Albert Lee im Stones-Fan-Museum

Lüchow, 21. Mai 2018.
(alle Fotos: Wolfgang Werner)

Seit zwanzig Jahren kennt Ulli Schröder Albert Lee schon, seit der Eröffnung seines Stones-Fan-Museums im Jahr 2011 versucht er schon, ihn zu einem Auftritt auf seiner Bühne zu bewegen. Nun endlich ist Albert Lee am Pfingstmontag in Lüchow im Stones-Fan-Museum angekommen.

Ulli zeigt ihm erstmal das Museum, und immer wieder ruft Albert Lee aus: „Can’t believe it! Can’t believe it!“. Unglaublich findet er, was Ulli so alles seit seiner Jugend zusammengetragen und in seinem Museum ausgestellt hat. Albert ist ja ein Altersgenosse der Stones und wird bei der Führung mit den Bildern, die er seit seiner Jugend kennt, konfrontiert.

Ulli führt ihn dann auch noch kurz durch Lüchow, bevor sie im chinesischen Restaurant an der Ecke Theodor-Körner-Straße etwas essen.

Albert Lee ist 1943 in England geboren, wohnt aber schon seit vielen Jahrzehnten in Los Angeles. In Lüchow bewundert er die hübschen Fachwerkhäuser und bestaunt die Sauberkeit der Straßen, was er aus L.A. wohl nicht so gewohnt ist.

Begleitet wird Albert Lee bei seinem Auftritt von drei jungen Musikern aus England: Ollie Sears ist 26 Jahre alt und bedient das Schlagzeug, Ben Golding an der Bassgitarre ist 27 und Ross Spurdle ist mit 30 der Älteste in der Electric Band von Albert Lee und sitzt am Keyboard. Alle drei unterstützen Albert auch mit Gesang.

Vor dem Auftritt schläft Albert Lee erst einmal eine Runde im Hotel Katerberg. Nach dem Auftritt wird es dann weiter nach Göttingen gehen, wo sie am Dienstagabend in einem Club auftreten werden. Danach sind sie in Koblenz, und dann geht es zurück nach England. Die Tourdaten könen hier eingesehen werden.

Wie gewohnt, begrüßt Ulli erst einmal herzlich die 150 Gäste. Dann Weiterlesen

Raus mit der Lebenslust! The Stonez: Coverband aus Wien im Stones-Fan-Museum

(Siehe auch Folgeartikel über ein Interview mit der Band The Stonez)
Lüchow.
Ostersonnabend, 19:45 Uhr, Rolling-Stones-Fan-Museum, Lüchow.

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Die Bühne des Stones-Fan-Museums vor dem Auftritt. Ganz hinten an der Wand ein Foto der jungen Original-Rolling Stones aus der „BRAVO“. Der Weihnachtsbaum steht immer da.

Das Museum füllt sich, überall stehen oder sitzen Leute herum, bestellen sich am Tresen ein Bier oder ein Wasser. Viele tragen Fankleidung in irgendeiner Form, zum Beispiel ein T-Shirt mit einem Tourneeplan der Stones, oder einen Jackenaufnäher oder eine Krawatte mit dem Zungenmotiv oder wenigstens eine Kappe mit dem Schriftzug „Stones“. Sie sind eigentlich Fans der Original-Stones, kommen aber gerne zum Auftritt der Coverband, von der sind jetzt auch viele Fans geworden – und noch mehr werden es nach dem Auftritt sein.

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Ein Foto der Stones zu ihren goldenen Zeiten an einer Wand des Stones-Fan-Museums.

Hans Irker, der Frontmann und Leadsänger der Stonez aus Wien, steht an einem Tisch mit zwei Ultra-Stones-Fans links und rechts und lässt sich fotografieren. Die Fans aus Rostock sind Teil der deutschen Stonesfan-Gruppe bei Facebook, in der auch Hans Mitglied ist.

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Hans Irker (Mitte), der Leadsänger der Coverband The Stonez aus Wien, noch in Zivilkleidung, vor dem Auftritt, in angeregtem Gespräch mit Fans aus Rostock.

