Sommerfest in Waddeweitz

Waddeweitz, 14. und 15. Juli 2018.
Die Gemeinde Waddeweitz lud für den vergangenen Sonnabend und Sonntag zu ihrem jährlichen Sommerfest, das zum 52. Mal stattfand, ein. An mehreren Stellen im Landkreis standen diese netten Schilder:

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Ich kam am Sonnabend von meiner Freundin in Bevensen kommend durch Waddeweitz und schaute mal kurz auf dem Festplatz am Schornstein der alten Ziegelei vorbei.

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Der Schornstein als Überbleibsel der alten Ziegelei in Waddeweitz dient als Orientierungspunkt für den Festplatz.

Es war kurz vor 18:00 Uhr, also zu einer Zeit, zu der das Fest eigentlich beginnen sollte. Ein Festzelt für die Disco am Abend und für das Public Viewing am Sonntag war aufgebaut worden, und drum herum standen einige weitere Zelte und Holzbuden sowie diverse Imbisswagen. Im Zentrum des Festplatzes der Bierstand, um den herum sich schon einige Gäste versammelt hatten.

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Einblick in das Festgelände am Dorfgemeinschaftshaus.

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17:59 Uhr: Erst wenige Gäste haben sich eingefunden. Aber das änderte sich im Verlauf des Abends!

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Hier im Festzelt sitzen am Sonntagabend die Fußballinteressierten beim Public Viewing.

 

 

 

 

Die Technik für den Discoabend ist aufgebaut, die Techniker können ihren Truck wegfahren.

Da ich Hunger habe, bin ich in einem der Imbisswagen der erste Gast und bestelle eine Pizza Hawaii, die sehr gut schmeckt.

Die Eis- und Imbisswagenbesitzer treffen letzte Vorbereitungen, drehen Fladen für die nächste Pizza oder ordnen die Auslage.

Endlich kommen einige junge Leute und Familien mit Kindern. Das Wetter war einfach wieder zu schön, da waren viele wohl noch im nahen Naturbad.

Ich sehe mir noch das Dorfgemeinschaftshaus und den Spielplatz sowie den Grillplatz drumherum an.

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Das Dorfgemeinschaftshaus von Waddeweitz.

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Der Spiel- und Bolzplatz um das Dorfgemeinschaftshaus.

Um den alten Schornstein der früheren Ziegelei herum gibt es auch viel Platz und Grillmöglichkeiten:
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Am nächsten Tag, dem Sonntag, komme ich wieder um etwa die gleiche Zeit – kurz nach 18:00 Uhr – auf dem Festplatz vorbei.

Jetzt sitzen viele Menschen im Festzelt vor dem großen Fernseher und sehen sich gemeinschaftlich das Finalspiel der Fußballweltmeisterschaft Frankreich gegen Kroatien an: Public Viewing.

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Andere sitzen lieber in der Mitte des Festplatzes zusammen und trinken ein Bier:

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In einem größeren Zelt – im Unterschied zu den Organisatoren der Pokalverleihung bei der Fußballweltmeisterschaft in Russland hat man hier an möglichen Regen gedacht –  gibt es leckere Torte, von den Landfrauen im Ort selbst gebacken:

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Die Inhaberin einer kleinen Gärtnerei, die ihre schönen Blumen auch regelmäßig auf dem Lüchower Wochenmarkt am Sonnabend und auf anderen Märkten wie zum Beispiel den Kürbismarkt in Platenlaase anbietet, packt ihre verbliebene Ware zusammen.

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Neben ihr ist ein kleiner Verkaufsstand mit Kirschen, Johannisbeeren und Ähnlichem.

Dann treffe ich in einem kleinen Zelt auf die Kunsthandwerkerin Karin Mönkemann aus Kiefen, das ist ein Dorfteil von Waddeweitz. Sie wickelt gerade sorgsam ihre nicht verkauften Kunstwerke in Papier ein.
Sie hat zwei Jahre lang in ihrer kleinen Werkstatt mit dem Werkstoff Beton experimentiert, ehe sie mit der Konsistenz der Betonart und mit den Ergebnissen ihrer Arbeiten zufrieden war. Endlich hat sie sich nun das erste Mal getraut, ihre Produkte auch zum Verkauf anzubieten – und ist mit dem Erfolg durchaus zufrieden.

Für die Fertigung ihrer dekorativen Figuren nutzt sie Gießformen. So entstehen Hennen, Frösche, Engel, Guglhupfe und Tortenböden aus Beton, die man nach Belieben weiter dekorieren kann. Man kann zum Beispiel Blumen oder Kerzen oder eine Metallkugel darauf setzen und hat so schöne Dinge für Haus und Garten.

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Karin Mönkemann hat auch einen Namen für ihre Werkstatt und deren Produkte: „Beton Art“ – Kunst aus Beton.

Außer Beton-Artikeln stellt Karin Mönkemann auch Gartenstecker aus gebrauchten Glasartikeln her. Zum Beispiel kombiniert sie eine Glasvase mit einem Aschenbecher aus Muranoglas, wie hier zu sehen:

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Oder diese Kombination aus ganz verschiedenen Gebrauchsartikeln:

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Das obere Gefäß soll immer oben offen sein, damit es auch als Vogelbad bzw. Vogeltränke dienen kann.

