Schützenfest in Lüchow

Lüchow, 10. Juni 2018.
Heute an diesem Sonntag endete das diesjährige Schützenfest in Lüchow.

Immer zwei Wochen nach Pfingsten wird in Lüchow gut eine Woche lang das Schützenfest gefeiert. Die Straßen werden mit Girlanden mit dreieckigen Wimpeln in den Lüchower Stadtfarben blau und rot überspannt.

DSCI0105.JPG

DSCI0107

Zu Ehren des Schützenfestes wird die ganze Stadt festlich geschmückt – mit Blumen und Fahnen.

Traditionsbewusste Anwohner oder Geschäftsleute stellen in wassergefüllten Eimern kleine Birkenstämme vor das Haus. Schon das „Birkenholen“ gehört mit zur Feier des Schützenfestes…

DSCI0095

DSCI0096

DSCI0102

DSCI0156

Auch auf dem Marktplatz, wo die Schützen aufmarschieren, sind vor dem „Ratskeller“ die Fahnen aufgezogen. In diesem Gebäude befand sich früher das Rathaus von Lüchow.

Auf dem Schützenplatz wird zur Vergnügung der Bevölkerung ein Rummelplatz mit Buden und Karussells aufgebaut.

DSCI0118

Richtig große Karussells gibt es hier.

DSCI0123

DSCI0117

DSCI0159

Einblick in den Rummelplatz am Nachmittag …

DSCI0164

… und am Abend.

DSCI0163

„Schützenfest“ – ich erinnere mich an meine Kindheit – war verbunden mit Spaß und einem Besuch auf dem Rummelplatz. Die Bewohner Lüchows stellten sich an den Straßenrändern auf, um dem Aufmarsch der Schützen zuzusehen.

Schützenfest ist aber eigentlich ein ernstes gesellschaftliches Ereignis für die ganze Stadt. In Lüchow gibt es keinen „Schützenverein“, sondern eine „Schützengilde“. Die Verbindung mit der Bezeichnung „Gilde“ weist auf einen Ursprung im Handwerk hin. Denn Handwerker hatten sich im Mittelalter zu „Gilden“ mit verschiedenen beruflichen Richtungen zusammengeschlossen, in denen bestimmte Regeln und Beitrittsbedingungen galten.

Die Entstehung von Gilden ist eng mit der Entwicklung von Städten, der damit verbundenen Arbeitsteilung und mit der Erstarkung des Bürgertums in Abgrenzung zum Adel verbunden. In den Städten wurden Vereine und eben Gilden gegründet, die auch bewaffnet waren, um sich gegen Übergriffe des Adels stärker zur Wehr setzen und der städtischen Gemeinschaft „Schutz“ bieten zu können. Der Begriff „Schütze“ leitet sich also von „Schutz“ ab.

Während der Adel in Form der Ritterschaft im Mittelalter Turniere abhielt, maßen sich die Bürger in Schützenfesten, was Treffsicherheit betraf. Die Schützengilden hatten auch die Aufgabe, städtische Wach- und Verteidigungsdienste zu leisten.

Mit dem Marschieren während des Schützenfestes nahmen die Schützenbrüder Grenzbegehungen entlang der Stadtgrenzen vor. Bei Streitigkeiten, was Landgrenzen zwischen Besitztümern betraf, mussten lebende Zeitzeugen aussagen können, eben auch die Schützenbrüder, die die Grenzen kontrollierten. Es gab ja noch keine Grundbücher.

Die Schützengilde zu Lüchow wurde erstmals 1575 in einer Urkunde erwähnt, es gibt sie aber schon länger. Im Jahr 1750 teilte sich die Schützengilde zu Lüchow in zwei „Claßen“ (= Abteilungen). Die 1. Claße wurde zur späteren Gardekompanie. Die 2. Claße benannte sich in Jägerkompanie um. Beide Kompanien tragen aufwändige historische Uniformen. 1877 kam als 3. Kompanie die Schützenkompanie hinzu, die als Uniform die „Deutsche Schützentracht“ wählte. Schließlich kam 1893 noch als 4. Kompanie die Frackkompanie hinzu. Die Frackkompanie trägt als „Uniform“ Frack und Zylinder und wurde hauptsächlich deswegen gegründet, um Bürger anzuziehen, die bisher der Schützengilde ferngeblieben waren.

Somit besteht die Schützengilde zu Lüchow aus vier Kompanien mit unterschiedlichen Uniformen.

Als Quelle für die obigen Ausführungen mit historischen Bezügen stütze ich mich auf die Ausführungen der Schützengilde (sgl …!) auf deren Website.

Am Freitag, den 1. Juni wurde das Schützenfest eröffnet. Gegen halb elf abends hörte ich – drei bis vier Kilometer entfernt – etwas Ähnliches wie Schüsse – das war aber das Feuerwerk zur Eröffnung! Es war ein schöner lauwarmer Abend, und viele Gäste aus Lüchow und den umliegenden Dörfern waren gekommen, um bei einem Bier oder Wein der Blasmusik zuzuhören und dem Feuerwerk beizuwohnen. Wie auch mein Cousin und seine Frau.

Traditionell beginnt das Schützenfest am ersten Wochenende mit dem Kinderschützenfest. Und ab hier stütze ich mich auf einen Artikel aus dem „General-Anzeiger“:

Am Sonntag, also am 3. Juni, gab es mit Kindern ab der vierten Klasse aufwärts ein „Wettschießen“, um das neue Kindermajestätenpaar zu bestimmen. Hierzu wurden auf dem Schießstand ein PC-Netzwerk sowie SAM-Schießeinrichtungen installiert, bei denen das Ziel nur mit Licht anvisiert und der Zielvorgang vom Computer aufgezeichnet wird. Am Preisschießen konnte mit Pfeil und Bogen teilgenommen werden.

Vor dem Wettschießen zum Bestimmen des neuen Kinderschützenkönigs wurde das vorjährige Kindermajestätenpaar samt Eltern in Cabrios von der gesamten Gilde und Schulkindern zum Marktplatz begleitet. Unterwegs trafen Kindergartengruppen dazu. Die verschiedenen verkleideten Schul- und Kindergartengruppen wurden durch eine Jury beurteilt, was deren besondere Ausstrahlung betrifft. So konnte die Siegergruppe einen Geldpreis gewinnen, der an die Schule bzw. den Kindergarten überreicht wird.

Nachdem die Wettbewerbe im Königs- und Preisschießen abgeschlossen waren, wurde der neue Kinderschützenkönig und die Kinderschützenkönigin ermittelt. Das vorjährige Kindermajestätenpaar und das neue Kindermajestätenpaar wurden zum Festzelt geleitet und das neue Kindermajestätenpaar wurde feierlich proklamiert. Die Kindermajestäten erhielten ihre selbst ausgesuchten Preise und eine silberne Gedenkmünze. Anschließend wurden die anderen Preise an die Schülerinnen und Schüler, die am Schießwettbewerb teilgenommen hatten, verteilt. Danach erfolgte ein gemeinsamer Bummel über den Schützenplatz mit seinen Buden und Karussells. Durch die Einbindung der Kindergärten und Schulen wird die ortsansässige Jugend gleich an die Tradition herangeführt.

