Finanzielle Landpartie

Die Kulturelle Landpartie ist einfach zu kurz. Noch nicht mal vierzehn Tage. Wie soll man das alles schaffen, als Berufstätige? Man hetzt ja nur noch. Und dann noch alles andere dazu: im Stones-Fan-Museum tritt morgen Albert Lee auf. Heute und morgen war/ist Flohmarkt. Dann heute – Pfingstsonntag – und morgen noch der Pfingstmarkt in Satemin. Und die Mützingenta in Mützingen. Und am 25. Mai der Sommer-Shopping-Abend der IHG Lüchow. Am 1. Mai war der Kiekemarkt in Trebel. Geldausgeben im Wonnemonat Mai ohne Ende?

Warum dauert die Kulturelle Landpartie eigentlich nicht länger und wird gestreckt oder findet an mehreren Terminen im Jahr statt? Beziehungsweise warum findet alles auf einmal statt? Wer auf der Kulturellen Landpartie und den angedockten Veranstaltungen war, hat doch am 25. Mai kaum noch Geld für den Shopping-Abend.

Ganz ehrlich: die kunsthandwerklichen Angebote auf der KLP und dem Pfingstmarkt und Co. sind supertoll, aber auch teuer. Es ist Handarbeit, und Handarbeit soll gewürdigt und bezahlt werden, aber wer trägt hier auf dem Land einen Hut für 169.– € oder eine Tasche für 144.– €? Eine Halskette kostet über 100.– €, Tonfiguren 150.– € oder so, Dekoartikel ohne Ende. Und die Kunst-Handwerker kommen ja teilweise noch nicht einmal aus dem Landkreis, sondern aus ganz Deutschland. Sollte man den kunsthandwerklichen Teil einer Landpartie im Wendland nicht auf Kunst-und andere Handwerker aus dem Landkreis und auf deren Produkte beschränken? Was meint ihr?

Autokennzeichen im Wendland

11.Mai 2018
Das Wendland ist nahezu identisch mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg.  Lüchow ist der Status als Sitz der Landkreisverwaltung zugesprochen worden, während die Stadt Dannenberg das Autokennzeichen des Landkreises stellt: DAN.

Viele Autofahrer legen Wert darauf, gleich anhand ihres Autokennzeichens identifiziert zu werden und wählen daher ihr Kennzeichen sorgfältig aus. Dafür bezahlen sie freiwillig eine nicht unbeträchtliche Gebühr. Gerne nimmt man die Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachnamen und das Geburtsdatum als Zahlenbestandteil.

Andere wiederum haben Spaß daran, mit den individuellen Buchstaben nach dem Kennzeichen für die Stadt oder den Landkreis ein Wort zu bilden.

Das fällt in solchen Städten oder Kreisen schwer, wo das Kennzeichen nur aus Konsonanten besteht, zum Beispiel „HB“ oder „WL“ oder „WMS“.

Aber viele Städte oder Kreise haben zwischen Konsonanten auch Vokale, sodass sich eine Silbe ergibt, die im Glücksfall mit einer weiteren Silbe zu einem sinnvollen Wort wird.

So lieben die Oldenburger es, den Namen „Olga“ zu bilden, indem sie sich für die persönlichen Buchstabenfolgen G und A entscheiden: OL-GA. Oder OL-I.

Auch die Wendländer spielen mit dem Autokennzeichen: sehr beliebt, sozusagen auf Rang eins, steht die Kombination des Kreiszeichens DAN mit KE: DAN-KE. DAN plus K geht auch noch gut: DAN-K.

An nächster Stelle in der Beliebtheitsskala steht CE: DAN-CE > tanzen auf Englisch… Gerne aber auch die französische Version: DAN-SE. Ein DAN-DY zu sein, ist auch sehr begehrt.

Die Vornamen DAN-Y und DAN-A sieht man auch oft, und vielleicht heißen die Besitzer ja tatsächlich so.

Literarisch Gebildete wählen gern den italienischen Renaissance-Autoren DAN-TE, noch Gebildetere, die in der griechischen Mythologie bewandert sind, sogar DAN-AE, der Name der Tochter von Akrisios und Aganippe – weiß doch jeder…! 😉

Schlichtere Gemüter beschränken sich auf die Bildung der Wörter DAN-N oder DAN-Z, immerhin reimt sich dies auf „Tanz“.

Leute mit internationalem Weitblick wählen auch gern die Kombination DAN-AM, denn das reimt sich auf die amerikanische Fluglinie PAN-AM.

Da viele Landkreisbewohner Wert darauf legen, am Widerstand gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben beteiligt zu sein, kommt – bestimmt im bundesdeutschen Vergleich übermäßig – häufig der Buchstabe „X“ vor, gerne auch kombiniert mit anderen Buchstaben, zum Beispiel DAN-EX – oder als Doppel-X: DAN-XX – oder auch mit S: DAN-SX.

Bei der Recherche habe ich bei Google „Kfz-Nummern“ eingegeben und bin auf diese Seite gekommen. Hier wird leider nicht so nett unter „Lustige und witzige Bedeutungen zum KFZ-Kennzeichen DAN“ erklärt, was manche Leute unter DAN verstehen:

DAN > Die armen Nachbarn
DAN > Dümmster Autofahrer Niedersachsens

Gebt doch selbst einmal nettere Erklärungen ein! Vielleicht „Denkt an Naturschutz“ oder „Die Alternative (für) Niedersachsen“?

