Suture Soven – Musicfestival mit experimenteller Musik und Jazz in Soven

Soven, 11. August 2018.
Vergangenen Sonntag bin ich durch Soven gefahren, um einmal zu schauen, wo das Musicfestival „suturesoven“ stattfindet.

Ich traf Nadja Höhfeld, auf dessen Hof das Festival vom 17. bis 19. August ausgerichtet wird. Sie zeigte mir die Auftrittsorte.

Ein Teil der Darbietungen, bei denen Jazz, experimentelle Musik und Gesang vorgetragen wird, wird hier in diesem ehemaligen Stall stattfinden:

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Hier steht Nadja vor der Bühne, die in einer Scheune auf Strohballen aufgebaut wurde:

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Die Strohballenbühne von der Seite:

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In einer ehemaligen Scheune ist die Bar aufgebaut:

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Unter diesem großen alten Walnussbaum kann man bei schönem Wetter sitzen:

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So sieht Nadjas Haus von hinten aus:

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Und so von vorne (damit ihr es auch findet):

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Nadjas Haus ist das letzte links an der Durchgangsstraße durch Soven oder – wenn man aus Richtung Dannenberg kommt – das erste rechts.

Hier könnt ihr Einblick in die Ticketpreise nehmen. Das Festival dauert drei Tage. Man kann ein Gesamtticket für alle Veranstaltungen kaufen oder Tagestickets.

Nadja sucht übrigens noch Unterstützer*innen bzw. Helfer*innen für das Festival: wer kann zum Beispiel die Künstler*innen von den Bahnhöfen in Salzwedel oder Lüneburg abholen und sich ein bisschen um sie kümmern?
Kontakt:
contact@suturesoven.com

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit Herzblut in der Tierhilfe: Tina Heine kümmert sich ehrenamtlich um Tiere

Metzingen, Ende Juli 2018.
(alle Fotos: Tina Heine)

Viel zu tun
Ich sitze im Aufenthaltsraum der Tierhilfe Wendland in Metzingen an der Bundesstraße mit Tina Heine zusammen und möchte gern möglichst viel über den Verein und seine tägliche Arbeit wissen.

Tinas Handy meldet sich.

Eine Anruferin erkundigt sich nach der Taube, die sie letzte Woche zur Tierhilfe gebracht hat. Die Frau hat beobachtet, wie eine junge Taube aus ihrem Nest fiel und sofort von einem anderen Vogel angepickt wurde. Sie verscheuchte den Vogel, nahm sich des verletzten Tieres an und übergab die Taube in die Hände von Heidi Konopatsch, der Vorsitzenden des Vereins Tierhilfe e.V..

Heidi Konopatsch wiederum setzte sich umgehend ins Auto, um das Tier zu einer speziellen Vogelpflegerin zu bringen. „Leider hat die Taube nicht überlebt“, höre ich Tina Heine am Handy sagen, „sie war schon sehr geschwächt und überdies wetterbedingt dehydriert.“- Die Anruferin ist traurig, und Tina Heine auch, das merke ich ihr an.

Tina Heine berichtet dann noch von einem ähnlichen, aber positiv ausgegangenen Fall: jemand hatte ein verletztes Baby-Eichhörnchen aufgefunden und zur Tierhilfe gebracht. Von dort wurde es zu einer Frau gebracht, die das Eichhörnchen bis heute weiter aufzieht. Der Verein Tierhilfe hat also ein Netzwerk zu verschiedenen Menschen aufgebaut, die sich mit ihren Fachkenntnissen um spezielle Tierarten kümmern. Aufgefundene Igel kommen zum Beispiel ins Igelhaus nach Hannover. „Wir kümmern uns um jedes Tier“, betont Tina Heine, „wir schauen nicht weg. Jedes Tier kommt in Fachhände.“

Wir reden weiter.

Tina Heine erläutert, warum sie in der Tierhilfe arbeitet – ehrenamtlich arbeitet. „Ich verstehe das als mein Hobby“, sagt sie, „ich habe selbst zu Hause einen Hund, zwei Katzen, zwei Pferde und seit Kurzem auch zwei afrikanische Weißbauch-Igel.“ Sie ist also sehr tierlieb.

Als der 2004 gegründete Verein noch in Breustian (bis 2014) ansässig war, suchte er über eine Anzeige Verstärkung zur Versorgung der Tiere. Tina Heine meldete sich daraufhin und ist nunmehr seit zehn Jahren an jedem Wochenende – Sonnabend und Sonntag – sowie an zwei Nachmittagen in der Woche für kranke, verletzte, ausgesetzte und aufgefundene Tiere da. Dafür musste sie eine Sachkundigen-Prüfung nach § 11 des Tierschutzgesetzes ablegen. Denn um eine Betriebserlaubnis zu erhalten, muss ein Tierschutzverein mindestens eine(n) Sachkundige(n) mit standortgebundenem „§-11-Schein“ nachweisen. So erklärt Tina Heine mir das.

Dabei ist sie erst 32 Jahre alt und arbeitet auch noch Vollzeit in Lüchow.

Da muss also schon viel Herzblut für Tiere in ihr sein. Arbeit, mehrere Tiere zu Hause, eine Sachkundigen-Prüfung bestehen, jedes Wochenende opfern und zwei Nachmittage noch dazu, und das seit zehn Jahren – alle Achtung!

Mir fallen in diesem Zusammenhang die vielen jungen Leute ein, die zu viel Langeweile haben und daraus resultierend auf lauter dumme Gedanken kommen.

Schon wieder klingelt das Handy. Ein längeres Gespräch über ein offenbar misshandeltes Tier folgt.

Wir wollen weiterreden, aber es läutet an der Tür.

Tina Heine muss aufstehen und lässt den angekündigten Monteur ein. Irgendwas an der Wasserleitung im Futterraum ist defekt. Der Monteur erledigt die Arbeit ehrenamtlich, das heißt, er stellt seine Arbeit dem Verein nicht in Rechnung. Nur das Ersatzteil im Wert von einigen Euro muss bezahlt werden.