Bilder zu vergangenen Kinderschützenfesten findet ihr hier und weitere Hintergrundinformationen zum Kinderschützenfest hier.

Am Montag, den 4. Juni fand dann das Königs- und Preisschießen der Erwachsenen auf dem Schießstand statt.

Hier findet ihr Eindrücke vom Montag.

Am Preisschießen nehmen sozusagen nur diejenigen teil, die nicht unbedingt Interesse haben, ggf. Schützenkönig zu werden. Denn mit dem Amt des Schützenkönigs sind nicht nur Ehren verbunden, sondern auch hohe Geldausgaben: Der Schützenkönig muss kräftig einen ausgeben,

Am Abend wurde dann das neue Schützenkönigspaar proklamiert.

Neuer Schützenkönig wurde ein Kolborner als treffsicherster Wettbewerber. Am Dienstag, den 5. Juni wurde das neue Königspaar dann von ihrer sog. „Königsburg“, ihrem Zuhause in Kolborn, feierlich von der Gilde abgeholt und zum Marktplatz begleitet, wo der neue Schützenkönig mit der schweren Königskette an der Brust dann standesgemäß die Parade der Schützenbrüder abnahm.

Ich war nicht dabei und kann euch nur ein Foto vom Titel des „General-Anzeigers“ zeigen:

DSCI0180neu

Der neue Schützenkönig der Lüchower Schützengilde (vorne links) nimmt grüßend die Parade der Schützenbrüder ab. Foto: General-Anzeiger vom 9./10. Juni 2018

In der Schützengilde sind vor allem Mitglieder alteingesessener Familien aus Lüchow und den umliegenden Dörfern vereinigt. Die Uniformen sind teuer, und man muss natürlich das richtige Exerzieren und Grüßen üben. Und natürlich die Treffsicherheit beim Schießen.

Zu Ehren der Schützen gibt es eine „Schützenstraße“. Ein Gasthaus neben dem Schützenplatz heißt „Gildehaus“, in dem auch sonstige Feiern ausgerichtet werden. Im Gildehaus finden auch Tanzabende, Konferenzen oder Künstlerauftritte statt.

DSCI0110

DSCI0131

DSCI0128

Aufgezogene Fahnen vor dem Gildehaus.

Das nächste Schützenfest ist schon in Sicht: am kommenden Wochenende wird das Schützenfest in Dannenberg eröffnet.

Bauern- und Flohmarkt in Neu Darchau

Neu-Darchau, 10. Juni 2018.
Heute war ich auf dem Flohmarkt in Neu Darchau, direkt am Hafen, da, wo die Elbfähre nach Darchau abgeht. Wegen des tollen Wetters war der Platz von Verkaufsständen übervoll besetzt. Auch oben auf der Düne – oder wie der Sandberg heißt – waren viele Händler.

In den ersten zwei Stunden kamen fast nur Schlenderer, gut angezogen, die aussahen, als hätten sie eigentlich schon alles. Gelangweilt sahen sie an den Ständen entlang und fuhren dann weiter mit der Fähre oder Richtung Lüneburg.

Aber ab zehn etwa kam das gewohnte Flohmarktpublikum, kaufte dieses hier und jenes dort. Als erstes verkaufte ich meinen Brotkasten, original aus den Fünfziger Jahren. Später wurde ich ein Holzspielzeug für Babys und zwei blaue Eisbecher los. Eine junge Frau kaufte eine Ansteckbrosche aus meiner Alter-Schmuck-Sammlung, und endlich nahm mir jemand auch zwei Pflanztöpfe ab.

DSCI0166

Einblick in den Flohmarkt Neu-Darchau

Gegen Mittag wurde es ziemlich unerträglich heiß, aber glücklicherweise wehte ein Wind, der immer wieder für etwas Kühlung sorgte. Ich setzte mich in das Café am Hafen und aß ein Stück Himbeerkuchen und nahm dazu einen Kaffee. Auf meinen Stand passte indessen mein Nachbar auf.

Auf dem Flohmarkt gab es wieder ein vielfältiges Angebot. Neben Trödel und Krimskrams jeglicher Art wurden auch Pflanzen und Obst und Gemüse sowie neue Kleidung und Handtaschen angeboten. Außerdem gab es diverse Stände mit Imbiss-Angeboten, von Fischbrötchen über Räucheraal bis hin zu Bratwurst und Pizza und Eis. Ein Markt für einen Familienausflug.

Einblicke in das Flohmarkt-Angebot:

DSCI0175

Blumen, Obst und Gemüse

DSCI0177

Fünfziger-Jahre-Interieur

DSCI0178

Insektenhotels

DSCI0172

Wäsche von Anno Dazumal

DSCI0170

Trödel-Möbel

DSCI0169

Schiffsmodelle

DSCI0174

Direkt am Hafen: der Flohmarkt in Neu-Darchau

Gegen 13:00 Uhr legte der Wind zu und entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zu einer Art Sturm. Das war zunächst wegen der Hitze ganz angenehm. Allerdings sorgte der starke Wind dafür, dass auf dem Flohmarkt Sonnenschirme umkippten und leichtere Teile von den Standtischen geweht wurden. Als ich vom Café zurückging, packten schon die ersten Verkäufer ein. Denn der Wetterbericht hatte ein Gewitter angekündigt.

 

Erntezeit

8.6.2018
Heute Morgen ging ich in den Garten – und da fielen mir die vielen roten Flecken im Blumenbeet auf. Ich habe nämlich zwischen den Blumen Erdbeerpflanzen, und nun zeigten diese viele rote Früchte. Seht mal: so viele konnte ich heute Morgen pflücken!

DSCI0104.JPG
Es reicht immerhin für ein Erdbeertörtchen heute Nachmittag zum Kaffee. Die Beeren sind zwar etwas klein … ich hätte sie wohl düngen müssen. Naja, nächstes Mal.

Später ging ich an meinen Johannisbeersträuchern vorbei – und auch hier leuchtete es rot zwischen den Zweigen und Blättern. Schnell holte ich eine Schüssel und pflückte die Beeren ab. Es machte zwar etwas mehr Mühe als mal eben im Supermarkt eine Schale Johannisbeeren in den Einkaufswagen zu legen, und mein Rücken sagte auch nach einiger Zeit „Jetzt is‘ aber gut…!“ zu mir – aber: selbstgemacht! DIY! Die Mühen meiner Arbeit mit Pflanzen kaufen, Erde kaufen, Pflanzen einpflanzen, gießen, gießen, gießen wurden belohnt – mein Return on Investment!