 

Die Kulturelle Landpartie

Von Himmelfahrt bis Pfingsten – das ist in jedem Jahr wieder der Zeitraum, in dem die Kulturelle Landpartie im Wendland stattfindet.

In vielen Ortschaften werden Ausstellungen, Kunsthandwerk, Theatervorstellungen, musikalische Vorführungen und eine Vielzahl weiterer Events dargeboten, abgerundet durch kulinarische Angebote, Brauerei- und Gartenbesichtigungen, geführte Themen-Spaziergänge, handwerkliche Vorführungen, Filme, Beratungsangebote, und, und, und.

Die Kulturelle Landpartie ist ein einzigartiges, selbst organisiertes Kulturfestival, in dem Wendländer ihre Kreativität und Organisationsfähigkeit zeigen, an dem sich aber auch viele auswärtige Aussteller, Kunsthandwerker und Künstler beteiligen.

Inzwischen im 28. Jahr lockt das Kulturfestival Tausende Besucher aus ganz Deutschland und auch dem angrenzenden Ausland an. Es ist die Zeit der Radtouren. Wenn das Wetter hoffentlich entsprechend schön ist, pendeln die Gäste vorzugsweise mit dem Fahrrad und gern in Gruppen zwischen den verschiedenen „Wunde.r.punkten“ im Wendland hin und her. 123 Wunde.r.punkte gibt es in diesem Jahr. Das bedeutet, 123 Stellen in verschiedenen Orten kann man ansteuern!

Die Organisation der KLP (Kulturelle Landpartie) hat zur Orientierung eine wunderbare interaktive Karte herausgebracht, auf der alle Angebote an allen Punkten einzusehen sind.

Kommt gerne zu uns ins Wendland, mit dem Auto ist es auch okay, wir haben hier genug Platz für Parkplätze…!

Und bringt ordentlich Geld mit, ihr braucht es nicht lange mit euch herumzutragen!

WikiLovesEarth: der Fotowettbewerb rund um den Naturschutz

In der Zeit vom 1. bis 31. Mai 2018 sind Fotografierfreudige von Wikipedia aufgerufen, Fotos zum Thema „Naturschutzgebiete aller Art“ einzureichen, um an einem Wettbewerb teilzunehmen, in dem eine Jury die besten Bilder auswählt.

Das Ziel des Wettbewerbs ist, die Vielfalt der Natur zu dokumentieren. Alle eingereichten Fotos werden in der Online-Multimediabibliothek „Wikimedia Commons“ hochgeladen und stehen anschließend allen Nutzern lizenzfrei zur Verfügung.

Im Fokus stehen Biosphärenreservate, Naturschutzgebiete, Naturdenkmäler, Landschaftssschutzgebiete, Naturerlebnisräume, Naturparks und Ähnliches.

Nähere Informationen hier.

 

Das Schloss von Lüchow

Lüchow, 4.5.2018.
Es war einmal …

… eine junge Frau namens Anna Gräfin von Nassau-Dillenburg aus dem rheinischen Westen.

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Anna Gräfin von Dillenburg-Nassau

Sie heiratete 1467 im Alter von 27 Jahren Otto V. von Braunschweig-Lüneburg, Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und von 1464 bis 1471 – nachdem sein älterer Bruder kinderlos verstorben war – Fürst von Lüneburg, aus dem Adelsgeschlecht der Welfen.

Wie bei einer politischen Hochzeit üblich, wurde ein Ehevertrag geschlossen, in dem Anna für den Fall des Ablebens ihres Ehemannes die Stadt Lüchow und das Schloss in Lüchow mit allem Zubehör als Witwensitz (sog. „Wittum“) zugesprochen wurde.

Schon vier Jahre nach der Hochzeit im Jahr 1467, die in Celle stattfand, starb Herzog Otto V. bei einem Stechturnier in Celle und Anna war jetzt Witwe. Als nunmehrige Landesherrin im Herzogtum Braunschweig-Lüneburg engagierte sie sich sozial, kirchlich und wirtschaftlich und übernahm die Vormundschaft für ihren 1468 geborenen Sohn (Heinrich der Mittlere), bis derjenige selbstständig die Herrschaft ausüben konnte.

Die Grabstätte des verstorbenen Otto V. liegt übrigens in der St.-Michaelis-Kirche in Lüneburg.

Obwohl Annas Hauptwohnsitz das Celler Schloss war, besuchte sie häufig ihren Witwensitz in Lüchow und ließ umfangreiche bauliche Maßnahmen im Schloss durchführen. Sie galt als wohltätig, fromm und bescheiden, als vorbildliche Landesmutter. Nachdem sie ein zweites Mal geheiratet hatte, verstarb sie 1514 in ihrem Schloss in Celle.

Das Schloss diente dann über Jahrhunderte als Amtssitz der Grafschaft Lüchow. Es befand sich auf einer Anhöhe, von der aus man die Stadt Lüchow überblicken konnte. Wer den Amtssitz aufsuchen wollte, musste die Anhöhe hinaufgehen und bekam somit gleich ein Gefühl für die „Amts-Hoheit“.

Im Schlossturm weist ein Wappen auf Annas Herkunft hin: das Wappen der Grafen von Nassau-Dillenburg aus dem Rhein-Gebiet.*

Ein Großneffe von Anna war Wilhelm I. von Oranien, der der Stammvater des heutigen niederländischen Königshauses ist. Der Geburtsort von Wilhelm von Oranien war Dillenburg. Das Königshaus nennt sich ja „die Oranier“. Der heutige niederländische König heißt auch Willem und ist der Sohn von Königin Beatrix und Prinz Claus.