Ich komme mit einem Fan aus Schwerin, behängt mit einem Schal mit lauter rausgestreckten Stones-Zungen, ins Gespräch. Er ist deswegen auf das Konzert aufmerksam geworden, weil Hans Irker, der Leadsänger der Band, über die Facebook-Gruppe eine Freundschaftsanfrage an ihn gestellt hat. Man kennt sich eben in der Szene und tauscht sich aus. Vernetzung ist wichtig.

Ulli Schröder betritt die Bühne und heißt die Zuschauer willkommen. Er begrüßt gesondert Gäste, die aus dem benachbarten Ausland gekommen sind, nämlich aus Holland und aus Österreich.

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Ulli Schröder, Gründer und Chef des Stones-Fan-Museums, in seiner „Markenkleidung“ begrüßt das Publikum.

Anschließend erläutert er Neuigkeiten im Zusammenhang mit seinem Museum. Unter anderem wird das Museum am Mittwoch, den 4. Juli eine Busfahrt nach Prag zum dortigen Rolling-Stones-Konzert anbieten. Der Gesamtpreis incl. Fahrt beträgt 199.– €. Es gibt allerdings nur für 55 Personen Plätze und Karten, und die meisten sind schon vergeben. Dann verweist Ulli auf die neuen von Ralf Schade geschnitzten Eichentafeln mit Stones-Motiven an der Außenfassade. Inzwischen hat die Frieslänge 34 Meter erreicht. Außerdem hat der ehemalige HSV- und Nationalspieler Charly Dörfel, der in diesem Jahr 78 Jahre alt wird, seine gesamte Musiksammlung – Vinyl-Singles und –LPs sowie CDs – dem Museum gespendet. Darunter sind allein 3.300 LPs, sodass die gesamte LP-Sammlung des Museums inzwischen mehr als 20.000 LPs umfasst. Am 18.4. wird überdies eine besondere Veranstaltung der IHK Lüneburg/Wolfsburg im Museum stattfinden, bei der es um die Schaffung einer Marke für das Dorf Wacken geht: „Wacken – ein Dorf wird eine Marke“. Wacken, das Dorf, in dem das Heavy-Metal-Festival immer stattfindet. An dieser Veranstaltung kann jeder Interessierte teilnehmen, bitte vorher anmelden.

Ulli bedankt sich zudem ausdrücklich bei dem Freundeskreis des Museums, dessen jährliche Spende von 50.– € pro Person unter anderem die Weiterentwicklung des Außenfrieses und den Austausch der Beleuchtung in LEDs ermöglicht hat.

Dann geht es pünktlich um 20:30 Uhr mit dem Konzert der Stonez los. Die fünf Instrumentalmusiker Mihael Gluhak, Nick Atanassov, Mike Linder, Christoph Nöbauer und Martin Kohlmann betreten die Bühne und fangen an zu spielen.

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Erwartungsvoll schauen die beiden Fans links in Richtung der eintreffenden Musiker: Nick Atanassov (ganz rechts) und links daneben Mihael Gluhak, beide Gitarre.

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Mihael Gluhak, der Bassgitarrist, geht Richtung Bühne, noch etwas Anspannung im Gesicht.

Dann springt unter großem Beifall des Publikums der Star der Band auf die Bühne und ergreift das Mikrofon: Hans Irker, der dem Original-Stones-Sänger Mick Jagger so ähnlich sieht, er könnte glatt ein jüngerer Bruder sein.

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Hans Irker, Leadsänger und Frontmann der Stonez, in Mick-Pose.

Sofort stellt sich heraus, dass er nicht nur visuelle Ähnlichkeiten mit seinem Vorbild hat: vielmehr hat er die gleiche Stimmlage, wenn nicht sogar die gleiche Stimme. Ja, er hört sich tatsächlich wie Mick Jagger an. Und da er auf Englisch singt und auch die Ansprachen ans Publikum auf Englisch macht, hört man auch nicht mehr den charmanten wienerischen Akzent heraus, den ich beim Interview mit ihm am Nachmittag wahrgenommen hatte.