Der Monteur ist wieder weg.

Tiergeschichten

Nun erzählt Tina Heine einige weitere Geschichten von den Tieren, und sie kann viele Geschichten erzählen. Jedes einzelne Tier im Heim hat eine Geschichte.

„Schnorchel“ zum Beispiel ist ein Kater, der lahmend und vermutlich mit einem gebrochenen Vorderbein aufgefunden und zur Tierhilfe gebracht wurde. „Schnorchel“ wurde in einer Tierklinik geröngt, wobei man eben das gebrochene Bein feststellte. Eine Operation ist in einem solchen Fall sehr teuer. Sind die Besitzer nicht bereit, das Geld zu bezahlen oder sind sie finanziell nicht dazu in der Lage, müsste ein solches armes Tier eingeschläfert werden.

Der Verein Tierhilfe aber startete für „Schnorchel“ einen Spendenaufruf in einer örtlichen Zeitung und über die eigene Facebook-Seite. Daraufhin kamen so viele Spenden zusammen, dass die Operationskosten für Schnorchel in Höhe von mehr als 1.000.–€ beglichen werden konnten.

Inzwischen erholt sich „Schnorchel“ weiter von der Operation und lebt noch im Tierheim, ist aber schon weitervermittelt worden.

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Der Kater „Schnorchel“ hatte ein gebrochenes rechtes Vorderbein, das durch Spendenfinanzierung operiert werden konnte. Damit er nicht an sein Bein kommt, trägt Schnorchel im Moment noch einen „Kragen“. Der behindert ihn ertwas beim Fressen, aber es geht.

Eine andere Geschichte ist die von Kater „Jens“: sein Vorderbein konnte nicht mehr operiert werden und wurde amputiert. Mittlerweile lebt Jens bei einer Familie, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist.

Nicht allen Tieren kann geholfen werden. Manchmal ist es für das leidende Tier besser, von seinen Schmerzen und Qualen erlöst zu werden. Dann wird es eingeschläfert.

Ein eingeschläfertes Tier wird dann behutsam in einen speziellen Raum gelegt. Es wird zugedeckt und eine Kerze daneben angezündet. „Die Seele hat dann Zeit zum Fliegen.“ sagt Tina Heine.

Nach einer angemessenen Zeit wird das Tier dann eingefroren. Einmal im Jahr fährt Heidi Konopatsch, die Vereinsvorsitzende, in die Nähe von Osnabrück und nimmt alle eingefrorenen Tiere mit. Dort befindet sich ein Kleintierkrematorium namens „Rosengarten“. Die Tiere werden kremiert und ihre Asche wird anschließend pietätvoll über den Rosengarten ausgestreut.

Der Verein Tierhilfe e.V.

Der Verein Tierhilfe e.V. wurde am 1. Dezember 2004 gegründet und war bis 2014 in Breustian, einem kleinen Dorf, ansässig. 2014 zog der Verein nach Metzingen um und hat dort ein Anwesen direkt an der durch Metzingen durchführenden Bundesstraße. Die Lage schien günstiger, da der Verein so direkt an einer Bundesstraße leichter erreicht werden könnte und auch häufiger durchfahrende Autofahrer auf den Verein aufmerksam werden, aber vielen aus dem Wendland ist der Weg jetzt zu weit geworden. Metzingen liegt ja mehr am Rand des Wendlands.

Der Verein hat einen Vertrag mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg und mit dem Veterinäramt. Alle aufgefundenen Tiere im Landkreis werden vom Verein aufgenommen, gechipt, tätowiert und geimpft. Katzen werden auch kastriert.

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Hier sieht man eine vom Tierarzt kastrierte Katze. Dafür wurde eine Öffnung an der Körperseite vorgenommen. Man kann die rasierte Stelle hier gut sehen.

Auch sogenannte „Wegnahmetiere“ nimmt der Verein auf; das sind Tiere, die ihren Besitzern nach Prüfung des Veterinäramts entzogen werden, weil sie zum Beispiel nicht artgerecht gehalten werden oder gar misshandelt werden. Für die Dienstleistung des Vereins erhält er vom Landkreis etwas finanzielle Unterstützung.

Der Verein selbst darf nur Katzen, Hasen, Kaninchen, Meerschweinchen und ähnliche Kleintiere halten. Hunde gehören nicht dazu, da sich das Anwesen des Vereins inmitten eines Wohngebiets befindet. Hunde werden daher an einen Verein in Lüneburg weitergegeben.

Gleichwohl laufen gleich vier Hunde bei meinem Besuch um mich herum. Dabei handelt es sich aber um Privathunde: Der zweijährige „Jonas“ mit hellem, kurzem Fell gehört zu Tina Heine. Welche Rasse es ist? Tina Heine lacht: „Die Rasse heißt ‚kretanischer Dorfhund‘!“. In Griechenland laufen viele herrenlose Straßenhunde herum, die es dort nicht gut haben. Eine Freundin hat „Jonas“ von einem Griechenlandurlaub für Tina mitgebracht.

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Tina Heine mit ihrem Hund Jonas. Er ist zwei Jahre alt.

Drei weitere Hunde gehören zur Vereinsvorsitzenden Heidi Konopatsch, die sie zum Feierabend wieder mit zu sich nach Hause nimmt.

Siebzig Katzen und dreißig Kaninchen leben zurzeit im Tierheim des Vereins. Es ist Sommerzeit, und das bedeutet regelmäßig ein Mehraufkommen an „Fundtieren“; überdies werden gerade im Sommer viele Jungtiere geboren.

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Blick in eine der Katzen-Volieren. Mehrere Katzen leben hier zusammen. Im Winter wird eine Infrarot-Heizung hineingestellt.

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Hier leben die Kaninchen.