Durch den Erfolg auf dem Sommerfest in Waddeweitz ermuntert, möchte Karin Mönkemann nun auch auf weiteren Märkten ausstellen, zum Beispiel auf dem Weihnachtsmarkt in Waddeweitz.

Ich wünsche ihr viel Erfolg!

 

Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow

Lübbow, Anfang Juli.

Lübbow ist ein Straßendorf zwischen Lüchow und Salzwedel. Straßendorf bedeutet, dass es sich nicht um einen Rundling handelt, sondern die Häuser links und rechts entlang der Hauptstraße durch das Dorf (und in einigen Nebenstraßen) angesiedelt sind.

Die kleine Kapelle habe ich bisher immer übersehen, wenn ich durch Lübbow Richtung Salzwedel gefahren bin. Weil sie so klein ist. Aber irgendwann fiel sie mir auf, und vor ein paar Tagen habe ich mal angehalten und sie mir angeschaut.

 

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Die St.-Jakob-Kapelle von Lübbow von der Straße aus gesehen.

 

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Die Kapelle von der Seite.

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Die hintere Wand der Kapelle in Fachwerkbauweise mit zwei Fenstern.

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Blick durchs Fenster in das Innere.

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Im Vordergrund ein einfacher Tisch mit dem Kreuz und mit Kerzen.

Schutzpatron der Kapelle ist der Apostel Jakob. Das Wendland hat sich überwiegend der Reformation angeschlossen, aber der Name wurde auch nach „Abschaffung“ der Heiligen  der katholischen Kirche beibehalten. Am 25. Juli wird in Lübbow der Jacobitag begangen, wobei sich die Lübbower nach dem Gottesdienst zu einer „Volksspeisung“ mit Erbsensuppe  treffen.

Die Kapelle wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands um 1200 aus Feldsteinen von Zistersienser-Mönchen errichtet, die nicht immer anwesend waren. Bei Anwesenheit stellten sie ihr Kreuz in eine kleine Außennische an der Kapelle. Die Anwohner suchten dann die Mönche auf, erhielten geistliche Unterweisung, aber auch Lebensberatung. Im Dreißigjährigen Krieg wurde der Chorraum zerstört. Im 17. Jahrhundert wurde dann die hintere Wand aus Mauersteinen mit Fachwerkbauweise errichtet, und es wurden zwei Fenster eingebaut..

In früherer Zeit hatte die Kapelle keine Sitzgelegenheiten, die Gemeinde stand während des Gottesdienstes. Im 19. Jahrhundert wurde ein Eichenstamm in die Kapelle gebracht, der als Zollschlagbaum genutzt worden war und der dann lange Zeit als einzige Sitzgelegenheit diente.

Die Eiche war in heidnischer Zeit als Gerichtseiche – der „Banneiche“ –  an einem Ort zwischen Bösel und Wustrow, der heute noch Banneick heißt, genutzt worden und wurde in der Zeit der Christianisierung des Wendlands von den Zistersiensermönchen einfach gefällt. Niemand wollte sie aus Aberglauben für den Hausbau verwenden, weil auf ihr ein „Blutfluch“ laste. Daher wurde der Eichenstamm als Zollschlagbaum für die bei Lübbow verlaufende Grenze zwischen Welfen- und Askaniergebiet bis 1866 genutzt, dem Jahr, in dem die preußische Zollunion die Grenzen aufhob. Als der Zollschlagbaum nicht mehr nötig war, brachte man den Eichenstamm in die Kapelle, wo „Gott ihn sanktionieren könne“.

Das Vorstehende habe ich Informationen in einer Schautafel neben der Kapelle entnommen.

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Inzwischen wurde die Kapelle mit einfachen Sitzbänken ausgestattet.

Vor der Kapelle steht eine alte Sitzbank.

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Der nächste Jacobitag ist am Mittwoch, den 25. Juli 2018. Um 10:00 Uhr findet dann in der Kapelle ein Gottesdienst mit anschließendem Abendmahl statt.

Danach treffen sich die Bürger*innen zu einem gemütlichen Beisammensein mit Erbsensuppenessen.

Am Nachmittag um 14:30 Uhr findet dann ein Kindertanz statt, und am Abend können sich ab 19:30 Uhr auch die Erwachsenen beim Tanzen in der alten Schule vergnügen.

 

 

 

 

 

Bauern und Jägerschaft retten Rehkitze vor dem Tod mit Drohneneinsatz

In Dithmarschen haben sich Bauern mit der dortigen Kreisjägerschaft zusammengetan und mit Hilfe von Drohnen und Wärmebildkameras insgesamt 158 Rehkitze aufgespürt und vor dem sicheren Tod beim Einsatz von Mähmaschinen gerettet.

Seht hier und hier und hier.

175 Jahre Erntefest in Wustrow

Wustrow ist eine kleine Stadt mit rund 3.000 Einwohnern im Wendland, ca. vier Kilometer von Lüchow entfernt, besteht schon seit etwa 1217 und ist aus einer Burg hervorgegangen.

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Jedes Jahr findet an einem Wochenende Ende Juni in der Zeit zwischen der Heuernte im Frühsommer und der Getreideernte im Spätsommer ein Erntefest statt.

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Im Wendenland das Allerbest – ist Wustrow und sein Erntefest.

Bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde auch in Wustrow ein Schützenfest für Erwachsene gefeiert, das wegen des übermäßigen Alkoholgenusses der Bevölkerung zu diesem Anlass vom damaligen Landesherrn verboten wurde. Wie mir ein Passant in Wustrow erzählte, sollen damals Menschen zu Tode gekommen sein, weil Betrunkene ihr Gewehr sozusagen in die falsche Richtung hielten.

Die Bürger feierten nun stattdessen seit 1843 das „Erntefest“. In diesem Jahr besteht dieses Bürgerfest nunmehr 175 Jahre. Um die Festorganisation kümmert sich der „Erntefestverein„. Es ist unter anderem auch ein Ersatz für das Schützenfest für Erwachsene, denn an einem Schießstand können Erwachsene auch an einem Preisschießen teilnehmen. Auf ein Königsschießen wird verzichtet. Aber für Kinder gibt es ein Kinderschützenfest, und dafür werden dann auch ein Kinderschützenkönig und eine Kinderschützenkönigin gekürt. Das Kinderschützenfest jährt sich 2018 zum 85. Mal.

Das Fest beginnt regelmäßig am Donnerstagabend – in diesem Jahr somit am 28. Juni – auf dem Marktplatz mit einer Eröffnungszeremonie, auf der unter anderem auch der amtierende Kinderschützenkönig eine Rede hält.

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Der Maibaum steht am Erntefesttag immer noch auf dem Marktplatz.

Die Wustrower und ihre Gäste können sich anschließend bis Sonntag auf dem Festplatz beim „Fehlhaus“ vergnügen.

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Gleich mehrere Schießbuden sind darunter. Es gibt verschiedene Kinderkarussells, Imbissbuden und Biertheken, aber auch einen Biergarten beim Lokal „Fehlhaus“.
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Einblick in den Festplatz am Freitagabend.

Am Abend kann man entweder im Festzelt auf dem Festplatz oder im Gemeinschaftshaus in Wustrow tanzen. Aber an dem Fest sollen alle Bürgerinnen und Bürger teilnehmen, und so gibt es neben dem Fest für Kinder und dem Fest für „Alle“auch immer einen speziellen Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen.

Am Freitag- und Sonnabendmorgen zieht ein Spielmannszug durch die Stadt, um die Leute zu wecken. Am Freitagmorgen sogar schon um 7:00 Uhr! Damit sich die Leute pünktlich um 9:30 Uhr in den Gruppenlokalen einfinden können, denn um 12:00 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier mit einem Festakt im Gemeinschaftshaus.

Zum Erntefest ist die ganze Stadt festlich geschmückt. Wimpeln überspannen die Straßen, und Fahnen sind aufgesteckt. Vor den Häusern stehen in kleinen wassergefüllten Gefäßen junge Birkenzweige.
Hier ein paar Eindrücke:
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Eine junge Birke, geschmückt mit Bändchen in den Stadtfarben Wustrows: Gelb und Blau.

Am Freitagabend höre ich gegen halb elf Musik auf dem Festplatz mit seinen Buden und Karussells: der Spielmannszug mit einer jungen, den Stab schwenkenden Tambourmajorin voran zieht über den Platz. Schnell schließen sich viele Menschen an, und auch ich gehe neugierig mit. Wo soll’s hingehen?

Wir gelangen zum nahen Fußballplatz der Stadt. Erwartungsvoll schauen die Menschen zum gegenüberliegenden Rand des Platzes.

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Der Fußballplatz in Vollmondbeleuchtung. Vom gegenüberliegenden Rand wird gleich das Feuerwerk gezündet.

Wir haben Vollmond, und es ist nicht ganz dunkel, aber dunkel genug, um das Feuerwerk jetzt zu starten. Eine Rakete nach der anderen fliegt in die Höhe und explodiert in Tausend Funken und vielen Farben. Eine Drohne mit Kamera fliegt neben den Funken hin und her und soll alles aufnehmen. Nach einer Viertelstunde ist das Brillantfeuerwerk vorbei und der Spielmannszug geleitet uns wieder zum Festplatz an der Gaststätte „Fehlhaus“ zurück, wo sich die Menge verteilt und zum Biergarten, zum Bratwurststand oder zur Diskothek im Festzelt geht.

Am Sonnabend gegen 15:00 Uhr bin ich noch einmal in Wustrow. Mir begegnen viele einzelne Menschen, die alle eins gemeinsam haben: sie tragen festlich wirkende Kleidung. Die Frauen haben lange schwarze Röcke an, eine weiße Bluse und darüber eine schwarze Weste, und die Männer tragen schwarze Anzüge mit weißem Hemd und Krawatte. Allen gemeinsam ist eine rote Stoffrose am Revers. Ich frage eine der Damen, was der Sinn ist, und sie erklärt mir, dass alle auf dem Weg zum Marktplatz sind, von wo dann alle zusammen zur Weinfeierstunde im Gemeinschaftshaus gehen.

Ich treffe auch auf eine Gruppe Musiker, die ebenfalls auf dem Weg zum Marktplatz sind, um die Menschen ein wenig einzustimmen. Die Gruppe nennt sich „Die kleine Dorfmusik“ und ich darf ein Foto von ihnen machen:

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Die Wustrower Musikerkapelle „Die Kleine Dorfmusik“

Wenig später gehe ich dann am Marktplatz vorbei, und dort haben sich inzwischen sehr viele dieser stilvoll und festlich gekleideten Wustrower zusammengefunden:

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Am Sonntag beginnt dann das Kinderschützenfest, das von einem gesonderten Kinderschützenfestausschuss organisiert wird, schon um 8:00 Uhr. Der bisherige Kinderschützenkönig Felix und die bisherige Kinderschützenkönigin Celine werden zusammen mit dem Kinderkronprinzen Jacob und der Kinderkronprinzessin Alina abgeholt und zum Königsfrühstück gebracht.

