Schützenfest in Lüchow

Lüchow, 10. Juni 2018.
Heute an diesem Sonntag endete das diesjährige Schützenfest in Lüchow.

Immer zwei Wochen nach Pfingsten wird in Lüchow gut eine Woche lang das Schützenfest gefeiert. Die Straßen werden mit Girlanden mit dreieckigen Wimpeln in den Lüchower Stadtfarben blau und rot überspannt.

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Zu Ehren des Schützenfestes wird die ganze Stadt festlich geschmückt – mit Blumen und Fahnen.

Traditionsbewusste Anwohner oder Geschäftsleute stellen in wassergefüllten Eimern kleine Birkenstämme vor das Haus. Schon das „Birkenholen“ gehört mit zur Feier des Schützenfestes…

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Auch auf dem Marktplatz, wo die Schützen aufmarschieren, sind vor dem „Ratskeller“ die Fahnen aufgezogen. In diesem Gebäude befand sich früher das Rathaus von Lüchow.

Auf dem Schützenplatz wird zur Vergnügung der Bevölkerung ein Rummelplatz mit Buden und Karussells aufgebaut.

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Richtig große Karussells gibt es hier.

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Einblick in den Rummelplatz am Nachmittag …

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… und am Abend.

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„Schützenfest“ – ich erinnere mich an meine Kindheit – war verbunden mit Spaß und einem Besuch auf dem Rummelplatz. Die Bewohner Lüchows stellten sich an den Straßenrändern auf, um dem Aufmarsch der Schützen zuzusehen.

Schützenfest ist aber eigentlich ein ernstes gesellschaftliches Ereignis für die ganze Stadt. In Lüchow gibt es keinen „Schützenverein“, sondern eine „Schützengilde“. Die Verbindung mit der Bezeichnung „Gilde“ weist auf einen Ursprung im Handwerk hin. Denn Handwerker hatten sich im Mittelalter zu „Gilden“ mit verschiedenen beruflichen Richtungen zusammengeschlossen, in denen bestimmte Regeln und Beitrittsbedingungen galten.

Die Entstehung von Gilden ist eng mit der Entwicklung von Städten, der damit verbundenen Arbeitsteilung und mit der Erstarkung des Bürgertums in Abgrenzung zum Adel verbunden. In den Städten wurden Vereine und eben Gilden gegründet, die auch bewaffnet waren, um sich gegen Übergriffe des Adels stärker zur Wehr setzen und der städtischen Gemeinschaft „Schutz“ bieten zu können. Der Begriff „Schütze“ leitet sich also von „Schutz“ ab.

Während der Adel in Form der Ritterschaft im Mittelalter Turniere abhielt, maßen sich die Bürger in Schützenfesten, was Treffsicherheit betraf. Die Schützengilden hatten auch die Aufgabe, städtische Wach- und Verteidigungsdienste zu leisten.

Mit dem Marschieren während des Schützenfestes nahmen die Schützenbrüder Grenzbegehungen entlang der Stadtgrenzen vor. Bei Streitigkeiten, was Landgrenzen zwischen Besitztümern betraf, mussten lebende Zeitzeugen aussagen können, eben auch die Schützenbrüder, die die Grenzen kontrollierten. Es gab ja noch keine Grundbücher.

Die Schützengilde zu Lüchow wurde erstmals 1575 in einer Urkunde erwähnt, es gibt sie aber schon länger. Im Jahr 1750 teilte sich die Schützengilde zu Lüchow in zwei „Claßen“ (= Abteilungen). Die 1. Claße wurde zur späteren Gardekompanie. Die 2. Claße benannte sich in Jägerkompanie um. Beide Kompanien tragen aufwändige historische Uniformen. 1877 kam als 3. Kompanie die Schützenkompanie hinzu, die als Uniform die „Deutsche Schützentracht“ wählte. Schließlich kam 1893 noch als 4. Kompanie die Frackkompanie hinzu. Die Frackkompanie trägt als „Uniform“ Frack und Zylinder und wurde hauptsächlich deswegen gegründet, um Bürger anzuziehen, die bisher der Schützengilde ferngeblieben waren.

Somit besteht die Schützengilde zu Lüchow aus vier Kompanien mit unterschiedlichen Uniformen.

Als Quelle für die obigen Ausführungen mit historischen Bezügen stütze ich mich auf die Ausführungen der Schützengilde (sgl …!) auf deren Website.

Am Freitag, den 1. Juni wurde das Schützenfest eröffnet. Gegen halb elf abends hörte ich – drei bis vier Kilometer entfernt – etwas Ähnliches wie Schüsse – das war aber das Feuerwerk zur Eröffnung! Es war ein schöner lauwarmer Abend, und viele Gäste aus Lüchow und den umliegenden Dörfern waren gekommen, um bei einem Bier oder Wein der Blasmusik zuzuhören und dem Feuerwerk beizuwohnen. Wie auch mein Cousin und seine Frau.