Ich habe einmal – in einer anderen Stadt – in einem Wald einen Käfig für ein Kleintier mit geöffneter Klappe vorgefunden. Da hatte offenbar jemand das Tier mitsamt Käfig in den Wald gestellt, die Klappe geöffnet, damit das Tier „in die Freiheit kommen“ könne, und dann gedacht, das Tier findet sich dort schon zurecht …

Ungefähr die Hälfte der Katzen in den Räumlichkeiten der Tierhilfe lässt sich nicht anfassen – sie sind entweder wild geboren und aufgewachsen oder haben schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht.

Als wir später die übereinander stehenden Käfige mit kranken oder ganz jungen Katzen aufsuchen, zeigt Tina Heine mir einen Kopfkissenbezug. „Wir stecken dann eins der wilden Kätzchen hinein, damit sie die Orientierung verlieren, und dann streicheln wir sie durch den Bezug, damit sie uns nicht kratzen und beißen können“, erläutert Tina, „so bekommen wir die Kätzchen allmählich zahm!“.

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Diese vier Kätzchen im Babyalter wurden mitsamt ihrer Mutter wild lebend an einem Kreisverkehr nahe Lüchow aufgegriffen. Sie fauchten wild und ließen sich nicht anfassen.

Etwas mehr als eine Woche später schickt Tina mir dieses Bild: durch die Streichelmaßnahmen im Bettbezug sind die Kätzchen nun zahm und lassen sich anfassen, beißen nicht mehr:

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Die Vermittlung von Tieren

Das Ziel ist für alle Tiere, sie an tierliebe – und verantwortungsvolle – Personen zu vermitteln. Dabei können die Tiere nicht einfach so mitgenommen werden. Vielmehr werden interessierte Menschen nach einer Terminvereinbarung erst einmal von Tina oder der Vereinsvorsitzenden Heidi Konopatsch in die fünf Volieren und sonstigen Aufenthaltsräume der Tiere – wie das Katzenhaus und das Kaninchenhaus – geführt und geschaut, welches Tier zu den Menschen passt. Gefällt das Tier auch den Menschen, wird das Tier von den Mitarbeiter*innen des Vereins zu den Menschen nach Hause gebracht, dort geschaut, wie die Verhältnisse sind, und ein Gespräch mit den neuen Tierhaltern geführt.

Interessierte können das Tierheim jeden Tag von Montag bis Sonntag in der Zeit von 10:00 bis 14:00 Uhr besuchen. Wenn es sich um einen Notfall etwa bei einem aufgefundenen Tier handelt, sollte man nicht einfach mit dem Tier vorfahren, sondern sich telefonisch (05862-98 72 191 oder 0160-922 42 694 ) ankündigen, damit sich die Mitarbeiter*innen entsprechend vorbereiten können.

Die Kosten

Alle zwei Wochen kommt der Bestandstierarzt in die Tierhilfe und nimmt Operationen, Behandlungen und Kastrationen vor. Dafür gibt es einen gesonderten Behandlungs- und Operationsraum im Gebäude.

Die Futterkosten belaufen sich für so viele Tiere auf zwischen 500 und 1.000 Euro pro Monat. Hinzu kommen Streu und Tierarztkosten, außerdem muss das Gebäude des Vereins, das erst 2014 bezogen wurde, noch abbezahlt werden.

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Blick in den Futterraum. Für die Kaninchen muss zurzeit viel Gemüse wie Mohrrüben, Chinakohl, Gurken usw. gekauft werden, weil wegen der Trockenheit in der Natur so gut wie kein Löwenzahn gefunden werden kann.

Überdies fallen ja noch die üblichen Betriebskosten für Strom, Heizung, Wasser und Benzingeld an.

Außerdem werden drei Mitarbeiter*innen im Rahmen von Mini-Job-Verträgen beschäftigt. Die drei Mitarbeiter*innen haben die Aufgabe, täglich die Futternäpfe zu reinigen, die Katzenklos zu säubern, die Volieren und sonstigen Aufenthaltsräume der Tiere zu staubsaugen und die Tiere zu füttern. Jede Voliere hat dabei einen eigenen Staubsauger, damit keine Krankheitskeime von einem Raum zum anderen übertragen werden. Es gelten überhaupt strengste Sauberkeitsregeln.

„Es ist soviel Arbeit da“, sagt Tina Heine, „dass auch die drei Mini-Jobber einen Teil ihrer Arbeitszeit ehrenamtlich erledigen, denn sie bleiben über ihre eigentlich festgelegte Arbeitszeit weiter da, solange, bis alle Arbeit getan ist.“

Spenden und ehrenamtliche Unterstützung dringend benötigt

Woher kommt das Geld? Das Entgelt für die Dienstleistung vom Landkreis und die Beiträge der Vereinsmitglieder reichen bei Weitem nicht aus, um alle Kosten zu decken. Der Verein ist daher auf Spenden angewiesen.

Geldspenden sind dabei natürlich am willkommensten, da diese die wenigsten Probleme bereiten.

Viele Leute schenken dem Verein aber auch gebrauchte Sachen in der Absicht, dass diese auf einem vom Verein veranstalteten Flohmarkt verkauft werden könnten.
„Uns hat mal jemand alte Kochbücher geschenkt, die konnten wir sehr gut verkaufen!“ erinnert sich Tina Heine.

Gut erhaltene Dinge aus Nachlässen, die sich auch verkaufen lassen, nimmt der Verein weiterhin gern an.

Kürzlich hat jemand einen Karton mit Nachlasssachen für die Tierhilfe in den Raiffeisen-Markt in Dannenberg gestellt mit einem entsprechenden Zettel: die Durchgangsstraße durch Metzingen ist nämlich zurzeit wegen Straßenbauarbeiten gesperrt, und der Spender wusste nicht, wie er den Karton zur Tierhilfe bringen könnte, wusste andererseits aber, dass der Verein seine Tierstreupakete immer im Raiffeisen-Markt kauft.