Prinz Claus hieß ursprünglich Claus von Amsberg und stammte aus einem Adelshaus, das seinen Sitz in Mecklenburg hatte. Sein Vater war Gutsverwalter eines Landguts in der Nähe von Hitzacker, und daher ist Hitzacker die Geburtsstadt von Claus von Amsberg. Auch Willem der Niederlande war mindestens einmal in Hitzacker, um die Heimatstadt seines Vaters kennenzulernen. 2014 weihte Königin Beatrix der Niederlande eine neu gebaute Promenade mit Schutzmauer vor der Elbe – es gab mehrmals Überschwemmungen – persönlich ein und taufte sie auf den Namen ihres verstorbenen Gatten „Prinz-Claus-Promenade“.

Ungefähr dreihundert Jahre, nachdem soviel herzoglicher Glanz über Anna Herzogin von Braunschweig-Lüneburg und zeitweise Regentin des Fürstentums Lüneburg auf Lüchow gefallen war, brannte das Lüchower Schloss am 24. April 1811 nieder, zusammen mit dem größten Teil der Stadt Lüchow.

Das Feuer war in einer Brennerei im Stadtzentrum ausgebrochen und erfasste rasend schnell die meisten Gebäude der kleinen Stadt. Innerhalb weniger Stunden waren nur noch Brandruinen von den Gebäuden geblieben. Fast 200 Wohnhäuser plus etliche Nebengebäude und Ställe werden vernichtet. Hier kann man eine kleine Ansicht des Schlosses und der Stadt nach dem Brand sehen, zusammen mit einer Schilderung der Geschehnisse rund um den Großen Brand von Lüchow.

Vom Schloss übriggeblieben sind nur der Turm sowie die Grundmauern. Nach dem Umfang der Grundmauern zu urteilen, muss das Schloss ziemlich groß gewesen sein. Es befand sich auf einer Anhöhe, von der aus man über die Stadt blicken konnte.

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Das Schlossgelände liegt auf einer kleinen Anhöhe.

Heute ist der Turm das Wahrzeichen der Stadt Lüchow und wird als „Amtsturm“ bezeichnet, obwohl es ja eigentlich „Schlossturm“ heißen müsste.

Innerhalb der Grundmauern, die aus massigen Feldsteinen bestehen, ist eine gepflegte Parkanlage entstanden, die sich auch außerhalb der Grundmauern und unterhalb der Anhöhe fortsetzt.

Die Grundmauern des ehemaligen Schlosses: mächtige Feldsteine:

 

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Ob das ein absichtlich freigelassenes „Fenster“ oder ein Einstieg in die Kellerverliese war?

Eine gepflegte Parkanlage umgibt den Amtsturm:

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Das Flüsschen Drawehner Jeetzel durchfließt den Park, „Amtsgarten“ genannt. Kleine Brücken ermöglichen einen Seitenwechsel beim Spazierengehen. Sitzbänke laden zum Ausruhen ein.

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Eine kleine Fußgängerbrücke über die Drawehner Jeetzel im Amtsgarten.

Alte Bäume umstehen den Turm, Raben und Tauben umfliegen ihn.

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Die Wurzel eines uralten Baums klammert sich an den Untergrund:

Durch eine eiserne Rundbogentür kann man den Turm betreten (wenn das Museum geöffnet hat).

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Der Schlossturm beherbergt das Museum des Geschichts- und Altertumsvereins Wendland. Es hat von April bis Oktober am Freitag und Samstag von 13:00 bis 16:00 Uhr, am Sonntag von 11:00 bis 15:00 Uhr und Montag von 10:00 bis 14:00 Uhr geöffnet. Vorsichtshalber sollte man sich vorher aber noch mal bei der Stadt Lüchow erkundigen, ob geöffnet ist (05841-126-0).

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Mitten auf einem Platz vor dem Turm auf der Anhöhe liegt eine große, runde Scheibe auf einem Sockel.

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Die Scheibe hat einen Durchmesser von schätzungsweise sechs Metern und besteht aus Beton, umfasst von einem Eisenring. Leider stand kein Schild mit einer Erklärung daneben, wozu diese Scheibe dient. Im Prinzip ist sie begehbar. Vielleicht soll sie metaphorisch die Begegnung zwischen Zukunft (sie erinnerte mich an ein UFO) und Vergangenheit (Schloss) ausdrücken.

Etwas seitwärts zeigt ein dreidimensionales Kunstwerk aus Eisen mit beabsichtigtem Rostansatz zwei Frauenfiguren: eine davon ist Anna, die Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg aus dem Hause Nassau-Dillenburg, an der anderen Frauenfigur steht der Name Sophia-Elisabeth. Sophia-Elisabeth war eine weitere Herzogin zu Braunschweig-Lüneburg und starb 1676 in Lüchow.

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An einer anderen Stelle wurde ein sehr großer Feldstein zu einem Denkmal für den Distriktbaumeister Lietzmann aus Salzwedel umgestaltet, der zu napoleonischer Herrschaftszeit „mit ungeheurer Tatkraft“ bereits eine Woche nach dem verheerenden Stadtbrand im Jahr 1811 den Neubau einleitete und plante, sodass bereits nach einem Jahr der Neubau des Stadtzentrums in einheitlicher Fachwerkbauweise und einem durchdachten rechtwinklig angelegten Straßensystem mit Querverbindungen abgeschlossen war.

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Gedenkstein für Baumeister Lietzmann aus Salzwedel.