Da es sich in diesem Jahr um gleich zwei wichtige Jubiläen des Erntefestes handelt, wurden auch alle bisherigen Kindermajestäten seit 1949 eingeladen (die inzwischen ja alle schon ein gewisses Alter erreicht hatten!). Ungefähr 70 der alten Kinderschützenkönige und –königinnen hatten zugesagt zu kommen. Sie dürfen im Festumzug mitfahren bzw. mitgehen.

Um 13:00 Uhr findet dann der große Festumzug mit vielen lustig und/oder festlich geschmückten Wagen und verkleideten Kindern und Erwachsenen statt, der durch die ganze Stadt zieht und viele Tausend Zuschauer an den Straßenrändern anzieht. Von einigen Wagen werden Bonbons und Lutscher in die Menge geworfen.

Dem Festumzug voran reiten drei junge Frauen mit der Standarte des Reit- und Fahrvereins Wustrow, gefolgt von einer Kindergruppe in Trachtenkleidung, die unterstützt durch einen Erwachsenen die aus Getreidehalmen geflochtene und mit Bändern in den Stadtfarben Wustrows – gelb und blau –  geschmückte Erntekrone hochhält.

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Der Erntekrone folgt der Wustrower Spielmannszug, der immer wieder mal anhält und ein Ständchen vorträgt.

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Celine und Felix: die noch amtierende Kinderschützenkönigin und der noch amtierende Schützenkönig werden in einem schicken Cabrio chauffiert.

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Das amtierende Kinderkronprinzenpaar Alina und Jacob.

Und hier kommen die phantasievoll geschmückten Festumzugswagen:

Thema „Im Märchenland“:

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Dem Märchenzug der Kleinsten mit ihren erwachsenen Begleitern folgt ein Wagen mit dem Ehrenvorsitzenden Herrn Kahrs und dem Ehrenvorstand Herrn Albrecht des Erntefestvereins sowie Herrn Fleischmann- alle Herren stilvoll mit Zylinder:

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Und lauter Buntes folgt:

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Die Knöterhörner Postkutsche von der Seite…

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Eine Kneipe – oder „Taverne“ – wie sie vielleicht im Mittelalter ausgesehen haben mag…

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Ein Wagen mit lauter Flaschen drin – wer den wohl gesponsert hat … ??

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Ein Kastenwagen.

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Die Hippies von Wustrow …

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… oder hieß das Motto „Hawaii“??

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Der Posaunenchor von Wustrow – ab und zu gibt er ein Ständchen.

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Trecker trifft Grazien.

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Wie in Rio – selbst die Temperaturen passten sich an!

Und ab hier machte der Akku meiner Kamera nicht mehr mit.

Um 15:00 Uhr am Sonntagnachmittag findet dann das Königsschießen der Kinder statt, auf dem die neuen Kindermajestäten ermittelt werden, deren Proklamation um 18:00 Uhr begangen wird. Die Kinder schießen mit Lichtpunktgewehren. Die Zieltreffer werden elektronisch erfasst und ausgewertet.

Aber auch die Erwachsenen und Jugendlichen ab 15 Jahren dürfen schießen, nämlich an einem Preisschießen auf dem Schießstand am Rand des Parcoursbereichs des Reitvereins teilnehmen. Die Erwachsenen schießen dann mit echten patronengefüllten Kleinkalibergewehren.

Hier geht’s zum Schießstand:

 

Der Schießstand wird von der Niedersächsischen Kameradschaftsvereinigung, Abteilung Kameradschaft Wustrow, ein eingetragener Verein, betrieben. Für das Kinderschützenfest und das Preisschießen für Erwachsene des Erntefestes in Wustrow stellt der Verein seine Schießstände zur Verfügung.

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Der Schießstand für Kinder. Geschossen wird mit Lichtpunktgewehren, deren Treffer elektronisch aufgezeichnet werden. Daher die Computerausstattung auf dem Tisch.

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Der Schießstand für die Erwachsenen und Jugendliche ab 15 Jahren.

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Die Erwachsenen und Jugendlichen schießen mit Kleinkalibergewehren.

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Ganzweit hinten erkennt man die beiden Zielscheiben. Der Abstand zwischen Schießstand und Ziel beträgt 50 Meter.

Der Verein hat eine Erwachsenengruppe, aber auch eine – wie die Geschäftsführerin ausdrückt – leider recht kleine Kindergruppe. Die Geschäftsführerin des Vereins betont, dass die Kinder im Verein einen verantwortungsvollen Umgang mit der Waffe lernen würden.

„Unsere Kinder spielen nicht diese Killerspiele im Internet, wo mit einem Mausklick ein Mensch virtuell getötet wird“, sagt die Dame in überzeugendem Tonfall. Vielmehr seien die Kinder durch die Schießübungen in Konzentrationsfähigkeit geübt, da das Zielen Präzision und Konzentration verlangen würde, und würden in Verantwortungsbewusstsein gegenüber einem Menschenleben geschult sein.

