teilung haben sich die Menschen in den beiden Regionen unterschiedlich entwickelt.

Nun ist die Grenze aufgehoben, und die Menschen der beiden Regionen begegnen sich wieder, gehen aufeinander zu, bemerken aber noch die Unterschiedlichkeit.
In dieser Gruppe wird auch der Schmetterling wieder hervorgehoben, der schon 2015 entwickelt worden ist. Ein Sympathieträger, der die Elbe – die natürliche Grenze zwischen den beiden Fokusregionen – überqueren kann, sich mal auf dieser Seite und mal auf der anderen Seite niederlassen kann, der Blütenstaub mit sich trägt und damit produktiv – „befruchtend“ – auf beiden Seiten wirkt.

Ich wechsle in eine Gruppe, die aus nur drei Personen besteht, sodass die Teilnehmerzahl je Gruppe jetzt etwas ausgewogener ist. Die Teilnehmenden dieser Gruppe sind auch auf die Idee von zwei Figuren gekommen. Zum Beispiel ein Mädchen und ein Junge, die sich treffen und dabei die Elbe als Grenze überschreiten.

Die Gruppe hat aber auch schon verschiedene Einzelfiguren als Symbolfigur für das Webportal gedanklich generiert: eine fleißige Ameise, verschiedene Vogelarten wie Kranich oder Wildgans, Nutztiere wie Schaf oder Heidschnucke, als Pflanze den Löwenzahn, ein Fahrrad, eine Brücke, die die Elbe überbrückt und damit die Grenze überwindet, ein Frosch, Pflanzen wie Sonnenblume, Kiefer, Eiche, Pilze, Blaubeeren, Kartoffel, Karotte, oder auch ein Haus mit Scheunentor oder die Wendlandsonne. Da es sich um Brainstorming handelt, sind alle Einfälle kritiklos zu akzeptieren. Auch ein Name für das Webportal – oder die Figur? – wurde schon genannt: „Griewendel“, als Kunstname aus „Griese Gegend“ und „Wendland“.

Die anderen Gruppen haben auch viele Ideen, die nach Beendigung der Gruppenarbeit zusammengetragen und auf Moderationskarten geschrieben und an die Stellwände gepinnt werden. Zum Beispiel könnte man ja auch „Mischwesen“ kreiieren, so ähnlich wie die Wolperdinger in Bayern: vielleicht ein Fisch mit einem Vogel kombinieren oder ein Künstler mit einem Bauern – als Metapher für die Zuwanderung der Kreativität („Künstler“) in die ursprünglich bäuerlich geprägten Regionen. Oder zwei Zwerge, der eine „gut“, der andere „böse“. Oder zwei Schafe, das eine schwarz, das andere weiß (siehe oben).

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Die Frage des Charakters der gesuchten Symolfigur steht wieder im Raum. Wofür soll sie stehen? Das Motiv des Wanderns und der Gastlichkeit in den beiden Fokusregionen wird aufgegriffen und man kommt auf die Idee des „Zugvogels“, oder wieder der „Storch“, die „Wildgans“, auch weil in beiden Regionen „viel Platz“ ist und somit auch viel Sammelplatz für Tiere. Auch das Motiv der „Entschleunigung“, der „Ursprünglichkeit“, des „Rückzugsgebietes“ für viele Menschen wird genannt. Oder das Motiv der „Verschmelzung“ von Kultur, Politik und Ökologie.

Viele, viele Ideen schwirren herum.

Andreas Dihm stellt schließlich die Frage „Was sollen die Figuren machen? Wie sollen sie auf dem Portal eingesetzt werden?“ und er zeigt in einer Präsentation Beispiele seiner Arbeit mit animierten Figuren. Zum Beispiel hat er Figuren und animierte Filmchen für das Projekt „Suchtprävention“ produziert, die im Internet und auf den Bildschirmen in der Berliner U-Bahn laufen. Da geht es um das Thema „Erziehung“. Die Filmchen sollen Erwachsene auf ihr Suchtverhalten hinweisen und auf die Wirkung ihres Verhaltens auf ihre Kinder.

Dann stellt er noch weitere Produktionen vor, zum Beispiel einen Film, in dem es um verschiedene Seminarmodelle geht und in dem Strichmännchen im Zentrum stehen. In einem Animationsfilm für die Plattform „Scriptmakers“, auf der es um das Zusammenbringen von Drehbuchautoren und Filmproduzenten geht, spielen zwei animierte Tiere ihre Rollen, nämlich ein Zebra und ein Pinguin.

Auch die interaktive Landkarte auf dem Portal Region-Wendland.de wird gezeigt und gefragt, was eine Symbolfigur auf so einer bereits interaktiven Karte mit Hintergrundinformationen noch zusätzlich für einen Nutzen haben könnte.

Nach einer kleinen Pause, in der wir mit Schnittchen, die vom Landkreis Lüchow-Dannenberg spendiert wurden, versorgt wurden, bekommt jeder drei Klebepunkte und soll die Punkte auf die Karten an der Pinnwand kleben.

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Welche geäußerte Idee gefällt jedem am besten? Am Ende werden die Punkte je Idee gezählt und heraus kommt:

Der Löwenzahn steht mit elf Punkten an erster Stelle, gefolgt vom Schmetterling mit zehn Punkten und der Idee mit Lämmern/Schafen mit vier Punkten.

Der Löwenzahn ist somit der Sieger. Er kann als gelbblühende Pflanze dargestellt werden oder als „Pusteblume“ mit einer Vielzahl von kleinen Samen mit einem „Fallschirm“, der die Samen weitertragen kann. Und der einzelne kleine Samen mit seinem Fallschirm kann dann zum Beispiel auf der geplanten Website Fragen oder Antworten „weitertragen“.

Jonas sammelt auf dem Flip Chart Ideen aus der Gruppe, wie die Symbolfigur nun genutzt werden könnte.

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Mit der Figur könnte zuerst eine Themeneinführung auf dem Webportal gemacht werden. Die Figur könnte zeigen, was man auf der Website machen kann: suchen – fragen – etwas beitragen – Orientierung erleichtern. Die verschiedenen Themen auf dem Webportal könnten durch Variationen der Hauptfigur kenntlich gemacht werden, vielleicht unterschiedliche Einfärbung oder unterschiedliche Stimmen. Die Figur könnte das Portal durch Sonderfilmchen auf youtube, Facebook und Co. bewerben/bekannt machen. Die Figur sollte die Nutzer zum Mitmachen animieren. Sie sollte einen Wiedererkennungswert haben. Sie sollte einen „Sprung über die Elbe“ symbolisch ermöglichen.

Wie geht’s jetzt weiter mit dem Projekt? Bis September 2018 muss die Entscheidung für die Animation gefallen sein. Die sieben Mitglieder der Steuerungsgruppe des Projekts treffen sich am 18.6.2018 und werden beraten und entsprechende Entscheidungen treffen.

 

Das Schloss von Lüchow

Lüchow, 4.5.2018.
Es war einmal …

… eine junge Frau namens Anna Gräfin von Nassau-Dillenburg aus dem rheinischen Westen.

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Anna Gräfin von Dillenburg-Nassau

Sie heiratete 1467 im Alter von 27 Jahren Otto V. von Braunschweig-Lüneburg, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und von 1464 bis 1471 – nachdem sein älterer Bruder kinderlos verstorben war – Fürst von Lüneburg, aus dem Adelsgeschlecht der Welfen.

Wie bei einer politischen Hochzeit üblich, wurde ein Ehevertrag geschlossen, in dem Anna für den Fall des Ablebens ihres Ehemannes die Stadt Lüchow und das Schloss in Lüchow mit allem Zubehör als Witwensitz (sog. „Wittum“) zugesprochen wurde.

Schon vier Jahre nach der Hochzeit im Jahr 1467, die in Celle stattfand, starb Herzog Otto V. bei einem Stechturnier in Celle und Anna war jetzt Witwe. Als nunmehrige Landesherrin im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg engagierte sie sich sozial, kirchlich und wirtschaftlich und übernahm die Vormundschaft für ihren 1468 geborenen Sohn (Heinrich der Mittlere), bis derjenige selbstständig die Herrschaft ausüben konnte.

Die Grabstätte des verstorbenen Otto V. liegt übrigens in der St.-Michaelis-Kirche in Lüneburg.

Obwohl Annas Hauptwohnsitz das Celler Schloss war, besuchte sie häufig ihren Witwensitz in Lüchow und ließ umfangreiche bauliche Maßnahmen im Schloss durchführen. Sie galt als wohltätig, fromm und bescheiden, als vorbildliche Landesmutter. Nachdem sie ein zweites Mal geheiratet hatte, verstarb sie 1514 in ihrem Schloss in Celle.