DSCI0148.JPG

Und dann sah ich mir meine Kirschbäume etwas genauer an – und auch hier rote Kleckse zwischen den Blättern und Zweigen! Schnell einen Topf geholt, bevor die Stare alles wegpicken. Einen ganzen Topf voll habe ich gepflückt, nur von den unteren Zweigen.

DSCI0150.JPG

Nach dem Abwaschen der Kirschen habe ich mich auf meine Bank gelegt und eine Kirsche nach der anderen gegessen. Quasi wie im Schlaraffenland. Zuerst habe ich die Kirschkerne achtlos hierhin und dahin geworfen.

Dann kam mir jedoch eine Geschäftsidee. Es gibt doch diese Kirschkernkissen, die man auch in Apotheken oder Drogerien kaufen kann. Man legt sie bei Ohren- oder Bauchschmerzen in den Ofen oder Herd, damit sie heiß werden, und dann an die Ohren oder auf den Bauch, damit die Schmerzen gelindert werden.

So kam ich auf die Idee, die Kirschkerne nicht mehr wegzuwerfen, sondern sie zu sammeln. Ich würde dann aus Stoffresten kleine Kissen nähen und die gewaschenen und getrockneten Kirschkerne einfüllen.

Die fertigen Kirschkernkissen würde ich dann auf dem Kiekemarkt in Trebel oder auf der Kulturellen Landpartie für zum Beispiel drei Euro pro Stück verkaufen. Bei zehn Stück Absatz hätte ich dann schon dreißig Euro, und bei 100 Stück Absatz dreihundert Euro. Bei tausend verkauften Kirschkernkissen kämen dann schon dreitausend Euro zusammen!

Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber in meinem Leben waren immer kleine gehörte oder gelesene Sätze ganz wichtig, um etwas bei mir zu ändern oder mich zu etwas zu veranlassen.

Als ich siebzehn war, schickten meine Eltern mich zum Istituto Cervantes, damit ich neben den Fremdsprachen in der Schule auch noch Spanisch lerne. Die erste Lektion der ersten Unterrichtsstunde war mit „Con algo hai que empezar“ überschrieben, das heißt auf Deutsch: „Mit etwas muss man anfangen!“. Ich bin dann zwar nach der ersten Stunde nicht mehr weiter zu diesem Kurs gegangen, weil ich mich durch meine Eltern fremdbestimmt fühlte und im Kurs – aus meiner Sicht damals – nur lauter alte Leute saßen, und ich deshalb kein Spanisch gelernt habe, aber diesen ersten Satz habe ich behalten und fand ihn wichtig.

Später habe ich Chinesisch gelernt, und im Chinesischen gibt es einen ähnlichen Spruch: „Eine Reise von tausend Meilen beginnt mit dem ersten Schritt“. Beide Sprichwörter haben mich oft im Leben geleitet, und so auch jetzt.

Die ersten Kirschkerne habe ich schon gewaschen. Jetzt werden sie getrocknet – ausreichend Sonne dafür ist ja zurzeit da. Und dann habe ich schon mal den Anfang für ein Kirschkernkissen.

DSCI0151.JPG

Ich sticke dann noch auf die eine Seite vom Kirschkernkissenbezug eine Wendlandsonne und bewerbe die Kissen dann zum Beispiel so:

Kirschkernkissen aus dem Wendland
Kirschkerne von original regionalen Kirschen aus dem Wendland
selbst ausgespuckt
handverlesen
handgewaschen
unter der Wendlandsonne naturgetrocknet.

😉

Regiobranding Griese Gegend – Elbe-Wendland: Suche nach einer Symbolfigur

Dannenberg, 4.6.2018.
Am 4. Juni 2018 wurde das Projekt „Regiobranding Griese Gegend – Elbe-Wendland“ durch einen Workshop mit dem Titel „Auf der Suche nach einer Symbolfigur für die Region Griese Gegend-Elbe-Wendland“ – diesmal im Alten Rathaus Dannenberg – fortgesetzt. Der angekündigte zweite Workshop „Storytelling“ ist leider ausgefallen.

Der genaue Arbeitstitel des Projekts ist „Aufgetan – Fragen und Antworten zur Landschaft Griese Gegend – Elbe-Wendland“ .

In diesem Projekt geht es um die Suche nach regionaler Identität unter den Fragestellungen „Was ist ‚Heimat‘?“ und „Was prägt uns, unsere Landschaft und Geschichte?“.

Leider hatten nur neun Personen Zeit zu diesem Termin und diesem Ort gefunden – obwohl beide Regionen bekanntermaßen doch so viele Rentner und Rentnerinnen haben. Aber wie heißt es doch immer: ein Rentner hat nie Zeit … Sechs Personen kamen aus dem Wendland (darunter waren allein drei Vertreter der Landkreisverwaltung – also nur drei „Freiwillige“). Aus der „Griesen Gegend“ waren nur drei Teilnehmende gekommen.

Außerdem war das Team des Projekts mit Corinna Hesse und Antje Hinz vom Silberfuchs-Verlag, der die Ergebnisse des Projekts in eine interaktive Website einfließen lassen wird, sowie mit Jonas Möhring und mit Andreas Dihm vertreten. Auch der Projektkoordinator vom Landkreis Ludwigslust-Parchim, zu dem die „Griese Gegend“ gehört, Philipp Uckert, nahm teil. Weil mich das Projekt interessiert, war auch ich dabei.

Zur Einführung des Workshops fasst Corinna Hesse noch einmal kurz die Ergebnisse des Workshops vom 8. März 2018 zusammen und zeigt in ihrer begleitenden Power-Point-Präsentation die drei von Ellen Backes gezeichneten Plakate zu den drei im Workshop vorgegebenen Themen „Unsere Dörfer“, „Unsere Landschaft“ und „Unsere Sprache“.

DSCN1565

Von Ellen Backes während der Gruppengespräche mitgezeichnete Ergebnisse des Workshops vom März 2018.

Antje Hintz berichtet von ihren beiden in Dannenberg und Malliß durchgeführten Workshops in siebten und achten Schulklassen. Corinna Hesse stellt Jonas Möhring und Andreas Dihm kurz vor. Jonas Möhring ist Comic-Zeichner bei 123comic in Berlin und arbeitet unter anderem mit Ellen Backes, der Zeichnerin vom vorhergehenden Workshop, zusammen. Andreas Dihm erstellt Animationen im Netz und gestaltet interaktive Figuren.

Entsprechend des Themas des Workshops sollten die Teilnehmenden eine Symbolfigur für das Projekt entwickeln, die dann auf der geplanten Website durch die angebotenen Themen führen soll. Diese Figur soll dann zeichnerisch durch Jonas Möhring und sein Team gezeichnet und mit Hilfe von Andreas Dihm animiert werden.

