Einblicke in die Hofstelle der SoLaWi Volzendorf

Volzendorf, 26. März 2018.
Vergangenen Sonnabend bot die SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft)-Gruppe in Volzendorf einen Schautag an.

Um 13:00 Uhr konnten Interessierte eine Führung auf der Hofstelle der Kommune mitmachen. Vom Acker am Rand des Dorfes, den Zugpferde der IG Zugpferd Sachsen-Anhalt gepflügt und geeggt hatten (siehe auch Artikel über das Schaupflügen), gingen ungefähr 25 Gäste mit und ließen sich das Prinzip der SoLaWi erklären und das Arbeitsumfeld zeigen.

Die Kommune besteht aus 12 Erwachsenen, von denen sechs als Gärtner und Gärtnerinnen Gemüse wie verschiedene Kohlsorten, Kartoffeln, Mohrrüben, Erbsen, Bohnen usw. anbauen. Bei der Hofstelle, die von der Kommune bewohnt wird, handelt es sich um einen alten Bauernhof mit Hauptgebäuden und diversen Nebengebäuden.

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Die Hofstelle der SoLaWi Volzendorf.

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Interessiert hört die Besuchergruppe den Erläuterungen zu.

Einige der Bewohner-Innen wohnen in diversen Bauwagen auf dem Hof. Weiterlesen

Die Kapelle St. Petri in Volzendorf

Volzendorf.
Je mehr ich mich im Landkreis bewege, desto mehr Kirchen und Kapellen begegnen mir. Und sie sind sich alle irgendwie ähnlich: nämlich aus Feldsteinen gebaut und in späterer Zeit mit Ziegelsteinen weiter ausgebaut, auch oft mit neugotischen Elementen.

So auch die kleine St.-Petri-Kapelle in Volzendorf, die im 14. Jahrhundert als Eingang zum damaligen Rundlingsdorf errichtet wurde. Im 19. Jahrhundert gab es in Volzendorf einen Großbrand, nach dem das Dorf nicht wieder in Form des Rundlings aufgebaut wurde. So steht die Kapelle heute mitten im Dorf.

Schaut euch einfach ein paar Fotos an:

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Schaupflügen der Interessengemeinschaft Zugpferde bei der Kooperative Landbau in Volzendorf

Volzendorf.
Am vergangenen Sonnabend war ich in Volzendorf, um dort beim Schaupflügen zuzusehen. Die Kooperative Landbau Volzendorf hatte für die Zeit von 10:00 bis 15:00 Uhr dazu eingeladen.

Ich zählte acht Pferdegespanne von je 2 Zugpferden, die mit Hilfe einer angehängten Bracke alte Pflüge, teilweise hundert Jahre alt, Furchen in ein ca. zweieinhalb Hektar großes Feldes der Solidarischen Landwirtschaft-Gruppe in Volzendorf zogen.

Zwei- bis drei Mal im Jahr veranstaltet die Kooperative Volzendorf mit der Interessengemeinschaft Zugpferde Sachsen-Anhalt einen Schaupflügetag. Dann kommen Mitglieder der IG Zugpferde und zeigen den interessierten Zuschauern, was Zugpferde leisten können. In diesem Fall: ein Feld pflügen und anschließend eggen. Die verschiedenen Doppelgespanne pflügen dann an verschiedenen Stellen des Feldes den Boden.

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Nach getaner Arbeit stehen die Mitglieder der IG Zugpferde und ihre Helfer noch ein wenig zusammen und schnacken.

Dieser Acker wurde bearbeitet:

 

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Fett und schwarz glänzt die Erde, nachdem sie aufgeworfen wurde. Bestimmt ein guter Boden.

Hier sieht man noch einmal eine Egge, die eingesetzt wurde:
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Der Acker – gepflügt und geeggt – jetzt schon etwas grau nach dem Trocknen geworden.

Ich sprach mit Tino Fehse, der sich zusammen mit seinem Bruder und seinem Sohn in der Landschaftspflege mit Zugpferden innerhalb der IG engagiert.

Die IG hält Pferde verschiedener Rassen, zum Beispiel Friesen, Rheinisch-Deutsches Kaltblut oder Bretonisches Kaltblut, und trainiert mit ihnen traditionelle Feld- und Waldarbeit. So lernen die Tiere nicht nur, einen Pflug zu ziehen, sondern auch Holz rücken im Wald, Eggen oder Heuwagen zu ziehen.