Im Vereinsheim hängen Erinnerungsstücke an frühere Zeiten, als der Verein noch Mitglied in einem anderen Dachverband war:

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Wie das Preisschießen ausgegangen ist, kann man am 7. Juli erfahren.

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Und wie die neuen Kindermajestäten heißen, kann ich euch jetzt auch sagen: Till Colin, der Zwillingsbruder des vorherigen Kinderschützenkönigs Felix, ist neuer Kinderschützenkönig, und Alina, die vorherige Kinderkronprinzessin, ist nun neue Kinderschützenkönigin.

Zum Schluss noch ein Bild vom „Fehl und Erntefesttor“ in Fachwerkbauweise, das den Eingang zum Festgelände bildet. Auf dem Gelände findet auch regelmäßig eine Gewerbeschau statt.

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In Wustrow scheint mir ein reges Vereinsleben zu bestehen: es gibt einen Reit- und Fahrverein, einen Fußballverein, einen Schützenverein, einen Posaunenchor, eine Musikgruppe, einen Spielmannszug, ein Erntefestverein und wahrscheinlich noch viele weitere Vereine.

In Wustrow gibt es auch Neubaugebiete, Grundstückspreise ab 18.– € pro Quadratmeter.

 

 

Flohmarkt in Gartow

Gartow, 22. April 2018.
Bei schönster Hochwetterlage und Temperaturen um die 30 Grad waren gestern wohl Tausende Besucher und Hunderte Verkäufer zum ersten Open-Air-Flohmarkt dieses Jahres in Gartow gekommen. Der frisch gemähte Platz am See war rappelvoll, der Veranstalter hatte sogar einen bisher nicht üblichen Abzweiger vom Hauptweg für Verkaufsstände geöffnet.

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Der Flohmarkt in Gartow ist einer der größten in Nordostdeutschland und für sich alleine schon mal einen Ausflug ins Wendland wert, vor allem, wenn man auch noch hinterher oder auch sozusagen parallel zum Flohmarktbesuch im See baden oder ein Boot mieten möchte. Kulinarisch wird man auf vielfältige Weise versorgt: es gibt Pizza, belegte Brötchen, Kuchen, Kartoffeln mit Dip, Bratwurst, Waffeln, Eis und alle möglichen Getränke. Man kann sich auf die Bänke neben den Imbisswagen – oder neuerdings sagt man ja „Food Trucks“ – setzen oder auch einen Abstecher in nahe gelegene Restaurants oder Cafés machen und dabei über den See schauen.

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Vor zwanzig Jahren ungefähr war ich das erste Mal – als Besucherin – auf dem Flohmarkt in Gartow. Damals war er noch vergleichsweise klein und recht übersichtlich. Aber seitdem ist er stetig gewachsen, was an der Organisation liegt, aber vor allem auch an der Location: eben am großen Gartower See. Wenn man Zeit hat, kann man sich auch gleich noch das nette Städtchen Gartow mit ansehen.

Ich bin ziemlich spät gekommen – erst kurz vor acht – und deshalb liegt mein Stand nicht so ganz an der Haupteinkaufsstraße. Aber auch hier schauen die Leute vorbei und ich kann doch so einiges loswerden. Zum Beispiel ein altes Nokia-Handy. Ein Mann schaut es sich interessiert an und bemerkt, dass darin wertvolle Inhaltsstoffe wie Gold und Cobalt seien. Ich biete es ihm für einen Euro, und er nimmt es mit. Viel Spaß bei der Goldsuche. Weiterlesen

Raus mit der Lebenslust! The Stonez: Coverband aus Wien im Stones-Fan-Museum

(Siehe auch Folgeartikel über ein Interview mit der Band The Stonez)
Lüchow.
Ostersonnabend, 19:45 Uhr, Rolling-Stones-Fan-Museum, Lüchow.

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Die Bühne des Stones-Fan-Museums vor dem Auftritt. Ganz hinten an der Wand ein Foto der jungen Original-Rolling Stones aus der „BRAVO“. Der Weihnachtsbaum steht immer da.

Das Museum füllt sich, überall stehen oder sitzen Leute herum, bestellen sich am Tresen ein Bier oder ein Wasser. Viele tragen Fankleidung in irgendeiner Form, zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Tourneeplan der Stones, oder einen Jackenaufnäher oder eine Krawatte mit dem Zungenmotiv oder wenigstens eine Kappe mit dem Schriftzug „Stones“. Sie sind eigentlich Fans der Original-Stones, kommen aber gerne zum Auftritt der Coverband, von der sind jetzt auch viele Fans geworden – und noch mehr werden es nach dem Auftritt sein.

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Ein Foto der Stones zu ihren goldenen Zeiten an einer Wand des Stones-Fan-Museums.

Hans Irker, der Frontmann und Leadsänger der Stonez aus Wien, steht an einem Tisch mit zwei Ultra-Stones-Fans links und rechts und lässt sich fotografieren. Die Fans aus Rostock sind Teil der deutschen Stonesfan-Gruppe bei Facebook, in der auch Hans Mitglied ist.

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Hans Irker (Mitte), der Leadsänger der Coverband The Stonez aus Wien, noch in Zivilkleidung, vor dem Auftritt, in angeregtem Gespräch mit Fans aus Rostock.