„Bücher, die wir nicht verkaufen können, stellen wir in die ‚Les-Bar‘ vor dem Herrenhaus Salderatzen“, sagt Tina Heine, „wenn jemand dann ein Buch mitnimmt, spendet er dafür an uns in die Spendendose!“. – Die „Les-Bar“ in Salderatzen ist eine alte Telefonzelle, die zu einer Mini-Bibliothek umgerüstet wurde.

Einen Flohmarkt zu veranstalten – und der Verein hat dies schon mehrmals getan – bedeutet aber auch: Bindung von Personal, das dann für die Tierpflege nicht zur Verfügung steht.

Auch für Futterspenden ist die Tierhilfe Wendland dankbar. In verschiedenen Supermärkten stehen dafür Boxen bereit, in die Tierfreunde Futterdosen stellen können. Diese werden dann regelmäßig abgeholt.

Kinder einer (inzwischen geschlossenen) Grundschule in Plate haben einmal auf dem Weihnachtsmarkt in Lüchow ein Stück aufgeführt und dafür zusammen eine Aufwandsentschädigung von 50.– € bekommen – diese Aufwandsentschädigung haben die Kinder dann der Tierhilfe gespendet.

Um großartig Fundraising zu betreiben und darüber Spenden generieren zu können, fehlt dem Verein schlichtweg das Personal.

Einen „Tag der Offenen Tür“ hat er aus eben diesem Grund das letzte Mal vor zwei Jahren veranstaltet. Auch „Kaffee-und-Kuchen-Verkauf“ benötigt entsprechendes Personal.

Auch um Praktikanten können sich die Mitarbeiter*innen leider nicht mehr kümmern.

Die Facebookseite wird zurzeit gerade überarbeitet.

Außerdem fehlt dem Verein das Geld zur Fertigstellung und Ausstattung von Sozialräumen für die Mitarbeiter*innen in Höhe von ungefähr 25.000.– €.

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Der Boden des Grundstücks zwischen den verschiedenen Gebäudeteilen ist ungepflastert, wenn es regnet, ist der Grund matschig und für die Mitarbeiter*innen schlecht zu begehen. Dem Verein wurden Bodenplatten zwecks Pflasterung des Geländes geschenkt – aber wer soll die Platten legen??

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Diese Bodenplatten müssen verlegt werden … wer kann helfen?

Mir fallen in diesem Zusammenhang wieder die vielen jungen Männer ein, die Muskeltraining im Fitness-Center machen – wäre es nicht mal eine gute Idee, die Muskeln in einem Outdoor-Event zu trainieren – unter realen Bedingungen sozusagen? Erde umgraben, Sand aufschütten und schwere Platten heben und verlegen, trainiert doch ganz schön die Muskeln!!

Wer Geld spenden möchte, kann dies über das Konto des Vereins Tierhilfe Wendland e.V. bei der Commerzbank tun: IBAN DE03 2584 1403 1543 0400 00.

Außerdem ist der Verein über jede ehrenamtliche praktische Hilfe dankbar. Kontakt kann unter der Telefonnummer 05862-98 72 191 oder per Facebook aufgenommen werden.

Tierhilfe Wendland e.V.
Bundesstraße 3
29473 Göhrde/OT Metzingen
Fon: 05862-98 72 191
http://www.tierhilfe-wendland.de
Notfall-Nummer: 0160-922 42 694

Spendenkonto:

Tierhilfe Wendland e.V.
Commerzbank
IBAN DE03 2584 1403 1543 0400 00

 

 

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Woodstock im Wendland: Wiesenfete in Quickborn

Quickborn, 4. August 2018.
Mittlerweise im 23. Jahr findet die „Wiesenfete“ in Quickborn statt.

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Quickborn ist der größte Ortsteil der Gemeinde Gusborn nahe Dannenberg Richtung Dömitz und gehört zu den „Bio-Energie-Modelldörfern“ im Landkreis Lüchow-Dannenberg, d.h. ein Großteil der von der Gemeinde benötigten Energie wird durch selbst erzeugte Bio-Energie abgedeckt.

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Vor dreiundzwanzig Jahren verabredeten sich fünf junge Quickborner unterschiedlichen Alters zur Feier ihres jeweiligen Geburtstags, der wohl auf den gleichen Tag oder um den gleichen Tag herum fiel, auf einer Wiese am Dorfrand. Freunde und Verwandte wurden eingeladen, sodass eine Party mit etwa achtzig Personen gefeiert wurde.

„Das könnten wir jetzt eigentlich jedes Jahr so machen“, dachten sich die Freunde – weil es so toll war. Und setzten die Idee in die Tat um. Immer mehr Leute fanden an der Party auf der Wiese Gefallen, und so zog die Idee immer größere Kreise. Um die Party zu organisieren, wurde ein beitragsloser Verein „Wiesenfete Quickborn e.V.“ gegründet.

Inzwischen gehören dem Verein mehr als 100 Mitglieder an. Die Männer und Frauen helfen bei der Vorbereitung der Party, organisieren, installieren, bauen Zelte und Biergartengarnituren auf und ab und räumen den Platz wieder auf. Zum Dank dafür hat der Vereinsvorstand die Helfer*innen am Vortag zu einer kleinen Helferparty eingeladen, und irgendwann später werden die Helfer*innen noch mal besonders bedacht.

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Vereinsmitglieder des Vereins „Wiesenfete Quickborn“ am vergangenen Freitag vor dem Partyzelt.

Diese Hilfe ist auch nötig, denn mittlerweile gehört die Wiesenfete Quickborn zu den größten Events im Landkreis Lüchow-Dannenberg und zieht jedes Jahr am ersten Freitag im August Tausende von Partygängern an. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass kein Eintritt erhoben wird: „Umsonst und draußen“ ist die Devise.