Das Schloss diente dann über Jahrhunderte als Amtssitz der Grafschaft Lüchow. Es befand sich auf einer Anhöhe, von der aus man die Stadt Lüchow überblicken konnte. Wer den Amtssitz aufsuchen wollte, musste die Anhöhe hinaufgehen und bekam somit gleich ein Gefühl für die „Amts-Hoheit“.

Im Schlossturm weist ein Wappen auf Annas Herkunft hin: das Wappen der Grafen von Nassau-Dillenburg aus dem Rhein-Gebiet.*

Ein Großneffe von Anna war Wilhelm I. von Oranien, der der Stammvater des heutigen niederländischen Königshauses ist. Der Geburtsort von Wilhelm von Oranien war Dillenburg. Das Königshaus nennt sich ja „die Oranier“. Der heutige niederländische König heißt auch Willem und ist der Sohn von Königin Beatrix und Prinz Claus.

Prinz Claus hieß ursprünglich Claus von Amsberg und stammte aus einem Adelshaus, das seinen Sitz in Mecklenburg hatte. Sein Vater war Gutsverwalter eines Landguts in der Nähe von Hitzacker, und daher ist Hitzacker die Geburtsstadt von Claus von Amsberg. Auch Willem der Niederlande war mindestens einmal in Hitzacker, um die Heimatstadt seines Vaters kennenzulernen. 2014 weihte Königin Beatrix der Niederlande eine neu gebaute Promenade mit Schutzmauer vor der Elbe – es gab mehrmals Überschwemmungen – persönlich ein und taufte sie auf den Namen ihres verstorbenen Gatten „Prinz-Claus-Promenade“.

Ungefähr dreihundert Jahre, nachdem soviel herzoglicher Glanz über Anna Herzogin von Braunschweig-Lüneburg und zeitweise Regentin des Fürstentums Lüneburg auf Lüchow gefallen war, brannte das Lüchower Schloss am 24. April 1811 nieder, zusammen mit dem größten Teil der Stadt Lüchow.

Das Feuer war in einer Brennerei im Stadtzentrum ausgebrochen und erfasste rasend schnell die meisten Gebäude der kleinen Stadt. Innerhalb weniger Stunden waren nur noch Brandruinen von den Gebäuden geblieben. Fast 200 Wohnhäuser plus etliche Nebengebäude und Ställe werden vernichtet. Hier kann man eine kleine Ansicht des Schlosses und der Stadt nach dem Brand sehen, zusammen mit einer Schilderung der Geschehnisse rund um den Großen Brand von Lüchow.

Vom Schloss übriggeblieben sind nur der Turm sowie die Grundmauern. Nach dem Umfang der Grundmauern zu urteilen, muss das Schloss ziemlich groß gewesen sein. Es befand sich auf einer Anhöhe, von der aus man über die Stadt blicken konnte.

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Das Schlossgelände liegt auf einer kleinen Anhöhe.

Heute ist der Turm das Wahrzeichen der Stadt Lüchow und wird als „Amtsturm“ bezeichnet, obwohl es ja eigentlich „Schlossturm“ heißen müsste.

Innerhalb der Grundmauern, die aus massigen Feldsteinen bestehen, ist eine gepflegte Parkanlage entstanden, die sich auch außerhalb der Grundmauern und unterhalb der Anhöhe fortsetzt.

Die Grundmauern des ehemaligen Schlosses: mächtige Feldsteine:

 

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Ob das ein absichtlich freigelassenes „Fenster“ oder ein Einstieg in die Kellerverliese war?

Eine gepflegte Parkanlage umgibt den Amtsturm:

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Das Flüsschen Drawehner Jeetzel durchfließt den Park, „Amtsgarten“ genannt. Kleine Brücken ermöglichen einen Seitenwechsel beim Spazierengehen. Sitzbänke laden zum Ausruhen ein.

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Eine kleine Fußgängerbrücke über die Drawehner Jeetzel im Amtsgarten.

Alte Bäume umstehen den Turm, Raben und Tauben umfliegen ihn.

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Die Wurzel eines uralten Baums klammert sich an den Untergrund:

Durch eine eiserne Rundbogentür kann man den Turm betreten (wenn das Museum geöffnet hat).

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Der Schlossturm beherbergt das Museum des Geschichts- und Altertumsvereins Wendland. Es hat von April bis Oktober am Freitag und Samstag von 13:00 bis 16:00 Uhr, am Sonntag von 11:00 bis 15:00 Uhr und Montag von 10:00 bis 14:00 Uhr geöffnet. Vorsichtshalber sollte man sich vorher aber noch mal bei der Stadt Lüchow erkundigen, ob geöffnet ist (05841-126-0).

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Mitten auf einem Platz vor dem Turm auf der Anhöhe liegt eine große, runde Scheibe auf einem Sockel.

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Die Scheibe hat einen Durchmesser von schätzungsweise sechs Metern und besteht aus Beton, umfasst von einem Eisenring. Leider stand kein Schild mit einer Erklärung daneben, wozu diese Scheibe dient. Im Prinzip ist sie begehbar. Vielleicht soll sie metaphorisch die Begegnung zwischen Zukunft (sie erinnerte mich an ein UFO) und Vergangenheit (Schloss) ausdrücken.

Etwas seitwärts zeigt ein dreidimensionales Kunstwerk aus Eisen mit beabsichtigtem Rostansatz zwei Frauenfiguren: eine davon ist Anna, die Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg aus dem Hause Nassau-Dillenburg, an der anderen Frauenfigur steht der Name Sophia-Elisabeth. Sophia-Elisabeth war eine weitere Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg und starb 1676 in Lüchow.

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An einer anderen Stelle wurde ein sehr großer Feldstein zu einem Denkmal für den Distriktbaumeister Lietzmann aus Salzwedel umgestaltet, der zu napoleonischer Herrschaftszeit „mit ungeheurer Tatkraft“ bereits eine Woche nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1811 den Neubau einleitete und plante, sodass bereits nach einem Jahr der Neubau des Stadtzentrums in einheitlicher Fachwerkbauweise und einem durchdachten rechtwinklig angelegten Straßensystem mit Querverbindungen abgeschlossen war.

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Gedenkstein für Baumeister Lietzmann aus Salzwedel.

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Diesem Baumeister Lietzmann ist es also zu verdanken, dass das Städtchen Lüchow heute so einen strukturierten und netten Eindruck als gepflegte Fachwerkstadt und Teil der touristisch interessanten „Deutsche Fachwerkstraße“ macht, durchzogen vom Fluss Jeetzel mit mehreren Brücken und vielen Seitengängen, die die Parallelstraßen verbinden.

Hier folgen noch einige weitere Ansichten vom Amtsturm, dem Wahrzeichen der Stadt Lüchow:

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Ganz nah dran …

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…mit Blick auf die Stadt Lüchow.

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(*Woher ich das alles weiß? Von einer Informationstafel, die an einem Gebäude am Rand des Parks angebracht ist …allerdings steht auf der Tafel „Otto II.“, das war aber „Otto V.“, mit dem Anna verheiratet war … das Bild von Anna am Anfang stammt auch daher):
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Der Kiekemarkt am 1. Mai in Trebel

Trebel, 2. Mai 2018.
In Trebel, einem Dorf mit etwa 1.000 Einwohnern,  findet zweimal im Jahr ein Markt rund um die Kirche zu Trebel statt: am 1. Mai der „Kiekemarkt“ und im Herbst der „Griepemarkt“.
Diese Märkte sind Nachfahren traditionell seit alter Zeit abgehaltener Märkte, die hauptsächlich dem Zweck dienten, Vieh, landwirtschaftliche Produkte und alltägliche Gebrauchsgegenstände zu handeln. Um Kunden anzulocken, wurden auch in früherer Zeit schon Volksbelustigungen dargeboten.

Nachdem ca. vierzig Jahre lang seit etwa 1960 kein Markt mehr in Trebel mangels Nachfrage stattgefunden hatte, wurde im September 2008 auf maßgebliche Initiative eines Trebelers wieder der traditionelle Trebeler Markt abgehalten und aufgrund des guten Zuspruchs auf Händler- und Konsumentenseite seitdem jährlich aufrechterhalten (Quelle: Puffahrt, Otto: Der historische Markt in Trebel).

