Raus mit der Lebenslust! The Stonez: Coverband aus Wien im Stones-Fan-Museum

(Siehe auch Folgeartikel über ein Interview mit der Band The Stonez)
Lüchow.
Ostersonnabend, 19:45 Uhr, Rolling-Stones-Fan-Museum, Lüchow.

DSCN1835

Die Bühne des Stones-Fan-Museums vor dem Auftritt. Ganz hinten an der Wand ein Foto der jungen Original-Rolling Stones aus der „BRAVO“. Der Weihnachtsbaum steht immer da.

Das Museum füllt sich, überall stehen oder sitzen Leute herum, bestellen sich am Tresen ein Bier oder ein Wasser. Viele tragen Fankleidung in irgendeiner Form, zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Tourneeplan der Stones, oder einen Jackenaufnäher oder eine Krawatte mit dem Zungenmotiv oder wenigstens eine Kappe mit dem Schriftzug „Stones“. Sie sind eigentlich Fans der Original-Stones, kommen aber gerne zum Auftritt der Coverband, von der sind jetzt auch viele Fans geworden – und noch mehr werden es nach dem Auftritt sein.

DSCN1836

Ein Foto der Stones zu ihren goldenen Zeiten an einer Wand des Stones-Fan-Museums.

Hans Irker, der Frontmann und Leadsänger der Stonez aus Wien, steht an einem Tisch mit zwei Ultra-Stones-Fans links und rechts und lässt sich fotografieren. Die Fans aus Rostock sind Teil der deutschen Stonesfan-Gruppe bei Facebook, in der auch Hans Mitglied ist.

DSCN1846

Hans Irker (Mitte), der Leadsänger der Coverband The Stonez aus Wien, noch in Zivilkleidung, vor dem Auftritt, in angeregtem Gespräch mit Fans aus Rostock.

Ich komme mit einem Fan aus Schwerin, behängt mit einem Schal mit lauter rausgestreckten Stones-Zungen, ins Gespräch. Er ist deswegen auf das Konzert aufmerksam geworden, weil Hans Irker, der Leadsänger der Band, über die Facebook-Gruppe eine Freundschaftsanfrage an ihn gestellt hat. Man kennt sich eben in der Szene und tauscht sich aus. Vernetzung ist wichtig.

Ulli Schröder betritt die Bühne und heißt die Zuschauer willkommen. Er begrüßt gesondert Gäste, die aus dem benachbarten Ausland gekommen sind, nämlich aus Holland und aus Österreich.

DSCN1849

Ulli Schröder, Gründer und Chef des Stones-Fan-Museums, in seiner „Markenkleidung“ begrüßt das Publikum.

Anschließend erläutert er Neuigkeiten im Zusammenhang mit seinem Museum. Unter anderem wird das Museum am Mittwoch, den 4. Juli eine Busfahrt nach Prag zum dortigen Rolling-Stones-Konzert anbieten. Der Gesamtpreis incl. Fahrt beträgt 199.– €. Es gibt allerdings nur für 55 Personen Plätze und Karten, und die meisten sind schon vergeben. Dann verweist Ulli auf die neuen von Ralf Schade geschnitzten Eichentafeln mit Stones-Motiven an der Außenfassade. Inzwischen hat die Frieslänge 34 Meter erreicht. Außerdem hat der ehemalige HSV- und Nationalspieler Charly Dörfel, der in diesem Jahr 78 Jahre alt wird, seine gesamte Musiksammlung – Vinyl-Singles und –LPs sowie CDs – dem Museum gespendet. Darunter sind allein 3.300 LPs, sodass die gesamte LP-Sammlung des Museums inzwischen mehr als 20.000 LPs umfasst. Am 18.4. wird überdies eine besondere Veranstaltung der IHK Lüneburg/Wolfsburg im Museum stattfinden, bei der es um die Schaffung einer Marke für das Dorf Wacken geht: „Wacken – ein Dorf wird eine Marke“. Wacken, das Dorf, in dem das Heavy-Metal-Festival immer stattfindet. An dieser Veranstaltung kann jeder Interessierte teilnehmen, bitte vorher anmelden.

Ulli bedankt sich zudem ausdrücklich bei dem Freundeskreis des Museums, dessen jährliche Spende von 50.– € pro Person unter anderem die Weiterentwicklung des Außenfrieses und den Austausch der Beleuchtung in LEDs ermöglicht hat.

Dann geht es pünktlich um 20:30 Uhr mit dem Konzert der Stonez los. Die fünf Instrumentalmusiker Mihael Gluhak, Nick Atanassov, Mike Linder, Christoph Nöbauer und Martin Kohlmann betreten die Bühne und fangen an zu spielen.

DSCN1851

Erwartungsvoll schauen die beiden Fans links in Richtung der eintreffenden Musiker: Nick Atanassov (ganz rechts) und links daneben Mihael Gluhak, beide Gitarre.

DSCN1852

Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, geht Richtung Bühne, noch etwas Anspannung im Gesicht.

Dann springt unter großem Beifall des Publikums der Star der Band auf die Bühne und ergreift das Mikrofon: Hans Irker, der dem Original-Stones-Sänger Mick Jagger so ähnlich sieht, er könnte glatt ein jüngerer Bruder sein.

DSCN1861

Hans Irker, Leadsänger und Frontmann der Stonez, in Mick-Pose.

