Woodstock im Wendland: Wiesenfete in Quickborn

Quickborn, 4. August 2018.
Mittlerweise im 23. Jahr findet die „Wiesenfete“ in Quickborn statt.

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Quickborn ist der größte Ortsteil der Gemeinde Gusborn nahe Dannenberg Richtung Dömitz und gehört zu den „Bio-Energie-Modelldörfern“ im Landkreis Lüchow-Dannenberg, d.h. ein Großteil der von der Gemeinde benötigten Energie wird durch selbst erzeugte Bio-Energie abgedeckt.

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Vor dreiundzwanzig Jahren verabredeten sich fünf junge Quickborner unterschiedlichen Alters zur Feier ihres jeweiligen Geburtstags, der wohl auf den gleichen Tag oder um den gleichen Tag herum fiel, auf einer Wiese am Dorfrand. Freunde und Verwandte wurden eingeladen, sodass eine Party mit etwa achtzig Personen gefeiert wurde.

„Das könnten wir jetzt eigentlich jedes Jahr so machen“, dachten sich die Freunde – weil es so toll war. Und setzten die Idee in die Tat um. Immer mehr Leute fanden an der Party auf der Wiese Gefallen, und so zog die Idee immer größere Kreise. Um die Party zu organisieren, wurde ein beitragsloser Verein „Wiesenfete Quickborn e.V.“ gegründet.

Inzwischen gehören dem Verein mehr als 100 Mitglieder an. Die Männer und Frauen helfen bei der Vorbereitung der Party, organisieren, installieren, bauen Zelte und Biergartengarnituren auf und ab und räumen den Platz wieder auf. Zum Dank dafür hat der Vereinsvorstand die Helfer*innen am Vortag zu einer kleinen Helferparty eingeladen, und irgendwann später werden die Helfer*innen noch mal besonders bedacht.

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Vereinsmitglieder des Vereins „Wiesenfete Quickborn“ am vergangenen Freitag vor dem Partyzelt.

Diese Hilfe ist auch nötig, denn mittlerweile gehört die Wiesenfete Quickborn zu den größten Events im Landkreis Lüchow-Dannenberg und zieht jedes Jahr am ersten Freitag im August Tausende von Partygängern an. Ein Grund dafür ist sicherlich auch, dass kein Eintritt erhoben wird: „Umsonst und draußen“ ist die Devise.

„Auch aus Lüneburg, Hamburg oder Lübeck kommen jedes Jahr Fans unserer Party“, sagt Timo Jäger, Vorstandsmitglied und einer der Gründer. „Aus dem ganzen Landkreis werden die Besucher von Bussen der Firma Irro gegen nur 5.– € Fahrtkosten p.P. abgeholt.“

Auch viele andere Firmen unterstützen die Macher der Wiesenfete. So stellt zum Beispiel die Speditionsfirma Süßmilch aus Dannenberg einen Truck bereit, der zur Bühne für den DJ und die Musikanlage umgebaut wird.

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Über den Verkauf von Bier und sonstigen Getränken wird dann doch Geld eingenommen. Damit werden die entstehenden Kosten wie zum Beispiel für Strom oder den Toilettenwagen oder den DJ abgedeckt. Der Rest fließt in eine Reserve, und ein guter Teil der Einnahmen wird für soziale Zwecke gespendet.

Ich bin um kurz vor zwanzig Uhr in Quickborn und sehe eigentlich gar kein Hinweisschild für die Wiesenfete. Werbeschilder habe ich vorher schon im gesamten Landkreis gesehen.

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Aber jetzt bin ich im Dorf und ratlos. Zwei junge Leute an der Bushaltestelle helfen mir: ich soll die dritte Abfahrt links abbiegen und dann würde ich es schon sehen.

Die dritte Abfahrt links führt mich in die Feldmark am Dorfrand. Nichts als weite Felder und Wiesen.

Aber dann – gaaanz hinten am Horizont: da ist doch was … ?

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Einige Gruppen von jungen Leuten mit einheitlichem, orangefarbenen T-Shirt mit der Aufschrift „Wiesenfete Quickborn“ lassen mich hoffen, dass ich auf dem richtigen Weg bin.
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Tatsächlich – inzwischen kann ich Trucks und Buden und Zelte unterscheiden.