Nachdem Jonas Möhring von Corinna Hesse die Moderation übernommen hat, weist er zunächst auf den bereits zu Beginn des gesamten Projekts im Jahr 2015 entwickelten  Schmetterling als Symbolfigur hin:

Schmetterling.jpg

(Copyright: Landkreis Ludwigslust-Parchim)

Die beiden Flügel des Schmetterlings deuten je die Umrisse der beiden beteiligten Regionen an. Der „Körper“ des Schmetterlings zwischen den beiden Flügeln symbolisiert den Fluss Elbe als verbindendes Element zwischen den beiden Regionen. Die Färbung der Flügel – ein Mix aus bunten Kästchen – soll die Vielfalt beider Regionen in jeder Hinsicht andeuten. Der Schmetterling kann über beide Regionen und die Elbe hinwegflattern. Mit dem Schmetterling verbunden war eine comic-haft gezeichnete Raupe: der Schmetterling ist eine Metamorphose der Raupe.

Danach lenkt Andreas Dihm die Aufmerksamkeit der Teilnehmenden etwas vom Team Raupe/Schmetterling ab, indem er in einer Präsentation verschiedene im Netz gefundene Symbolfiguren zeigt.

Darunter sind Maskottchen, die eine bestimmte Region vertreten, zum Beispiel der „Kolle-Bolle“, ein Troll, der auf die Insel Bornholm aufmerksam machen soll. Oder das „Münchner Kindl„, das in animierter Form unter anderem erklärt, wie die Richtungsschilder in der Münchner U-Bahn zu verstehen sind. Oder der „Ueckerich“, eine Seerobbe, die auf die Ueckermark verweist. Maskottchen sind auch im Sport sehr verbreitet, insbesondere bei Großereignissen wie einer Weltmeisterschaft oder Olympiade. Maskottchen sollen Sympathieträger sein. Auch Unternehmen setzen sie ein, wie zum Beispiel die Deutsche Bahn den Maulwurf.

Gerne wird auch auf Tiere zurückgegriffen, wie zum Beispiel der Berliner Bär oder in Lüneburg die Salzsau. Im bayrischen Raum ist das sagenhafte Tier „Wolpertinger“ oder „Wolperdinger“ verbreitet, ein Tier, das es nicht wirklich gibt. Manche Städte machen aus typischen Bauwerken, aus Wahrzeichen, eine Symbolfigur, wie zum Beispiel ein Turm in Crimmitschau oder auch in Lüchow. In Paris der Eiffelturm oder in Pisa der Schiefe Turm.

Andreas Dihm stellte auch das sogenannte „Redende Wappen“ vor. Das bedeutet, dass Adelsfamilien oder auch Städte früher ihre Namen gerne in den Wappen bildhaft darstellen ließen. Die Darstellungen in den Wappen spielen also auf den Familiennamen oder Stadtnamen an. Zum Beispiel enthält das Wappen der Stadt „Dannenberg“ eine Tanne („Danne“) auf einem Berg.

Anschließend stellt Jonas Möhring einige Grundfiguren beim Comic-Zeichnen vor:
1. Die Ein-Körper-Figur
2. Die Zwei-Körper-Figur

Die Teilnehmenden sollen dann auf bereitliegenden Blättern selbst einige Ein-Körper-Figuren wie zum Beispiel ein Quadrat, Rechteck, Kreis oder auch ein Herz zeichnen und den Figuren dann ein menschliches Gesicht sowie einige Körperteile wie Arme und Beine zufügen. Das gleiche dann mit Zwei-Körper-Figuren.

Jonas zeichnet einige Figuren auf dem Flip Chart vor, sodass die Teilnehmenden erkennen können, in welche Richtung es gehen sollte.

DSCI0074

Der Kreis der Teilnehmenden inclusive der Teammitglieder wird dann in drei Kleingruppen aufgelöst, die sich im Raum in verschiedene Ecken zurückziehen. Jede Kleingruppe hat den Auftrag, Ideen für die gesuchte Symbolfigur für das geplante Webportal des Projekts Regiobranding Griese Gegend-Elbe-Wendland zu entwickeln.

In meiner Gruppe haben sich fünf Teilnehmende zusammengefunden. Eine Teilnehmerin hat eine neue Idee: sie möchte zwei Figuren – statt nur einer – einbringen. Zum Beispiel zwei Schafe. Ein Schaf wird als schwarzes Schaf in einer ansonsten weißen Schafherde geboren, und das andere Schaf wird als weißes Schaf in eine ansonsten schwarze Schafherde hineingeboren. Beide Schafe sind also in ihrer jeweiligen Umgebung „etwas Besonderes“. Eines Tages treffen sie sich und gehen fortan zusammen in die Welt hinaus. Das soll eine Metapher sein für die verschiedene kulturelle Entwicklung der Menschen in den beiden Fokusregionen. Denn durch die innerdeutsche Teilung haben sich die Menschen in den beiden Regionen unterschiedlich entwickelt.

Nun ist die Grenze aufgehoben, und die Menschen der beiden Regionen begegnen sich wieder, gehen aufeinander zu, bemerken aber noch die Unterschiedlichkeit.
In dieser Gruppe wird auch der Schmetterling wieder hervorgehoben, der schon 2015 entwickelt worden ist. Ein Sympathieträger, der die Elbe – die natürliche Grenze zwischen den beiden Fokusregionen – überqueren kann, sich mal auf dieser Seite und mal auf der anderen Seite niederlassen kann, der Blütenstaub mit sich trägt und damit produktiv – „befruchtend“ – auf beiden Seiten wirkt.

Ich wechsle in eine Gruppe, die aus nur drei Personen besteht, sodass die Teilnehmerzahl je Gruppe jetzt etwas ausgewogener ist. Die Teilnehmenden dieser Gruppe sind auch auf die Idee von zwei Figuren gekommen. Zum Beispiel ein Mädchen und ein Junge, die sich treffen und dabei die Elbe als Grenze überschreiten.

Die Gruppe hat aber auch schon verschiedene Einzelfiguren als Symbolfigur für das Webportal gedanklich generiert: eine fleißige Ameise, verschiedene Vogelarten wie Kranich oder Wildgans, Nutztiere wie Schaf oder Heidschnucke, als Pflanze den Löwenzahn, ein Fahrrad, eine Brücke, die die Elbe überbrückt und damit die Grenze überwindet, ein Frosch, Pflanzen wie Sonnenblume, Kiefer, Eiche, Pilze, Blaubeeren, Kartoffel, Karotte, oder auch ein Haus mit Scheunentor oder die Wendlandsonne. Da es sich um Brainstorming handelt, sind alle Einfälle kritiklos zu akzeptieren. Auch ein Name für das Webportal – oder die Figur? – wurde schon genannt: „Griewendel“, als Kunstname aus „Griese Gegend“ und „Wendland“.

