Die Kulturelle Landpartie

Von Himmelfahrt bis Pfingsten – das ist in jedem Jahr wieder der Zeitraum, in dem die Kulturelle Landpartie im Wendland stattfindet.

In vielen Ortschaften werden Ausstellungen, Kunsthandwerk, Theatervorstellungen, musikalische Vorführungen und eine Vielzahl weiterer Events dargeboten, abgerundet durch kulinarische Angebote, Brauerei- und Gartenbesichtigungen, geführte Themen-Spaziergänge, handwerkliche Vorführungen, Filme, Beratungsangebote, und, und, und.

Die Kulturelle Landpartie ist ein einzigartiges, selbst organisiertes Kulturfestival, in dem Wendländer ihre Kreativität und Organisationsfähigkeit zeigen, an dem sich aber auch viele auswärtige Aussteller, Kunsthandwerker und Künstler beteiligen.

Inzwischen im 28. Jahr lockt das Kulturfestival Tausende Besucher aus ganz Deutschland und auch dem angrenzenden Ausland an. Es ist die Zeit der Radtouren. Wenn das Wetter hoffentlich entsprechend schön ist, pendeln die Gäste vorzugsweise mit dem Fahrrad und gern in Gruppen zwischen den verschiedenen „Wunde.r.punkten“ im Wendland hin und her. 123 Wunde.r.punkte gibt es in diesem Jahr. Das bedeutet, 123 Stellen in verschiedenen Orten kann man ansteuern!

Die Organisation der KLP (Kulturelle Landpartie) hat zur Orientierung eine wunderbare interaktive Karte herausgebracht, auf der alle Angebote an allen Punkten einzusehen sind.

Kommt gerne zu uns ins Wendland, mit dem Auto ist es auch okay, wir haben hier genug Platz für Parkplätze…!

Und bringt ordentlich Geld mit, ihr braucht es nicht lange mit euch herumzutragen!

Der Kiekemarkt am 1. Mai in Trebel

Trebel, 2. Mai 2018.
In Trebel, einem Dorf mit etwa 1.000 Einwohnern,  findet zweimal im Jahr ein Markt rund um die Kirche zu Trebel statt: am 1. Mai der „Kiekemarkt“ und im Herbst der „Griepemarkt“.
Diese Märkte sind Nachfahren traditionell seit alter Zeit abgehaltener Märkte, die hauptsächlich dem Zweck dienten, Vieh, landwirtschaftliche Produkte und alltägliche Gebrauchsgegenstände zu handeln. Um Kunden anzulocken, wurden auch in früherer Zeit schon Volksbelustigungen dargeboten.

Nachdem ca. vierzig Jahre lang seit etwa 1960 kein Markt mehr in Trebel mangels Nachfrage stattgefunden hatte, wurde im September 2008 auf maßgebliche Initiative des Trebelers Thorsten Hensel wieder der traditionelle Trebeler Markt abgehalten und aufgrund des guten Zuspruchs auf Händler- und Konsumentenseite seitdem jährlich aufrechterhalten (Quelle: Puffahrt, Otto: Der historische Markt in Trebel).

Ich war gestern am 1. Mai auf dem „Kiekemarkt“ und konnte vieles „erkieken“. Der Fokus beim Kiekemarkt liegt auf kunsthandwerklichen Erzeugnissen aus dem Wendland oder aus an die Region grenzenden Gebieten und auf Gartenthemen, wozu hauptsächlich Pflanzen jeder Art, aber auch Gartendekorationen gehören. Auch für Gaumenansprüche und Spaßbedürfnisse ist gesorgt.

Wie üblich bei Festen im Wendland, war auch hier wieder die örtliche, freiwillige Feuerwehr aktiv und regelte die Einweisung in den Parkplatz. Auf dem Weg vom Parkplatz zum Marktplatz an der Kirche begegnete man diesem „Feuerwehrmann“:

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Leider hielt er den Kasten in den Händen so schief, dass nur Genauhingucker erkannten, dass es sich um einen Spendensammelkasten mit einer Aufschrift mit der Bitte um eine Spende handelte.

Die Stände des Kiekemarkts waren auf zwei Plätze im Dorf Trebel verteilt. Diese Plätze sind durch die „Kuhtrift“ verbunden, also einen Pfad, auf dem früher die Kühe zur Weide getrieben wurden. Heute ist auf der Kuhtrift einen Schienenstrang verlegt, auf dem der Wagen der „Solarbahn“, also ein solarbetriebenes Fahrzeug, Gäste hin- und hertransportiert.