Die Pflüge, die beim Schaupflügen eingesetzt wurden, sind allesamt aus dem Schrott gerettet worden und wieder instandgesetzt worden. Dabei ist im Wesentlichen zwischen zwei Pflugfirmen hier in dieser Region zu unterscheiden, wie mir Tino Fehse erklärte: Eberhardt und Sack, weswegen die Fachleute in der IG von der „Eberhard-Karre“ und der „Sack-Karre“ unterscheiden – gemeint sind die Pflüge der beiden Firmen.

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Ein Pflugmodell – vorne die beiden Griffe zum Lenken.

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Das scharfe Pflugmesser

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Noch ein Pflugmodell

Ein Pflug besteht aus zwei Teilen: einmal das Fahrgestell mit zwei Metallrädern, und zum anderen der eigentliche Pflug, also das schräggestellte große Messer, das in den Boden eindringt. Beide Teile werden einfach durch einen Haken verbunden, eine Zwischenkette stabilisiert.

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Hier werden die vielen Pflüge schon wieder eingeladen.

Hinter den Pferden hängt der „Ortscheit“, dieser Holzbalken mit Kette, so wird er hier in der Gegend zumindest genannt, wie mir Tino Frehse erklärte, oder allgemein die „Bracke“. Das Pfluggestell wird dann einfach in einen Ring der Bracke eingehängt und nach Arbeitsende wieder ausgehängt. Solche Bracken hängen heutzutage ja an vielen alten Bauernhäusern als Dekoration. Auch ich habe so ein Teil an meinem Haus hängen.

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Hier sieht man einen Ortscheit für ein Doppelgespann.

Dann wird das Pferdegespann an das Feld gelenkt. Im Falle des Schaupflügens wurde das Pflügen generell von zwei Personen durchgeführt: die eine Person lenkte die Pferde und die zweite Person hielt die beiden Griffe des Pflugs und lenkte ihn. Normalerweise kann das aber auch eine Person alleine machen, wenn die Pferde entsprechend trainiert sind und ihre Arbeit kennen.

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Dieses Pferd hat seine Arbeit getan und freut sich auf den Feierabend.

Ich durfte eine Furche lang einmal den Pflug lenken. Das war eine interessante Erfahrung. Man muss aufpassen, dass das Pflugmesser nicht zu weit von der danebenliegenden Furche abweicht, und man muss aufpassen, dass die mittlere Eisenstange des Pflugs auch immer schön in der dafür vorgesehenen Rille des Fahrgestells bleibt und nicht rausrutscht. Drücken muss man gar nicht, nur die beiden Griffe des Pflugs und damit das Pflugmesser gerade halten. Es ist so eine Art Jonglieren, denn das Pflugmesser schneidet ja schräg in den Boden hinein.

Ja, das hört sich einfach an, als ob es gar keine Kraft kostet. Aber ich war doch ganz schön außer Atem gekommen, man braucht schon ein bisschen Kondition, erst recht, wenn ein ganzer Acker gepflügt werden soll!

Mein Großvater hat ja noch seine Felder mit dem einen Pferd, das er hatte, tatsächlich auf diese Weise gepflügt.

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Ab geht’s nach Hause in den Stall!

Die IG Zugpferde macht auch Jugendarbeit und will Jugendliche an die Arbeit mit Zugpferden heranführen. Es gibt auch Pflügewettbewerbe (vorlagen_pfluegen).

Alle zwei Jahre findet in Detmold die Messe „Pferde Stark“ statt, die Arbeitspferde vorführt, vermittelt und Kontakte ermöglicht.

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Ein schöner Pferdeschwanz – die Tiere werden allesamt gut gepflegt.

Ungefähr 50 Interessenten gleichzeitig schauten den nicht alltäglichen stundenlangen Pflügearbeiten zu, am Mittag kamen noch weitere dazu. Mit selbst gebackenem Kuchen, Kaffee und Tee, Bratwurst und Pommes wurden die Gäste gut versorgt. Angeboten wurden auch ökologisch erzeugte Lebensmittel oder gestrickte Kissen. Das Wetter war schön, nicht zu kalt und nicht zu warm.

 

Nächstes Mal zum Schaupflügen unbedingt kommen, erst recht, wenn ihr Kinder habt!

Die SoLaWi lud um 13.00 Uhr zu einer Besichtigung der Hofanlage ein. Dazu ein gesonderter Beitrag.