Sofort stellt sich heraus, dass er nicht nur visuelle Ähnlichkeiten mit seinem Vorbild hat: vielmehr hat er die gleiche Stimmlage, wenn nicht sogar die gleiche Stimme. Ja, er hört sich tatsächlich wie Mick Jagger an. Und da er auf Englisch singt und auch die Ansprachen ans Publikum auf Englisch macht, hört man auch nicht mehr den charmanten wienerischen Akzent heraus, den ich beim Interview mit ihm am Nachmittag wahrgenommen hatte.

Unterstützt wird der Leadsänger beim Gesang häufig durch die Bandkollegen Mihael Gluhak und Christoph Nöbauer. Dadurch gewinnt der Gesang eine starke, die Instrumentalbegleitung durchdringende Kraft.

Einer der ersten Songs ist „Let’s spend the Night together“, einer der frühen Erfolge der Originale, und zumindest den Refrain kennen nun wirklich alle im Raum, lassen sich mitreißen und singen begeistert mit. Spätestens bei „The last Time“ hält es nun auch die Ruhigeren nicht mehr, und nun drängt sich die Menge vor der Bühne, singt und tanzt ausgelassen.

DSCN1944

Das Publikum hat sich vor der Bühne gesammelt und singt und rockt mit.

Vortänzer – wie bei der Originalband – ist der Frontmann. Er hüpft und springt, macht Ausfallschritte, schüttelt seine Haare wild und kommuniziert gestisch und mimisch mit seinen Bandkollegen und dem Publikum.

Das Alter des Publikums? Bunt gemischt, es ist alles dabei, von 18 bis 80. Viele weiße Haare sieht man, und bei so manchen spannt sich das rockige T-Shirt mit der wilden Zunge über einen teuer angesammelten Bierbauch.

Die Rolling Stones sind inzwischen 55 Jahre auf der Bühne, Mick Jagger ist 75 Jahre alt und Charlie Watts noch älter. Eine ganze Menschengeneration wurde von der Musikrichtung der Stones geprägt. Die über 400 Stones-Stücke haben wichtige historische Ereignisse begleitet: den Vietnamkrieg, die Hippie-Zeit, die Anti-Atomkraft-Demonstrationen, den Mauerfall … In bedeutenden Filmwerken, die die historischen Ereignisse aufgegriffen haben, wurden Songs der Stones als Begleitmusik ausgewählt, zum Beispiel in Kubricks „Full Metal Jack“, der die Grauen des Vietnamkriegs aufzeigt. Weil die Musik damals die Begleitmusik der Menschen zu der Zeit und in den Situationen war.

Manche im Publikum sehen ganz bieder aus, aber bei dieser Musik und bei dieser Gelegenheit inmitten von Gleichgesinnten lassen sie alle Hemmungen fallen, recken die Hände hoch, lassen das Becken kreisen und grölen lauthals die Erinnerungen an ihre Jugend heraus. Ihre Gesichter sehen glücklich und gelöst aus. Die Stimmung ist toll. Lebensfreude liegt in der Raumluft, die sich mit leicht wabernden Rauchwolken von der Bühnentechnik her vermischt.

Die Technik wie die Ton- und Lichtanlage wird von Mitarbeitern der Firma Pinder aus Leipzig bedient, und sie machen gute Arbeit. Alles gut ausgesteuert, keine Verzerrungen, und bei jedem Song wechselt die Lichtfarbe, mal rot, mal pink oder blau oder bunt, und/oder der Lichtrhythmus. Bei „Angie“ zum Beispiel, einem ruhigen und elegischen Song, ist die Beleuchtung ganz in Pink. Die Arbeit der Techniker muss wirklich einmal gelobt werden. Danke an euch!

DSCN2001

Die beiden Techniker von der Firma Pinder aus Leipzig: rechts der Tontechniker, links der Beleuchter.

Um 21:38 Uhr ist zunächst einmal Pause. Ich setze mich vorne in Bühnennähe auf einen der Cocktailsessel aus den Fünfziger Jahren neben eine Frau, die zusammen mit ihrem Bruder aus Wuppertal gekommen ist. Sie heißt Astrid und ihr Bruder Wilfried.

Schnell kommen wir ins Gespräch. Astrid und Wilfried kommen schon seit 2014 einmal pro Jahr ins Stones-Fan-Museum in Lüchow, weil sie Ulli und seine Frau so sehr mögen, sagt Astrid. Wilfried ist 64 Jahre alt und seine Schwester einige Jahre jünger. Wilfried war schon bei vielen Konzerten der Stones live dabei, aber Astrid war letztes Jahr das erste Mal mit, auf dem Konzert in Düsseldorf. 565.–€ haben sie und ihr Bruder jeweils für eine Eintrittskarte bezahlt. Dieses Jahr will sie nach Berlin mit, da kostet die Karte nur knapp 400.– €.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfahre ich von Astrid, dass sie und ihr Bruder Mitglied einer Facebook-Gruppe namens „Stonesland“ sind, in der sich deutsche Rolling-Stones-Fans sammeln, wie ja auch schon oben erwähnt. 797 Mitglieder hatte die Gruppe bis gestern. In der offenen Gruppe tauschen sich die Mitglieder über Konzerte, Kartenkauf und alles Interessante rund um die Rolling Stones aus. Viele der Facebook-Gruppe sind auch beim Konzert der Coverband dabei.

So auch Jan, der sich bald auf den Sessel neben mir setzt, weil es Astrid nicht mehr hält und sie unbedingt in der Menge vor der Bühne mittanzen möchte. Jan ist auch so schätzungsweise Mitte 60. Er hat seine etwa gleichaltrige Frau dabei, die flott gekleidet ist, mit schwarzer Lederjacke und schwarzen Stiefeln über der Hose. Sie tanzt ganz ausgelassen nach den Songs und schaut ab und zu bei uns vorbei.