Unterstützt wird der Leadsänger beim Gesang häufig durch die Bandkollegen Mihael Gluhak und Christoph Nöbauer. Dadurch gewinnt der Gesang eine starke, die Instrumentalbegleitung durchdringende Kraft.

Einer der ersten Songs ist „Let’s spend the Night together“, einer der frühen Erfolge der Originale, und zumindest den Refrain kennen nun wirklich alle im Raum, lassen sich mitreißen und singen begeistert mit. Spätestens bei „The last Time“ hält es nun auch die Ruhigeren nicht mehr, und nun drängt sich die Menge vor der Bühne, singt und tanzt ausgelassen.

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Das Publikum hat sich vor der Bühne gesammelt und singt und rockt mit.

Vortänzer – wie bei der Originalband – ist der Frontmann. Er hüpft und springt, macht Ausfallschritte, schüttelt seine Haare wild und kommuniziert gestisch und mimisch mit seinen Bandkollegen und dem Publikum.

Das Alter des Publikums? Bunt gemischt, es ist alles dabei, von 18 bis 80. Viele weiße Haare sieht man, und bei so manchen spannt sich das rockige T-Shirt mit der wilden Zunge über einen teuer angesammelten Bierbauch.

Die Rolling Stones sind inzwischen 55 Jahre auf der Bühne, Mick Jagger ist 75 Jahre alt und Charlie Watts noch älter. Eine ganze Menschengeneration wurde von der Musikrichtung der Stones geprägt. Die über 400 Stones-Stücke haben wichtige historische Ereignisse begleitet: den Vietnamkrieg, die Hippie-Zeit, die Anti-Atomkraft-Demonstrationen, den Mauerfall … In bedeutenden Filmwerken, die die historischen Ereignisse aufgegriffen haben, wurden Songs der Stones als Begleitmusik ausgewählt, zum Beispiel in Kubricks „Full Metal Jack“, der die Grauen des Vietnamkriegs aufzeigt. Weil die Musik damals die Begleitmusik der Menschen zu der Zeit und in den Situationen war.

Manche im Publikum sehen ganz bieder aus, aber bei dieser Musik und bei dieser Gelegenheit inmitten von Gleichgesinnten lassen sie alle Hemmungen fallen, recken die Hände hoch, lassen das Becken kreisen und grölen lauthals die Erinnerungen an ihre Jugend heraus. Ihre Gesichter sehen glücklich und gelöst aus. Die Stimmung ist toll. Lebensfreude liegt in der Raumluft, die sich mit leicht wabernden Rauchwolken von der Bühnentechnik her vermischt.

Die Technik wie die Ton- und Lichtanlage wird von Mitarbeitern der Firma Pinder aus Leipzig bedient, und sie machen gute Arbeit. Alles gut ausgesteuert, keine Verzerrungen, und bei jedem Song wechselt die Lichtfarbe, mal rot, mal pink oder blau oder bunt, und/oder der Lichtrhythmus. Bei „Angie“ zum Beispiel, einem ruhigen und elegischen Song, ist die Beleuchtung ganz in Pink. Die Arbeit der Techniker muss wirklich einmal gelobt werden. Danke an euch!

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Die beiden Techniker von der Firma Pinder aus Leipzig: rechts der Tontechniker, links der Beleuchter.

Um 21:38 Uhr ist zunächst einmal Pause. Ich setze mich vorne in Bühnennähe auf einen der Cocktailsessel aus den Fünfziger Jahren neben eine Frau, die zusammen mit ihrem Bruder aus Wuppertal gekommen ist. Sie heißt Astrid und ihr Bruder Wilfried.