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Diesem Baumeister Lietzmann ist es also zu verdanken, dass das Städtchen Lüchow heute so einen strukturierten und netten Eindruck als gepflegte Fachwerkstadt und Teil der touristisch interessanten „Deutsche Fachwerkstraße“ macht, durchzogen vom Fluss Jeetzel mit mehreren Brücken und vielen Seitengängen, die die Parallelstraßen verbinden.

Hier folgen noch einige weitere Ansichten vom Amtsturm, dem Wahrzeichen der Stadt Lüchow:

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Ganz nah dran …

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…mit Blick auf die Stadt Lüchow.

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(*Woher ich das alles weiß? Von einer Informationstafel, die an einem Gebäude am Rand des Parks angebracht ist …allerdings steht auf der Tafel „Otto II.“, das war aber „Otto V.“, mit dem Anna verheiratet war … das Bild von Anna am Anfang stammt auch daher):
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Der Kiekemarkt am 1. Mai in Trebel

Trebel, 2. Mai 2018.
In Trebel, einem Dorf mit etwa 1.000 Einwohnern,  findet zweimal im Jahr ein Markt rund um die Kirche zu Trebel statt: am 1. Mai der „Kiekemarkt“ und im Herbst der „Griepemarkt“.
Diese Märkte sind Nachfahren traditionell seit alter Zeit abgehaltener Märkte, die hauptsächlich dem Zweck dienten, Vieh, landwirtschaftliche Produkte und alltägliche Gebrauchsgegenstände zu handeln. Um Kunden anzulocken, wurden auch in früherer Zeit schon Volksbelustigungen dargeboten.

Nachdem ca. vierzig Jahre lang seit etwa 1960 kein Markt mehr in Trebel mangels Nachfrage stattgefunden hatte, wurde im September 2008 auf maßgebliche Initiative eines Trebelers wieder der traditionelle Trebeler Markt abgehalten und aufgrund des guten Zuspruchs auf Händler- und Konsumentenseite seitdem jährlich aufrechterhalten (Quelle: Puffahrt, Otto: Der historische Markt in Trebel).

Ich war gestern am 1. Mai auf dem „Kiekemarkt“ und konnte vieles „erkieken“. Der Fokus beim Kiekemarkt liegt auf kunsthandwerklichen Erzeugnissen aus dem Wendland oder aus an die Region grenzenden Gebieten und auf Gartenthemen, wozu hauptsächlich Pflanzen jeder Art, aber auch Gartendekorationen gehören. Auch für Gaumenansprüche und Spaßbedürfnisse ist gesorgt.

Wie üblich bei Festen im Wendland, war auch hier wieder die örtliche, freiwillige Feuerwehr aktiv und regelte die Einweisung in den Parkplatz. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Marktplatz an der Kirche begegnete man diesem „Feuerwehrmann“:

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Leider hielt er den Kasten in den Händen so schief, dass nur Genauhingucker erkannten, dass es sich um einen Spendensammelkasten mit einer Aufschrift mit der Bitte um eine Spende handelte.

Die Stände des Kiekemarkts waren auf zwei Plätze im Dorf Trebel verteilt. Diese Plätze sind durch die „Kuhtrift“ verbunden, also einen Pfad, auf dem früher die Kühe zur Weide getrieben wurden. Heute ist auf der Kuhtrift einen Schienenstrang verlegt, auf dem der Wagen der „Solarbahn“, also ein solarbetriebenes Fahrzeug, Gäste hin- und hertransportiert.

 

 

 

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An mehreren Verkaufsständen werden üppig blühende Blumen oder Kräuter und Gemüsepflanzen angeboten – passend zur Jahreszeit, in der gepflanzt wird. Vielerlei Kunsthandwerker bieten ihre Waren an, getöpfert, genäht, gehäkelt, gewebt und geschmiedet.

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Gleich am Eingangsbereich vom Kiekemarkt vom Parkplatz aus begegnet man üppigem Blumenangebot.

 

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Hübsche Verbenen für den Balkonkasten oder die Terrasse.

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Petunien in fast jeder Farbe.

Die Inhaberin dieses Standes verkauft selbst genähte Tischdecken. Den Stoff dafür hat sie aus alter Bettwäsche ausgeschnitten und die Kanten mit Häkelspitze umsäumt.

 

 

 

Am Nachbarstand gibt es hübsche Dekorationen aus künstlichen Blumen/Stoffblumen:

 

 

 

Hier wird Schmuck für Frauen verkauft, die sich noch ein bisschen hübscher machen wollen:

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Ganz viel im Angebot an verschiedenen Verkaufsständen: Gartenschmuck aus Glas, Rosteisen, Keramik und Metall:

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Allerlei aus Glas.

 

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Paradiesvögel für das Gartenparadies.

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Mit diesen Dingen kann man seinem Garten noch eine Krone aufsetzen…

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Gewebte Gartendekorationen aus Weide.

Der Inhaber dieses Stands produziert Dinge aus Eisen, zum Beispiel Feuerschalen, Gartenstecker, aber auch große Eisenringe mit einer Schraube daran.

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Ich frage nach dem Sinn dieser Eisenringe, und er meint, man könne sie auf eine Hecke werfen und sehen, wie gut man Zweige treffen kann, oder man könne sie seitlich in einen Holzpfahl drehen und darin dann Blumentöpfe mit Pflanzen stecken. Ich fand die zweite Möglichkeit dann irgendwie sinnvoller, zum Beispiel hier demonstriert:

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Man dreht die Eisenringe mit dem Schraubteil waagerecht in einen Pfahl oder Balken und hat eine Halterung für Blumentöpfe – toll!