Jan sagt mir, dass seine Frau früher „Angie“ genannt wurde, nach einem der Stones-Songs.

Jan und seine Frau kommen aus Leipzig und sie waren letztes Jahr beim Albert-Hammond-Konzert im Museum. Das Konzert hat ihnen gefallen, aber danach wussten sie nichts mehr mit dem Wendland anzufangen und fanden es hier langweilig. Auch gestern, so Jan, hätten sie nach der Ankunft in Lüchow weiter nichts hier anzufangen gewusst, und dann sei das Wetter ja auch noch so schlecht geworden. Ich sage ihm, dass wir für das Wetter nichts können, und er lacht.

Aber das wäre mal eine Denkaufgabe für an Tourismus interessierten Leuten:

Was könnte man als Anschlusserlebnis hier im Wendland anbieten für Menschen, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Lüchow ins Stones-Fan-Museum kommen, weil sie sich eben so für die Stones und/oder Rockkultur allgemein interessieren? Ohne dass sie sofort in ein tiefes Loch fallen? Was könnte diese Lücke zwischen dem Erlebnisort Stones-Fan-Museum und dem Umfeld auffüllen? Soll man diese Menschen, die lebensfroh sind, wilde Musik mögen und unkonventionell sind, jetzt nach dem Besuch im Stones-Fan-Museum und/oder einem Rockkonzert darin sich selbst überlassen, oder kann man ihnen noch etwas für sie Interessantes anbieten?

Inzwischen blüht Wilfried immer mehr auf und erinnert sich bei jedem Song an seine Jugend. Er hat zu Hause DVDs über die Stones und viele Bücher, auch mit allen Songtexten. Er ist ein Experte.

Nach Ende der Pause fängt die Band das zerstreute Publikum wieder mit einem treibenden Sound ein, und schnell sammeln sie sich wieder vor der Bühne.

DSCN1915

Die Band bei der Arbeit: links im Bild sieht man Mike Linder, der die Drums bedient.

DSCN1901

Hier greift Nick Atanassov in die Saiten.

Das zweite Lied nach der Pause ist „Angie“ und Wilfried ruft uns zu, das wäre aus dem Jahr 1973, da sei er bei der Bundeswehr an der holländischen Grenze gewesen und da, als dieses Lied herauskam und ein Hit wurde, „da habe ich am meisten gekifft“. Inbrünstig singt Wilfried den Text von „Angie“ mit, wie übrigens auch viele andere im Publikum die Songtexte teilweise in Gänze, aber wenigstens den Refrain mitsingen oder vielmehr – wegen der Lautstärke muss man das so sagen: – mitgrölen. Ist ja nicht schlimm, Hauptsache, man spürt die Stimmbänder noch.

Das dritte Lied nach der Pause ist „Ruby Tuesday“. „1967!“ ruft Wilfried mir zu. „Angie“, die Frau von Jan, kommt zu uns, nimmt mich und Wilfried in den Armhaken – Jan ist aufgestanden – und bald schunkeln wir zu dritt zu der Melodie. Jetzt singe auch ich mit, denn den Text kann ich auch noch.

 

 

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Der nächste Song. „Under my thumb“ ruft – oder vielmehr: schreit – Wilfried mir zu. Danach kommt „Miss you“, von 1978, laut Wilfried. Ein treibender Sound, meine Nachbarin hält es nicht mehr, sie springt auf und muss einfach wild tanzen. Auch Hans Ilker springt nun von der Bühne ins Publikum hinein und singt und tanzt inmitten in der Menge. In der Pause haben einige der Musiker ihr Outfit gewechselt und Hans zeigt nun seine Oberarmmuskeln in einem Leopardenfellmusteroberteil.

Nach dem Song „Miss you“ stellt Hans Irker seine Bandkollegen einzeln vor, und Mihael Gluhak stellt Hans vor mit: „Mr. Mick Jagger: Hans Irker!“ Das Publikum klatscht frenetisch.

DSCN2016

Hier hängt sich Dr. Martin Kohlmann in seine Gitarre rein. Die „Keith“-Gitarre…

Nun folgen noch die bekanntesten Stones-Songs wie „Gimme shelter“ von 1969 (laut Wilfried) oder „Jumpin‘ Jack Flash“ und „Sympathy for the Devil“, mein persönlicher Lieblingssong der Stones.

Das Publikum lässt die Band nach zweieinhalb Stunden Spielzeit nicht einfach gehen. Nein: Zugabe! Die Jungs auf der Bühne haben noch Lust, man merkt ihnen die Spielfreude an. Ihre Gesichter strahlen. Sie sind ebenso begeistert vom Publikum wie das Publikum von ihnen.

Inzwischen habe ich Wilfried verlassen und stehe nun auch in der Menge direkt vor der Bühne und singe und rocke mit im Rhythmus der Masse. Beim ausgiebig lang gespielten Song „You can’t always get what you want“ übernimmt zeitweise die Menge ganz das Singen des Refrains, denn den kennt nun wirklich jeder, und Hans Irker hält einfach das Mikrofon in die Menge.

Es ist schon klar, dass das der letzte Song sein wird, denn das Publikum möchte wohl gern noch mehr, aber irgendwann ist auch die Band erschöpft. Man kann nicht alles haben, was man gern möchte, und so gehen die Scheinwerfer der Lichtanlage gegen 23:45 Uhr endgültig aus.

