Klimaschutzleitstelle: 100% Klimaschutz im Landkreis Lüchow-Dannenberg

Lüchow, 10. August 2018.
Das Bundesministerium für Umweltschutz fördert mit der Masterplan-Richtlinie Kommunen, die bis 2050 ihre Treibgasemissionen um 95 % gegenüber 1990 und den Endenergieverbrauch um 50% senken wollen. Der Kreistag des Landkreises Lüchow-Dannenberg stimmte am 24.9.2015 dafür, an dieser Masterplan-Initiative teilnehmen zu wollen. Seit dem 1. Juli 2016 ist eine Klimaschutzleitstelle eingerichtet, die ihren Sitz im Alten Postamt in Lüchow hat und die vier Jahre lang zu 95% durch die Klimaschutzinitiative der Bundesregierung gefördert wird.

In einer ersten Phase wurde bereits ein Masterplanbericht erstellt, der Ziele und die zur Umsetzung der Ziele notwendigen Maßnahmen enthält.

In der zweiten Phase geht es nun um die Umsetzung der Maßnahmen.

Ich sprach am 10. August mit Daniela Weinand, Diplom-Umweltwissenschaftlerin mit MBA in Nachhaltigkeitsmanagement und seit April Leiterin der Klimaschutzleitstelle in Vertretung, und traf sie mitten in einer schwierigen personellen Umbruchphase an. Eine befristete Stelle ist inzwischen ausgelaufen, die Leiterin der Klimaschutzleitstelle ging in Elternzeit, und eine weitere Mitarbeiterin hatte kurzfristig eine andere Stelle angenommen, sodass nun demnächst von Daniela Weinand ein/e neue/r Mitarbeiter*in über das Führen von Bewerbungsgesprächen ausgewählt und eingearbeitet werden muss.

Zu den Aufgaben von Daniela Weinand als „Masterplan-Managerin 100% Klimaschutz“ gehört Netzwerkarbeit, insbesondere die Kooperation mit den Akteuren, die inhaltliche Betreuung und die Umsetzung der geplanten Maßnahmen, und vor allem auch das Schreiben von Förderanträgen.

Für Maßnahmen selbst ist in der Förderung der Klimaschutzleitstelle durch die Masterplan-Richtlinie so gut wie kein Budget vorhanden. Vielmehr geht es darum, Initiativen von Privatleuten, Organisationen, Firmen oder Vereine zu unterstützen, indem Öffentlichkeitsarbeit übernommen wird, Unterstützung in Form der Entwicklung von Logos angeboten oder in Veranstaltungen auf die Arbeit der Klimaschutzleitstelle und die Arbeit der vernetzten Akteure aufmerksam gemacht wird.

Inzwischen sind 48 Maßnahmen im Maßnahmen-Katalog des Masterplans, der im September 2017 fertiggestellt wurde, benannt. Handlungsfelder sind Bildung, Mobilität, Landwirtschaft/Wirtschaft, Wohnen und Verwaltung.

Ich stelle hier die von Daniela Weinand genannten Maßnahmenbeispiele im Einzelnen vor, wobei „Klimaschutz“ natürlich das alles übergreifende Handlungsfeld ist, denn darum geht es ja: Weiterlesen

Innovative Ideen im Alten Postamt: Designbüro „destinature“ von WERKHAUS in Lüchow

Lüchow, 31. Juli 2018.
Seit 25 Jahren produzieren Holger und Eva Danneberg mit ihren Mitarbeiter*innen in ihrer Firma „WERKHAUS“ Möbel, Büro- und Wohnaccessoires und weitere nützliche Gegenstände im Stecksystem. Die Teile werden nach dem Entwurf und der Planung am Computer mit einer CNC-Fräsmaschine oder einem Laser produziert, verpackt und zum Verkauf angeboten. Die Kunden können sich die Möbel dann selbst zusammenstecken. Fixiert werden die gesteckten Teile – und das ist das Besondere an den WERKHAUS-Artikeln – nicht mit Kleber oder Schrauben, sondern lediglich durch Gummiringe.