Die anderen Gruppen haben auch viele Ideen, die nach Beendigung der Gruppenarbeit zusammengetragen und auf Moderationskarten geschrieben und an die Stellwände gepinnt werden. Zum Beispiel könnte man ja auch „Mischwesen“ kreiieren, so ähnlich wie die Wolperdinger in Bayern: vielleicht ein Fisch mit einem Vogel kombinieren oder ein Künstler mit einem Bauern – als Metapher für die Zuwanderung der Kreativität („Künstler“) in die ursprünglich bäuerlich geprägten Regionen. Oder zwei Zwerge, der eine „gut“, der andere „böse“. Oder zwei Schafe, das eine schwarz, das andere weiß (siehe oben).

DSCI0078

Die Frage des Charakters der gesuchten Symolfigur steht wieder im Raum. Wofür soll sie stehen? Das Motiv des Wanderns und der Gastlichkeit in den beiden Fokusregionen wird aufgegriffen und man kommt auf die Idee des „Zugvogels“, oder wieder der „Storch“, die „Wildgans“, auch weil in beiden Regionen „viel Platz“ ist und somit auch viel Sammelplatz für Tiere. Auch das Motiv der „Entschleunigung“, der „Ursprünglichkeit“, des „Rückzugsgebietes“ für viele Menschen wird genannt. Oder das Motiv der „Verschmelzung“ von Kultur, Politik und Ökologie.

Viele, viele Ideen schwirren herum.

Andreas Dihm stellt schließlich die Frage „Was sollen die Figuren machen? Wie sollen sie auf dem Portal eingesetzt werden?“ und er zeigt in einer Präsentation Beispiele seiner Arbeit mit animierten Figuren. Zum Beispiel hat er Figuren und animierte Filmchen für das Projekt „Suchtprävention“ produziert, die im Internet und auf den Bildschirmen in der Berliner U-Bahn laufen. Da geht es um das Thema „Erziehung“. Die Filmchen sollen Erwachsene auf ihr Suchtverhalten hinweisen und auf die Wirkung ihres Verhaltens auf ihre Kinder.

Dann stellt er noch weitere Produktionen vor, zum Beispiel einen Film, in dem es um verschiedene Seminarmodelle geht und in dem Strichmännchen im Zentrum stehen. In einem Animationsfilm für die Plattform „Scriptmakers“, auf der es um das Zusammenbringen von Drehbuchautoren und Filmproduzenten geht, spielen zwei animierte Tiere ihre Rollen, nämlich ein Zebra und ein Pinguin.

Auch die interaktive Landkarte auf dem Portal Region-Wendland.de wird gezeigt und gefragt, was eine Symbolfigur auf so einer bereits interaktiven Karte mit Hintergrundinformationen noch zusätzlich für einen Nutzen haben könnte.

Nach einer kleinen Pause, in der wir mit Schnittchen, die vom Landkreis Lüchow-Dannenberg spendiert wurden, versorgt wurden, bekommt jeder drei Klebepunkte und soll die Punkte auf die Karten an der Pinnwand kleben.

DSCI0082

Welche geäußerte Idee gefällt jedem am besten? Am Ende werden die Punkte je Idee gezählt und heraus kommt:

Der Löwenzahn steht mit elf Punkten an erster Stelle, gefolgt vom Schmetterling mit zehn Punkten und der Idee mit Lämmern/Schafen mit vier Punkten.

Der Löwenzahn ist somit der Sieger. Er kann als gelbblühende Pflanze dargestellt werden oder als „Pusteblume“ mit einer Vielzahl von kleinen Samen mit einem „Fallschirm“, der die Samen weitertragen kann. Und der einzelne kleine Samen mit seinem Fallschirm kann dann zum Beispiel auf der geplanten Website Fragen oder Antworten „weitertragen“.

Jonas sammelt auf dem Flip Chart Ideen aus der Gruppe, wie die Symbolfigur nun genutzt werden könnte.

DSCI0084

Mit der Figur könnte zuerst eine Themeneinführung auf dem Webportal gemacht werden. Die Figur könnte zeigen, was man auf der Website machen kann: suchen – fragen – etwas beitragen – Orientierung erleichtern. Die verschiedenen Themen auf dem Webportal könnten durch Variationen der Hauptfigur kenntlich gemacht werden, vielleicht unterschiedliche Einfärbung oder unterschiedliche Stimmen. Die Figur könnte das Portal durch Sonderfilmchen auf youtube, Facebook und Co. bewerben/bekannt machen. Die Figur sollte die Nutzer zum Mitmachen animieren. Sie sollte einen Wiedererkennungswert haben. Sie sollte einen „Sprung über die Elbe“ symbolisch ermöglichen.

Wie geht’s jetzt weiter mit dem Projekt? Bis September 2018 muss die Entscheidung für die Animation gefallen sein. Die sieben Mitglieder der Steuerungsgruppe des Projekts treffen sich am 18.6.2018 und werden beraten und entsprechende Entscheidungen treffen.

 

Nachwuchs II: Man sieht es schon!

Jetzt endlich ist das Kleine im Nistkasten groß genug, um mit dem Kopf aus dem Flugloch gucken zu können.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Neugierig streckt das Vögelchen seinen Kopf hinaus und staunt die Welt da draußen an.  Und wartet auf die Eltern: wann kommen sie nach Hause, wann gibt es Futter?

DSCI0068

Da kommt schon die Mama mit einem neuen Wurm im Schnabel. Nun braucht sie nicht mehr ins Haus zu fliegen. Sie stoppt kurz mit den Krallen auf der kurzen Sitzstange vor dem Einflugloch und gibt die Nahrung ab und fliegt wieder davon.

dsci0057.jpg

 

 

dsci0040-e1527519078672.jpg

Ebenso macht es ihr Mann: ranfliegen, kurz aufsetzen, abgeben und wieder weg.

Das Vögelchen drinnen traut sich immer mehr und zwängt sich zum Flugloch raus. Hoffentlich fällt es nicht runter! Es sieht fast so aus, als ob zwei Drittel des Körpers schon draußen sind und der Vogel gleich das Gleichgewicht verlieren wird.

dsci0032.jpg

dsci0029.jpg

Aber dann – fällt es nach innen und schaut bald wieder mit dem Köpfchen nach draußen.

DSCI0063

Nachwuchs I

26. Mai 2018.
Ich sitze im Garten beim Frühstück und sehe mir eine Life-Dokumentation über ein Kohlmeisenpaar an.

An der Eiche in Blickrichtung hängt ein Nistkasten, den ich vor drei Jahren auf dem Flohmarkt in Gartow von einem Hobby-Tischler aus Laase gekauft hatte.
dsci0005-e1527348600678.jpg

Ein Kohlmeisenpaar hat das Vogelhaus besetzt und offenbar eine Familie gegründet. Dem Verhalten der beiden Kohlmeisen nach haben sie im Nistkasten ein Nest gebaut, und darin lebt wohl schon Nachwuchs. Geschäftig fliegen die beiden Eltern hin und her, denn auch für den Nachwuchs ist Frühstückszeit.