DSCN2032

Das Gesicht von Martin Kohlmann nach dem Ende des Auftritts zeigt es: glücklich zu sein über den überaus gelungenen Auftritt im Stones-Fan-Museum, dem ersten Auftritt der furiosen Stones-Coverband aus Wien/Österreich in Deutschland, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Und ein bisschen Stolz – berechtigt – kann man auch im Gesichtszug erkennen, oder?

Die Frau links von mir, eine zierliche mit einer Stones-Cap auf den blonden Haaren und schwarzer Lederjacke, die die ganzen mehr als drei Stunden direkt vor der Bühne wild mitgerockt hat, direkt neben der Freundin von Hans, die die ganze Show mit ihrem Handy mitfilmt, wendet sich ganz unvermittelt mir zu und strahlt mir gelöst ins Gesicht. „Das war toll, nicht?“ Ich stimme ihr zu und frage, woher sie kommt: aus Düsseldorf.

Ulli Schröder kommt auf die Bühne und bedankt sich bei der Band für den grandiosen Auftritt und wünscht eine gute Heimfahrt nach Wien, die aber erst am nächsten Tag stattfinden wird.

DSCN2035

Ulli Schröder bedankt sich bei den Gästen für ihr Interesse und ihr Kommen und bei der Band für ihren tollen Gig.

DSCN2068

Und zum Schluss verneigen sich noch einmal alle brav – wie im Theater. Frohe und glückliche Gesichter.

Eine tolle Band, vielen Dank für den schönen Abend!

Die Band kann kontaktiert werden über Mihael Gluhak, *43(0)699 11066185, mail: band@stonez.at.

Saisoneröffnung im Stones-Fan-Museum mit The Stonez

Lüchow.
Am heutigen Ostersonnabend startet das Rolling-Stones-Fan-Museum von Ulli Schröder gleich mit einem rockigen Auftakt: die Rolling-Stones-Coverband „The Stonez“ aus Österreich heizt ein, was bei dem heutigen winterlichen Wetter ja nur wünschenswert ist.

Nach zehn Stunden Autofahrt sind die sechs Musiker plus Begleitung gestern in Lüchow eingetroffen und hatten erst einmal Hunger. Deshalb haben sie gleich als einen der ersten Eindrücke von Lüchow die Ausstattung des Art and Rock Cafés in der Lange Straße gewonnen, nämlich die Dekoration mit zahlreichen Großfotos der Original-Stones.

Ulli Schröder führte sie dann erst einmal durchs Museum und zeigte ihnen die zahlreichen interessanten Ausstellungsstücke.

Ich durfte einige Mitglieder der Band heute vor ihrem Auftritt interviewen.

Hans Irker, der Frontmann und Sänger der Coverband, war gleich super beeindruckt davon, was Ulli im Laufe seines Lebens gesammelt und im Museum zusammengestellt hat. „Das ist ein Traum für jeden Stones-Fan“ sagt er, „und das Museum ist viel größer, als ich es mir vorgestellt hatte. Das hat schon einen weltweit einmaligen Status.“ Hans war sofort vernarrt in den originalgroßen Pappaufsteller von Mick Jagger.

Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, der sozusagen das Instrument in der Gruppe spielt, das früher vom Ex-Stones-Mitglied Bill Wyman bedient wurde, und das heute bei Auftritten der Original-Stones von Darryl Jones bespielt wird, ließ der Anblick von einer Originalgitarre von Keith Richards im Museum das Herz höher schlagen. Und ganz gerührt war er, als er den von Keith im Jahr 1966 handgeschriebenen Brief an seine Mutter entdeckte.

Die Band The Stonez gründete sich im Jahr 2006. Allen Bandmitgliedern ist natürlich ihre Begeisterung für die Musik ihrer Vorbilder gemeinsam.

Außer dem Frontmann und Sänger sind alle Gründungsmitglieder, die meisten jetzt vom Alter her in den Vierzigern, noch dabei. Nachdem der ursprüngliche Sänger in Pension ging, suchte die Band einen würdigen Nachfolger und hatte das Glück, dabei auf Hans Irker zu treffen, der jetzt ein Jahr Bandmitglied ist. Die Band setzt bewusst Hans Irker als Aushängeschild ein.

Hans Irker sieht Mick Jagger, seinem großen Vorbild, zunächst einmal äußerlich ähnlich. Die markanten Gesichtszüge, die Falten, die Frisur – ja, das erinnert schon stark an Mick. Mick Jagger war übrigens mal mein absoluter Schwarm, als ich 13 war. Großformatige Fotos aus der „Bravo“ hingen an der Wand in meinem Zimmer. Bis mein Vater sie eines Tages abriss, wonach ich bitterlich weinte.

Die Musik der Stones und speziell der Gesang von Mick Jagger seien seine „Lebensleidenschaft“, sagt Hans Irker. Er versucht bei seinen Auftritten nicht, Mick Jagger einfach zu kopieren, zum Beispiel genau dessen Tanzschritte nachzuahmen, sondern bemüht sich, sich in ihn hineinzuversetzen, das innere Empfinden von Mick Jagger bei dessen Songinterpretationen zu erspüren.

Hans Irker hat sogar schon einmal Mick Jagger getroffen, auf einer Pressekonferenz.

Ob er sich auch so intensiv auf Liveauftritte vorbereitet wie Mick Jagger, der unmittelbar vorm Auftritt noch eine halbe Stunde auf dem Laufband hinter der Bühne verbringt, um konditionell durchhalten zu können? Hans Irker lacht verschmitzt: „Ja, ich habe gestern 5/8 Liter Wein getrunken!“ Eben ein echter Österreicher.