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Ein Ausschnitt aus einem Steckmöbel im Großformat: das Schwarze an den Steckverbindungen sind Spannringe aus starkem Gummi.

Parallel zu diesem Angebot fertigt WERKHAUS auch Warenaufsteller und Präsentationsmöbel für Kunden und Messen. Aufgrund des großen Erfolgs wuchs die Firma stetig und beschäftigt inzwischen rund 170 Mitarbeiter*innen.

Die Firma WERKHAUS fokussierte sich zunächst auf Büroaccessoires wie zum Beispiel die bekannte Stiftebox, die einem VW-Bus nachempfunden ist, Sitzhocker oder später auch Pflanzgefäße.

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Ein Beispiel für die transportablen Steckmöbel von WERKHAUS: stapelbare Hocker, nützlich zum Beispiel bei Warteschlangen vor Konzertkassen oder bei Partys, beim Camping, für Outdoor-Unterricht von Schulklassen … (das Foto entstammt dem Katalog von WERKHAUS)

Im Laufe der Zeit jedoch nahm die Idee, größere Möbelstücke wie Schränke, Schreibtische oder Sitzbänke nach dem gleichen Steckprinzip herzustellen, immer mehr Form an.

Für das Design und die Entwicklung neuer und größerer Produkte, mit Fokus auf den Außenbereich, wurde 2014 eine neue Abteilung gegründet, die den Namen „destinature“ bekam: destination plus nature, also Ziel: Natur. Der Name ist bezeichnend für die Zielsetzung, nämlich nachhaltige und ökologisch sinnvolle Produkte zu entwerfen. Inzwischen arbeiten sechs Designer*innen bei destinature. Eine Designerin ist im Wendland gebürtig, die anderen Fünf sind Neuwendländer. Ich sprach am vergangenen Freitag mit Jirka Wolff, der seinen Master an der Hochschule für Künste in Bremen machte.

2017 erwarben Eva und Holger Danneberg das Gebäude des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße.

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Das Gebäude des Alten Postamts in Lüchow an der Salzwedeler Straße.

Das destinature-Büro befindet sich in einem Anbau im Erdgeschoss mit Zugang zur Straße.

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Rechts neben dem Alten Postamt in einem Anbau: das Büro von „destinature“.

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Das Firmenschild.

Andere Räumlichkeiten im Gebäudekomplex sind an Einrichtungen des Landkreises Lüchow-Dannenberg vermietet, wie die Klimaschutzleitstelle, die Fachkräfteagentur Wendlandleben oder die Wirtschaftsförderung.

Im Erdgeschoss befindet sich auch das „PostLab“, das ist ein Co-Working-Space der Grünen Werkstatt Wendland, das an Einzelpersonen, aber auch an Projektgruppen Arbeitsplätze vermietet. WERKHAUS ist Mitglied der Grünen Werkstatt Wendland, einer Kreativschmiede, die unter anderem Design-Workshops in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen veranstaltet. Bei einem dieser Design-Workshops in Kukate nahm auch Jirka Wolff während seines Studiums teil, und so entstand der Kontakt zu WERKHAUS.

Jirka Wolff  und seine fünf Kolleg*innen  Britta Lüpke, Michelle Mohr, Rieke Maasch, Jonathan Markus und Florian Wöste arbeiten unter anderem mit einer CAD-Software, mit der erste Prototypen und die Fräsdaten am Rechner erstellt und anschließend im Hauptwerk in Bad Bodenteich gefräst werden. Manchmal werden Prototypen auch von Hand mit der Stichsäge angefertigt oder Pappmodelle erstellt. Auf dem Parkplatz hinter dem Postamt gibt es ein Versuchsgelände, auf dem die Prototypen getestet werden. Sind die Muster auf Funktionalität überprüft und verbessert worden, werden sie zur Produktion freigegeben, gefräst und anschließend als Bausatz flach verpackt in den Verkauf gegeben.

Für Artikel, die im Freien genutzt werden sollen und der Witterung ausgesetzt sind – zum Beispiel Gartenbänke oder Pflanzgefäße – werden Massivholzplatten aus Douglasie oder wasserfest verleimtes Sperrholz verwendet, für Wohnartikel im Innenbereich hingegen Fichte. Das Holz stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft vorzugsweise aus Deutschland. Das Sperrholz wird aus Finnland bezogen.