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Hier ist sie also – klar, die Fete ist auf der Wiese. Inzwischen ist die Party vor einigen Jahren schon von der Ursprungswiese hierher gezogen – weit ab von Häusern und Nachbarn, die sich gestört fühlen könnten.

Unwillkürlich muss ich an „Woodstock“ denken – das Festival in dem kleinen Dorf Woodstock, das historisch so eine große Bedeutung gefunden hatte. Auch hierfür hatte ein Bauer sein Feld oder seine Wiese zur Verfügung gestellt.

Allerdings traten in Woodstock Bands auf, während in Quickborn die Musik aus der Konserve kommt. Aber egal – als ich ankomme, findet gerade ein Soundcheck auf der Bühne statt, und jedenfalls funktioniert die Musikanlage – eine Mischung aus Schlagern, Rock und Techno wird gespielt werden. Laut ist es auf jeden Fall.

„Es ist für jeden alles dabei“, betonen die drei Vorstandsmitglieder des Vereins, mit denen ich spreche, „und uns ist auch wichtig, dass hier jede Altersklasse willkommen ist, vom Kind bis zum Greis mit dem Rollator“. Es soll eine Party „für alle“ sein.

Die Tanzfläche inmitten der ganz kurz gemähten Wiese ist von einer Lichtanlage umstellt, die stimmungsvolles Licht je nach Musik auf die Tanzenden werfen wird.

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An Bierständen und Imbissbuden können sich die Besucher*innen versorgen und es sich auf Biergartenbänken oder an Stehtischen bei Gesprächen mit Freunden oder Nachbarn gemütlich machen.

Ein großer nicht zu übersehender Müllbehälter weist auf erwünschtes Verhalten hin. Die Feuerwehr ist mit Freiwilligen in etwa Dutzendstärke vertreten, auch ein Rettungswagen des DRK steht bereit, ebenso ein Notarzt. Für alle Fälle ist auch ein Rettungszelt aufgebaut. Die Party soll offiziell um 21:00 Uhr beginnen und bis morgens um 5:00 Uhr dauern, da kann schon mal im Zusammenhang mit zuviel Bier und dem Kreislauf was passieren. „Wir haben die Anforderungen an so eine Veranstaltung eigentlich schon übererfüllt“, sagen die Vorstandsmitglieder. An alles ist gedacht. Am nächsten Morgen werden die Partygänger aus dem Landkreis übrigens auch wieder von Bussen der Firma Irro wieder abgeholt und nach Hause gefahren.

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Toilettenwagen, Rotes Kreuz, Rettungswagen, Ambulanzzelt – an alles ist gedacht.

Kurz nach 20:00 Uhr ist der Soundcheck vorbei, und der DJ dreht jetzt die Anlage so richtig hoch – aber ich bin sicher, bis ins Dorf hört das niemand. „Mit Nachbarn hatten wir hier noch nie Ärger!“ betont Timo Jäger.

Das Wetter – wie in den letzten Wochen überhaupt – spielt mit: ein herrlicher schöner warmer Sommertag! Da kann es nur eine tolle Party werden!

Leider kann ich nicht bleiben, weil ich einen anderweitigen Termin habe.

Aber ich bin sicher, dass wieder mal viele Tausend Menschen Spaß hatten. Merkt euch den Termin: immer der 1. Freitag im August!

 

 

 

Musicfestival in Soven bei Dannenberg

Zum ersten Mal wird in Soven, einem Dorf als Ortsteil von Dannenberg, ein Musicfestival mit der Bezeichnung „Suture Soven“ veranstaltet, und zwar von Freitag, den 17. bis Sonntag, den 19. August.

Verschiedene internationale Künstler*innen interpretieren unterschiedlichste Musikrichtungen wie Jazz, Neue Musik, Indische Musik oder elektronisch erzeugte Musik in einem bewusst vielseitig ausgerichteten Programm, das durch die drei Kuratorinnen Lucy Railton, Kaja Draksler und Natalia Mateo, die als Musikerinnen bzw. Natalia Mateo als Sängerin ebenfalls auftreten werden, zusammengestellt wurde.