Einen halben Meter vor mir kommt Frau Kohlmeise eingeflogen und setzt sich erstmal auf den Ast einer Spiere, mit einem winzigen Wurm in der Schnabelspitze, und wartet, bis Herr Kohlmeise wieder aus dem Einflugloch herausfliegt. Sofort nachdem er das Haus verlassen hat, fliegt Frau Kohlmeise hinüber und ist schwups im Loch verschwunden. Keine drei Sekunden, und sie fliegt wieder hinaus.

Ihr Mann sitzt inzwischen auch schon wieder in Warteposition auf einem Baum, mit einem Insekt im Schnabel. Schnell rein damit ins Einflugloch, und auch er ist blitzschnell wieder draußen.

So geht es die ganze Zeit: warten, bis das enge Haus wieder frei ist, reinfliegen, Futter abgeben, rausfliegen, neues Futter suchen, warten, reinfliegen, füttern, raus …rein …raus …rein. Dass ich so nahe dran sitze, stört die beiden Kohlmeisen überhaupt nicht. Entweder finden sie mich harmlos, oder sie blenden die Gefahr aus.

Wenn beide gleichzeitig draußen sind und auf der Suche nach Futter umherfliegen, erscheint manchmal etwas Lebendiges hinter dem Einflugloch, ganz kurz nur zeigt es sich. Hin und wieder sehe ich einen winzigen sperrangelweit aufgesperrten Schnabel.

Wieviel Würmchen und Insekten dafür wohl nötig sind? Herr und Frau Kohlmeise können jedenfalls erstmal längere Zeit nicht daran denken, etwas gemeinsam zu unternehmen. Der Nachwuchs geht vor.

DSCI0008

Wer wohnt wohl hierdrin?

Albert Lee im Stones-Fan-Museum

Lüchow, 21. Mai 2018.
(alle Fotos: Wolfgang Werner)

Seit zwanzig Jahren kennt Ulli Schröder Albert Lee schon, seit der Eröffnung seines Stones-Fan-Museums im Jahr 2011 versucht er schon, ihn zu einem Auftritt auf seiner Bühne zu bewegen. Nun endlich ist Albert Lee am Pfingstmontag in Lüchow im Stones-Fan-Museum angekommen.

Ulli zeigt ihm erstmal das Museum, und immer wieder ruft Albert Lee aus: „Can’t believe it! Can’t believe it!“. Unglaublich findet er, was Ulli so alles seit seiner Jugend zusammengetragen und in seinem Museum ausgestellt hat. Albert ist ja ein Altersgenosse der Stones und wird bei der Führung mit den Bildern, die er seit seiner Jugend kennt, konfrontiert.

Ulli führt ihn dann auch noch kurz durch Lüchow, bevor sie im chinesischen Restaurant an der Ecke Theodor-Körner-Straße etwas essen.

Albert Lee ist 1943 in England geboren, wohnt aber schon seit vielen Jahrzehnten in Los Angeles. In Lüchow bewundert er die hübschen Fachwerkhäuser und bestaunt die Sauberkeit der Straßen, was er aus L.A. wohl nicht so gewohnt ist.

Begleitet wird Albert Lee bei seinem Auftritt von drei jungen Musikern aus England: Ollie Sears ist 26 Jahre alt und bedient das Schlagzeug, Ben Golding an der Bassgitarre ist 27 und Ross Spurdle ist mit 30 der Älteste in der Electric Band von Albert Lee und sitzt am Keyboard. Alle drei unterstützen Albert auch mit Gesang.

Vor dem Auftritt schläft Albert Lee erst einmal eine Runde im Hotel Katerberg. Nach dem Auftritt wird es dann weiter nach Göttingen gehen, wo sie am Dienstagabend in einem Club auftreten werden. Danach sind sie in Koblenz, und dann geht es zurück nach England. Die Tourdaten könen hier eingesehen werden.

Wie gewohnt, begrüßt Ulli erst einmal herzlich die 150 Gäste. Dann kündigt er nach dem begeisternden Auftritt der „Stonez“ aus Wien am Ostersonnabend gleich an, dass am kommenden Ostersonnabend, also 2019, wieder eine Coverband der Stones die Museumsaison eröffnen wird. Diesmal kommt die dienstälteste Coverband aus Deutschland, die schon seit 40 Jahren auf der Bühne steht, nämlich die „Sticky Fingers“.

Im Oktober wird überdies – das ist schon lange bekannt – Mungo Jerry (bürgerlich: Ray Dorset) auftreten, der um 1970 herum einige Top-Hits hatte, darunter vor allem „In the Summertime“. „In the Summertime“ ist der meistverkaufte Sommerhit, über 30 Millionen Scheiben wurden davon verkauft. (Die geplante Präsentation des neuen Touareg im Stones-Fan-Museum ist leider abgesagt worden…) Zudem sind noch einige Karten für die Teilnahme an einer Busfahrt nach Prag zum dortigen Rolling-Stones-Konzert am 4. Juli für den Preis von 199.–€ für Fahrt und Eintritt zu haben, da ein zweiter Bus gechartert wurde.

Und dann – und dann – ein lapsus linguae von Ulli: mit vor Begeisterung angehobener Stimme kündigt er den Auftritt von – Albert Hammond und seiner Band an…! Die Musiker stehen schon direkt vor der Bühne …Aber das Publikum weiß Bescheid und pfeift ihm die richtige Info zu, sodass er sich schnell verbessert und Albert Lee mit Band ankündigt. Macht nichts. Albert Hammond war ja schließlich auch schon im Stones-Fan-Museum, und bei diesen vielen Alberts kann man sich ja mal verhaspeln.

Albert Lee ist ein Profi, der sieht darüber hinweg, oder vielleicht hat er es auch gar nicht bemerkt. Gleich legen sie mit einer fetzigen Fats-Domino-Rock ‘n‘ Roll-Nummer los und reißen das Publikum, das größtenteils vor der Bühne versammelt ist, mit, sodass gleich die Hüften in Bewegung kommen: „Rock ‘n‘ Roll all night“.

DSC_5197

Albert Lee in Aktion auf der Bühne des Stones-Fan-Museums (Copyright: Wolfgang Werner)

Hier könnt ihr seine Playlist einsehen (Dank an Sue, seine Managerin):
Playlist Albert Lee

Ganz unprätentiös und schlicht in schwarzer Hose und schwarzem T-Sirt spielt und singt Albert Lee abwechselnd Rock ‘n‘ Roll, Country Rock, Rhythm and Blues und auch Country. Seine Finger gleiten blitzschnell über die Saiten der rot lackierten E-Gitarre Marke „Music Man“.