Ich war gestern am 1. Mai auf dem „Kiekemarkt“ und konnte vieles „erkieken“. Der Fokus beim Kiekemarkt liegt auf kunsthandwerklichen Erzeugnissen aus dem Wendland oder aus an die Region grenzenden Gebieten und auf Gartenthemen, wozu hauptsächlich Pflanzen jeder Art, aber auch Gartendekorationen gehören. Auch für Gaumenansprüche und Spaßbedürfnisse ist gesorgt.

Wie üblich bei Festen im Wendland, war auch hier wieder die örtliche, freiwillige Feuerwehr aktiv und regelte die Einweisung in den Parkplatz. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Marktplatz an der Kirche begegnete man diesem „Feuerwehrmann“:

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Leider hielt er den Kasten in den Händen so schief, dass nur Genauhingucker erkannten, dass es sich um einen Spendensammelkasten mit einer Aufschrift mit der Bitte um eine Spende handelte.

Die Stände des Kiekemarkts waren auf zwei Plätze im Dorf Trebel verteilt. Diese Plätze sind durch die „Kuhtrift“ verbunden, also einen Pfad, auf dem früher die Kühe zur Weide getrieben wurden. Heute ist auf der Kuhtrift einen Schienenstrang verlegt, auf dem der Wagen der „Solarbahn“, also ein solarbetriebenes Fahrzeug, Gäste hin- und hertransportiert.

 

 

 

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An mehreren Verkaufsständen werden üppig blühende Blumen oder Kräuter und Gemüsepflanzen angeboten – passend zur Jahreszeit, in der gepflanzt wird. Vielerlei Kunsthandwerker bieten ihre Waren an, getöpfert, genäht, gehäkelt, gewebt und geschmiedet.

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Gleich am Eingangsbereich vom Kiekemarkt vom Parkplatz aus begegnet man üppigem Blumenangebot.

 

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Hübsche Verbenen für den Balkonkasten oder die Terrasse.

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Petunien in fast jeder Farbe.

Die Inhaberin dieses Standes verkauft selbst genähte Tischdecken. Den Stoff dafür hat sie aus alter Bettwäsche ausgeschnitten und die Kanten mit Häkelspitze umsäumt.

 

 

 

Am Nachbarstand gibt es hübsche Dekorationen aus künstlichen Blumen/Stoffblumen:

 

 

 

Hier wird Schmuck für Frauen verkauft, die sich noch ein bisschen hübscher machen wollen:

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Ganz viel im Angebot an verschiedenen Verkaufsständen: Gartenschmuck aus Glas, Rosteisen, Keramik und Metall:

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Allerlei aus Glas.

 

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Paradiesvögel für das Gartenparadies.

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Mit diesen Dingen kann man seinem Garten noch eine Krone aufsetzen…

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Gewebte Gartendekorationen aus Weide.

Der Inhaber dieses Stands produziert Dinge aus Eisen, zum Beispiel Feuerschalen, Gartenstecker, aber auch große Eisenringe mit einer Schraube daran.

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Ich frage nach dem Sinn dieser Eisenringe, und er meint, man könne sie auf eine Hecke werfen und sehen, wie gut man Zweige treffen kann, oder man könne sie seitlich in einen Holzpfahl drehen und darin dann Blumentöpfe mit Pflanzen stecken. Ich fand die zweite Möglichkeit dann irgendwie sinnvoller, zum Beispiel hier demonstriert:

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Man dreht die Eisenringe mit dem Schraubteil waagerecht in einen Pfahl oder Balken und hat eine Halterung für Blumentöpfe – toll!

Bei diesem Verkaufsstand werden riesige dreidimensionale Köpfe aus Stein zur Gartendekoration angeboten. Auf Nachfrage erklärt uns der junge Mann hinter dem Stand, das sein Vater die Köpfe aus Steinguss fertigt.

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Am gleichen Stand wurde auch eine Gartenbank in Bootsform angeboten:
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Dieser Stand gehört einer Keramikerin, die phantasievolle Dekorationen für den Garten herstellt, zum Beispiel witzige Hühner oder Schweine oder diesen Murmelturm:

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Eine Schäferei-Inhaberin stellt Erzeugnisse, die irgendwie mit Schafen zu tun haben, aus: gefilzte Schuh-Einlegesohlen, Schafkuscheltiere, Wollsocken und auch Seife aus Schafsmilch:

 

 

 

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Diese Keramikerin hat vielerlei originelle, aber auch praktische Artikel, meistens in Blau gehalten:

Rostliebhaber begegneten vielen kreativen Angeboten (s. auch oben):

 

 

Hier werden Waffeln angeboten, die mit einem sehr alten, schon fast antiken Waffeleisen über dem Holzofen gebacken werden:

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Dieser Stand bietet selbst gemixte „Cocktails“ an, aber alles alkoholfrei und garantiert supergesund mit vielen Vitaminen:

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Auch asiatische Kost gibt es an einem Stand, außerdem Süßigkeiten, diverse Brotsorten, Erbsensuppe und Fischbrötchen.

Ein Stand bietet Maibowle an, aber die Temperaturen sind heute leider nicht so hoch. Die Leute haben ihre Winterjacken wieder aus dem Schrank geholt und tragen Schals. Manche vermissen ihre Handschuhe. Ein scharfer Wind, teilweise als „Sturm“ zu bezeichnen, weht und bringt Stellschilder und Figuren zum Umkippen. „Wir haben auch Glühwein!“ ruft uns die Verkäuferin am Maibowlenstand zu.

Die „Trebeler Bauernstuben“, ein traditionelles Landgasthaus im Zentrum von Trebel, haben vor ihrem Haus auch einen Stand aufgebaut und verkaufen „normale“ Bratwürste, Wild-Bratwürste, Leber-Bratwürste und Bier.

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Plötzlich kommt Bewegung auf: viele Leute drehen sich um: die Heidekönigin aus Nemitz schwebt heran, mit einer Krone aus Heideblüten auf dem Kopf.

Die Nemitzer Heide gleich in der Nähe von Trebel ist entstanden, nachdem vor mehr als vierzig Jahren im Jahr 1975 ein Brand großflächigen Waldbestand vernichtet hatte und daraufhin die Natur ein Heidegebiet entstehen ließ.

Die Heidekönigin wird von ihrer Kronprinzessin und zwei etwa zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen als Assistentinnen begleitet. Die beiden Mädchen sind Schwestern. Die Heidekönigin und ihr Gefolge machen Werbung für das Heideblütenfest am letzten August-Wochenende und damit zusammenhängend die nächste Wahl zur Nemitzer Heidekönigin.

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Ganz professionell lächeln die aktuelle Nemitzer Heidekönigin (links) und ihre Kronprinzessin (rechts), die automatisch zur nächsten Heidekönigin gekrönt wird.

Der Inhaber dieses Stands verkauft in Nemitz, einem Nachbarort von Trebel, selbst produzierten Senf verschiedenster Zusammensetzung:

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Meine Freundin kauft ein Glas Orangen-Honig-Senf und ich ein Glas Himbeer-Senf.

Ein Kinderkarussell für die Kleinen gibt es auch, eine Blechdosenwurfbude, und ein Bungee-Jump-Gestell für die mutigen größeren Kinder.

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Der Waldkindergarten aus Gartow hat ein Zelt aufgebaut, in dem von Eltern selbstgebackene Kuchen und Torten sowie Kaffee verkauft werden.

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Werbeschild für das Angebot des Waldkindergartens in Gartow.

 

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Das Kuchen- und Tortenangebot findet großen Zuspruch, viele nehmen sich Kuchen eingepackt mit nach Hause.

Ich esse eine Schwarzwälder Kirschtorte:

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Verzehrt werden können Kuchen und Kaffee auf Biergartenbänken und –tischen in der Nähe eines Hauses, auf dessen Gelände eine Hüpfburg für die kleinen Kinder aufgestellt ist.
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An mehreren Stellen auf den beiden auseinander liegenden Marktplätzen stehen Schilder mit der Werbung für Hubschrauberflüge.
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Ich sehe jedoch keinen Hubschrauber und auch keinen Ansprechpartner und frage einen der Standinhaber. Der Hubschrauber sei heute wegen des Sturms nur einmal hochgeflogen, ansonsten habe man die Flüge abgesagt.

Später treffe ich den Piloten mit seinem Hubschrauber neben dem Autoparkplatz und spreche ihn an.
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Der Pilot arbeitet bei dem Firmeninhaber aus Wernigerode/Harz als ausgebildeter Berufspilot. Ein Flug dauert acht bis zehn Minuten. Im Hubschrauber haben außer dem Piloten noch drei Personen Platz. Mindestens zwei Personen müssten mitfliegen, damit er aufsteige, erklärt mir der Pilot. Je Person kostet der Flug 40.– €. Aber wegen des Sturms sei die Nachfrage heute leider gering.