WERKHAUS besitzt mehrere Ladengeschäfte in verschiedenen Großstädten, darunter Hamburg, Berlin und Hannover, vertreibt die eigenen Produkte aber auch online.

Das Stecksystem ist markenrechtlich geschützt, um Nachahmungen vorzubeugen. Im Jahr 2017 wollte ein Discounter Stifteboxen anbieten, die Nachahmungen der von Eva und Holger Danneberg entworfenen Artikel waren, woraufhin über eine Unterlassungsklage die Produkte wieder aus dem Angebot entfernt werden mussten.

Die Aufgaben der Mitarbeiter*innen bei destinature bestehen nicht nur darin, neue Produkte zu entwickeln, sondern auch, Projekte mit verschiedenen Partnern zu verwirklichen.

Momentan entwickelt das Team zusammen mit der Firma „Goldeimer“ eine Komposttoilette nach ganz neuen Maßstäben. Goldeimer engagiert sich sozial und ökologisch, verkauft eigenes Toilettenpapier und vermietet Komposttoiletten auf Festivals, um auf das Problem der globalen Sanitärkrise aufmerksam zu machen.

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Goldeimer und WERKHAUS arbeiten zusammen.

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Hier ein Beispiel für die gelungene Zusammenarbeit von WERKHAUS und Goldeimer: Goldeimer liefert das Toiletttenpapier, WERKHAUS die poppig verzierte Toilettenpapier-Steckbox.

Alle Goldeimer-Erlöse fließen in die Arbeit der Welthungerhilfe.

Hier ist ein Prototyp der Komposttoiletten zu sehen, die für Festivals gedacht sind:

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„Gespült“ wird, anders als bei herkömmlichen transportablen Toilettenhäuschen aus Kunststoff, nicht mit Wasser, sondern mit Sägespänen.

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Hier sieht man den Spülhebel, der nach Betätigen Sägespäne ins Toilettenbecken rieseln lässt.

Im Toilettenhäuschen im WERKHAUS-typischen Stecksystem gibt es ein Handwaschbecken mit wassersparender Fußpumpe und einen Spiegel.

An einer Wand im Klohäuschen ist auch noch Platz für Kunst:

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Außerdem haben die Designer von destinature mit Goldeimer rund um das Thema „Klo“ weitere Produkte entwickelt, darunter ein „Klo to go“, eine transportable Mini-Toilette, die man zum Beispiel in einem Schrebergarten oder beim Camping einsetzen kann.

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Auf dem Werbeplakat kann man eins der „Klo to go“ erkennen: schont die Natur und nehmt eure Toilette überallhin mit!

Ein weiteres Projekt, an dem WERKHAUS destinature beteiligt ist, ist die Ausstattung des Projekts „CoWorkLand“ in Schleswig Holstein, ein mobiles Co-Working-Space, das durch die Heinrich-Böll-Stiftung ins Leben gerufen wurde. Bis zum 16. August können nicht nur die Co-Worker am Strand  „Brasilien“ in der Nähe von Schöneberg die mobile WERKHAUS-Sauna nutzen.

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Ein Bild von der mobilen Sauna aus dem Katalog von „destinature“.

Im Archäologischen Zentrum Hitzacker steht der Prototyp einer Übernachtungshütte für Fahrradtouristen, die ebenfalls von destinature entwickelt wurde.

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Hier sieht man den Prototyp einer Übernachtungshütte für Fahrradtouristen. Innen ist Platz für ein klappbares Doppelbett und für Kleinmöbel. Vor der Hütte: die ausklappbare Terrasse.

Inzwischen haben dort bereits erste Gewinner einer Verlosung ein „Schnupperwochenende“ verbracht. Die Hütte ist Teil eines schon bewilligten Förderprojekts: Es soll ein ökologisch orientiertes Camp mit weiteren Hütten, Komposttoiletten und einem Bistro  aufgebaut werden.