Das Publikum honoriert seine Kunst und klatscht frenetisch und mit lauten Begeisterungsausrufen. Insbesondere bei Stücken wie zum Beispiel „Run away Train“ entsteht durch seine Spieltechnik des Hybridpicking zusammen mit den anderen Instrumenten ein kraftvoller nervdurchdringender Klang.

Rockige Songs und sentimale, bluesige Songs wechseln sich ab. Die Menschen vor der Bühne hören mit ernsthaften und zugewandten Gesichtern zu und versuchen, die englischen Texte zu verstehen. Die Zuhörer gehen mit und wollen die Gefühle nachempfinden, die in den Songtexten verarbeitet sind.

Nach jedem Vortrag klatschen die Menschen begeistert und Albert bedankt sich schlicht mit einem „Thank you“ oder „Thank you very much“. Einmal sagt er auf Deutsch „Vielen Dank“. Erst nach dem Buddy-Holly-Song gibt Albert seine Zurückhaltung im Kontakt mit dem Publikum etwas auf und wird gesprächiger, erzählt mit einigen Sätzen etwas über die Entstehung der Songs.

Um zehn vor neun ist erst mal Pause, die Musiker ziehen sich von der Bühne zurück. Nach fünfundzwanzig Minuten Pause holt die Band das Publikum mit einem fetzigen Sound wieder vor die Bühne. Das zweite Lied nach der Pause ist von den Everly Brothers – „No one can make my sunshine smile“ -, mit denen Albert Lee zusammengespielt hatte. Das Publikum schmilzt mit dahin.

Bald setzt sich Albert an das zweite Keyboard und spielt darauf Klavier und singt dazu sentimentale Lyrik. Eine Harmonika vom ersten Keyboard gesellt sich dazu.

DSC_5188

Albert Lee am Keyboard (Copyright: Wolfgang Werner)

Dann kommen wieder Reminiszenzen an die Ära des Rock ‘n‘ Roll. Buddy Holly wird geehrt, und später Chuck Berry. Albert ist wieder an seiner Gitarre und zeigt sein Können, seine Virtuosität auf diesem Instrument. Nicht umsonst gilt er als einer der besten Gitarrenspieler der Welt und hat mit berühmten Musikern wie den Everly Brothers, Eric Clapton, Joe Cocker, Emmilou Harris und Bill Wyman, dem Ex-Gitarristen der Rolling Stones, und dessen Band zusammengespielt. Zweimal gewann er den international renommierten Musikpreis Grammy.

Schon vor dem Auftritt der Band ist mir eine zierliche Dame aufgefallen, die sich interessiert mit ihrem Rollator an den Ausstellungsstücken des Museums vorbeischiebt und sich alles genau ansieht. Nun spreche ich mit ihr.

Sie kommt aus Bülitz und ist 74 Jahre alt, also genauso alt wie Albert auf der Bühne. In jungen Jahren schwärmte sie zusammen mit ihrer Freundin für die Everly Brothers. Die Beatles gefielen ihr auch sehr gut, aber die Rolling Stones mochte sie nicht, weil in den Medien immer über Schlägereien im Zusammenhang mit deren Bühnenauftritten berichtet worden sei. Ihr erster Mann war auch Beatles-Fan und spielte sogar deren Songs auf seiner Gitarre nach.

Beim zweiten Mann kam die Dame dann auf den Geschmack der Rolling-Stones-Songs, denn ihr Mann war ein Fan und hörte zu Hause beständig deren Stücke. Sie fand „Angie“ oder „Let’s spend the Night together“ dann eigentlich „gar nicht mal so schlecht“. Sie war schon mehrmals zu Konzerten im Stones-Fan-Museum, und auch beim Auftritt der „Stonez“, der Coverband aus Wien, dabei.

Flott sieht sie aus mit ihrer Ballonschirmmütze und der Flower-Power-Blüte daran. Sie hat sich im Fanshop des Museums ein T-Shirt mit einer Flitter-Glitter-Stones-Zunge darauf gekauft und gleich übergezogen. „Mein Rollator ist mein Porsche“, sagt sie verschmitzt. Später im Laufe des Konzerts von Albert gehe ich an ihr vorbei und sie zeigt mir cool mit erhobenem Daumen und Augenzwinkern, dass sie begeistert ist.

Ich spreche noch mit zwei anderen Fans des Stones-Fan-Museums, einem Ehepaar aus Zernien. Sie kommen regelmäßig hierher ins Museum und sind mit Ulli und seiner Frau befreundet. Sie sind beide nicht nur Fans des Museums, sondern auch Fans der Rolling Stones, und zwar seit ihrer Jugend, seit 1963, sagt der Mann.

Auch damals haben sie schon Konzerte der Stones in Deutschland besucht. Das Geld für die Eintrittskarten war für sie als Schüler zu hoch, aber der Opa hat dann mal was dazugegeben. Der Mann erzählt, dass er noch „die letzten Jahre im Star-Club Hamburg“ miterlebt habe.

Einmal wären im Jahr 1966 die Everly Brothers dort aufgetreten, aber er habe das Eintrittsgeld in Höhe von 8.—D-Mark damals nicht gehabt und habe sich das Konzert daher draußen vor der Tür des Star-Clubs zusammen mit vielen anderen angehört. Im letzten Jahr war er beim Auftritt der Stones in München dabei und hatte einen Sitzplatz. „Solange stehen wie Mick Jagger auf der Bühne kann ich nicht mehr!“ lacht er.

Im Publikum steht auch Roland Muri, der Maler aus der Schweiz, der für Ulli Schröder und sein Musik sieben großformatige Bilder der Stones, die jetzige Formation, aber auch Brian Jones, Bill Wyman und Mick Taylor, gemalt hat.

Die jungen Musiker neben Albert Lee sind begeistert davon, wie die Band vom Publikum aufgenommen wird. Immer wieder gleitet ein Lächeln oder auch ein Lachen über ihre Gesichtszüge.

DSC_5147

Albert Lee und zwei der jungen Begleitmusiker der Band Im Hintergrund: Ollie Sears (Drums) rechts: Ben Golding (Bass Guitar) (Copyright: Wolfgang Werner)

Um kurz vor 22:00 Uhr wird das letzte Stück gespielt. Ulli steht schon vor der Bühne, betritt sie schließlich und bedankt sich bei der Band und bei Albert Lee insbesondere, dass er bereit war, zu so einem Auftritt nach Lüchow zu kommen. Wie üblich im Stones-Fan-Museum, verbeugen sich alle zusammen mit Ulli vor dem Publikum.

DSC_5239

Die obligate Verbeugung vor dem Publikum am Konzertende (Copyright: Wolfgang Werner)

Aber das Publikum lässt die Band noch nicht gehen. „Zugabe!Zugabe!“-Rufe veranlassen die Band und Albert Lee zur Freude der Zuhörer zu weiteren zwanzig Minuten Spielzeit.