Bei diesem Verkaufsstand werden riesige dreidimensionale Köpfe aus Stein zur Gartendekoration angeboten. Auf Nachfrage erklärt uns der junge Mann hinter dem Stand, das sein Vater die Köpfe aus Steinguss fertigt.

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Am gleichen Stand wurde auch eine Gartenbank in Bootsform angeboten:
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Dieser Stand gehört einer Keramikerin, die phantasievolle Dekorationen für den Garten herstellt, zum Beispiel witzige Hühner oder Schweine oder diesen Murmelturm:

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Eine Schäferei-Inhaberin stellt Erzeugnisse, die irgendwie mit Schafen zu tun haben, aus: gefilzte Schuh-Einlegesohlen, Schafkuscheltiere, Wollsocken und auch Seife aus Schafsmilch:

 

 

 

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Diese Keramikerin hat vielerlei originelle, aber auch praktische Artikel, meistens in Blau gehalten:

Rostliebhaber begegneten vielen kreativen Angeboten (s. auch oben):

 

 

Hier werden Waffeln angeboten, die mit einem sehr alten, schon fast antiken Waffeleisen über dem Holzofen gebacken werden:

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Dieser Stand bietet selbst gemixte „Cocktails“ an, aber alles alkoholfrei und garantiert supergesund mit vielen Vitaminen:

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Auch asiatische Kost gibt es an einem Stand, außerdem Süßigkeiten, diverse Brotsorten, Erbsensuppe und Fischbrötchen.

Ein Stand bietet Maibowle an, aber die Temperaturen sind heute leider nicht so hoch. Die Leute haben ihre Winterjacken wieder aus dem Schrank geholt und tragen Schals. Manche vermissen ihre Handschuhe. Ein scharfer Wind, teilweise als „Sturm“ zu bezeichnen, weht und bringt Stellschilder und Figuren zum Umkippen. „Wir haben auch Glühwein!“ ruft uns die Verkäuferin am Maibowlenstand zu.

Die „Trebeler Bauernstuben“, ein traditionelles Landgasthaus im Zentrum von Trebel, haben vor ihrem Haus auch einen Stand aufgebaut und verkaufen „normale“ Bratwürste, Wild-Bratwürste, Leber-Bratwürste und Bier.

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Plötzlich kommt Bewegung auf: viele Leute drehen sich um: die Heidekönigin aus Nemitz schwebt heran, mit einer Krone aus Heideblüten auf dem Kopf.

Die Nemitzer Heide gleich in der Nähe von Trebel ist entstanden, nachdem vor mehr als vierzig Jahren im Jahr 1975 ein Brand großflächigen Waldbestand vernichtet hatte und daraufhin die Natur ein Heidegebiet entstehen ließ.

Die Heidekönigin wird von ihrer Kronprinzessin und zwei etwa zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen als Assistentinnen begleitet. Die beiden Mädchen sind Schwestern. Die Heidekönigin und ihr Gefolge machen Werbung für das Heideblütenfest am letzten August-Wochenende und damit zusammenhängend die nächste Wahl zur Nemitzer Heidekönigin.

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Ganz professionell lächeln die aktuelle Nemitzer Heidekönigin (links) und ihre Kronprinzessin (rechts), die automatisch zur nächsten Heidekönigin gekrönt wird.

Der Inhaber dieses Stands verkauft in Nemitz, einem Nachbarort von Trebel, selbst produzierten Senf verschiedenster Zusammensetzung:

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Meine Freundin kauft ein Glas Orangen-Honig-Senf und ich ein Glas Himbeer-Senf.

Ein Kinderkarussell für die Kleinen gibt es auch, eine Blechdosenwurfbude, und ein Bungee-Jump-Gestell für die mutigen größeren Kinder.

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Der Waldkindergarten aus Gartow hat ein Zelt aufgebaut, in dem von Eltern selbstgebackene Kuchen und Torten sowie Kaffee verkauft werden.

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Werbeschild für das Angebot des Waldkindergartens in Gartow.

 

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Das Kuchen- und Tortenangebot findet großen Zuspruch, viele nehmen sich Kuchen eingepackt mit nach Hause.

Ich esse eine Schwarzwälder Kirschtorte:

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Verzehrt werden können Kuchen und Kaffee auf Biergartenbänken und –tischen in der Nähe eines Hauses, auf dessen Gelände eine Hüpfburg für die kleinen Kinder aufgestellt ist.
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An mehreren Stellen auf den beiden auseinander liegenden Marktplätzen stehen Schilder mit der Werbung für Hubschrauberflüge.
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Ich sehe jedoch keinen Hubschrauber und auch keinen Ansprechpartner und frage einen der Standinhaber. Der Hubschrauber sei heute wegen des Sturms nur einmal hochgeflogen, ansonsten habe man die Flüge abgesagt.

Später treffe ich den Piloten mit seinem Hubschrauber neben dem Autoparkplatz und spreche ihn an.
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Der Pilot arbeitet bei dem Firmeninhaber aus Wernigerode/Harz als ausgebildeter Berufspilot. Ein Flug dauert acht bis zehn Minuten. Im Hubschrauber haben außer dem Piloten noch drei Personen Platz. Mindestens zwei Personen müssten mitfliegen, damit er aufsteige, erklärt mir der Pilot. Je Person kostet der Flug 40.– €. Aber wegen des Sturms sei die Nachfrage heute leider gering.