Der Besuch des Kiekemarkts ist wirklich zu empfehlen, nicht nur wegen der vielfältigen kreativen und/oder leckeren Angebote, sondern auch wegen der Nähe zur sehr interessanten Kirche. Die Kirche zu Trebel hat keinen Heiligennamen, wie sonst üblich, sondern heißt eben einfach nur „die Kirche zu Trebel“. Zur Kirchengemeinde gehören zehn Dörfer. Die Kirche ist im 12. Jahrhundert gegründet und um das Jahr 1600 weiter ausgebaut worden. Sie hat innen eine kulturhistorisch wertvolle große Orgel sowie eine künstlerisch gestaltete Kanzel.

Für den nächsten Kiekemarkt wünsche ich ihm besseres Wetter und noch mehr Publikum. Es lohnt sich wirklich!

 

 

Das Buerbeerfest 2018 in Bösel

Bösel, 29. April 2018.
Das Buerbeerfest in Bösel findet alljährlich am letzten Wochenende nach dem Namenstag des heiligen St. Georg am 23. April statt und hat eine jahrhundertealte Tradition. In diesem Jahr fiel das Wochenende auf den 27. bis 29. April. Heutzutage wird das Fest natürlich auf etwas andere Art gefeiert als in alter Zeit. Geblieben ist aber der Grundgedanke, nämlich das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Nachdem am Freitag und Sonnabend ordentlich getanzt und gefeiert wurde, zeigten die Böseler am Sonntag, welche Kreativität in ihnen steckt. Bei schönstem Frühlingswetter zogen Trecker ungefähr zwanzig phantasievoll geschmückte Wagen mit fröhlicher Besatzung durch die Straßen des 450-Seelen-Dorfes nahe Lüchow. In wochenlanger Vorbereitung hatten Vereine und private Gruppen in mühe- und liebevoller Kleinarbeit Anhänger ausgestattet und verkleidet, genäht und geklebt und gebastelt, um bestimmte Themen auf lustige oder ironische Weise auf dem Festumzug zur Schau zu stellen, ganz ähnlich wie beim Karneval in Köln oder Düsseldorf.

Zwei Minuten vor eins: die Feuerwehr, auf dem Lande bei jedem Fest unentbehrlich, sperrt die Zufahrtstraße zum Dorfzentrum ab.

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Auf den Höfen stehen die Fahrzeuge bereit zur Abfahrt. Nach und nach treffen die Zugmaschinen mit Anhänger auf der Hauptstraße des Dorfes an der St.-Georg-Kirche ein und reihen sich hintereinander auf.

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Hier sieht man die St.-Georg-Kirche im Zentrum von Bösel. Nach rechts geht’s zum Festplatz.

Dem Motto des Festes entsprechend ist eine Bierflasche in der Hand fast unentbehrlich. „Buerbeer“ ist plattdeutsch und bedeutet „Bauernbier“, das „Buerbeerfest“ ist also ein Bierfest für die Bauern.

In früheren Zeiten wurde beim Buerbeerfest ein Weizenbier mit aufgeschlagenen Eiern vermischt, sodass man ein „Eierbier“ trank. Eierbier ist es heute nicht mehr, auf den Bierflaschen in den Händen steht „Astra“ oder „Paulaner“.

Bunt verkleidete Figuren schunkeln schon jetzt auf den Wagen herum, Musik wird aufgedreht, Bekannte werden begrüßt. Dem Motto entsprechend, ist Alkohol – oder sagen wir: Bier – wichtig, man prostet einander zu und nimmt schon mal diverse Schluck, um so richtig in Stimmung zu kommen. Zwischen den Wagen zieht ein kleiner Tross mit einem Leierkastenmann vorneweg herum, er soll Spenden für die Festgestaltung sammeln.
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Auf dem Festplatz mit diversen Karussells, Buden mit Pizza oder Süßigkeiten und natürlich Bier, einer Schießbude sowie einem großen Festzelt sammeln sich die Besucher jeglichen Alters.

 

 

 

Wer mit dem Auto gekommen ist, musste es vorne am Dorfrand parken und trifft jetzt zu Fuß ein. Bei dem schönen Wetter haben sich viele aber auch mit dem Fahrrad aufgemacht und den Festbesuch mit einer Radtour verbunden.

Innerhalb einer Stunde strömen schließlich Tausende von Besuchern auf die Dorfstraße. Kinderwagen werden geschoben, Rollstuhlfahrer bahnen sich einen Platz durch die Menge, Kleinkinder werden auf dem Arm getragen, Hunde laufen umher. Wer clever ist, hat sich einen Klappstuhl mitgebracht. Die Einheimischen haben sich Bänke oder Tische und Stühle vor die Haustür gestellt und ihre Freunde zum Gucken eingeladen.

Jeder Wagen hat ein eigenes Motto.

Dieser Wagen hat den Vogel abgeschossen. Sein Motto ist „Top Gun“, der Film mit Tom Cruise. Aus verschiedenen Einzelteilen, die mit grauem Stoff bezogen wurden, entstand ein Düsenjet, der hydraulisch bewegt werden kann.

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Der junge Officer – stilgerecht mit Sonnenbrille – hat sichtlich Spaß daran, dem Publikum zu zeigen, was das Ding kann. Hoch und runter und auch noch zur Seite bewegt er das Flugzeug, und schließlich kommt noch ein Clou hinzu: aus den hinteren Düsen steigt Rauch! Gleich startet der Jet zur nächsten Mission.

 

 

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Die anderen Wagen haben’s nicht so mit Hollywood, sondern nehmen teilweise politische oder aktuelle gesellschaftliche Themen auf die Schippe.

Zum Beispiel dieser Wagen: er zeigt die Jamaica-Flagge im Hintergrund und „Jamaicaner“ mit Sonnenbrille und Rasta-Mützen in den Landesfarben neben Palmen. Die Jamaica-Koalition ist ja dann nicht zustande gekommen, deshalb die Aufschrift „Nach Joints und Frustration – gab’s ‘ne große Koalition“.

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Das Jamaica-Thema war beliebt, vielleicht auch, weil es so viel Buntes hergibt: noch eine andere Gruppe hatte das Thema aufgegriffen:

„In Bösel von Null auf Hundert“ steht an der Seite des Wagens.

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Ein Wagen mit lauter „Teufelchen“ als Besatzung klärt uns auf: der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben…

Ohgottohgott! Bei diesem Wagen wurde zum Erschrecken des Publikums gleich beim Runterfahren vom Hof ein Teil vom Aufbau abgerissen, weil ein Baum im Weg war.

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Aber macht nichts: wie man sehen kann, halten sich auf dem Wagen lauter Brückenbauer von den „Böseler Buerbeer Brücken Bauern (BBBB)“ in Monteurskleidung auf, die rasch das Brückengeländer reparieren:

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Die Böse(l)-Angels mit ihrer Piep-Show (wer hat denn die Unterwäsche gespendet?):

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Auf einem anderen Wagen singt ein Gospel-Chor die ganze Zeit „Oh, happy day!“ und tanzt dazu.

Um den Sinn dieses Wagens zu verstehen, muss man etwas regionale Kenntnisse besitzen:

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Vor etwa einem Jahr gab ein wichtiger Arbeitgeber, ein Schlachtbetrieb, auf, woraufhin viele Leute arbeitslos wurden. Der Spruch am Wagen deutet darauf hin: „Vogler’s Schweine sind Geschichte, der Chinese macht bald Hundegerichte“, wobei auf den Aufkauf von Betrieben durch Chinesen angespielt wird.

Hier kommen uns zwei grimmig guckende Böseler Zwerge entgegen:

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Dieses Bett ist auch ein Wagen mit Rollen und wird von zwei Rotkäppchen mit Verwandtschaft geschoben und gezogen:

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Im Bett liegt der böse Wolf, und die große Schere zum Bauchaufschneiden liegt auf der Bettdecke. Motto: „Rotkäppchen und der Bösel Wolf“… Eine Anspielung auf die Ausbreitung des Wolfs auch im Wendland.

„Böseler Spätzünder – 2019 wird alles besser!“ steht auf einem Wagen. Um dieses Motto zu verstehen, muss man wohl Insider sein.