„Auch aus Lüneburg, Hamburg oder Lübeck kommen jedes Jahr Fans unserer Party“, sagt Timo Jäger, Vorstandsmitglied und einer der Gründer. „Aus dem ganzen Landkreis werden die Besucher von Bussen der Firma Irro gegen nur 5.– € Fahrtkosten p.P. abgeholt.“

Auch viele andere Firmen unterstützen die Macher der Wiesenfete. So stellt zum Beispiel die Speditionsfirma Süßmilch aus Dannenberg einen Truck bereit, der zur Bühne für den DJ und die Musikanlage umgebaut wird.

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Über den Verkauf von Bier und sonstigen Getränken wird dann doch Geld eingenommen. Damit werden die entstehenden Kosten wie zum Beispiel für Strom oder den Toilettenwagen oder den DJ abgedeckt. Der Rest fließt in eine Reserve, und ein guter Teil der Einnahmen wird für soziale Zwecke gespendet.

Ich bin um kurz vor zwanzig Uhr in Quickborn und sehe eigentlich gar kein Hinweisschild für die Wiesenfete. Werbeschilder habe ich vorher schon im gesamten Landkreis gesehen.

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Aber jetzt bin ich im Dorf und ratlos. Zwei junge Leute an der Bushaltestelle helfen mir: ich soll die dritte Abfahrt links abbiegen und dann würde ich es schon sehen.

Die dritte Abfahrt links führt mich in die Feldmark am Dorfrand. Nichts als weite Felder und Wiesen.

Aber dann – gaaanz hinten am Horizont: da ist doch was … ?

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Einige Gruppen von jungen Leuten mit einheitlichem, orangefarbenen T-Shirt mit der Aufschrift „Wiesenfete Quickborn“ lassen mich hoffen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
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Tatsächlich – inzwischen kann ich Trucks und Buden und Zelte unterscheiden.

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Hier ist sie also – klar, die Fete ist auf der Wiese. Inzwischen ist die Party vor einigen Jahren schon von der Ursprungswiese hierher gezogen – weit ab von Häusern und Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten.

Unwillkürlich muss ich an „Woodstock“ denken – das Festival in dem kleinen Dorf Woodstock, das historisch so eine große Bedeutung gefunden hatte. Auch hierfür hatte ein Bauer sein Feld oder seine Wiese zur Verfügung gestellt.

Allerdings traten in Woodstock Bands auf, während in Quickborn die Musik aus der Konserve kommt. Aber egal – als ich ankomme, findet gerade ein Soundcheck auf der Bühne statt, und jedenfalls funktioniert die Musikanlage – eine Mischung aus Schlagern, Rock und Techno wird gespielt werden. Laut ist es auf jeden Fall.

„Es ist für jeden alles dabei“, betonen die drei Vorstandsmitglieder des Vereins, mit denen ich spreche, „und uns ist auch wichtig, dass hier jede Altersklasse willkommen ist, vom Kind bis zum Greis mit dem Rollator“. Es soll eine Party „für alle“ sein.

Die Tanzfläche inmitten der ganz kurz gemähten Wiese ist von einer Lichtanlage umstellt, die stimmungsvolles Licht je nach Musik auf die Tanzenden werfen wird.

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An Bierständen und Imbissbuden können sich die Besucher*innen versorgen und es sich auf Biergartenbänken oder an Stehtischen bei Gesprächen mit Freunden oder Nachbarn gemütlich machen.

Ein großer nicht zu übersehender Müllbehälter weist auf erwünschtes Verhalten hin. Die Feuerwehr ist mit Freiwilligen in etwa Dutzendstärke vertreten, auch ein Rettungswagen des DRK steht bereit, ebenso ein Notarzt. Für alle Fälle ist auch ein Rettungszelt aufgebaut. Die Party soll offiziell um 21:00 Uhr beginnen und bis morgens um 5:00 Uhr dauern, da kann schon mal im Zusammenhang mit zuviel Bier und dem Kreislauf was passieren. „Wir haben die Anforderungen an so eine Veranstaltung eigentlich schon übererfüllt“, sagen die Vorstandsmitglieder. An alles ist gedacht. Am nächsten Morgen werden die Partygänger aus dem Landkreis übrigens auch wieder von Bussen der Firma Irro wieder abgeholt und nach Hause gefahren.

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Toilettenwagen, Rotes Kreuz, Rettungswagen, Ambulanzzelt – an alles ist gedacht.

Kurz nach 20:00 Uhr ist der Soundcheck vorbei, und der DJ dreht jetzt die Anlage so richtig hoch – aber ich bin sicher, bis ins Dorf hört das niemand. „Mit Nachbarn hatten wir hier noch nie Ärger!“ betont Timo Jäger.

Das Wetter – wie in den letzten Wochen überhaupt – spielt mit: ein herrlicher schöner warmer Sommertag! Da kann es nur eine tolle Party werden!

Leider kann ich nicht bleiben, weil ich einen anderweitigen Termin habe.

Aber ich bin sicher, dass wieder mal viele Tausend Menschen Spaß hatten. Merkt euch den Termin: immer der 1. Freitag im August!

 

 

 

Musicfestival in Soven bei Dannenberg

Zum ersten Mal wird in Soven, einem Dorf als Ortsteil von Dannenberg, ein Musicfestival mit der Bezeichnung „Suture Soven“ veranstaltet, und zwar von Freitag, den 17. bis Sonntag, den 19. August.

Verschiedene internationale Künstler*innen interpretieren unterschiedlichste Musikrichtungen wie Jazz, Neue Musik, Indische Musik oder elektronisch erzeugte Musik in einem bewusst vielseitig ausgerichteten Programm, das durch die drei Kuratorinnen Lucy Railton, Kaja Draksler und Natalia Mateo, die als Musikerinnen bzw. Natalia Mateo als Sängerin ebenfalls auftreten werden, zusammengestellt wurde.

Das Festival findet auf dem Hof von Nadja Höhfeld statt, die die Idee zu dem Festival hatte und die große Scheune und den Dachboden des Stalls für die Interpret*innen und die Zuhörer*innen zur Verfügung stellt. Nadja Höhfeld ist Dramaturgin, Regisseurin und Kamerafrau für Dokumentarfilme, vor allem im Bereich der Jazzmusik. Sie lebt und arbeitet im Wendland und in Berlin.