Ich komme mit einem Fan aus Schwerin, behängt mit einem Schal mit lauter rausgestreckten Stones-Zungen, ins Gespräch. Er ist deswegen auf das Konzert aufmerksam geworden, weil Hans Irker, der Leadsänger der Band, über die Facebook-Gruppe eine Freundschaftsanfrage an ihn gestellt hat. Man kennt sich eben in der Szene und tauscht sich aus. Vernetzung ist wichtig.

Ulli Schröder betritt die Bühne und heißt die Zuschauer willkommen. Er begrüßt gesondert Gäste, die aus dem benachbarten Ausland gekommen sind, nämlich aus Holland und aus Österreich.

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Ulli Schröder, Gründer und Chef des Stones-Fan-Museums, in seiner „Markenkleidung“ begrüßt das Publikum.

Anschließend erläutert er Neuigkeiten im Zusammenhang mit seinem Museum. Unter anderem wird das Museum am Mittwoch, den 4. Juli eine Busfahrt nach Prag zum dortigen Rolling-Stones-Konzert anbieten. Der Gesamtpreis incl. Fahrt beträgt 199.– €. Es gibt allerdings nur für 55 Personen Plätze und Karten, und die meisten sind schon vergeben. Dann verweist Ulli auf die neuen von Ralf Schade geschnitzten Eichentafeln mit Stones-Motiven an der Außenfassade. Inzwischen hat die Frieslänge 34 Meter erreicht. Außerdem hat der ehemalige HSV- und Nationalspieler Charly Dörfel, der in diesem Jahr 78 Jahre alt wird, seine gesamte Musiksammlung – Vinyl-Singles und –LPs sowie CDs – dem Museum gespendet. Darunter sind allein 3.300 LPs, sodass die gesamte LP-Sammlung des Museums inzwischen mehr als 20.000 LPs umfasst. Am 18.4. wird überdies eine besondere Veranstaltung der IHK Lüneburg/Wolfsburg im Museum stattfinden, bei der es um die Schaffung einer Marke für das Dorf Wacken geht: „Wacken – ein Dorf wird eine Marke“. Wacken, das Dorf, in dem das Heavy-Metal-Festival immer stattfindet. An dieser Veranstaltung kann jeder Interessierte teilnehmen, bitte vorher anmelden.

Ulli bedankt sich zudem ausdrücklich bei dem Freundeskreis des Museums, dessen jährliche Spende von 50.– € pro Person unter anderem die Weiterentwicklung des Außenfrieses und den Austausch der Beleuchtung in LEDs ermöglicht hat.

Dann geht es pünktlich um 20:30 Uhr mit dem Konzert der Stonez los. Die fünf Instrumentalmusiker Mihael Gluhak, Nick Atanassov, Mike Linder, Christoph Nöbauer und Martin Kohlmann betreten die Bühne und fangen an zu spielen.

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Erwartungsvoll schauen die beiden Fans links in Richtung der eintreffenden Musiker: Nick Atanassov (ganz rechts) und links daneben Mihael Gluhak, beide Gitarre.

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Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, geht Richtung Bühne, noch etwas Anspannung im Gesicht.

Dann springt unter großem Beifall des Publikums der Star der Band auf die Bühne und ergreift das Mikrofon: Hans Irker, der dem Original-Stones-Sänger Mick Jagger so ähnlich sieht, er könnte glatt ein jüngerer Bruder sein.

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Hans Irker, Leadsänger und Frontmann der Stonez, in Mick-Pose.

Sofort stellt sich heraus, dass er nicht nur visuelle Ähnlichkeiten mit seinem Vorbild hat: vielmehr hat er die gleiche Stimmlage, wenn nicht sogar die gleiche Stimme. Ja, er hört sich tatsächlich wie Mick Jagger an. Und da er auf Englisch singt und auch die Ansprachen ans Publikum auf Englisch macht, hört man auch nicht mehr den charmanten wienerischen Akzent heraus, den ich beim Interview mit ihm am Nachmittag wahrgenommen hatte.

Unterstützt wird der Leadsänger beim Gesang häufig durch die Bandkollegen Mihael Gluhak und Christoph Nöbauer. Dadurch gewinnt der Gesang eine starke, die Instrumentalbegleitung durchdringende Kraft.

Einer der ersten Songs ist „Let’s spend the Night together“, einer der frühen Erfolge der Originale, und zumindest den Refrain kennen nun wirklich alle im Raum, lassen sich mitreißen und singen begeistert mit. Spätestens bei „The last Time“ hält es nun auch die Ruhigeren nicht mehr, und nun drängt sich die Menge vor der Bühne, singt und tanzt ausgelassen.

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Das Publikum hat sich vor der Bühne gesammelt und singt und rockt mit.

Vortänzer – wie bei der Originalband – ist der Frontmann. Er hüpft und springt, macht Ausfallschritte, schüttelt seine Haare wild und kommuniziert gestisch und mimisch mit seinen Bandkollegen und dem Publikum.

Das Alter des Publikums? Bunt gemischt, es ist alles dabei, von 18 bis 80. Viele weiße Haare sieht man, und bei so manchen spannt sich das rockige T-Shirt mit der wilden Zunge über einen teuer angesammelten Bierbauch.