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Oder hat die Gruppe vielleicht zu spät mit der Vorbereitung für den Umzug angefangen …? An der Seite weist noch ein Schild auf meine vermutetete Ursache hin: „Ganz egal wie groß die Uhr ist – mehr Zeit hatten wir trotzdem nicht“, und auf dem Wagen ist eine große Uhr montiert, die „fünf vor Zwölf“ anzeigt. Auch diese Idee ist originell – sich selbst auf die Schippe nehmen, weil man erst „fünf Minuten vor Zwölf“ mit den Vorbereitungen begonnen hat.

Und dieser Zug führt den Festumzug an: ein Fachwerkhäuschen auf Rädern mit den Honoratioren:

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Auch die Kleinen und „Kurzen“ haben sich soooo viel Mühe gemacht und sooooo hübsche Wagen dekoriert und sich soooo nett verkleidet:

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Die Generation der „Digital Natives“ hatte auch einen Wagen im Zug, Motto: „Haste What’s App am Start?– biste bei Buerbeer besonders Schmart“ mit lauter Social-Media-Symbolen und jeder Menge ironisch gemeinten „Like“-Symbolen:
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Ein „Superhelden“-Mobil mit lauter Supermen und Superwomen hat im Hintergrund des Wagens die Brooklyn-Bridge in Manhattan. Hier tauschen sich Superwoman und Superman mit der Top-Gun-Besatzung über den nächsten Einsatz in Manhattan aus:

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Das „Heimatministerium“ samt Heimatgefühlen und der Diskussion um die „deutsche Leitkultur“ wurde mit diesem Wagen auf die Schippe genommen:

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Den hinteren Teil des Wagens ziert ein typisch altdeutsches Wohnzimmerbild mit röhrenden Hirschen, umhängt von einer Spitzengardine:
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Seitlich am Wagen sind Twitter-Zitate zum Thema der „Heimat“-Diskussion angeklebt sowie Konterfeis vom neuen Innenminister Horst Seehofer.

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Vorne an der „Heimat-Kutsche“ ist die Deutschlandfahne befestigt, und an einer Angel hängt ein „typisch deutsches“ Grasbüschel:
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Dem Motto des Wagens: „Unsere Leitkultur: Falleri und Fallera“ entsprechend stehen auf der „Bühne“ des Wagens lauter „Heinos“ mit blonder Perücke, weißem Rollkragenpullover, weißer Hose, schwarzem Jackett und Sonnenbrille, „spielen“ Gitarre und „singen“ dazu Heino- und Volkslieder (die aber vom Band abgespielt werden 😉 ). „Blau-blau-blau blüht der En-zi-an!“!“ dröhnt es mit sonorer Heino-Stimme in meine Ohren, oder auch „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad – Motorrad – Motorrad!“. Obwohl das Abspielen dieser Lieder ironisch gemeint ist, schunkeln aber viele im Publikum dazu. Eine Gruppe von drei selbstbewussten siebenjährigen Mädchen geht am Wagen vorbei und hält sich mit den Zeigefingern jeweils beide Ohren zu. Auch ich gehe lieber etwas weiter.

Am Rand der Dorfstraße, die frühlingshaft von weiß blühenden Kastanienbäumen und aufgeblühten Sträuchern und Blumen in vielen Farben umrahmt ist, haben nun innerhalb einer Stunde die vielen, vielen hundert erwartungsvollen Besucher Aufstellung genommen, die Spannung beim Publikum und bei den Wagenbesatzungen steigert sich, und endlich geht es um 14:00 Uhr mit dem fröhlichen Festumzug los. Die Trecker tuckern laut, Musik schallt von den Wagen, die Gäste klatschen und freuen sich über die von den Wagen zugeworfenen Bonbons, und über allem strahlt der blaue Himmel.

Nach dem Festumzug geht es auf den Rummelplatz und in das Festzelt.

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Das Bierfest für die Bauern, das „Buerbeerfest“, ist eben ein richtig traditionelles deutsches Volksfest für die ganze Familie, für „Kind und Kegel“.

 

 

 

Wendland Einmaleins – Neuwendländer treffen Altwendländer

Lüchow.
Am Donnerstag, den 3. Mai ab 18:00 Uhr findet erneut ein Abend für Neubürger im Wendland statt.

Die Agentur Wendlandleben lädt – wie an jedem ersten Donnerstag im Monat – Neuwendländer und Altwendländer zu einem Kennenlernabend in das Alte Postamt in Lüchow in der Salzwedeler Straße ein, bei dem es auch ein kleines Buffet gibt.

Interessierte sind herzlich willkommen!

Es wird um eine Anmeldung bei Sigrun Kreuser, Agentur Wendlandleben, gebeten.

Spargelsonntag in Lüchow – gibt’s den eigentlich noch?

Lüchow.
Wenn ich ins Wendland komme, sehe ich viele Spargelfelder, die teilweise noch mit Folie abgedeckt sind. Dabei fiel mir ein, dass es früher doch im Mai immer den „Spargelsonntag“ in Lüchow gab, ein Fest rund um den Spargel, das Edelgemüse.

Ich habe daraufhin im Internet bei Google recherchiert, um herauszufinden, wann in diesem Jahr der Spargelsonntag stattfindet. Die Spargelsaison hat ja schon begonnen, und dann müsste doch eigentlich auch bald der „Spargelsonntag“ stattfinden. Ich gab die Stichwörter „Spargelsonntag Lüchow“ ein und erhoffte eine rasche Antwort. Tja. Mr Google weiß eben auch nicht alles.

Zuoberst erschien die Seite „Volksfeste in Deutschland“, wo der Spargelsonntag tatsächlich erwähnt wird, aber mit dem Vermerk, dass „der nächste Termin noch nicht bekannt“ sei, und man, falls man aus der Gegend komme und den Termin kenne, ihn doch bitte mitteilen möge.
An zweiter Stelle wurde eine Fotogalerie über den Spargelsonntag im Jahr 2014 angeboten.

Dann erschien der Link zur Seite der IHG, der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe, wo unter dem Button „Veranstaltungen“ drei Veranstaltungen im Jahr 2018 angeboten werden. Der Spargelsonntag ist nicht darunter.

Dann als nächstes erschien eine Facebook-Seite, wo ein Bild vom Spargelsonntag 2014 abgebildet ist.

Die Seite Elbtalaue-Wendland bot als „nächsten Termin“ für den Spargelsonntag den 26.5.2013 an.

Dann kam ich auf die Seite vom Presse-Archiv des Landkreises Lüchow-Dannenberg, wo der Start der „City-Offensive Lüchow“ am 11. Mai 2012 angezeigt wird. Jedoch kein Wort über den „Spargelsonntag“.

Endlich: die Überschrift „Lüchow lädt zum Spargelsonntag“ des Info-Portals „wendland-net“! Allerdings stammen Foto und Artikel aus dem Mai 2012.

Ich schließe also daraus: den „Spargelsonntag“ in Lüchow gibt es nicht mehr. Schade.

Ein Volksfest mit jahrhundertealter Tradition: das Buerbeerfest in Bösel – jetzt vom 27. bis 29. April

Bösel.
Bösel, das Dorf in der Nähe von Lüchow mit 450 Einwohnern, feiert jedes Jahr im April das Buerbeerfest. Es wird regelmäßig am Wochenende nach dem Namenstag des heiligen Georg, dem St.-Georgs-Tag am 23. April, gefeiert, in diesem Jahr somit vom 27. bis 29. April. Der heilige Georg ist in Sagen als Drachentöter bekannt, wobei der Drache wohl als Symbol für alles „Böse“ herhalten musste. Die Feldsteinkirche im Zentrum von Bösel ist denn auch nach dem Heiligen als „St.-Georg-Kirche“ benannt.
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Raus mit der Lebenslust! The Stonez: Coverband aus Wien im Stones-Fan-Museum

(Siehe auch Folgeartikel über ein Interview mit der Band The Stonez)
Lüchow.
Ostersonnabend, 19:45 Uhr, Rolling-Stones-Fan-Museum, Lüchow.

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Die Bühne des Stones-Fan-Museums vor dem Auftritt. Ganz hinten an der Wand ein Foto der jungen Original-Rolling Stones aus der „BRAVO“. Der Weihnachtsbaum steht immer da.

Das Museum füllt sich, überall stehen oder sitzen Leute herum, bestellen sich am Tresen ein Bier oder ein Wasser. Viele tragen Fankleidung in irgendeiner Form, zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Tourneeplan der Stones, oder einen Jackenaufnäher oder eine Krawatte mit dem Zungenmotiv oder wenigstens eine Kappe mit dem Schriftzug „Stones“. Sie sind eigentlich Fans der Original-Stones, kommen aber gerne zum Auftritt der Coverband, von der sind jetzt auch viele Fans geworden – und noch mehr werden es nach dem Auftritt sein.