Das Musikprogramm kann hier eingesehen werden.

Außer Musik und Gesangsdarbietungen erwartet die herzlich eingeladenen Besucher*innen außerdem eine kulinarische Versorgung mit regionalen Zutaten aus der solidarischen Landwirtschaft, eine Bar, diverse Workshops sowie Tanz und gemeinsame Gespräche am Feuer.

„Suture“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Naht“.

„Suture Soven“ , das Musicfestival, möchte also eine Nahtstelle zwischen vielem Verschiedenen sein: zwischen verschiedenen Musikstilen, zwischen Stadtkultur und Landkultur, zwischen den Menschen in ihrer Vielfältigkeit.

Viele Menschen in der Umgebung haben bei der Vorbereitung des Festivals geholfen, worüber die Veranstalterin Nadja Höhfeld sehr glücklich und dankbar ist.

Gefördert wird das Musicfestival zudem von verschiedenen Organisationen wie dem Musikfonds, der Stiftung Niedersachsen, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und das Musikland Niedersachsen. Und zu den Unterstützern gehört auch die Agentur Wendlandleben.

Innovative Ideen im Alten Postamt: Designbüro „destinature“ von WERKHAUS in Lüchow

Lüchow, 31. Juli 2018.
Seit 25 Jahren produzieren Holger und Eva Danneberg mit ihren Mitarbeiter*innen in ihrer Firma „WERKHAUS“ Möbel, Büro- und Wohnaccessoires und weitere nützliche Gegenstände im Stecksystem. Die Teile werden nach dem Entwurf und der Planung am Computer mit einer CNC-Fräsmaschine oder einem Laser produziert, verpackt und zum Verkauf angeboten. Die Kunden können sich die Möbel dann selbst zusammenstecken. Fixiert werden die gesteckten Teile – und das ist das Besondere an den WERKHAUS-Artikeln – nicht mit Kleber oder Schrauben, sondern lediglich durch Gummiringe.

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Ein Ausschnitt aus einem Steckmöbel im Großformat: das Schwarze an den Steckverbindungen sind Spannringe aus starkem Gummi.

Parallel zu diesem Angebot fertigt WERKHAUS auch Warenaufsteller und Präsentationsmöbel für Kunden und Messen. Aufgrund des großen Erfolgs wuchs die Firma stetig und beschäftigt inzwischen rund 170 Mitarbeiter*innen.

Die Firma WERKHAUS fokussierte sich zunächst auf Büroaccessoires wie zum Beispiel die bekannte Stiftebox, die einem VW-Bus nachempfunden ist, Sitzhocker oder später auch Pflanzgefäße.

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Ein Beispiel für die transportablen Steckmöbel von WERKHAUS: stapelbare Hocker, nützlich zum Beispiel bei Warteschlangen vor Konzertkassen oder bei Partys, beim Camping, für Outdoor-Unterricht von Schulklassen … (das Foto entstammt dem Katalog von WERKHAUS)

Im Laufe der Zeit jedoch nahm die Idee, größere Möbelstücke wie Schränke, Schreibtische oder Sitzbänke nach dem gleichen Steckprinzip herzustellen, immer mehr Form an.

Für das Design und die Entwicklung neuer und größerer Produkte, mit Fokus auf den Außenbereich, wurde 2014 eine neue Abteilung gegründet, die den Namen „destinature“ bekam: destination plus nature, also Ziel: Natur. Der Name ist bezeichnend für die Zielsetzung, nämlich nachhaltige und ökologisch sinnvolle Produkte zu entwerfen. Inzwischen arbeiten sechs Designer*innen bei destinature. Eine Designerin ist im Wendland gebürtig, die anderen Fünf sind Neuwendländer. Ich sprach am vergangenen Freitag mit Jirka Wolff, der seinen Master an der Hochschule für Künste in Bremen machte.

2017 erwarben Eva und Holger Danneberg das Gebäude des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße.

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Das Gebäude des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße.

Das destinature-Büro befindet sich in einem Anbau im Erdgeschoss mit Zugang zur Straße.

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Rechts neben dem Alten Postamt in einem Anbau: das Büro von „destinature“.

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Das Firmenschild.

Andere Räumlichkeiten im Gebäudekomplex sind an Einrichtungen des Landkreises Lüchow-Dannenberg vermietet, wie die Klimaschutzleitstelle, die Fachkräfteagentur Wendlandleben oder die Wirtschaftsförderung.

Im Erdgeschoss befindet sich auch das „PostLab“, das ist ein Co-Working-Space der Grünen Werkstatt Wendland, das an Einzelpersonen, aber auch an Projektgruppen Arbeitsplätze vermietet. WERKHAUS ist Mitglied der Grünen Werkstatt Wendland, einer Kreativschmiede, die unter anderem Design-Workshops in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen veranstaltet. Bei einem dieser Design-Workshops in Kukate nahm auch Jirka Wolff während seines Studiums teil, und so entstand der Kontakt zu WERKHAUS.

Jirka Wolff  und seine fünf Kolleg*innen  Britta Lüpke, Michelle Mohr, Rieke Maasch, Jonathan Markus und Florian Wöste arbeiten unter anderem mit einer CAD-Software, mit der erste Prototypen und die Fräsdaten am Rechner erstellt und anschließend im Hauptwerk in Bad Bodenteich gefräst werden. Manchmal werden Prototypen auch von Hand mit der Stichsäge angefertigt oder Pappmodelle erstellt. Auf dem Parkplatz hinter dem Postamt gibt es ein Versuchsgelände, auf dem die Prototypen getestet werden. Sind die Muster auf Funktionalität überprüft und verbessert worden, werden sie zur Produktion freigegeben, gefräst und anschließend als Bausatz flach verpackt in den Verkauf gegeben.