Schnell kommen wir ins Gespräch. Astrid und Wilfried kommen schon seit 2014 einmal pro Jahr ins Stones-Fan-Museum in Lüchow, weil sie Ulli und seine Frau so sehr mögen, sagt Astrid. Wilfried ist 64 Jahre alt und seine Schwester einige Jahre jünger. Wilfried war schon bei vielen Konzerten der Stones live dabei, aber Astrid war letztes Jahr das erste Mal mit, auf dem Konzert in Düsseldorf. 565.–€ haben sie und ihr Bruder jeweils für eine Eintrittskarte bezahlt. Dieses Jahr will sie nach Berlin mit, da kostet die Karte nur knapp 400.– €.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs erfahre ich von Astrid, dass sie und ihr Bruder Mitglied einer Facebook-Gruppe namens „Stonesland“ sind, in der sich deutsche Rolling-Stones-Fans sammeln, wie ja auch schon oben erwähnt. 797 Mitglieder hatte die Gruppe bis gestern. In der offenen Gruppe tauschen sich die Mitglieder über Konzerte, Kartenkauf und alles Interessante rund um die Rolling Stones aus. Viele der Facebook-Gruppe sind auch beim Konzert der Coverband dabei.

So auch Jan, der sich bald auf den Sessel neben mir setzt, weil es Astrid nicht mehr hält und sie unbedingt in der Menge vor der Bühne mittanzen möchte. Jan ist auch so schätzungsweise Mitte 60. Er hat seine etwa gleichaltrige Frau dabei, die flott gekleidet ist, mit schwarzer Lederjacke und schwarzen Stiefeln über der Hose. Sie tanzt ganz ausgelassen nach den Songs und schaut ab und zu bei uns vorbei.

Jan sagt mir, dass seine Frau früher „Angie“ genannt wurde, nach einem der Stones-Songs.

Jan und seine Frau kommen aus Leipzig und sie waren letztes Jahr beim Albert-Hammond-Konzert im Museum. Das Konzert hat ihnen gefallen, aber danach wussten sie nichts mehr mit dem Wendland anzufangen und fanden es hier langweilig. Auch gestern, so Jan, hätten sie nach der Ankunft in Lüchow weiter nichts hier anzufangen gewusst, und dann sei das Wetter ja auch noch so schlecht geworden. Ich sage ihm, dass wir für das Wetter nichts können, und er lacht.

Aber das wäre mal eine Denkaufgabe für an Tourismus interessierten Leuten:

Was könnte man als Anschlusserlebnis hier im Wendland anbieten für Menschen, die aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Lüchow ins Stones-Fan-Museum kommen, weil sie sich eben so für die Stones und/oder Rockkultur allgemein interessieren? Ohne dass sie sofort in ein tiefes Loch fallen? Was könnte diese Lücke zwischen dem Erlebnisort Stones-Fan-Museum und dem Umfeld auffüllen? Soll man diese Menschen, die lebensfroh sind, wilde Musik mögen und unkonventionell sind, jetzt nach dem Besuch im Stones-Fan-Museum und/oder einem Rockkonzert darin sich selbst überlassen, oder kann man ihnen noch etwas für sie Interessantes anbieten?

Inzwischen blüht Wilfried immer mehr auf und erinnert sich bei jedem Song an seine Jugend. Er hat zu Hause DVDs über die Stones und viele Bücher, auch mit allen Songtexten. Er ist ein Experte.

Nach Ende der Pause fängt die Band das zerstreute Publikum wieder mit einem treibenden Sound ein, und schnell sammeln sie sich wieder vor der Bühne.

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Die Band bei der Arbeit: links im Bild sieht man Mike Linder, der die Drums bedient.

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Hier greift Nick Atanassov in die Saiten.

Das zweite Lied nach der Pause ist „Angie“ und Wilfried ruft uns zu, das wäre aus dem Jahr 1973, da sei er bei der Bundeswehr an der holländischen Grenze gewesen und da, als dieses Lied herauskam und ein Hit wurde, „da habe ich am meisten gekifft“. Inbrünstig singt Wilfried den Text von „Angie“ mit, wie übrigens auch viele andere im Publikum die Songtexte teilweise in Gänze, aber wenigstens den Refrain mitsingen oder vielmehr – wegen der Lautstärke muss man das so sagen: – mitgrölen. Ist ja nicht schlimm, Hauptsache, man spürt die Stimmbänder noch.