Immerhin dauert der Auftritt der Coverband genauso lange wie der Auftritt der Originalband, nämlich zweieinhalb Stunden.

„Ein bisschen Sport mache ich schon“, bessert Hans Irker nach, „ich brauche doch natürlich Kondition“.

Hans Irker hat schon einmal mit Mick Taylor zusammen gespielt. Das war in Wien, im Jazz- und Blues-Lokal „Wiener Reig`n“. Mick Taylor war ja einige Jahre lang der Ersatz für Brian Jones, bevor dann Ron Wood den Part übernahm. Die „Ben Waters Band feat. Mick Taylor“ trat in dem Musiklokal auf, und Hans Irker durfte mit Mick Taylor als Begleiter an der Gitarre die Songs „Little Queenie“ und „Route 66“ singen. Das Lokal fasst ungefähr 500 Besucher. Vier Wochen später stand dann Mick Taylor zusammen mit den restlichen Stones auf der Bühne vor 120.000 Zuschauern.

Die fünf Instrumentalmusiker neben dem Sänger Hans Irker bedienen die Instrumente Gitarre (3x), nämlich Mihael Gluhak, Nick Atanassov und Martin Kohlmann, Schlagzeug spielt Mike Linder und Christoph Nöbauer das Saxophon. Saxophon? Ja, die Band möchte die Originalband nicht einfach kopieren, sondern hat schon den Anspruch, Interpretationen mit einer eigenen Note anzubieten. Und so gibt es eben statt des Keyboarders einen Saxophonisten, nämlich Christoph Nöbauer.

Martin Kohlmann spielt die „Keith“-Gitarre und ist in seinem Hauptberuf Arzt, ein Neurologe mit Dr.-Titel. Ihn interessiert die Musik der Rolling Stones aus der Zeit 1968 bis 1974 am meisten. Das war „das goldene Zeitalter der Stones“, sagt Martin. Im Alter von 14 Jahren hat er die Stones das erste Mal bei ihrer Tour „Steel Wheels“ gesehen und war seitdem fasziniert von der Band. Auch seine Mutter, ein Stones-Fan, hat ihn in die Musikrichtung gelenkt.

Mihael Gluhak wiederum mag die Musikrichtung der Stones eher aus den Neunzigern, zum Beispiel den Song „Out of Control“.

Hans Irker interpretiert am liebsten „Midnight Rambler“, das wäre ein Mix aus verschiedenen Musikstilen: Blues, Rock, Free Style. „Can’t you here me knockin`“ findet Hans auch noch besonders gut, wegen der vielfältigen Elemente von Jazz über Soul bis zu Jam Basics.

Von der Musik leben kann die Coverband noch nicht. Alle Bandmitglieder haben einen anderen beruflichen Background, vom schon erwähnten Arzt über den Taxifahrer, den Manager beim größten Kindergartenbetreiber Österreichs, den Mitarbeiter in der Behindertenhilfe bis zum Banker und Grafiker. So hat die Band The Stonez etwa 10 bis 12 Auftritte im Jahr. In Österreich wächst die Fangemeinde immer mehr. Alle Altersklassen sind vertreten, so wie ja eigentlich auch bei den Original-Stones.

In Deutschland, dem größten Musikabsatzmarkt in Europa, treten sie das erste Mal auf, und das gleich hier bei uns in Lüchow!

Wie ihnen Lüchow gefällt? „Wir haben gleich den Eindruck einer sympathischen und angenehmen Stadt gehabt“, sagt der Frontmann, und die anderen nicken nachdrücklich zustimmend. Gestern Abend, nachdem sie sich im Art and Rock Café kulinarisch gestärkt hatten, statteten sie der „Wunder-Bar“ in Lüchow auch noch einen Besuch ab, bei dem sie gleich mehrere Fans trafen, die heute Abend bei dem Konzert dabei sein werden. Mehr als 250 Gäste werden erwartet.

Der Name „The Stonez“ mit dem Buchstaben „z“ am Ende ist eigentlich als einmaliger Name entstanden. Mit dem vorherigen Sänger war eigentlich mit den Musikern nur ein einmaliges Projekt geplant gewesen, für das man spontan nach einem Bandnamen gesucht und sich so eben auf die geringfügige Veränderung des Band-Originalnamens geeinigt habe.

Die jetzige Bandbesatzung hatte nach einem Auftritt im österreichischen Burgenland einen Videoclip auf ihrer Facebook-Seite eingestellt, auf den Ulli Schröder aufmerksam geworden war. So ist der Kontakt zu Ulli Schröder zustande gekommen. Der Name war den Bandmitgliedern natürlich schon vorher ein Begriff, da Ulli in Stones-Kreisen natürlich sehr bekannt ist.

Jetzt bin ich mal auf den Gig heute Abend gespannt!

Bis dahin: „Stonige Grüße“ – wie Ulli Schröder sagen würde!

Ich habe sogar ein Plakat der Band mit Autogrammen bekommen:

DSCN1840a.jpg

Martin hat mir noch eine Gitarre aufgemalt (jedenfalls soll es eine sein).

Viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

Frohe Ostern! Endlich Schnee!

DSCN1833

Lüchow.
Heute ist der letzte Tag vor Ostern. In Lüchow ist Markttag. Die Händler bieten so schöne Blumen für den Balkonkasten oder den Garten an! Aber es regnet. Regnen ist gar kein Ausdruck: es regnet „Katzen und Hunde“, wie die Engländer sagen. Arme Marktleute!