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Ein Foto der Stones zu ihren goldenen Zeiten an einer Wand des Stones-Fan-Museums.

Hans Irker, der Frontmann und Leadsänger der Stonez aus Wien, steht an einem Tisch mit zwei Ultra-Stones-Fans links und rechts und lässt sich fotografieren. Die Fans aus Rostock sind Teil der deutschen Stonesfan-Gruppe bei Facebook, in der auch Hans Mitglied ist.

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Hans Irker (Mitte), der Leadsänger der Coverband The Stonez aus Wien, noch in Zivilkleidung, vor dem Auftritt, in angeregtem Gespräch mit Fans aus Rostock.

Ich komme mit einem Fan aus Schwerin, behängt mit einem Schal mit lauter rausgestreckten Stones-Zungen, ins Gespräch. Er ist deswegen auf das Konzert aufmerksam geworden, weil Hans Irker, der Leadsänger der Band, über die Facebook-Gruppe eine Freundschaftsanfrage an ihn gestellt hat. Man kennt sich eben in der Szene und tauscht sich aus. Vernetzung ist wichtig.

Ulli Schröder betritt die Bühne und heißt die Zuschauer willkommen. Er begrüßt gesondert Gäste, die aus dem benachbarten Ausland gekommen sind, nämlich aus Holland und aus Österreich.

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Ulli Schröder, Gründer und Chef des Stones-Fan-Museums, in seiner „Markenkleidung“ begrüßt das Publikum.

Anschließend erläutert er Neuigkeiten im Zusammenhang mit seinem Museum. Unter anderem wird das Museum am Mittwoch, den 4. Juli eine Busfahrt nach Prag zum dortigen Rolling-Stones-Konzert anbieten. Der Gesamtpreis incl. Fahrt beträgt 199.– €. Es gibt allerdings nur für 55 Personen Plätze und Karten, und die meisten sind schon vergeben. Dann verweist Ulli auf die neuen von Ralf Schade geschnitzten Eichentafeln mit Stones-Motiven an der Außenfassade. Inzwischen hat die Frieslänge 34 Meter erreicht. Außerdem hat der ehemalige HSV- und Nationalspieler Charly Dörfel, der in diesem Jahr 78 Jahre alt wird, seine gesamte Musiksammlung – Vinyl-Singles und –LPs sowie CDs – dem Museum gespendet. Darunter sind allein 3.300 LPs, sodass die gesamte LP-Sammlung des Museums inzwischen mehr als 20.000 LPs umfasst. Am 18.4. wird überdies eine besondere Veranstaltung der IHK Lüneburg/Wolfsburg im Museum stattfinden, bei der es um die Schaffung einer Marke für das Dorf Wacken geht: „Wacken – ein Dorf wird eine Marke“. Wacken, das Dorf, in dem das Heavy-Metal-Festival immer stattfindet. An dieser Veranstaltung kann jeder Interessierte teilnehmen, bitte vorher anmelden.

Ulli bedankt sich zudem ausdrücklich bei dem Freundeskreis des Museums, dessen jährliche Spende von 50.– € pro Person unter anderem die Weiterentwicklung des Außenfrieses und den Austausch der Beleuchtung in LEDs ermöglicht hat.

Dann geht es pünktlich um 20:30 Uhr mit dem Konzert der Stonez los. Die fünf Instrumentalmusiker Mihael Gluhak, Nick Atanassov, Mike Linder, Christoph Nöbauer und Martin Kohlmann betreten die Bühne und fangen an zu spielen.

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Erwartungsvoll schauen die beiden Fans links in Richtung der eintreffenden Musiker: Nick Atanassov (ganz rechts) und links daneben Mihael Gluhak, beide Gitarre.

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Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, geht Richtung Bühne, noch etwas Anspannung im Gesicht.

Dann springt unter großem Beifall des Publikums der Star der Band auf die Bühne und ergreift das Mikrofon: Hans Irker, der dem Original-Stones-Sänger Mick Jagger so ähnlich sieht, er könnte glatt ein jüngerer Bruder sein.

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Hans Irker, Leadsänger und Frontmann der Stonez, in Mick-Pose.

Sofort stellt sich heraus, dass er nicht nur visuelle Ähnlichkeiten mit seinem Vorbild hat: vielmehr hat er die gleiche Stimmlage, wenn nicht sogar die gleiche Stimme. Ja, er hört sich tatsächlich wie Mick Jagger an. Und da er auf Englisch singt und auch die Ansprachen ans Publikum auf Englisch macht, hört man auch nicht mehr den charmanten wienerischen Akzent heraus, den ich beim Interview mit ihm am Nachmittag wahrgenommen hatte.

Unterstützt wird der Leadsänger beim Gesang häufig durch die Bandkollegen Mihael Gluhak und Christoph Nöbauer. Dadurch gewinnt der Gesang eine starke, die Instrumentalbegleitung durchdringende Kraft.

Einer der ersten Songs ist „Let’s spend the Night together“, einer der frühen Erfolge der Originale, und zumindest den Refrain kennen nun wirklich alle im Raum, lassen sich mitreißen und singen begeistert mit. Spätestens bei „The last Time“ hält es nun auch die Ruhigeren nicht mehr, und nun drängt sich die Menge vor der Bühne, singt und tanzt ausgelassen.

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Das Publikum hat sich vor der Bühne gesammelt und singt und rockt mit.

Vortänzer – wie bei der Originalband – ist der Frontmann. Er hüpft und springt, macht Ausfallschritte, schüttelt seine Haare wild und kommuniziert gestisch und mimisch mit seinen Bandkollegen und dem Publikum.

Das Alter des Publikums? Bunt gemischt, es ist alles dabei, von 18 bis 80. Viele weiße Haare sieht man, und bei so manchen spannt sich das rockige T-Shirt mit der wilden Zunge über einen teuer angesammelten Bierbauch.

Die Rolling Stones sind inzwischen 55 Jahre auf der Bühne, Mick Jagger ist 75 Jahre alt und Charlie Watts noch älter. Eine ganze Menschengeneration wurde von der Musikrichtung der Stones geprägt. Die über 400 Stones-Stücke haben wichtige historische Ereignisse begleitet: den Vietnamkrieg, die Hippie-Zeit, die Anti-Atomkraft-Demonstrationen, den Mauerfall … In bedeutenden Filmwerken, die die historischen Ereignisse aufgegriffen haben, wurden Songs der Stones als Begleitmusik ausgewählt, zum Beispiel in Kubricks „Full Metal Jack“, der die Grauen des Vietnamkriegs aufzeigt. Weil die Musik damals die Begleitmusik der Menschen zu der Zeit und in den Situationen war.

Manche im Publikum sehen ganz bieder aus, aber bei dieser Musik und bei dieser Gelegenheit inmitten von Gleichgesinnten lassen sie alle Hemmungen fallen, recken die Hände hoch, lassen das Becken kreisen und grölen lauthals die Erinnerungen an ihre Jugend heraus. Ihre Gesichter sehen glücklich und gelöst aus. Die Stimmung ist toll. Lebensfreude liegt in der Raumluft, die sich mit leicht wabernden Rauchwolken von der Bühnentechnik her vermischt.

Die Technik wie die Ton- und Lichtanlage wird von Mitarbeitern der Firma Pinder aus Leipzig bedient, und sie machen gute Arbeit. Alles gut ausgesteuert, keine Verzerrungen, und bei jedem Song wechselt die Lichtfarbe, mal rot, mal pink oder blau oder bunt, und/oder der Lichtrhythmus. Bei „Angie“ zum Beispiel, einem ruhigen und elegischen Song, ist die Beleuchtung ganz in Pink. Die Arbeit der Techniker muss wirklich einmal gelobt werden. Danke an euch!

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Die beiden Techniker von der Firma Pinder aus Leipzig: rechts der Tontechniker, links der Beleuchter.

Um 21:38 Uhr ist zunächst einmal Pause. Ich setze mich vorne in Bühnennähe auf einen der Cocktailsessel aus den Fünfziger Jahren neben eine Frau, die zusammen mit ihrem Bruder aus Wuppertal gekommen ist. Sie heißt Astrid und ihr Bruder Wilfried.