Die Rolling Stones sind inzwischen 55 Jahre auf der Bühne, Mick Jagger ist 75 Jahre alt und Charlie Watts noch älter. Eine ganze Menschengeneration wurde von der Musikrichtung der Stones geprägt. Die über 400 Stones-Stücke haben wichtige historische Ereignisse begleitet: den Vietnamkrieg, die Hippie-Zeit, die Anti-Atomkraft-Demonstrationen, den Mauerfall … In bedeutenden Filmwerken, die die historischen Ereignisse aufgegriffen haben, wurden Songs der Stones als Begleitmusik ausgewählt, zum Beispiel in Kubricks „Full Metal Jack“, der die Grauen des Vietnamkriegs aufzeigt. Weil die Musik damals die Begleitmusik der Menschen zu der Zeit und in den Situationen war.

Manche im Publikum sehen ganz bieder aus, aber bei dieser Musik und bei dieser Gelegenheit inmitten von Gleichgesinnten lassen sie alle Hemmungen fallen, recken die Hände hoch, lassen das Becken kreisen und grölen lauthals die Erinnerungen an ihre Jugend heraus. Ihre Gesichter sehen glücklich und gelöst aus. Die Stimmung ist toll. Lebensfreude liegt in der Raumluft, die sich mit leicht wabernden Rauchwolken von der Bühnentechnik her vermischt.

Die Technik wie die Ton- und Lichtanlage wird von Mitarbeitern der Firma Pinder aus Leipzig bedient, und sie machen gute Arbeit. Alles gut ausgesteuert, keine Verzerrungen, und bei jedem Song wechselt die Lichtfarbe, mal rot, mal pink oder blau oder bunt, und/oder der Lichtrhythmus. Bei „Angie“ zum Beispiel, einem ruhigen und elegischen Song, ist die Beleuchtung ganz in Pink. Die Arbeit der Techniker muss wirklich einmal gelobt werden. Danke an euch!

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Die beiden Techniker von der Firma Pinder aus Leipzig: rechts der Tontechniker, links der Beleuchter.

Um 21:38 Uhr ist zunächst einmal Pause. Ich setze mich vorne in Bühnennähe auf einen der Cocktailsessel aus den Fünfziger Jahren neben eine Frau, die zusammen mit ihrem Bruder aus Wuppertal gekommen ist. Sie heißt Astrid und ihr Bruder Wilfried.

Schnell kommen wir ins Gespräch. Astrid und Wilfried kommen schon seit 2014 einmal pro Jahr ins Stones-Fan-Museum in Lüchow, weil sie Ulli und seine Frau so sehr mögen, sagt Astrid. Wilfried ist 64 Jahre alt und seine Schwester einige Jahre jünger. Wilfried war schon bei vielen Konzerten der Stones live dabei, aber Astrid war letztes Jahr das erste Mal mit, auf dem Konzert in Düsseldorf. 565.–€ haben sie und ihr Bruder jeweils für eine Eintrittskarte bezahlt. Dieses Jahr will sie nach Berlin mit, da kostet die Karte nur knapp 400.– €.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfahre ich von Astrid, dass sie und ihr Bruder Mitglied einer Facebook-Gruppe namens „Stonesland“ sind, in der sich deutsche Rolling-Stones-Fans sammeln, wie ja auch schon oben erwähnt. 797 Mitglieder hatte die Gruppe bis gestern. In der offenen Gruppe tauschen sich die Mitglieder über Konzerte, Kartenkauf und alles Interessante rund um die Rolling Stones aus. Viele der Facebook-Gruppe sind auch beim Konzert der Coverband dabei.

So auch Jan, der sich bald auf den Sessel neben mir setzt, weil es Astrid nicht mehr hält und sie unbedingt in der Menge vor der Bühne mittanzen möchte. Jan ist auch so schätzungsweise Mitte 60. Er hat seine etwa gleichaltrige Frau dabei, die flott gekleidet ist, mit schwarzer Lederjacke und schwarzen Stiefeln über der Hose. Sie tanzt ganz ausgelassen nach den Songs und schaut ab und zu bei uns vorbei.

Jan sagt mir, dass seine Frau früher „Angie“ genannt wurde, nach einem der Stones-Songs.

Jan und seine Frau kommen aus Leipzig und sie waren letztes Jahr beim Albert-Hammond-Konzert im Museum. Das Konzert hat ihnen gefallen, aber danach wussten sie nichts mehr mit dem Wendland anzufangen und fanden es hier langweilig. Auch gestern, so Jan, hätten sie nach der Ankunft in Lüchow weiter nichts hier anzufangen gewusst, und dann sei das Wetter ja auch noch so schlecht geworden. Ich sage ihm, dass wir für das Wetter nichts können, und er lacht.

Aber das wäre mal eine Denkaufgabe für an Tourismus interessierten Leuten:

Was könnte man als Anschlusserlebnis hier im Wendland anbieten für Menschen, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Lüchow ins Stones-Fan-Museum kommen, weil sie sich eben so für die Stones und/oder Rockkultur allgemein interessieren? Ohne dass sie sofort in ein tiefes Loch fallen? Was könnte diese Lücke zwischen dem Erlebnisort Stones-Fan-Museum und dem Umfeld auffüllen? Soll man diese Menschen, die lebensfroh sind, wilde Musik mögen und unkonventionell sind, jetzt nach dem Besuch im Stones-Fan-Museum und/oder einem Rockkonzert darin sich selbst überlassen, oder kann man ihnen noch etwas für sie Interessantes anbieten?