Das dritte Lied nach der Pause ist „Ruby Tuesday“. „1967!“ ruft Wilfried mir zu. „Angie“, die Frau von Jan, kommt zu uns, nimmt mich und Wilfried in den Armhaken – Jan ist aufgestanden – und bald schunkeln wir zu dritt zu der Melodie. Jetzt singe auch ich mit, denn den Text kann ich auch noch.

 

 

 

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Der nächste Song. „Under my thumb“ ruft – oder vielmehr: schreit – Wilfried mir zu. Danach kommt „Miss you“, von 1978, laut Wilfried. Ein treibender Sound, meine Nachbarin hält es nicht mehr, sie springt auf und muss einfach wild tanzen. Auch Hans Ilker springt nun von der Bühne ins Publikum hinein und singt und tanzt inmitten in der Menge. In der Pause haben einige der Musiker ihr Outfit gewechselt und Hans zeigt nun seine Oberarmmuskeln in einem Leopardenfellmusteroberteil.

Nach dem Song „Miss you“ stellt Hans Irker seine Bandkollegen einzeln vor, und Mihael Gluhak stellt Hans vor mit: „Mr. Mick Jagger: Hans Irker!“ Das Publikum klatscht frenetisch.

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Hier hängt sich Dr. Martin Kohlmann in seine Gitarre rein. Die „Keith“-Gitarre…

Nun folgen noch die bekanntesten Stones-Songs wie „Gimme shelter“ von 1969 (laut Wilfried) oder „Jumpin‘ Jack Flash“ und „Sympathy for the Devil“, mein persönlicher Lieblingssong der Stones.

Das Publikum lässt die Band nach zweieinhalb Stunden Spielzeit nicht einfach gehen. Nein: Zugabe! Die Jungs auf der Bühne haben noch Lust, man merkt ihnen die Spielfreude an. Ihre Gesichter strahlen. Sie sind ebenso begeistert vom Publikum wie das Publikum von ihnen.

Inzwischen habe ich Wilfried verlassen und stehe nun auch in der Menge direkt vor der Bühne und singe und rocke mit im Rhythmus der Masse. Beim ausgiebig lang gespielten Song „You can’t always get what you want“ übernimmt zeitweise die Menge ganz das Singen des Refrains, denn den kennt nun wirklich jeder, und Hans Irker hält einfach das Mikrofon in die Menge.

Es ist schon klar, dass das der letzte Song sein wird, denn das Publikum möchte wohl gern noch mehr, aber irgendwann ist auch die Band erschöpft. Man kann nicht alles haben, was man gern möchte, und so gehen die Scheinwerfer der Lichtanlage gegen 23:45 Uhr endgültig aus.

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Das Gesicht von Martin Kohlmann nach dem Ende des Auftritts zeigt es: glücklich zu sein über den überaus gelungenen Auftritt im Stones-Fan-Museum, dem ersten Auftritt der furiosen Stones-Coverband aus Wien/Österreich in Deutschland, dem hoffentlich noch weitere folgen werden. Und ein bisschen Stolz – berechtigt – kann man auch im Gesichtszug erkennen, oder?

Die Frau links von mir, eine zierliche mit einer Stones-Cap auf den blonden Haaren und schwarzer Lederjacke, die die ganzen mehr als drei Stunden direkt vor der Bühne wild mitgerockt hat, direkt neben der Freundin von Hans, die die ganze Show mit ihrem Handy mitfilmt, wendet sich ganz unvermittelt mir zu und strahlt mir gelöst ins Gesicht. „Das war toll, nicht?“ Ich stimme ihr zu und frage, woher sie kommt: aus Düsseldorf.

Ulli Schröder kommt auf die Bühne und bedankt sich bei der Band für den grandiosen Auftritt und wünscht eine gute Heimfahrt nach Wien, die aber erst am nächsten Tag stattfinden wird.

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Ulli Schröder bedankt sich bei den Gästen für ihr Interesse und ihr Kommen und bei der Band für ihren tollen Gig.

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Und zum Schluss verneigen sich noch einmal alle brav – wie im Theater. Frohe und glückliche Gesichter.