 

 

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An mehreren Verkaufsständen werden üppig blühende Blumen oder Kräuter und Gemüsepflanzen angeboten – passend zur Jahreszeit, in der gepflanzt wird. Vielerlei Kunsthandwerker bieten ihre Waren an, getöpfert, genäht, gehäkelt, gewebt und geschmiedet.

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Gleich am Eingangsbereich vom Kiekemarkt vom Parkplatz aus begegnet man üppigem Blumenangebot.

 

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Hübsche Verbenen für den Balkonkasten oder die Terrasse.

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Petunien in fast jeder Farbe.

Die Inhaberin dieses Standes verkauft selbst genähte Tischdecken. Den Stoff dafür hat sie aus alter Bettwäsche ausgeschnitten und die Kanten mit Häkelspitze umsäumt.

 

 

Am Nachbarstand gibt es hübsche Dekorationen aus künstlichen Blumen/Stoffblumen:

 

 

Hier wird Schmuck für Frauen verkauft, die sich noch ein bisschen hübscher machen wollen:

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Ganz viel im Angebot an verschiedenen Verkaufsständen: Gartenschmuck aus Glas, Rosteisen, Keramik und Metall:

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Allerlei aus Glas.

 

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Paradiesvögel für das Gartenparadies.

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Mit diesen Dingen kann man seinem Garten noch eine Krone aufsetzen…

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Gewebte Gartendekorationen aus Weide.

Der Inhaber dieses Stands produziert Dinge aus Eisen, zum Beispiel Feuerschalen, Gartenstecker, aber auch große Eisenringe mit einer Schraube daran.

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Ich frage nach dem Sinn dieser Eisenringe, und er meint, man könne sie auf eine Hecke werfen und sehen, wie gut man Zweige treffen kann, oder man könne sie seitlich in einen Holzpfahl drehen und darin dann Blumentöpfe mit Pflanzen stecken. Ich fand die zweite Möglichkeit dann irgendwie sinnvoller, zum Beispiel hier demonstriert:

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Man dreht die Eisenringe mit dem Schraubteil waagerecht in einen Pfahl oder Balken und hat eine Halterung für Blumentöpfe – toll!

Bei diesem Verkaufsstand werden riesige dreidimensionale Köpfe aus Stein zur Gartendekoration angeboten. Auf Nachfrage erklärt uns der junge Mann hinter dem Stand, das sein Vater die Köpfe aus Steinguss fertigt.

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Am gleichen Stand wurde auch eine Gartenbank in Bootsform angeboten:
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Dieser Stand gehört einer Keramikerin, die phantasievolle Dekorationen für den Garten herstellt, zum Beispiel witzige Hühner oder Schweine oder diesen Murmelturm:

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Eine Schäferei-Inhaberin stellt Erzeugnisse, die irgendwie mit Schafen zu tun haben, aus: gefilzte Schuh-Einlegesohlen, Schafkuscheltiere, Wollsocken und auch Seife aus Schafsmilch:

 

 

Diese Keramikerin hat vielerlei originelle, aber auch praktische Artikel, meistens in Blau gehalten:

 

 

Rostliebhaber begegneten vielen kreativen Angeboten (s. auch oben):

 

 

Hier werden Waffeln angeboten, die mit einem sehr alten, schon fast antiken Waffeleisen über dem Holzofen gebacken werden:
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Dieser Stand bietet selbst gemixte „Cocktails“ an, aber alles alkoholfrei und garantiert supergesund mit vielen Vitaminen:

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Auch asiatische Kost gibt es an einem Stand, außerdem Süßigkeiten, diverse Brotsorten, Erbsensuppe und Fischbrötchen.

Ein Stand bietet Maibowle an, aber die Temperaturen sind heute leider nicht so hoch. Die Leute haben ihre Winterjacken wieder aus dem Schrank geholt und tragen Schals. Manche vermissen ihre Handschuhe. Ein scharfer Wind, teilweise als „Sturm“ zu bezeichnen, weht und bringt Stellschilder und Figuren zum Umkippen. „Wir haben auch Glühwein!“ ruft uns die Verkäuferin am Maibowlenstand zu.

Die „Trebeler Bauernstuben“, ein traditionelles Landgasthaus im Zentrum von Trebel, haben vor ihrem Haus auch einen Stand aufgebaut und verkaufen „normale“ Bratwürste, Wild-Bratwürste, Leber-Bratwürste und Bier.