Der Besuch des Kiekemarkts ist wirklich zu empfehlen, nicht nur wegen der vielfältigen kreativen und/oder leckeren Angebote, sondern auch wegen der Nähe zur sehr interessanten Kirche. Die Kirche zu Trebel hat keinen Heiligennamen, wie sonst üblich, sondern heißt eben einfach nur „die Kirche zu Trebel“. Zur Kirchengemeinde gehören zehn Dörfer. Die Kirche ist im 12. Jahrhundert gegründet und um das Jahr 1600 weiter ausgebaut worden. Sie hat innen eine kulturhistorisch wertvolle große Orgel sowie eine künstlerisch gestaltete Kanzel.

Für den nächsten Kiekemarkt wünsche ich ihm besseres Wetter und noch mehr Publikum. Es lohnt sich wirklich!

 

 

Frühling im Wendland

Wendland, 30. April 2018.
Im Frühling ist es überall schön. Aber eben auch im Wendland!

Seht einmal, diese Fotos habe ich gestern gemacht:

Auslage eines Blumengeschäfts in Lüchow:

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Flieder überm Zaun:

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Ranunkelstrauch in Bösel:

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Wie heißt noch mal diese Blume? … Fleischblume oder Silbertaler?:

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Blüten einer Wisteria entfalten sich an einem Stamm:

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Magnolienblüten:

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Gelbe Tulpen an der Bushaltestelle:

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Blick in den Himmel durch einen weiß blühenden Kastanienbaum:

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Rhododendronblüten vor einem Haus in Lüchow:

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Rispenspiere in meinem Garten:

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Noch ein Ranunkelstrauch vor einem Haus in Bösel:

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Weißer und lila Flieder:

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Blick in einen Kastanienbaum:

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Ein blühender Apfelbaum Teil I:

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Teil II:

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Und hier der Clou: eine Wiese bei Reddebeitz, über und über mit Löwenzahn bedeckt:

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Noch mal die gleiche Wiese aus anderem Blickwinkel:

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Eine meiner Lieblingsblumen – Löwenzahn:

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Das Buerbeerfest 2018 in Bösel

Bösel, 29. April 2018.
Das Buerbeerfest in Bösel findet alljährlich am letzten Wochenende nach dem Namenstag des heiligen St. Georg am 23. April statt und hat eine jahrhundertealte Tradition. In diesem Jahr fiel das Wochenende auf den 27. bis 29. April. Heutzutage wird das Fest natürlich auf etwas andere Art gefeiert als in alter Zeit. Geblieben ist aber der Grundgedanke, nämlich das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Nachdem am Freitag und Sonnabend ordentlich getanzt und gefeiert wurde, zeigten die Böseler am Sonntag, welche Kreativität in ihnen steckt. Bei schönstem Frühlingswetter zogen Trecker ungefähr zwanzig phantasievoll geschmückte Wagen mit fröhlicher Besatzung durch die Straßen des 450-Seelen-Dorfes nahe Lüchow. In wochenlanger Vorbereitung hatten Vereine und private Gruppen in mühe- und liebevoller Kleinarbeit Anhänger ausgestattet und verkleidet, genäht und geklebt und gebastelt, um bestimmte Themen auf lustige oder ironische Weise auf dem Festumzug zur Schau zu stellen, ganz ähnlich wie beim Karneval in Köln oder Düsseldorf.

Zwei Minuten vor eins: die Feuerwehr, auf dem Lande bei jedem Fest unentbehrlich, sperrt die Zufahrtstraße zum Dorfzentrum ab.

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Auf den Höfen stehen die Fahrzeuge bereit zur Abfahrt. Nach und nach treffen die Zugmaschinen mit Anhänger auf der Hauptstraße des Dorfes an der St.-Georg-Kirche ein und reihen sich hintereinander auf.

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Hier sieht man die St.-Georg-Kirche im Zentrum von Bösel. Nach rechts geht’s zum Festplatz.

Dem Motto des Festes entsprechend ist eine Bierflasche in der Hand fast unentbehrlich. „Buerbeer“ ist plattdeutsch und bedeutet „Bauernbier“, das „Buerbeerfest“ ist also ein Bierfest für die Bauern.

In früheren Zeiten wurde beim Buerbeerfest ein Weizenbier mit aufgeschlagenen Eiern vermischt, sodass man ein „Eierbier“ trank. Eierbier ist es heute nicht mehr, auf den Bierflaschen in den Händen steht „Astra“ oder „Paulaner“.

Bunt verkleidete Figuren schunkeln schon jetzt auf den Wagen herum, Musik wird aufgedreht, Bekannte werden begrüßt. Dem Motto entsprechend, ist Alkohol – oder sagen wir: Bier – wichtig, man prostet einander zu und nimmt schon mal diverse Schluck, um so richtig in Stimmung zu kommen. Zwischen den Wagen zieht ein kleiner Tross mit einem Leierkastenmann vorneweg herum, er soll Spenden für die Festgestaltung sammeln.
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Auf dem Festplatz mit diversen Karussells, Buden mit Pizza oder Süßigkeiten und natürlich Bier, einer Schießbude sowie einem großen Festzelt sammeln sich die Besucher jeglichen Alters.

 

 

 

Wer mit dem Auto gekommen ist, musste es vorne am Dorfrand parken und trifft jetzt zu Fuß ein. Bei dem schönen Wetter haben sich viele aber auch mit dem Fahrrad aufgemacht und den Festbesuch mit einer Radtour verbunden.