Dann kommt Albert Lee mit einem Glas Rotwein in der Hand an den Tisch, an dem auch seine Managerin mit CDs und DVDs sitzt, und gibt Autogramme, und auch ich bekomme eins auf dem Ankündigungsposter des Konzerts. Auch die jungen Musiker bitte ich um ein Autogramm, und sie freuen sich, dass sie ihre Namen neben dem des berühmten Albert Lee schreiben dürfen.

Ein Zuhörer stellt sich mit einer Gitarre, die genauso aussieht wie die, die Albert Lee auf der Bühne bespielt hat, in die Warteschlange der Autogrammjäger. Es ist seine eigene Gitarre Marke „Music Man“, die er nun von Albert signieren lassen möchte.

Aber auch Ulli hat eine – gelbe – Gitarre dabei, die Albert Lee signiert.

DSC_5247

Albert Lee signiert eine Gitarre von Ulli, die im Art Rock Café hängen soll. (Copyright: Wolfgang Werner)

Die Gitarre wird im Art Rock Café in der Lange Straße, quasi gleich um die Ecke vom Museum, hängen. Das Café ist in der gleichen Farbe wie das Museum gestrichen – dunkelrot mit schwarzen Strichen -, um die Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, und enthält schon viele „Devotionalien“ berühmter Stars.

Zum Schluss noch mal ein Abschiedsfoto von Ulli und Albert Lee and His Electric Band:

DSC_5264

Von links nach rechts: Ben Golding, Ross Spurdle, Ollie Sears, Albert Lee, Ulli Schröder (Copyright: Wolfgang Werner)

Jetzt sind wir gespannt auf den Auftritt von „Mungo Jerry“ am 27.10.2018, der ausdrücklich den Wunsch geäußert hat, man möge doch in Flower-Power-Kleidung zu seinem Konzert kommen, in Blümchenhemden, Schlaghosen, Fellwesten, Schlapphüten, Batik-T-Shirts und dergleichen.

Heute am 22. Mai hat das Museum übrigens sein siebenjähriges Jubiläum – es wurde am 22. Mai 2011 eröffnet! Herzlichen Glückwunsch!

 

Heute ist der erste Weltbienentag!

Die UN hat Ende letzten Jahres den 20. Mai 2018 als ersten Weltbienentag bestimmt, der in der Folge jährlich als Informationstag auf die Bestäubungsleistung der Bienen und besonders der Wildbienen und auf deren Gefährdung aufmerksam machen soll.

Viele Veranstaltungen und Maßnahmen untestreichen die Bedeutung dieses neuen Umweltschutztages.

So hat z.B. der Discounter PENNY in Langenhagen alle Produkte, die irgendwie mit der Bestäubungsleistung von Bienen zusammenhängen, aus den Regalen geräumt, vom Apfel bis zu Baumwollsocken, in der Absicht, Kunden für die Leistung von Bienen zu sensibilisieren und vor Augen zu führen, was fehlen würde, gäbe es die Bienen nicht.

Die UN folgte einem Antrag slowenischer Imker.

Autokennzeichen im Wendland

11.Mai 2018
Das Wendland ist nahezu identisch mit dem Landkreis Lüchow-Dannenberg.  Lüchow ist der Status als Sitz der Landkreisverwaltung zugesprochen worden, während die Stadt Dannenberg das Autokennzeichen des Landkreises stellt: DAN.

Viele Autofahrer legen Wert darauf, gleich anhand ihres Autokennzeichens identifiziert zu werden und wählen daher ihr Kennzeichen sorgfältig aus. Dafür bezahlen sie freiwillig eine nicht unbeträchtliche Gebühr. Gerne nimmt man die Anfangsbuchstaben von Vor- und Nachnamen und das Geburtsdatum als Zahlenbestandteil.

Andere wiederum haben Spaß daran, mit den individuellen Buchstaben nach dem Kennzeichen für die Stadt oder den Landkreis ein Wort zu bilden.

Das fällt in solchen Städten oder Kreisen schwer, wo das Kennzeichen nur aus Konsonanten besteht, zum Beispiel „HB“ oder „WL“ oder „WMS“.

Aber viele Städte oder Kreise haben zwischen Konsonanten auch Vokale, sodass sich eine Silbe ergibt, die im Glücksfall mit einer weiteren Silbe zu einem sinnvollen Wort wird.

So lieben die Oldenburger es, den Namen „Olga“ zu bilden, indem sie sich für die persönlichen Buchstabenfolgen G und A entscheiden: OL-GA. Oder OL-I.

Auch die Wendländer spielen mit dem Autokennzeichen: sehr beliebt, sozusagen auf Rang eins, steht die Kombination des Kreiszeichens DAN mit KE: DAN-KE. DAN plus K geht auch noch gut: DAN-K.

An nächster Stelle in der Beliebtheitsskala steht CE: DAN-CE > tanzen auf Englisch… Gerne aber auch die französische Version: DAN-SE. Ein DAN-DY zu sein, ist auch sehr begehrt.

Die Vornamen DAN-Y und DAN-A sieht man auch oft, und vielleicht heißen die Besitzer ja tatsächlich so.

Literarisch Gebildete wählen gern den italienischen Renaissance-Autoren DAN-TE, noch Gebildetere, die in der griechischen Mythologie bewandert sind, sogar DAN-AE, der Name der Tochter von Akrisios und Aganippe – weiß doch jeder…! 😉

Schlichtere Gemüter beschränken sich auf die Bildung der Wörter DAN-N oder DAN-Z, immerhin reimt sich dies auf „Tanz“.

Leute mit internationalem Weitblick wählen auch gern die Kombination DAN-AM, denn das reimt sich auf die amerikanische Fluglinie PAN-AM.

Da viele Landkreisbewohner Wert darauf legen, am Widerstand gegen das geplante Atommüll-Endlager in Gorleben beteiligt zu sein, kommt – bestimmt im bundesdeutschen Vergleich übermäßig – häufig der Buchstabe „X“ vor, gerne auch kombiniert mit anderen Buchstaben, zum Beispiel DAN-EX – oder als Doppel-X: DAN-XX – oder auch mit S: DAN-SX.

Bei der Recherche habe ich bei Google „Kfz-Nummern“ eingegeben und bin auf diese Seite gekommen. Hier wird leider nicht so nett unter „Lustige und witzige Bedeutungen zum KFZ-Kennzeichen DAN“ erklärt, was manche Leute unter DAN verstehen:

DAN > Die armen Nachbarn
DAN > Dümmster Autofahrer Niedersachsens

Gebt doch selbst einmal nettere Erklärungen ein! Vielleicht „Denkt an Naturschutz“ oder „Die Alternative (für) Niedersachsen“?