Schnell kommen wir ins Gespräch. Astrid und Wilfried kommen schon seit 2014 einmal pro Jahr ins Stones-Fan-Museum in Lüchow, weil sie Ulli und seine Frau so sehr mögen, sagt Astrid. Wilfried ist 64 Jahre alt und seine Schwester einige Jahre jünger. Wilfried war schon bei vielen Konzerten der Stones live dabei, aber Astrid war letztes Jahr das erste Mal mit, auf dem Konzert in Düsseldorf. 565.–€ haben sie und ihr Bruder jeweils für eine Eintrittskarte bezahlt. Dieses Jahr will sie nach Berlin mit, da kostet die Karte nur knapp 400.– €.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfahre ich von Astrid, dass sie und ihr Bruder Mitglied einer Facebook-Gruppe namens „Stonesland“ sind, in der sich deutsche Rolling-Stones-Fans sammeln, wie ja auch schon oben erwähnt. 797 Mitglieder hatte die Gruppe bis gestern. In der offenen Gruppe tauschen sich die Mitglieder über Konzerte, Kartenkauf und alles Interessante rund um die Rolling Stones aus. Viele der Facebook-Gruppe sind auch beim Konzert der Coverband dabei.

So auch Jan, der sich bald auf den Sessel neben mir setzt, weil es Astrid nicht mehr hält und sie unbedingt in der Menge vor der Bühne mittanzen möchte. Jan ist auch so schätzungsweise Mitte 60. Er hat seine etwa gleichaltrige Frau dabei, die flott gekleidet ist, mit schwarzer Lederjacke und schwarzen Stiefeln über der Hose. Sie tanzt ganz ausgelassen nach den Songs und schaut ab und zu bei uns vorbei.

Jan sagt mir, dass seine Frau früher „Angie“ genannt wurde, nach einem der Stones-Songs.

Jan und seine Frau kommen aus Leipzig und sie waren letztes Jahr beim Albert-Hammond-Konzert im Museum. Das Konzert hat ihnen gefallen, aber danach wussten sie nichts mehr mit dem Wendland anzufangen und fanden es hier langweilig. Auch gestern, so Jan, hätten sie nach der Ankunft in Lüchow weiter nichts hier anzufangen gewusst, und dann sei das Wetter ja auch noch so schlecht geworden. Ich sage ihm, dass wir für das Wetter nichts können, und er lacht.

Aber das wäre mal eine Denkaufgabe für an Tourismus interessierten Leuten:

Was könnte man als Anschlusserlebnis hier im Wendland anbieten für Menschen, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Lüchow ins Stones-Fan-Museum kommen, weil sie sich eben so für die Stones und/oder Rockkultur allgemein interessieren? Ohne dass sie sofort in ein tiefes Loch fallen? Was könnte diese Lücke zwischen dem Erlebnisort Stones-Fan-Museum und dem Umfeld auffüllen? Soll man diese Menschen, die lebensfroh sind, wilde Musik mögen und unkonventionell sind, jetzt nach dem Besuch im Stones-Fan-Museum und/oder einem Rockkonzert darin sich selbst überlassen, oder kann man ihnen noch etwas für sie Interessantes anbieten?

Inzwischen blüht Wilfried immer mehr auf und erinnert sich bei jedem Song an seine Jugend. Er hat zu Hause DVDs über die Stones und viele Bücher, auch mit allen Songtexten. Er ist ein Experte.

Nach Ende der Pause fängt die Band das zerstreute Publikum wieder mit einem treibenden Sound ein, und schnell sammeln sie sich wieder vor der Bühne.

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Die Band bei der Arbeit: links im Bild sieht man Mike Linder, der die Drums bedient.

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Hier greift Nick Atanassov in die Saiten.

Das zweite Lied nach der Pause ist „Angie“ und Wilfried ruft uns zu, das wäre aus dem Jahr 1973, da sei er bei der Bundeswehr an der holländischen Grenze gewesen und da, als dieses Lied herauskam und ein Hit wurde, „da habe ich am meisten gekifft“. Inbrünstig singt Wilfried den Text von „Angie“ mit, wie übrigens auch viele andere im Publikum die Songtexte teilweise in Gänze, aber wenigstens den Refrain mitsingen oder vielmehr – wegen der Lautstärke muss man das so sagen: – mitgrölen. Ist ja nicht schlimm, Hauptsache, man spürt die Stimmbänder noch.

Das dritte Lied nach der Pause ist „Ruby Tuesday“. „1967!“ ruft Wilfried mir zu. „Angie“, die Frau von Jan, kommt zu uns, nimmt mich und Wilfried in den Armhaken – Jan ist aufgestanden – und bald schunkeln wir zu dritt zu der Melodie. Jetzt singe auch ich mit, denn den Text kann ich auch noch.

 

 

 

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Der nächste Song. „Under my thumb“ ruft – oder vielmehr: schreit – Wilfried mir zu. Danach kommt „Miss you“, von 1978, laut Wilfried. Ein treibender Sound, meine Nachbarin hält es nicht mehr, sie springt auf und muss einfach wild tanzen. Auch Hans Ilker springt nun von der Bühne ins Publikum hinein und singt und tanzt inmitten in der Menge. In der Pause haben einige der Musiker ihr Outfit gewechselt und Hans zeigt nun seine Oberarmmuskeln in einem Leopardenfellmusteroberteil.

Nach dem Song „Miss you“ stellt Hans Irker seine Bandkollegen einzeln vor, und Mihael Gluhak stellt Hans vor mit: „Mr. Mick Jagger: Hans Irker!“ Das Publikum klatscht frenetisch.

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Hier hängt sich Dr. Martin Kohlmann in seine Gitarre rein. Die „Keith“-Gitarre…

Nun folgen noch die bekanntesten Stones-Songs wie „Gimme shelter“ von 1969 (laut Wilfried) oder „Jumpin‘ Jack Flash“ und „Sympathy for the Devil“, mein persönlicher Lieblingssong der Stones.

Das Publikum lässt die Band nach zweieinhalb Stunden Spielzeit nicht einfach gehen. Nein: Zugabe! Die Jungs auf der Bühne haben noch Lust, man merkt ihnen die Spielfreude an. Ihre Gesichter strahlen. Sie sind ebenso begeistert vom Publikum wie das Publikum von ihnen.

Inzwischen habe ich Wilfried verlassen und stehe nun auch in der Menge direkt vor der Bühne und singe und rocke mit im Rhythmus der Masse. Beim ausgiebig lang gespielten Song „You can’t always get what you want“ übernimmt zeitweise die Menge ganz das Singen des Refrains, denn den kennt nun wirklich jeder, und Hans Irker hält einfach das Mikrofon in die Menge.

Es ist schon klar, dass das der letzte Song sein wird, denn das Publikum möchte wohl gern noch mehr, aber irgendwann ist auch die Band erschöpft. Man kann nicht alles haben, was man gern möchte, und so gehen die Scheinwerfer der Lichtanlage gegen 23:45 Uhr endgültig aus.

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Das Gesicht von Martin Kohlmann nach dem Ende des Auftritts zeigt es: glücklich zu sein über den überaus gelungenen Auftritt im Stones-Fan-Museum, dem ersten Auftritt der furiosen Stones-Coverband aus Wien/Österreich in Deutschland, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Und ein bisschen Stolz – berechtigt – kann man auch im Gesichtszug erkennen, oder?

Die Frau links von mir, eine zierliche mit einer Stones-Cap auf den blonden Haaren und schwarzer Lederjacke, die die ganzen mehr als drei Stunden direkt vor der Bühne wild mitgerockt hat, direkt neben der Freundin von Hans, die die ganze Show mit ihrem Handy mitfilmt, wendet sich ganz unvermittelt mir zu und strahlt mir gelöst ins Gesicht. „Das war toll, nicht?“ Ich stimme ihr zu und frage, woher sie kommt: aus Düsseldorf.

Ulli Schröder kommt auf die Bühne und bedankt sich bei der Band für den grandiosen Auftritt und wünscht eine gute Heimfahrt nach Wien, die aber erst am nächsten Tag stattfinden wird.

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Ulli Schröder bedankt sich bei den Gästen für ihr Interesse und ihr Kommen und bei der Band für ihren tollen Gig.

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Und zum Schluss verneigen sich noch einmal alle brav – wie im Theater. Frohe und glückliche Gesichter.

Eine tolle Band, vielen Dank für den schönen Abend!

Die Band kann kontaktiert werden über Mihael Gluhak, *43(0)699 11066185, mail: band@stonez.at.

Saisoneröffnung im Stones-Fan-Museum mit The Stonez

Lüchow.
Am heutigen Ostersonnabend startet das Rolling-Stones-Fan-Museum von Ulli Schröder gleich mit einem rockigen Auftakt: die Rolling-Stones-Coverband „The Stonez“ aus Österreich heizt ein, was bei dem heutigen winterlichen Wetter ja nur wünschenswert ist.