Inzwischen blüht Wilfried immer mehr auf und erinnert sich bei jedem Song an seine Jugend. Er hat zu Hause DVDs über die Stones und viele Bücher, auch mit allen Songtexten. Er ist ein Experte.

Nach Ende der Pause fängt die Band das zerstreute Publikum wieder mit einem treibenden Sound ein, und schnell sammeln sie sich wieder vor der Bühne.

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Die Band bei der Arbeit: links im Bild sieht man Mike Linder, der die Drums bedient.

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Hier greift Nick Atanassov in die Saiten.

Das zweite Lied nach der Pause ist „Angie“ und Wilfried ruft uns zu, das wäre aus dem Jahr 1973, da sei er bei der Bundeswehr an der holländischen Grenze gewesen und da, als dieses Lied herauskam und ein Hit wurde, „da habe ich am meisten gekifft“. Inbrünstig singt Wilfried den Text von „Angie“ mit, wie übrigens auch viele andere im Publikum die Songtexte teilweise in Gänze, aber wenigstens den Refrain mitsingen oder vielmehr – wegen der Lautstärke muss man das so sagen: – mitgrölen. Ist ja nicht schlimm, Hauptsache, man spürt die Stimmbänder noch.

Das dritte Lied nach der Pause ist „Ruby Tuesday“. „1967!“ ruft Wilfried mir zu. „Angie“, die Frau von Jan, kommt zu uns, nimmt mich und Wilfried in den Armhaken – Jan ist aufgestanden – und bald schunkeln wir zu dritt zu der Melodie. Jetzt singe auch ich mit, denn den Text kann ich auch noch.

 

 

 

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Der nächste Song. „Under my thumb“ ruft – oder vielmehr: schreit – Wilfried mir zu. Danach kommt „Miss you“, von 1978, laut Wilfried. Ein treibender Sound, meine Nachbarin hält es nicht mehr, sie springt auf und muss einfach wild tanzen. Auch Hans Ilker springt nun von der Bühne ins Publikum hinein und singt und tanzt inmitten in der Menge. In der Pause haben einige der Musiker ihr Outfit gewechselt und Hans zeigt nun seine Oberarmmuskeln in einem Leopardenfellmusteroberteil.

Nach dem Song „Miss you“ stellt Hans Irker seine Bandkollegen einzeln vor, und Mihael Gluhak stellt Hans vor mit: „Mr. Mick Jagger: Hans Irker!“ Das Publikum klatscht frenetisch.

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Hier hängt sich Dr. Martin Kohlmann in seine Gitarre rein. Die „Keith“-Gitarre…

Nun folgen noch die bekanntesten Stones-Songs wie „Gimme shelter“ von 1969 (laut Wilfried) oder „Jumpin‘ Jack Flash“ und „Sympathy for the Devil“, mein persönlicher Lieblingssong der Stones.

Das Publikum lässt die Band nach zweieinhalb Stunden Spielzeit nicht einfach gehen. Nein: Zugabe! Die Jungs auf der Bühne haben noch Lust, man merkt ihnen die Spielfreude an. Ihre Gesichter strahlen. Sie sind ebenso begeistert vom Publikum wie das Publikum von ihnen.

Inzwischen habe ich Wilfried verlassen und stehe nun auch in der Menge direkt vor der Bühne und singe und rocke mit im Rhythmus der Masse. Beim ausgiebig lang gespielten Song „You can’t always get what you want“ übernimmt zeitweise die Menge ganz das Singen des Refrains, denn den kennt nun wirklich jeder, und Hans Irker hält einfach das Mikrofon in die Menge.

Es ist schon klar, dass das der letzte Song sein wird, denn das Publikum möchte wohl gern noch mehr, aber irgendwann ist auch die Band erschöpft. Man kann nicht alles haben, was man gern möchte, und so gehen die Scheinwerfer der Lichtanlage gegen 23:45 Uhr endgültig aus.

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Das Gesicht von Martin Kohlmann nach dem Ende des Auftritts zeigt es: glücklich zu sein über den überaus gelungenen Auftritt im Stones-Fan-Museum, dem ersten Auftritt der furiosen Stones-Coverband aus Wien/Österreich in Deutschland, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Und ein bisschen Stolz – berechtigt – kann man auch im Gesichtszug erkennen, oder?

Die Frau links von mir, eine zierliche mit einer Stones-Cap auf den blonden Haaren und schwarzer Lederjacke, die die ganzen mehr als drei Stunden direkt vor der Bühne wild mitgerockt hat, direkt neben der Freundin von Hans, die die ganze Show mit ihrem Handy mitfilmt, wendet sich ganz unvermittelt mir zu und strahlt mir gelöst ins Gesicht. „Das war toll, nicht?“ Ich stimme ihr zu und frage, woher sie kommt: aus Düsseldorf.

Ulli Schröder kommt auf die Bühne und bedankt sich bei der Band für den grandiosen Auftritt und wünscht eine gute Heimfahrt nach Wien, die aber erst am nächsten Tag stattfinden wird.

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Ulli Schröder bedankt sich bei den Gästen für ihr Interesse und ihr Kommen und bei der Band für ihren tollen Gig.

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Und zum Schluss verneigen sich noch einmal alle brav – wie im Theater. Frohe und glückliche Gesichter.

Eine tolle Band, vielen Dank für den schönen Abend!

Die Band kann kontaktiert werden über Mihael Gluhak, *43(0)699 11066185, mail: band@stonez.at.