Für Artikel, die im Freien genutzt werden sollen und der Witterung ausgesetzt sind – zum Beispiel Gartenbänke oder Pflanzgefäße – werden Massivholzplatten aus Douglasie oder wasserfest verleimtes Sperrholz verwendet, für Wohnartikel im Innenbereich hingegen Fichte. Das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft vorzugsweise aus Deutschland. Das Sperrholz wird aus Finnland bezogen.

WERKHAUS besitzt mehrere Ladengeschäfte in verschiedenen Großstädten, darunter Hamburg, Berlin und Hannover, vertreibt die eigenen Produkte aber auch online.

Das Stecksystem ist markenrechtlich geschützt, um Nachahmungen vorzubeugen. Im Jahr 2017 wollte ein Discounter Stifteboxen anbieten, die Nachahmungen der von Eva und Holger Danneberg entworfenen Artikel waren, woraufhin über eine Unterlassungsklage die Produkte wieder aus dem Angebot entfernt werden mussten.

Die Aufgaben der Mitarbeiter*innen bei destinature bestehen nicht nur darin, neue Produkte zu entwickeln, sondern auch, Projekte mit verschiedenen Partnern zu verwirklichen.

Momentan entwickelt das Team zusammen mit der Firma „Goldeimer“ eine Komposttoilette nach ganz neuen Maßstäben. Goldeimer engagiert sich sozial und ökologisch, verkauft eigenes Toilettenpapier und vermietet Komposttoiletten auf Festivals, um auf das Problem der globalen Sanitärkrise aufmerksam zu machen.

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Goldeimer und WERKHAUS arbeiten zusammen.

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Hier ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit von WERKHAUS und Goldeimer: Goldeimer liefert das Toiletttenpapier, WERKHAUS die poppig verzierte Toilettenpapier-Steckbox.

Alle Goldeimer-Erlöse fließen in die Arbeit der Welthungerhilfe.

Hier ist ein Prototyp der Komposttoiletten zu sehen, die für Festivals gedacht sind:

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„Gespült“ wird, anders als bei herkömmlichen transportablen Toilettenhäuschen aus Kunststoff, nicht mit Wasser, sondern mit Sägespänen.

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Hier sieht man den Spülhebel, der nach Betätigen Sägespäne ins Toilettenbecken rieseln lässt.

Im Toilettenhäuschen im WERKHAUS-typischen Stecksystem gibt es ein Handwaschbecken mit wassersparender Fußpumpe und einen Spiegel.

An einer Wand im Klohäuschen ist auch noch Platz für Kunst:

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Außerdem haben die Designer von destinature mit Goldeimer rund um das Thema „Klo“ weitere Produkte entwickelt, darunter ein „Klo to go“, eine transportable Mini-Toilette, die man zum Beispiel in einem Schrebergarten oder beim Camping einsetzen kann.

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Auf dem Werbeplakat kann man eins der „Klo to go“ erkennen: schont die Natur und nehmt eure Toilette überallhin mit!

Ein weiteres Projekt, an dem WERKHAUS destinature beteiligt ist, ist die Ausstattung des Projekts „CoWorkLand“ in Schleswig Holstein, ein mobiles Co-Working-Space, das durch die Heinrich-Böll-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Bis zum 16. August können nicht nur die Co-Worker am Strand  „Brasilien“ in der Nähe von Schöneberg die mobile WERKHAUS-Sauna nutzen.

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Ein Bild von der mobilen Sauna aus dem Katalog von „destinature“.

Im Archäologischen Zentrum Hitzacker steht der Prototyp einer Übernachtungshütte für Fahrradtouristen, die ebenfalls von destinature entwickelt wurde.

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Hier sieht man den Prototyp einer Übernachtungshütte für Fahrradtouristen. Innen ist Platz für ein klappbares Doppelbett und für Kleinmöbel. Vor der Hütte: die ausklappbare Terrasse.

Inzwischen haben dort bereits erste Gewinner einer Verlosung ein „Schnupperwochenende“ verbracht. Die Hütte ist Teil eines schon bewilligten Förderprojekts: Es soll ein ökologisch orientiertes Camp mit weiteren Hütten, Komposttoiletten und einem Bistro  aufgebaut werden.

In der großen Halle des Alten Postamts zeugt kreatives Chaos vom Ausprobieren verschiedener Materialien, Werkzeuge und Maschinen stehen herum, Prototypen warten auf Verbesserung und Weiterentwicklung:

 

Frische neue Ideen also im Alten Postamt von Lüchow! Die Ansiedlung von destinature mit seinen jungen Kreativen kann richtungweisend auch für andere zukunftsorientierte Unternehmen und Projekte sein. Probeweise kann man ja zunächst das Co-Working-Space der Grünen Werkstatt, das „PostLab“ nutzen.

 

 

 

 

 

Energiewende: Elektro-Autos bei der Post

Wendland, 26. Juli 2018.
Täglich kommt ein Wagen von der Post bei uns ins Dorf, um Briefe zu bringen und den Briefkasten zu leeren – normalerweise ein sogenannter „Caddy“.

Aber heute kam die Zustellerin mit einem neuen Wagen, der mir sofort auffiel: ein Elektro-Auto.
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„Fünf Stück gibt es inzwischen bei uns in Lüchow – seit letztem Donnerstag“, sagt die Zustellerin, und es sollen noch mehr werden. Allerdings wird nicht komplett umgerüstet, da einige Zustelltouren über Land bis zu 90 KM lang sind, und dafür reicht die Akkuleistung noch nicht aus. Briefe, aber auch Pakete sollen damit ausgeliefert werden.

„Meine Kollegin hat sich noch nicht getraut, mit dem E-Auto zu fahren, deshalb habe ich heute diese Tour übernommen“, sagt die Zustellerin, „mir macht es nichts aus, Automatik zu fahren!“

 

25. Juli: Jacobitag in Lübbow

Lübbow, 25. Juli 2018.