Innerhalb einer Stunde strömen schließlich Tausende von Besuchern auf die Dorfstraße. Kinderwagen werden geschoben, Rollstuhlfahrer bahnen sich einen Platz durch die Menge, Kleinkinder werden auf dem Arm getragen, Hunde laufen umher. Wer clever ist, hat sich einen Klappstuhl mitgebracht. Die Einheimischen haben sich Bänke oder Tische und Stühle vor die Haustür gestellt und ihre Freunde zum Gucken eingeladen.

Jeder Wagen hat ein eigenes Motto.

Dieser Wagen hat den Vogel abgeschossen. Sein Motto ist „Top Gun“, der Film mit Tom Cruise. Aus verschiedenen Einzelteilen, die mit grauem Stoff bezogen wurden, entstand ein Düsenjet, der hydraulisch bewegt werden kann.

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Der junge Officer – stilgerecht mit Sonnenbrille – hat sichtlich Spaß daran, dem Publikum zu zeigen, was das Ding kann. Hoch und runter und auch noch zur Seite bewegt er das Flugzeug, und schließlich kommt noch ein Clou hinzu: aus den hinteren Düsen steigt Rauch! Gleich startet der Jet zur nächsten Mission.

 

 

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Die anderen Wagen haben’s nicht so mit Hollywood, sondern nehmen teilweise politische oder aktuelle gesellschaftliche Themen auf die Schippe.

Zum Beispiel dieser Wagen: er zeigt die Jamaica-Flagge im Hintergrund und „Jamaicaner“ mit Sonnenbrille und Rasta-Mützen in den Landesfarben neben Palmen. Die Jamaica-Koalition ist ja dann nicht zustande gekommen, deshalb die Aufschrift „Nach Joints und Frustration – gab’s ‘ne große Koalition“.

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Das Jamaica-Thema war beliebt, vielleicht auch, weil es so viel Buntes hergibt: noch eine andere Gruppe hatte das Thema aufgegriffen:

„In Bösel von Null auf Hundert“ steht an der Seite des Wagens.

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Ein Wagen mit lauter „Teufelchen“ als Besatzung klärt uns auf: der Teufel hat den Schnaps gemacht, um uns zu verderben…

Ohgottohgott! Bei diesem Wagen wurde zum Erschrecken des Publikums gleich beim Runterfahren vom Hof ein Teil vom Aufbau abgerissen, weil ein Baum im Weg war.

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Aber macht nichts: wie man sehen kann, halten sich auf dem Wagen lauter Brückenbauer von den „Böseler Buerbeer Brücken Bauern (BBBB)“ in Monteurskleidung auf, die rasch das Brückengeländer reparieren:

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Die Böse(l)-Angels mit ihrer Piep-Show (wer hat denn die Unterwäsche gespendet?):

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Auf einem anderen Wagen singt ein Gospel-Chor die ganze Zeit „Oh, happy day!“ und tanzt dazu.

Um den Sinn dieses Wagens zu verstehen, muss man etwas regionale Kenntnisse besitzen:

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Vor etwa einem Jahr gab ein wichtiger Arbeitgeber, ein Schlachtbetrieb, auf, woraufhin viele Leute arbeitslos wurden. Der Spruch am Wagen deutet darauf hin: „Vogler’s Schweine sind Geschichte, der Chinese macht bald Hundegerichte“, wobei auf den Aufkauf von Betrieben durch Chinesen angespielt wird.

Hier kommen uns zwei grimmig guckende Böseler Zwerge entgegen:

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Dieses Bett ist auch ein Wagen mit Rollen und wird von zwei Rotkäppchen mit Verwandtschaft geschoben und gezogen:

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Im Bett liegt der böse Wolf, und die große Schere zum Bauchaufschneiden liegt auf der Bettdecke. Motto: „Rotkäppchen und der Bösel Wolf“… Eine Anspielung auf die Ausbreitung des Wolfs auch im Wendland.

„Böseler Spätzünder – 2019 wird alles besser!“ steht auf einem Wagen. Um dieses Motto zu verstehen, muss man wohl Insider sein.

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Oder hat die Gruppe vielleicht zu spät mit der Vorbereitung für den Umzug angefangen …? An der Seite weist noch ein Schild auf meine vermutetete Ursache hin: „Ganz egal wie groß die Uhr ist – mehr Zeit hatten wir trotzdem nicht“, und auf dem Wagen ist eine große Uhr montiert, die „fünf vor Zwölf“ anzeigt. Auch diese Idee ist originell – sich selbst auf die Schippe nehmen, weil man erst „fünf Minuten vor Zwölf“ mit den Vorbereitungen begonnen hat.

Und dieser Zug führt den Festumzug an: ein Fachwerkhäuschen auf Rädern mit den Honoratioren:

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Auch die Kleinen und „Kurzen“ haben sich soooo viel Mühe gemacht und sooooo hübsche Wagen dekoriert und sich soooo nett verkleidet:

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Die Generation der „Digital Natives“ hatte auch einen Wagen im Zug, Motto: „Haste What’s App am Start?– biste bei Buerbeer besonders Schmart“ mit lauter Social-Media-Symbolen und jeder Menge ironisch gemeinten „Like“-Symbolen:
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Ein „Superhelden“-Mobil mit lauter Supermen und Superwomen hat im Hintergrund des Wagens die Brooklyn-Bridge in Manhattan. Hier tauschen sich Superwoman und Superman mit der Top-Gun-Besatzung über den nächsten Einsatz in Manhattan aus:

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Das „Heimatministerium“ samt Heimatgefühlen und der Diskussion um die „deutsche Leitkultur“ wurde mit diesem Wagen auf die Schippe genommen:

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Den hinteren Teil des Wagens ziert ein typisch altdeutsches Wohnzimmerbild mit röhrenden Hirschen, umhängt von einer Spitzengardine:
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Seitlich am Wagen sind Twitter-Zitate zum Thema der „Heimat“-Diskussion angeklebt sowie Konterfeis vom neuen Innenminister Horst Seehofer.