Das Festival findet auf dem Hof von Nadja Höhfeld statt, die die Idee zu dem Festival hatte und die große Scheune und den Dachboden des Stalls für die Interpret*innen und die Zuhörer*innen zur Verfügung stellt. Nadja Höhfeld ist Dramaturgin, Regisseurin und Kamerafrau für Dokumentarfilme, vor allem im Bereich der Jazzmusik. Sie lebt und arbeitet im Wendland und in Berlin.

Das Musikprogramm kann hier eingesehen werden.

Außer Musik und Gesangsdarbietungen erwartet die herzlich eingeladenen Besucher*innen außerdem eine kulinarische Versorgung mit regionalen Zutaten aus der solidarischen Landwirtschaft, eine Bar, diverse Workshops sowie Tanz und gemeinsame Gespräche am Feuer.

„Suture“ kommt aus dem Französischen und bedeutet „Naht“.

„Suture Soven“ , das Musicfestival, möchte also eine Nahtstelle zwischen vielem Verschiedenen sein: zwischen verschiedenen Musikstilen, zwischen Stadtkultur und Landkultur, zwischen den Menschen in ihrer Vielfältigkeit.

Viele Menschen in der Umgebung haben bei der Vorbereitung des Festivals geholfen, worüber die Veranstalterin Nadja Höhfeld sehr glücklich und dankbar ist.

Gefördert wird das Musicfestival zudem von verschiedenen Organisationen wie dem Musikfonds, der Stiftung Niedersachsen, dem Lüneburgischen Landschaftsverband und das Musikland Niedersachsen. Und zu den Unterstützern gehört auch die Agentur Wendlandleben.

Kartoffelsonntag in Dannenberg

Dannenberg.
Jeden ersten Sonntag im November findet in Dannenberg der „Kartoffelsonntag“ statt. Diesmal wollte ich ihn mir einmal ansehen. Auf dem Weg von Lüchow nach Bremen habe ich deshalb in Dannenberg Halt gemacht. Ich hatte richtig Appetit auf Kartoffelgerichte. In der Haupteinkaufsstraße, der Lange Straße, waren allerlei Stände aufgebaut.

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Die Lange Straße in Dannenberg am Kartoffelsonntag.

Ich schlenderte von Stand zu Stand, auf der Suche nach richtig leckeren Gerichten. Leider habe ich insgesamt nur vier Stände gefunden, die überhaupt Kartoffelgerichte anboten. Und dann auch nur drei verschiedene Arten: a) Rosmarinkartoffeln mit Dip, b) Bratkartoffeln und c) Kartoffelpuffer. Gibt es nicht viel mehr Variationen?? Zum Beispiel „Kartoffelsuppe“ oder „Kartoffelmus mit Zwiebeln“? Ehrlich gesagt, war ich ziemlich enttäuscht. Ach ja, Pommes Frites sind ja auch aus Kartoffeln, und die gab es zu Hauf im Angebot. Neben Brat- und Currywurst. So etwas gibt es ja nun immer irgendwo… Außerdem im Angebot: Pizza, Crepes, Nudelpfanne, Eis… Passte irgendwie nicht zum Marktthema. Außerdem hätte ich mir auch gewünscht, etwas mehr über die Kartoffel zu erfahren. Ich vermisste einen Infostand mit Informationen zum Beispiel über die verschiedenen Kartoffelsorten und über Kartoffelanbauer in der Region. Man hätte auch einen Stand mit diversen Kartoffelrezepten zum Mitnehmen einrichten können. Oder einen Stand, an dem man Kartoffeln hätte kaufen können. Im Rohzustand, meine ich. Stattdessen Stände, wie es sie auf jedem X-beliebigen Markt gibt: sogar einen mit Lebkuchenkerzen und Zuckerstangen, wie auf einem Jahrmarkt. Die Geschäfte hatten geöffnet, und zwei Blumengeschäfte hatten wirklich schöne Grabgestecke im Angebot. Angesichts der bevorstehenden Trauersonntage. Weiterlesen