Traditionell beginnt das Schützenfest am ersten Wochenende mit dem Kinderschützenfest. Und ab hier stütze ich mich auf einen Artikel aus dem „General-Anzeiger“:

Am Sonntag, also am 3. Juni, gab es mit Kindern ab der vierten Klasse aufwärts ein „Wettschießen“, um das neue Kindermajestätenpaar zu bestimmen. Hierzu wurden auf dem Schießstand ein PC-Netzwerk sowie SAM-Schießeinrichtungen installiert, bei denen das Ziel nur mit Licht anvisiert und der Zielvorgang vom Computer aufgezeichnet wird. Am Preisschießen konnte mit Pfeil und Bogen teilgenommen werden.

Vor dem Wettschießen zum Bestimmen des neuen Kinderschützenkönigs wurde das vorjährige Kindermajestätenpaar samt Eltern in Cabrios von der gesamten Gilde und Schulkindern zum Marktplatz begleitet. Unterwegs trafen Kindergartengruppen dazu. Die verschiedenen verkleideten Schul- und Kindergartengruppen wurden durch eine Jury beurteilt, was deren besondere Ausstrahlung betrifft. So konnte die Siegergruppe einen Geldpreis gewinnen, der an die Schule bzw. den Kindergarten überreicht wird.

Nachdem die Wettbewerbe im Königs- und Preisschießen abgeschlossen waren, wurde der neue Kinderschützenkönig und die Kinderschützenkönigin ermittelt. Das vorjährige Kindermajestätenpaar und das neue Kindermajestätenpaar wurden zum Festzelt geleitet und das neue Kindermajestätenpaar wurde feierlich proklamiert. Die Kindermajestäten erhielten ihre selbst ausgesuchten Preise und eine silberne Gedenkmünze. Anschließend wurden die anderen Preise an die Schülerinnen und Schüler, die am Schießwettbewerb teilgenommen hatten, verteilt. Danach erfolgte ein gemeinsamer Bummel über den Schützenplatz mit seinen Buden und Karussells. Durch die Einbindung der Kindergärten und Schulen wird die ortsansässige Jugend gleich an die Tradition herangeführt.

Bilder zu vergangenen Kinderschützenfesten findet ihr hier und weitere Hintergrundinformationen zum Kinderschützenfest hier.

Am Montag, den 4. Juni fand dann das Königs- und Preisschießen der Erwachsenen auf dem Schießstand statt.

Hier findet ihr Eindrücke vom Montag.

Am Preisschießen nehmen sozusagen nur diejenigen teil, die nicht unbedingt Interesse haben, ggf. Schützenkönig zu werden. Denn mit dem Amt des Schützenkönigs sind nicht nur Ehren verbunden, sondern auch hohe Geldausgaben: Der Schützenkönig muss kräftig einen ausgeben,

Am Abend wurde dann das neue Schützenkönigspaar proklamiert.

Neuer Schützenkönig wurde ein Kolborner als treffsicherster Wettbewerber. Am Dienstag, den 5. Juni wurde das neue Königspaar dann von ihrer sog. „Königsburg“, ihrem Zuhause in Kolborn, feierlich von der Gilde abgeholt und zum Marktplatz begleitet, wo der neue Schützenkönig mit der schweren Königskette an der Brust dann standesgemäß die Parade der Schützenbrüder abnahm.

Ich war nicht dabei und kann euch nur ein Foto vom Titel des „General-Anzeigers“ zeigen:

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Der neue Schützenkönig der Lüchower Schützengilde (vorne links) nimmt grüßend die Parade der Schützenbrüder ab. Foto: General-Anzeiger vom 9./10. Juni 2018

In der Schützengilde sind vor allem Mitglieder alteingesessener Familien aus Lüchow und den umliegenden Dörfern vereinigt. Die Uniformen sind teuer, und man muss natürlich das richtige Exerzieren und Grüßen üben. Und natürlich die Treffsicherheit beim Schießen.

Zu Ehren der Schützen gibt es eine „Schützenstraße“. Ein Gasthaus neben dem Schützenplatz heißt „Gildehaus“, in dem auch sonstige Feiern ausgerichtet werden. Im Gildehaus finden auch Tanzabende, Konferenzen oder Künstlerauftritte statt.

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Aufgezogene Fahnen vor dem Gildehaus.

Das nächste Schützenfest ist schon in Sicht: am kommenden Wochenende wird das Schützenfest in Dannenberg eröffnet.