In der großen Halle des Alten Postamts zeugt kreatives Chaos vom Ausprobieren verschiedener Materialien, Werkzeuge und Maschinen stehen herum, Prototypen warten auf Verbesserung und Weiterentwicklung:

 

Frische neue Ideen also im Alten Postamt von Lüchow! Die Ansiedlung von destinature mit seinen jungen Kreativen kann richtungweisend auch für andere zukunftsorientierte Unternehmen und Projekte sein. Probeweise kann man ja zunächst das Co-Working-Space der Grünen Werkstatt, das „PostLab“ nutzen.

 

 

 

 

 

Autokennzeichen im Wendland

11.Mai 2018
Das Wendland ist nahezu identisch mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg.  Lüchow ist der Status als Sitz der Landkreisverwaltung zugesprochen worden, während die Stadt Dannenberg das Autokennzeichen des Landkreises stellt: DAN.

Viele Autofahrer legen Wert darauf, gleich anhand ihres Autokennzeichens identifiziert zu werden und wählen daher ihr Kennzeichen sorgfältig aus. Dafür bezahlen sie freiwillig eine nicht unbeträchtliche Gebühr. Gerne nimmt man die Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachnamen und das Geburtsdatum als Zahlenbestandteil.

Andere wiederum haben Spaß daran, mit den individuellen Buchstaben nach dem Kennzeichen für die Stadt oder den Landkreis ein Wort zu bilden.

Das fällt in solchen Städten oder Kreisen schwer, wo das Kennzeichen nur aus Konsonanten besteht, zum Beispiel „HB“ oder „WL“ oder „WMS“.

Aber viele Städte oder Kreise haben zwischen Konsonanten auch Vokale, sodass sich eine Silbe ergibt, die im Glücksfall mit einer weiteren Silbe zu einem sinnvollen Wort wird.

So lieben die Oldenburger es, den Namen „Olga“ zu bilden, indem sie sich für die persönlichen Buchstabenfolgen G und A entscheiden: OL-GA. Oder OL-I.

Auch die Wendländer spielen mit dem Autokennzeichen: sehr beliebt, sozusagen auf Rang eins, steht die Kombination des Kreiszeichens DAN mit KE: DAN-KE. DAN plus K geht auch noch gut: DAN-K.

An nächster Stelle in der Beliebtheitsskala steht CE: DAN-CE > tanzen auf Englisch… Gerne aber auch die französische Version: DAN-SE. Ein DAN-DY zu sein, ist auch sehr begehrt.

Die Vornamen DAN-Y und DAN-A sieht man auch oft, und vielleicht heißen die Besitzer ja tatsächlich so.

Literarisch Gebildete wählen gern den italienischen Renaissance-Autoren DAN-TE, noch Gebildetere, die in der griechischen Mythologie bewandert sind, sogar DAN-AE, der Name der Tochter von Akrisios und Aganippe – weiß doch jeder…! 😉

Schlichtere Gemüter beschränken sich auf die Bildung der Wörter DAN-N oder DAN-Z, immerhin reimt sich dies auf „Tanz“.

Leute mit internationalem Weitblick wählen auch gern die Kombination DAN-AM, denn das reimt sich auf die amerikanische Fluglinie PAN-AM.

Da viele Landkreisbewohner Wert darauf legen, am Widerstand gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben beteiligt zu sein, kommt – bestimmt im bundesdeutschen Vergleich übermäßig – häufig der Buchstabe „X“ vor, gerne auch kombiniert mit anderen Buchstaben, zum Beispiel DAN-EX – oder als Doppel-X: DAN-XX – oder auch mit S: DAN-SX.

Bei der Recherche habe ich bei Google „Kfz-Nummern“ eingegeben und bin auf diese Seite gekommen. Hier wird leider nicht so nett unter „Lustige und witzige Bedeutungen zum KFZ-Kennzeichen DAN“ erklärt, was manche Leute unter DAN verstehen:

DAN > Die armen Nachbarn
DAN > Dümmster Autofahrer Niedersachsens

Gebt doch selbst einmal nettere Erklärungen ein! Vielleicht „Denkt an Naturschutz“ oder „Die Alternative (für) Niedersachsen“?