Jedes Jahr am 25. Juli wird in Lübbow traditionell seit vielen Jahrhunderten schon der Jacobitag begangen. Jakob ist einer der Apostel und Namenspatron der kleinen Kapelle in Lübbow, die Anfang des dreizehnten Jahrhunderts aus Feldsteinen von Zistersiensermönchen eines nahen Klosters erbaut worden ist. Nach der Reformation wandte sich der überwiegende Teil der wendländischen Bevölkerung dem Protestantismus zu, der Name der Kapelle blieb aber erhalten: St.-Jakob-Kapelle.

Der Jacobitag wird heutzutage so begangen: am Vormittag findet in der Kapelle ein Gottesdienst mit Abendmahl statt, anschließend trifft sich die Gemeinde im Dorfgemeinschaftshaus und verzehrt im Rahmen eines geselligen Beisammenseins gemeinsam mit dem Pastor eine Erbsensuppe. Um 15:00 Uhr ist Kindertanz im großen Saal angesagt, und die erwachsenen Begleiter treffen sich zu Kaffee und Kuchen. Abends um acht dürfen dann die Erwachsenen tanzen. Es soll also ein fröhlicher, vergnügter Tag, der sich vom Alltag abhebt, werden.

Ich war heute um kurz vor zehn in der Kapelle. Die kleine Eingangstür war links und rechts mit jungen Birken geschmückt.

Innen hatten sich schon zahlreiche Dorfbewohner eingefunden, um sich die besten Plätze zu sichern.

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Die hölzernen Sitzbänke sind mit römischen Ziffern durchnummeriert.

Links an der Seite liegt ein alter Eichenbalken, der bis ins 19. Jahrhundert an der Grenze zwischen zwei Herrschaftsbezirken als Zollschlagbaum diente. An ihm hängt eine alte Geschichte, denn in heidnischer Zeit soll er als Gerichtsbaum gedient haben, unter dem Recht gesprochen und an dem wohl auch Recht vollzogen wurde. Nachdem die missionierenden Mönche die sogenannte „Banneiche“ einfach gefällt hatten, wollte niemand die „Bluteiche“ haben, und so wurde sie in die Kapelle als Sitzgelegenheit gelegt.

Der Altar wird geschmückt, eine Decke aufgelegt und Blumen hingestellt.

Seitlich vor der Kapelle hält die Blaskapelle noch mal eine Probe ab, schließlich soll im Gottesdienst jeder Ton sitzen, wenn die Gemeinde beim Gesang begleitet wird.

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Nach dem Gottesdienst gehen alle einige Dutzend Meter weiter zur alten Schule. Die Alte Schule wurde zum Dorfgemeinschaftshaus umgewidmet. In ihm finden nun solche Feiern wie zum Beispiel der Jacobitag statt. Man kann den Saal auch für eigene Veranstaltungen mieten.
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Im Anbau an der alten Schule bringt die Feuerwehr ihren Löschwagen unter, und auf der anderen Seite hat der örtliche Sportverein Räumlichkeiten.

An das Dorfgemeinschaftshaus grenzt ein großzügiger Spielplatz für Kinder, und dahinter liegt ein Fußballplatz.
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Links vor dem Gebäude stehen eine Hollywoodschaukel und eine Sitzbank.

Gegen 11:00 Uhr nun trifft sich die Gemeinde und sitzt zusammen beim Erbsensuppenessen.
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Auch Pastor Oppermann holt sich einen Teller und setzt sich zwischen seine Schäfchen.

Am Nachmittag beim Kindertanztermin sind nur wenige Kinder gekommen.
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In Niedersachsen sind Ferien, und viele Kinder sind mit ihren Eltern verreist. Außerdem ist es heute wie seit vielen Wochen schon sehr heiß, die Sonne brennt, und ich kann mir vorstellen, dass viele Kinder wohl lieber draußen im Schwimmbad sind. Bei Regenwetter hätte es hier wohl anders ausgesehen. Gleichwohl sitzen viele Eltern und Großeltern an den Tischen und lassen sich Kuchen und Kaffee schmecken, während der Disc-Jockey mit deutscher Schlagermusik Stimmung macht.

Beim Weggehen fallen mir rund um das Dorfgemeinschaftshaus noch viele witzige Details auf, die auf kreative Dorfbewohner schließen lassen. Zum Beispiel wurde ein ausgedienter Wasserschlauch der Feuerwehr zum Zaun umfunktioniert. Aus drei Besenköpfen von Straßenbesen wurde diese Schuhputzeinrichtung zusammengefügt.
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Und ein ausgedienter Feuerwehrhelm gibt den Aschenbecher vor der Eingangstür. Auf dem Spielplatz wurde dieser Tunnel durch den aufgeschütteten darüberliegenden „Berg“ gefertigt: eine Betonröhre, und drumherum ausgediente Straßenseitenpfähle (Fachbegriff kenne ich nicht).

 

Jahresbericht

Der Storch von Kolborn

Kolborn, 13.7.2018.
Ein Bekannter aus dem Nachbardorf berichtete mir gestern von einem Storchennest mit drei Jungtieren in Kolborn.

Das wollte ich mir doch einmal ansehen und fuhr gestern Abend nach Kolborn. Nach einigem Suchen und Fragen fand ich ihn dann, den Weißstorch. Er stand ganz hoch oben auf der Achse eines inzwischen aus Altersgründen weitgehend abgebrochenen hölzernen Wagenrades, das auf die Spitze eines hohen Pfahls montiert war.

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Er stand auf einem Bein und so reglos, dass ich anfangs dachte, es wäre ein künstlicher Storch, aus Plastik etwa, der nur auf das Vorhandensein eines echten Storches aufmerksam machen solle.
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Aber dann – juckte es ihn am Kinn und er musste sich kurz mal kratzen:

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Danach stand er wieder genauso regungslos auf einem Bein. Guckte aber auf mich herab.

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Die Jungen habe ich leider nicht gesehen …