Ich gehe so kurz nach zwölf zum Fleischer Deppe. Dort gibt es immer leckere Gerichte zum Mitnehmen oder auch zum Sofortessen. Ich esse einen Kartoffel-Brokkoli-Gratin und gehe dann rüber zum Dänischen Bettenhaus, um ein bisschen zu gucken. Draußen fängt es an zu schneien. Immer dichter wird das Schneetreiben, und die Flocken sind groß und nass. Die Leute im Laden reden darüber. Die Verkäuferinnen melden, dass die Osterfeuer für heute abgesagt und auf morgen verschoben worden sind.

Mit meinen gekauften Sachen eile ich zum Auto, das ganz eingeschneit ist. Die Straßen sind rutschig, ich merke es auch unter den Schuhsohlen.

Dabei war es gestern so schön! Die Sonne schien, es war frühlingswarm. Ich habe viel im Garten geschafft. Und heute ist es Winter! Ach ja, morgen ist ja der 1. April. Und der April macht, was er will.

Aber vielleicht wird es ja doch noch österlich schön …!

DSCN1831

Der St.-Annen-Kirchhof in Lüchow

Lüchow.
Am Rand von Lüchow, gegenüber des alten Postamts, gibt es einen kleinen Park. Spaziergänger führen ihre Hunde oft dort hindurch, oder er wird als Abkürzung genutzt.

Dabei ist es eine Kriegsgräberstätte. Die Stadt Lüchow hat eine Infotafel aufgestellt, der man entnehmen kann, dass dieser kleine Park in der Zeit von 1811 bis 1893 als Kriegsgräberstätte diente. Ein Schild am Parkeingang erinnert daran.

DSCN1807

Auf einem großen Feldstein liest man kaum noch erkennbar den Satz: (Wahrscheinlich: Die) „Kriegsgefangenen mahnen: Vergesst uns nicht“. Darunter ist in einem zweiten Feldstein etwas besser erkennbar eingemeißelt: „Gebt sie frei.“

DSCN1808

Einige Meter weiter in den Park hinein stößt man dann auf ein Mahnmal für die Kriegsgefallenen aus dem 2. Weltkrieg 1939 bis 1945.

DSCN1810

Eine kleine Treppe führt hinauf. Wenn man sie begeht und hinter das Mahnmal tritt, überblickt man ein Oval, an deren Rand sich flach in die Erde eingelegte Grabsteine mit Namen und Daten von gefallenen Lüchower Bürgern finden.

DSCN1812

Der Park wird gärtnerisch gepflegt. An vielen Stellen sind schon erste Frühlingsblumen wie Krokusse zu entdecken. Es gibt auch noch weitere vereinzelte, verwitterte Grabsteine zu entdecken Es soll hier auf dem St.-Annen-Kirchhof Erbgräber bedeutender Lüchower Bürgerfamilien geben, wie man der Infotafel der Stadt Lüchow entnehmen kann.

DSCN1811

Blick in das Parkgelände. Bald wird es hier blühen, im Rasen sind viele Frühlingsblumen.

DSCN1809

Eine knorrige alte Eiche.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich das Mahnmal einmal als Kind mit meinem Großvater besucht habe. Das Mahnmal ist nämlich 1954 eingeweiht worden, und in meiner Kindheit war es eben noch präsent für die Bewohner Lüchows und der Umgebung. Es hatte noch eine Bedeutung.

 

 

Spaghetti Carbonara bei Da Mario

Lüchow.
Gestern Abend habe ich mal wieder bei Mario in Lüchow Spaghetti Carbonara gegessen. Dazu ein Glas Chianti (getrunken).

Spaghetti Carbonara ist mein italienisches Lieblingsgericht. Ich probiere es in jedem Urlaub, jeder Stadt, in jedem Restaurant, und kann daher Vergleiche ziehen.

Es schmeckt irgendwie überall anders. Manchmal verwenden die Köche diesen Schinken, der aus Fleischresten zusammengeklebt wurde, den sogenannten Formschinken. Den finde ich ekelig. Aber bei Mario gibt es richtigen Schinken. Und die Spaghetti sind genau richtig – al dente. Spaghetti Carbonara bei Mario schmecken mir gut. Die Besonderheit ist, dass im Gericht Zwiebeln sind. Das kenne ich sonst eigentlich nicht. Das gehört auch nicht zum Originalrezept.

DSCN1792

Spaghetti Carbonara – hier schon von mir vermischt.

Mir gefällt die Einrichtung bei Mario. Liebevoll restaurierte alte Möbel machen den Charme des Restaurants aus. An den Wänden hängen geschmackvolle Bilder.

DSCN1789

Schöne, gepflegte alte Möbel.

 

DSCN1787

Blick auf den Tresen.

 

Da es kurz vor Ostern ist, ist jeder Tisch liebevoll österlich dekoriert, mit einem Papphasen und einem mit Bonbons gefüllten Körbchen sowie einer Kerze oder einem Windlicht.

DSCN1791

Italienische Schlager begleiten die Mahlzeit. Und natürlich die Gespräche der Mitarbeiter auf Italienisch. Manchmal kann ich sogar meine geringen Italienisch-Kenntnisse anbringen, dann freuen sie sich und ich mich auch, dass ich verstanden wurde.

Interessant ist auch, dass Mario offenbar alte Schreibmaschinen und Kaffeemühlen sammelt. Jedenfalls stehen mehrere Exemplare im Restaurant und verbreiten Nostalgie.

DSCN1788

Alte Schreibmaschinen und Kaffeemühlen dekorieren den Gastraum.