Eine tolle Band, vielen Dank für den schönen Abend!

Die Band kann kontaktiert werden über Mihael Gluhak, *43(0)699 11066185, mail: band@stonez.at.

Ferrari, Kunst und Rock’n Roll: wie daraus das einzige Rolling-Stones-Fan-Museum der Welt wurde

Lüchow.
Beatles oder Rolling Stones – in der Jugend von Ulrich Schröder musste man sich entscheiden: die Braven oder die Wilden. Und Ulli Schröder entschied sich für die wilden, unangepassten Stones. Das, obwohl er weder rauchte noch Alkohol trank. Durch Rasenmähen oder Zeitung austragen verdiente er sich Geld, um seiner Leidenschaft als Fan der Rolling Stones nachgehen zu können. 1965 tourten die Stones das erste Mal durch Deutschland. Da war Ulli 15 Jahre alt, und als echter Fan besuchte er nicht nur ein Konzert, sondern gleich drei: in der Essener Gruga-Halle, in der Ernst-Merck-Halle in Hamburg und auch das berüchtigte Waldbühne-Konzert in Berlin. Eine Karte kostete damals zwischen sieben und neun D-Mark, und die Konzerte der Stones dauerten vielleicht 25 Minuten – nur sieben bis acht Stücke wurden gespielt. Vorher traten drei oder vier Vorgruppen auf, z.B. die Rattles.

Inzwischen hat Ulli mehr als 180 Konzerte seiner Idole auf der ganzen Welt besucht, zuletzt 2017 auf der „No-Filter-Tour“ der Stones. 2016 war er auch auf dem Mega-Konzert der Stones auf Kuba. Dort traf er übrigens zufällig auf den Sohn von Che Guevara, Ernesto. Fern von Gedanken seines Vaters veranstaltet dieser Motorradtouren auf Harley Davidsons für westliche, vor allem US-amerikanische Touristen, eine Woche für zweieinhalbtausend Dollar.

Außer Schallplatten, Zeitungsartikeln, Plakaten, Merchandising-Artikeln seiner Idole sammelte Ulli von Jugend an auch noch gleich den Zeitgeist mit ein, nämlich in Form von Möbeln wie Nierentische und Cocktailsessel sowie Fernseh- und Radiogeräten aus den 50er und 60er Jahren.

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Ulli Schröder stattet Fan-Areal im Letzigrund-Stadion Zürich für das Stones-Konzert am 20. September aus

Lüchow.
Auf der 60 cm langen Pappröhre mit 7 cm Durchmesser steht aufgedruckt „Rolling Stones European Tour Open Venue Show 2017“ – es ist der Überrest einer abgefeuerten Rakete, die im Feuerwerk für den Stones-Auftritt am 20. September im Letzigrund-Stadion in Zürich gezündet wurde. Neben einigen hundert weiteren Raketenhülsen hat Ulli Schröder sie nachts um halb eins zusammen mit dem Feuerwerker der Stones vom Dach des Stadions eingesammelt. Kommentar des Feuerwerkers, der seit zwanzig Jahren bei jeder Stones-Show für das Feuerwerk verantwortlich ist: „Sowas Durchgeknalltes haben wir hier noch nicht gehabt!“ Aber Ulli Schröder sammelt seit seiner frühesten Jugend alles, was irgendwie mit den Stones zu tun hat, und hat seine Sammlung in das einzige Rolling-Stones-Fan-Museum der Welt in der hübschen kleinen Fachwerkstadt Lüchow im Wendland eingebracht. „Gut, dass es nicht geregnet hat – die Papp-Raketenhülsen in unterschiedlichen Größen tausche ich gegen Spenden für das Museum ein“, erläutert Schröder seine Motivation, im Alter von 67 Jahren noch auf einem Stadiondach herumzuturnen. Denn das Museum ist nicht statisch, sondern wird ständig erweitert, immer wieder werden Künstler beauftragt, Arbeiten im Zusammenhang mit den Rolling Stones anzufertigen. Weiterlesen