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Vorne an der „Heimat-Kutsche“ ist die Deutschlandfahne befestigt, und an einer Angel hängt ein „typisch deutsches“ Grasbüschel:
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Dem Motto des Wagens: „Unsere Leitkultur: Falleri und Fallera“ entsprechend stehen auf der „Bühne“ des Wagens lauter „Heinos“ mit blonder Perücke, weißem Rollkragenpullover, weißer Hose, schwarzem Jackett und Sonnenbrille, „spielen“ Gitarre und „singen“ dazu Heino- und Volkslieder (die aber vom Band abgespielt werden 😉 ). „Blau-blau-blau blüht der En-zi-an!“!“ dröhnt es mit sonorer Heino-Stimme in meine Ohren, oder auch „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad – Motorrad – Motorrad!“. Obwohl das Abspielen dieser Lieder ironisch gemeint ist, schunkeln aber viele im Publikum dazu. Eine Gruppe von drei selbstbewussten siebenjährigen Mädchen geht am Wagen vorbei und hält sich mit den Zeigefingern jeweils beide Ohren zu. Auch ich gehe lieber etwas weiter.

Am Rand der Dorfstraße, die frühlingshaft von weiß blühenden Kastanienbäumen und aufgeblühten Sträuchern und Blumen in vielen Farben umrahmt ist, haben nun innerhalb einer Stunde die vielen, vielen hundert erwartungsvollen Besucher Aufstellung genommen, die Spannung beim Publikum und bei den Wagenbesatzungen steigert sich, und endlich geht es um 14:00 Uhr mit dem fröhlichen Festumzug los. Die Trecker tuckern laut, Musik schallt von den Wagen, die Gäste klatschen und freuen sich über die von den Wagen zugeworfenen Bonbons, und über allem strahlt der blaue Himmel.

Nach dem Festumzug geht es auf den Rummelplatz und in das Festzelt.

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Das Bierfest für die Bauern, das „Buerbeerfest“, ist eben ein richtig traditionelles deutsches Volksfest für die ganze Familie, für „Kind und Kegel“.

 

 

 

Wendland Einmaleins – Neuwendländer treffen Altwendländer

Lüchow.
Am Donnerstag, den 3. Mai ab 18:00 Uhr findet erneut ein Abend für Neubürger im Wendland statt.

Die Agentur Wendlandleben lädt – wie an jedem ersten Donnerstag im Monat – Neuwendländer und Altwendländer zu einem Kennenlernabend in das Alte Postamt in Lüchow in der Salzwedeler Straße ein, bei dem es auch ein kleines Buffet gibt.

Interessierte sind herzlich willkommen!

Es wird um eine Anmeldung bei Sigrun Kreuser, Agentur Wendlandleben, gebeten.

Spargelsonntag in Lüchow – gibt’s den eigentlich noch?

Lüchow.
Wenn ich ins Wendland komme, sehe ich viele Spargelfelder, die teilweise noch mit Folie abgedeckt sind. Dabei fiel mir ein, dass es früher doch im Mai immer den „Spargelsonntag“ in Lüchow gab, ein Fest rund um den Spargel, das Edelgemüse.

Ich habe daraufhin im Internet bei Google recherchiert, um herauszufinden, wann in diesem Jahr der Spargelsonntag stattfindet. Die Spargelsaison hat ja schon begonnen, und dann müsste doch eigentlich auch bald der „Spargelsonntag“ stattfinden. Ich gab die Stichwörter „Spargelsonntag Lüchow“ ein und erhoffte eine rasche Antwort. Tja. Mr Google weiß eben auch nicht alles.

Zuoberst erschien die Seite „Volksfeste in Deutschland“, wo der Spargelsonntag tatsächlich erwähnt wird, aber mit dem Vermerk, dass „der nächste Termin noch nicht bekannt“ sei, und man, falls man aus der Gegend komme und den Termin kenne, ihn doch bitte mitteilen möge.
An zweiter Stelle wurde eine Fotogalerie über den Spargelsonntag im Jahr 2014 angeboten.

Dann erschien der Link zur Seite der IHG, der Interessengemeinschaft Handel und Gewerbe, wo unter dem Button „Veranstaltungen“ drei Veranstaltungen im Jahr 2018 angeboten werden. Der Spargelsonntag ist nicht darunter.

Dann als nächstes erschien eine Facebook-Seite, wo ein Bild vom Spargelsonntag 2014 abgebildet ist.

Die Seite Elbtalaue-Wendland bot als „nächsten Termin“ für den Spargelsonntag den 26.5.2013 an.

Dann kam ich auf die Seite vom Presse-Archiv des Landkreises Lüchow-Dannenberg, wo der Start der „City-Offensive Lüchow“ am 11. Mai 2012 angezeigt wird. Jedoch kein Wort über den „Spargelsonntag“.

Endlich: die Überschrift „Lüchow lädt zum Spargelsonntag“ des Info-Portals „wendland-net“! Allerdings stammen Foto und Artikel aus dem Mai 2012.

Ich schließe also daraus: den „Spargelsonntag“ in Lüchow gibt es nicht mehr. Schade.