 

Im Sommer kann man auch in einem kleinen Garten neben dem Restaurant sitzen, gleich neben der Jeetzel.

Da Mario findet man in der Theodor-Körner-Straße neben der Brücke über die Jeetzel.

Außer Spaghetti Carbonara gibt es natürlich noch eine Vielzahl anderer Gerichte. Die Speisekarte kann man online einsehen.

Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 11:30 bis 14:30 Uhr und 17:30 bis 23:00 Uhr.

 

 

In Bösel

Vergangenen Sonntag war ich in Bösel. Bösel ist ein ziemlich großes Dorf in der Nähe von Lüchow mit vielen alten Fachwerk-Bauernhäusern im Dorfkern, aber auch vielen Neubauten in der nach allen Seiten hin ausufernden Peripherie. In der Dorfmitte steht die jahrhundertealte St.-Georg-Kirche. Sie ist zu einem großen Teil aus Feldsteinen erbaut worden. An einem Pfeiler am Eingang zum Kirchplatz ist ein eiserner Halsring mit einer Kette befestigt.

DSCN1644

Halseisen aus dem Mittelalter (Replik) an der St.-Georg-Kirche Bösel

Als ich ein Kind war, ist mein Großvater einmal mit mir mit dem Fahrrad nach Bösel gefahren und hat mir diesen Halsring mit Kette gezeigt und erklärt. In Zeiten des Dreißigjährigen Krieges bis ins 19. Jahrhundert hinein wurden Menschen, die sich nach Meinung der Obrigkeit nicht richtig benommen hatten, vor dem Gottesdienst dort angekettet und quasi den Kirchgängern und den Dorfbewohnern zur Schau gestellt. Es war also ein Pranger. Die Leute durften diese arme Person beschimpfen und verspotten, aber nicht schlagen oder sonstwie misshandeln. Es war also so etwas wie der Vorgänger vom Internet.

DSCN1645

Informationsschild neben dem Halseisen an der St.-Georg-Kirche Bösel

Der Halsring mit Kette – eigentlich als „Halseisen“ oder „Schandeisen“ bezeichnet –  hängt also dort am Pfeiler zum Eingang des Kirchhofs immer noch, ist aber leider nicht mehr das Original, das ich als Kind noch ansehen durfte. Das Original wurde nämlich 2007 gestohlen. Jetzt hängt eine Replik dort.

Wie schade. Jahrhundertelang respektierten alle Leute dieses Detail aus einer alten Zeit, und dann stiehlt es ein habgieriger Mensch, der es für sich alleine haben will. Vielleicht ist der Halsring auf irgendeinem Flohmarkt für fünf Euro verkauft worden und hängt jetzt bei irgendeinem Liebhaber antiker Dinge an der Wand, der nichts von der Herkunft weiß. Oder diese Metalldiebe, die alles klauen, was irgendwie aus Metall ist, haben das Halseisen abmontiert und beim nächsten Schrotthändler zu etwas Kleingeld gemacht.

Im Folgenden zeige ich noch einige Bilder von der St.-Georg-Kirche.

Vor dem Eingang zur Kirche liegen drei sehr alte Grabplatten. Zwei davon sind so stark verwittert, dass man auf ihnen keine Schriftzüge mehr erkennen kann. Nur auf der dritten sind noch einige erhabene Schriftzeichen wahrzunehmen.

DSCN1655

Stark verwitterter Grabstein vor dem Eingang zur St.-Georg-Kirche Bösel

Neben der Kirche stehen Steintafeln zur Erinnerung an die Gefallenen und Vermissten der Weltkriege.

DSCN1656

Um die Kirche herum ist der Platz zu einem großen Teil mit Moos bedeckt, der andere Teil mit Gras. Zwischen Grashalmen und Moos schauen ganz viele Blumenspitzen hervor, die sich aber noch nicht trauen, ihre Blüten zu öffnen. Wahrscheinlich sind es Narzissen und Krokusse, und in wenigen Wochen wird man hier sicherlich ein buntes Blütenmeer sehen können.

DSCN1651

Das hier sieht nach Krokussen aus

DSCN1649

Die Spitzen, die hier aus dem Moss herausschauen, werden wohl Narzissen werden

Ein Detail am Abfluss der Regenrinne: ein Bett aus Feldsteinen. Das werde ich nachmachen!

DSCN1659

Im Folgenden noch einige Ansichten der Kirche:

DSCN1665

DSCN1663

Feldsteinkirche mit späteren gotischen Elementen.

DSCN1661

DSCN1650

DSCN1653

Der Eingang zur Kirche. Vor dem Eingang liegen drei verwitterte Grabplatten

DSCN1658

Die Kirche ist ungefähr 600 Jahre alt und fast ganz aus Feldsteinen gebaut.

Bei der Weiterfahrt bin ich in Bösel noch an diesem architektonisch wunderschönen alten Haus vorbeigekommen:

DSCN1673

Gibt es eigentlich niemanden in Bösel, der mal die Wikipedia-Seite vom Dorf ein bisschen ergänzen kann? Für ein so großes Dorf steht da wenig drin. Was ist mit dem Hinweis auf das Buerbeer-Fest??