Nach zehn Stunden Autofahrt sind die sechs Musiker plus Begleitung gestern in Lüchow eingetroffen und hatten erst einmal Hunger. Deshalb haben sie gleich als einen der ersten Eindrücke von Lüchow die Ausstattung des Art and Rock Cafés in der Lange Straße gewonnen, nämlich die Dekoration mit zahlreichen Großfotos der Original-Stones.

Ulli Schröder führte sie dann erst einmal durchs Museum und zeigte ihnen die zahlreichen interessanten Ausstellungsstücke.

Ich durfte einige Mitglieder der Band heute vor ihrem Auftritt interviewen.

Hans Irker, der Frontmann und Sänger der Coverband, war gleich super beeindruckt davon, was Ulli im Laufe seines Lebens gesammelt und im Museum zusammengestellt hat. „Das ist ein Traum für jeden Stones-Fan“ sagt er, „und das Museum ist viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Das hat schon einen weltweit einmaligen Status.“ Hans war sofort vernarrt in den originalgroßen Pappaufsteller von Mick Jagger.

Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, der sozusagen das Instrument in der Gruppe spielt, das früher vom Ex-Stones-Mitglied Bill Wyman bedient wurde, und das heute bei Auftritten der Original-Stones von Darryl Jones bespielt wird, ließ der Anblick von einer Originalgitarre von Keith Richards im Museum das Herz höher schlagen. Und ganz gerührt war er, als er den von Keith im Jahr 1966 handgeschriebenen Brief an seine Mutter entdeckte.

Die Band The Stonez gründete sich im Jahr 2006. Allen Bandmitgliedern ist natürlich ihre Begeisterung für die Musik ihrer Vorbilder gemeinsam.

Außer dem Frontmann und Sänger sind alle Gründungsmitglieder, die meisten jetzt vom Alter her in den Vierzigern, noch dabei. Nachdem der ursprüngliche Sänger in Pension ging, suchte die Band einen würdigen Nachfolger und hatte das Glück, dabei auf Hans Irker zu treffen, der jetzt ein Jahr Bandmitglied ist. Die Band setzt bewusst Hans Irker als Aushängeschild ein.

Hans Irker sieht Mick Jagger, seinem großen Vorbild, zunächst einmal äußerlich ähnlich. Die markanten Gesichtszüge, die Falten, die Frisur – ja, das erinnert schon stark an Mick. Mick Jagger war übrigens mal mein absoluter Schwarm, als ich 13 war. Großformatige Fotos aus der „Bravo“ hingen an der Wand in meinem Zimmer. Bis mein Vater sie eines Tages abriss, wonach ich bitterlich weinte.

Die Musik der Stones und speziell der Gesang von Mick Jagger seien seine „Lebensleidenschaft“, sagt Hans Irker. Er versucht bei seinen Auftritten nicht, Mick Jagger einfach zu kopieren, zum Beispiel genau dessen Tanzschritte nachzuahmen, sondern bemüht sich, sich in ihn hineinzuversetzen, das innere Empfinden von Mick Jagger bei dessen Songinterpretationen zu erspüren.

Hans Irker hat sogar schon einmal Mick Jagger getroffen, auf einer Pressekonferenz.

Ob er sich auch so intensiv auf Liveauftritte vorbereitet wie Mick Jagger, der unmittelbar vorm Auftritt noch eine halbe Stunde auf dem Laufband hinter der Bühne verbringt, um konditionell durchhalten zu können? Hans Irker lacht verschmitzt: „Ja, ich habe gestern 5/8 Liter Wein getrunken!“ Eben ein echter Österreicher.

Immerhin dauert der Auftritt der Coverband genauso lange wie der Auftritt der Originalband, nämlich zweieinhalb Stunden.

„Ein bisschen Sport mache ich schon“, bessert Hans Irker nach, „ich brauche doch natürlich Kondition“.

Hans Irker hat schon einmal mit Mick Taylor zusammen gespielt. Das war in Wien, im Jazz- und Blues-Lokal „Wiener Reig`n“. Mick Taylor war ja einige Jahre lang der Ersatz für Brian Jones, bevor dann Ron Wood den Part übernahm. Die „Ben Waters Band feat. Mick Taylor“ trat in dem Musiklokal auf, und Hans Irker durfte mit Mick Taylor als Begleiter an der Gitarre die Songs „Little Queenie“ und „Route 66“ singen. Das Lokal fasst ungefähr 500 Besucher. Vier Wochen später stand dann Mick Taylor zusammen mit den restlichen Stones auf der Bühne vor 120.000 Zuschauern.

Die fünf Instrumentalmusiker neben dem Sänger Hans Irker bedienen die Instrumente Gitarre (3x), nämlich Mihael Gluhak, Nick Atanassov und Martin Kohlmann, Schlagzeug spielt Mike Linder und Christoph Nöbauer das Saxophon. Saxophon? Ja, die Band möchte die Originalband nicht einfach kopieren, sondern hat schon den Anspruch, Interpretationen mit einer eigenen Note anzubieten. Und so gibt es eben statt des Keyboarders einen Saxophonisten, nämlich Christoph Nöbauer.

Martin Kohlmann spielt die „Keith“-Gitarre und ist in seinem Hauptberuf Arzt, ein Neurologe mit Dr.-Titel. Ihn interessiert die Musik der Rolling Stones aus der Zeit 1968 bis 1974 am meisten. Das war „das goldene Zeitalter der Stones“, sagt Martin. Im Alter von 14 Jahren hat er die Stones das erste Mal bei ihrer Tour „Steel Wheels“ gesehen und war seitdem fasziniert von der Band. Auch seine Mutter, ein Stones-Fan, hat ihn in die Musikrichtung gelenkt.

Mihael Gluhak wiederum mag die Musikrichtung der Stones eher aus den Neunzigern, zum Beispiel den Song „Out of Control“.

Hans Irker interpretiert am liebsten „Midnight Rambler“, das wäre ein Mix aus verschiedenen Musikstilen: Blues, Rock, Free Style. „Can’t you here me knockin`“ findet Hans auch noch besonders gut, wegen der vielfältigen Elemente von Jazz über Soul bis zu Jam Basics.

Von der Musik leben kann die Coverband noch nicht. Alle Bandmitglieder haben einen anderen beruflichen Background, vom schon erwähnten Arzt über den Taxifahrer, den Manager beim größten Kindergartenbetreiber Österreichs, den Mitarbeiter in der Behindertenhilfe bis zum Banker und Grafiker. So hat die Band The Stonez etwa 10 bis 12 Auftritte im Jahr. In Österreich wächst die Fangemeinde immer mehr. Alle Altersklassen sind vertreten, so wie ja eigentlich auch bei den Original-Stones.

In Deutschland, dem größten Musikabsatzmarkt in Europa, treten sie das erste Mal auf, und das gleich hier bei uns in Lüchow!

Wie ihnen Lüchow gefällt? „Wir haben gleich den Eindruck einer sympathischen und angenehmen Stadt gehabt“, sagt der Frontmann, und die anderen nicken nachdrücklich zustimmend. Gestern Abend, nachdem sie sich im Art and Rock Café kulinarisch gestärkt hatten, statteten sie der „Wunder-Bar“ in Lüchow auch noch einen Besuch ab, bei dem sie gleich mehrere Fans trafen, die heute Abend bei dem Konzert dabei sein werden. Mehr als 250 Gäste werden erwartet.

Der Name „The Stonez“ mit dem Buchstaben „z“ am Ende ist eigentlich als einmaliger Name entstanden. Mit dem vorherigen Sänger war eigentlich mit den Musikern nur ein einmaliges Projekt geplant gewesen, für das man spontan nach einem Bandnamen gesucht und sich so eben auf die geringfügige Veränderung des Band-Originalnamens geeinigt habe.

Die jetzige Bandbesatzung hatte nach einem Auftritt im österreichischen Burgenland einen Videoclip auf ihrer Facebook-Seite eingestellt, auf den Ulli Schröder aufmerksam geworden war. So ist der Kontakt zu Ulli Schröder zustande gekommen. Der Name war den Bandmitgliedern natürlich schon vorher ein Begriff, da Ulli in Stones-Kreisen natürlich sehr bekannt ist.

Jetzt bin ich mal auf den Gig heute Abend gespannt!

Bis dahin: „Stonige Grüße“ – wie Ulli Schröder sagen würde!

Ich habe sogar ein Plakat der Band mit Autogrammen bekommen:

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Martin hat mir noch eine Gitarre aufgemalt (jedenfalls soll es eine sein).

Viel Erfolg!