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Plötzlich kommt Bewegung auf: viele Leute drehen sich um: die Heidekönigin aus Nemitz schwebt heran, mit einer Krone aus Heideblüten auf dem Kopf.

Die Nemitzer Heide gleich in der Nähe von Trebel ist entstanden, nachdem vor mehr als vierzig Jahren im Jahr 1975 ein Brand großflächigen Waldbestand vernichtet hatte und daraufhin die Natur ein Heidegebiet entstehen ließ.

Die Heidekönigin wird von ihrer Kronprinzessin und zwei etwa zwölf- bis vierzehnjährigen Mädchen als Assistentinnen begleitet. Die beiden Mädchen sind Schwestern und heißen Mara und Cenddris. Die Heidekönigin und ihr Gefolge machen Werbung für das Heideblütenfest am letzten August-Wochenende und damit zusammenhängend die nächste Wahl zur Nemitzer Heidekönigin.

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Ganz professionell lächeln die aktuelle Nemitzer Heidekönigin (links) und ihre Kronprinzessin (rechts), die automatisch zur nächsten Heidekönigin gekrönt wird.

Der Inhaber dieses Stands (mit Hut) verkauft in Nemitz, einem Nachbarort von Trebel, selbst produzierten Senf verschiedenster Zusammensetzung:

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Meine Freundin kauft ein Glas Orangen-Honig-Senf und ich ein Glas Himbeer-Senf.

Im Hintergrund des Standes rechts sehen wir wieder die aktive Heidekönigin der „Nemitzer Heide“ und rechts daneben die Kronprinzessin sowie die Adjutantinnen Mara und ihre Schwester Cenddris. Sie stehen dort, weil sie gleich die Preisverleihung in einer Verlosung vornehmen werden. Mit Hilfe einer Karte konnten Besucher nämlich Punkte bzw. Stempel an verschiedenen Ständen sammeln, und nun werden unter den abgegebenen Karten Preise verlost.

Ein Kinderkarussell für die Kleinen gibt es auch, eine Blechdosenwurfbude, und ein Bungee-Jump-Gestell für die mutigen größeren Kinder.

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Der Waldkindergarten aus Gartow hat ein Zelt aufgebaut, in dem von Eltern selbstgebackene Kuchen und Torten sowie Kaffee verkauft werden.

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Werbeschild für das Angebot des Waldkindergartens in Gartow.

 

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Das Kuchen- und Tortenangebot findet großen Zuspruch, viele nehmen sich Kuchen eingepackt mit nach Hause.

Ich esse eine Schwarzwälder Kirschtorte:

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Verzehrt werden können Kuchen und Kaffee auf Biergartenbänken und –tischen in der Nähe eines Hauses, auf dessen Gelände eine Hüpfburg für die kleinen Kinder aufgestellt ist.
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An mehreren Stellen auf den beiden auseinander liegenden Marktplätzen stehen Schilder mit der Werbung für Hubschrauberflüge.
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Ich sehe jedoch keinen Hubschrauber und auch keinen Ansprechpartner und frage einen der Standinhaber. Der Hubschrauber sei heute wegen des Sturms nur einmal hochgeflogen, ansonsten habe man die Flüge abgesagt.

Später treffe ich den Piloten mit seinem Hubschrauber neben dem Autoparkplatz und spreche ihn an.
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Der Pilot arbeitet bei dem Firmeninhaber aus Wernigerode/Harz als ausgebildeter Berufspilot. Ein Flug dauert acht bis zehn Minuten. Im Hubschrauber haben außer dem Piloten noch drei Personen Platz. Mindestens zwei Personen müssten mitfliegen, damit er aufsteige, erklärt mir der Pilot. Je Person kostet der Flug 40.– €. Aber wegen des Sturms sei die Nachfrage heute leider gering.

Der Besuch des Kiekemarkts ist wirklich zu empfehlen, nicht nur wegen der vielfältigen kreativen und/oder leckeren Angebote, sondern auch wegen der Nähe zur sehr interessanten Kirche. Die Kirche zu Trebel hat keinen Heiligennamen, wie sonst üblich, sondern heißt eben einfach nur „die Kirche zu Trebel“. Zur Kirchengemeinde gehören zehn Dörfer. Die Kirche ist im 12. Jahrhundert gegründet und um das Jahr 1600 weiter ausgebaut worden. Sie hat innen eine kulturhistorisch wertvolle große Orgel sowie eine künstlerisch gestaltete Kanzel.

Für den nächsten Kiekemarkt wünsche ich ihm besseres Wetter und noch mehr Publikum. Es lohnt sich wirklich!