 

 

Das Seniorenheim St. Georg in Lüchow

Lüchow.
Alt werden ist nichts für Feiglinge – so heißt ein gängiges Sprichwort, das gerne von Prominenten zitiert wird. Da müssen wir wohl alle ganz schön mutig sein, denn eins ist sicher: wohl die allermeisten von uns werden einmal alt. Gerade in Zeiten des demografischen Wandels, in denen der Anteil der alten Menschen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung zunehmen wird, stellt sich dann die Frage: was ist, wenn man sich nicht mehr so gut selbst helfen kann? Schön, wenn man dann in einer Großfamilie wohnt, wo es selbstverständlich ist, dass sich die Jungen um die Alten kümmern, sie umsorgen und pflegen. So wie es früher üblich war. Aber aus verschiedenen Gründen können oder wollen sich die Jungen heute nicht mehr um die Eltern oder Großeltern kümmern. Glücklicherweise gibt es für diese Fälle die Institutionen der Altenheime oder – wie es politisch korrekter heißt: der Seniorenheime.

Eins dieser Heime in Lüchow ist das Altenheim St. Georg, das 1972 gegründet wurde. Träger des Heims ist ein eingetragener Verein, dem die evangelischen Gemeinden im Landkreis angehören. Siebzig Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter vierzig Pflegekräfte, kümmern sich um das Wohlergehen der etwa 84 Bewohnerinnen und Bewohner. Vorvergangene Woche war ich zu einem Besuch im Seniorenheim St. Georg und durfte einige Fotos machen.

Das Heim ist nach dem christlichen Märtyrer Georg benannt, der zu den vierzehn Nothelfern gehört, das sind heilig gesprochene Männer und Frauen aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Der Sage nach tötete Georg einst einen Drachen, um eine Jungfrau zu retten, die der Drache von der Bevölkerung als Tribut forderte. Die Tötung des Drachen wird als Symbol für die Beseitigung „des Bösen“ gesehen. Daher gilt Georg auch als Schutzheiliger für viele Länder, Kirchen, Stadtteile (z.B. in Hamburg) oder eben auch Institutionen wie das Altenheim in Lüchow.

DSCN0950

Rechts an der St. Johannis-Kirche vorbei gelangt man zum St. Georg-Heim.

Weiterlesen

Die Kirche St. Johannis in Lüchow

Lüchow.
Mitten in Lüchow in der Nähe vom Wasserturm und vom Amtsturm steht die evangelische Kirche St. Johannis, eine dreischiffige gotische Hallenkirche ohne Turm mit einem Treppengiebel an der Westwand. Heute habe ich mir die Kirche einmal von außen angesehen.

 

DSCN0949

Der Treppengiebel der Westwand.

Erstmals erwähnt wurde die Kirche 1298. Seitdem ist sie mehrmals restauriert worden: in den Jahren 1866, 1926 und 1993. Das kann man einer Infotafel an der Kirche entnehmen, die die Stadt Lüchow – wie auch an anderen historischen Gebäuden – erstellt hat:

DSCN0946

Infotafel der Stadt Lüchow neben dem Kirchenportal

Hier kann man deutlich das Alter der Kirche nachempfinden:

DSCN0947

Feldsteine dienten zunächst als Baumaterial.

Dies ist das Eingangsportal der Kirche:

DSCN0942

Und hier der Blick in einige Fenster – eben Gotik: Weiterlesen

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft: Einladung zu einem Kennenlernabend im Gildehaus Lüchow

Lüchow.
Ungefähr ein Dutzend Kooperativen des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft gibt es im Landkreis und in angrenzenden Kommunen, und bundesweit sind es inzwischen 170 Kooperativen. Die Solidarische Landwirtschaft verfolgt das Ziel, regional erzeugte landwirtschaftliche Produkte auch in der Region zu verkaufen, indem nämlich Kooperationen mit Verbrauchergruppen eingegangen werden. Darüber schließen Hof- und Gärtnereibetreiber einen Jahresvertrag mit der Verbrauchergruppe ab.

Der Vorteil für die Landwirte und Gärtner liegt darin, dass der Absatz zu auskömmlichen Preisen gesichert ist und somit für eine schonende Betriebsweise sorgt. Der Vorteil für die Verbraucher besteht darin, dass sie im Gegenzug für eine monatliche Kostenpauschale von zwischen 80 und 150 Euro wöchentlich einen bestimmten Anteil an der Ernte erhalten und somit mit frischen, regional erzeugten Produkten versorgt werden. Die Abholung der Produkte erfolgt entweder an der Produktionsstätte selbst, wodurch auch eine menschliche Bindung zwischen Erzeugern und Verbrauchern entstehen kann, oder an zentralen Abholorten. Solidarität eben zwischen Erzeugern und Verbrauchern.

Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft – kurz: SoLaWi – stellen das Konzept und sich und ihre Betriebe am 6. Februar ab 19:00 Uhr im Gildehaus Lüchow vor. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Hier einige Fotos zum Thema (Fotos: Lynne Kunz):

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Lüchows schönste Seiten – ein Buch mit Fotos von fast 8.000 Lüchowern

Zufällig im Internet gefunden:

zum 850-jährigen Bestehen der Stadt Lüchow im Jahre 2008 wurde ab 2006 ein Projekt gestartet, mit der Ambition, möglichst viele Einwohner Lüchows abzulichten. Das Ergebnis war das größte Fotoalbum der Welt, und die Fotos sind eben auch im Internet zu finden. Die Idee dazu hatte Dirk Roggan, Mitinhaber des Schütte-Baumarkts, auf einem Italien-Urlaub bekommen. Dort war in einer Kleinstadt eben auch ein solcher Bildband angefertigt worden. Der Überschuss beim Verkauf der Bücher floss dann als Gründungskapital in die Bürgerstiftung Lüchow.

Hier der Link zu den Buchseiten mit den vielen Fotos der Lüchower Persönlichkeiten.